T.E.D. Klein: The Ceremonies

Ich habe vor langer Zeit T.E.D. Kleins Kurzgeschichtensammlung „Dunkle Götter“ (1985) gelesen, und besonders hat mich die Story „Nadelmans Gott“ fasziniert. Dass der Piper Verlag nun „The Ceremonies“, Kleins Horror-Roman von 1984, neu aufgelegt hat, freut mich daher sehr!

Der Hintergrund der Story mit viel Lovecraft`scher Mystik sind Aberglaube und religiöser Fanatismus. Die Handlung ist in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt, das heißt die Handlung wird nicht von Handys, SMS und E-Mails voran gepusht. Das Erzähltempo ist langsam und zieht gerade dadurch in den Bann.

Worum geht es? Seit ewigen Zeiten schlummert eine uralte Macht in den Wäldern, unweit von New York, nahe dem Ort Gilead, der von einer religiösen Gemeinschaft errichtet und bewohnt wird. Ein Diener dieser alten Macht ist Aloysius Rosebottom, verniedlichend „Rosie“ gerufen. Angeblich ist er ein harmloser alter Mann mit Interesse an alten Riten und Volkstänzen, in Wirklichkeit plant er seit sehr, sehr langer Zeit die Auferstehung seines Gottes. Weiterlesen

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Ragnar Jonasson – Blindes Eis: Dark-Iceland-Serie 03

So stellt man sich Island wahrscheinlich meistens vor: dunkel, mystisch, erschreckend, wild. Und so stellt es Ragnar Jonasson in seinen Büchern auch dar, er ist geradezu Meister darin, eine Atmosphäre voller Bedrohung und Gefahr zu schaffen.

Das gilt für diesen neuen Roman in gleichem Maß wie auch für die früheren, die wahrhaftige Thriller waren, wenn auch mit manchem Abstrich. Und den muss ich ebenso bei dem vorliegenden Buch machen.

Mittelpunkt der Handlung ist – oder soll sein – ein sogenannter Cold Case. Der Polizist Ari wird eines Tages gebeten, in einem Fall aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Nachforschungen anzustellen. Damals starb eine Frau unter mysteriösen Umständen in einem einsamen, völlig abgelegenen Bauernhof, der von ihr, ihrem Mann sowie ihrer Schwester und deren Mann bewohnt wurde. Der Sohn der Schwester der Toten, der damals noch ein Säugling war, möchte mehr herausfinden. Ari ist einer von zwei Beamten in der kleinen Stadt, die für diesen Bauernhof, der schon lange nicht mehr existiert, zuständig ist. Erschwert werden seine Ermittlungen, die er mehr aus Langeweile als auch Interesse aufnimmt, durch ein in der Gegend grassierendes Virus (vermutet wird Ebola oder ähnliches), weswegen die gesamte Region unter Quarantäne gestellt wird. Weiterlesen

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Tyler Whitesides: Die Tausend Leben des Ardor Benn: Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 01

Nicht weniger als eine Million Aschlinge wird mir für einen einzigen Coup versprochen!

Gestatten, dass ich mich vorstelle, Ardor Benn der Name, selbst ernannter Meister von List und Tücke, die Regulation nennt mich despektierlich einen Dieb – Frechheit, so etwas!

In meiner Heimat Beripent bin ich ob meiner Coups bekannt und geachtet – ja gut, nicht von allen, insbesondere die Gesetzeshüter und die Opfer meiner Beutezüge sind nicht ganz so gut auf mich zu sprechen. Dennoch, ich habe einen schwer erarbeiteten Ruf, das muss mir erst einmal jemand nachmachen! Eben jener Ruf führt dazu, dass ich dieses unschlagbares Angebot bekomme – nicht nur das Salair ist exorbitant, das Risiko und die Herausforderung sind auch nicht zu verachten.

Ich soll, natürlich begleitet und mit Hilfe zweier Helfer, dem besten Malmmischer des Reiches und der versiertesten Diebin der Stadt, dem König seine zwei Herrscherinsignien entwenden. Sobald das geschafft ist, geht es nach Pekal wo die beschafften Insignien den Drachen zum Fressen, Verdauen und Verbrennen untergeschoben werden. Aus den Überbleibseln wird dann der legendäre Paladinmalm gewonnen, der die märchenhaften Krieger von jenseits des Meeres beschwören kann.

Soweit der Auftrag und die Theorie. Doch, wir alle wissen, dass alle Theorie zumeist grau, die Praxis dagegen der goldene Baum ist. Man kann auch sagen, alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird, die Aufgabe damit natürlich nur noch ein klitzekleines Bisschen interessanter und herausfordernder … Weiterlesen

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Mary Gaitskill: Veronica

Dieser außergewöhnlich intensive Roman spielt hauptsächlich in Paris und Manhattan, in den verzweifelt glitzernden 1980er Jahren und besticht durch die zeitlose Tiefe und moralische Kraft eines Märchens. Auf jeder Seite dieses metaphorischen Werkes schimmert seine hypnotische Gefühlstiefe und Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen hindurch. Eine stilistische Studie voller Abstraktionen über Freundschaft, Liebe, Schmerz, Krankheit und Ablehnung.

Lang nicht war ich von einem Schreibstil so angetan wie hier – einzigartig wortgewandt, mit unglaublich vielen intelligenten Metaphern und einer bittersüßen Ironie; – geschaffen mit einem sprachlich beeindruckenden Potpourri. Bis zur letzten Seite überrascht uns die Autorin mit ihrer Sprache, die das Buch, zumindest in dieser Hinsicht, zu einem Meisterwerk macht.

Gleichzeitig macht es genau das auch anstrengend, zu lesen. Kurz vor der Hälfte, begann es mich, zu erschöpfen, denn Gaitskills Erzählung steht der Geschichte im Weg. Gibt es eine Geschichte, einen roten Faden? Ich bin mir nicht sicher. Weiterlesen

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T. L. Huchu: Das Hospital von Edinburgh: Edinburgh Nights 02

Willkommen zurück in Edinburgh, der Heimat der 15-jährigen Ropa. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester und der schwer kranken Großmutter lebt sie in einem Wohnwagen in einem der vielen Slums der Stadt. Vielen Anderen um sie herum geht es weit schlimmer als ihr. Immerhin konnte sie bislang ihre Familie über Wasser halten, brachte sie Essen auf den Tisch und konnte die Miete berappen. Sie hatte nämlich einen Job – sie sprach mit den noch nicht weitergereisten Toten und überbrachte, für klingende Münze versteht sich, deren Botschaften. Sie haben die Vergangenheitsform bemerkt? Hatte, wie war einmal?

Dann lernte sie nämlich die magische Gemeinschaft und deren Bibliothek kennen, löste einen Fall um von Magiern entführte und grausam getötete Kinder und bekam einen Bibliotheksausweis – ein menschliches Ohr. In all der Aufregung konnte sie ihrer bisherigen Tätigkeit nicht mehr nachgehen – und die Toten sind nachtragend, sage ich ihnen. Aber auch sowas von beleidigt!

Deswegen steht jetzt der nächste Schritt an – sie hat ein Vorstellungsgespräch. Sie muss schauen, dass sie Geld in die Kasse bekommt. Weiterlesen

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Mechtild Borrmann: Feldpost

Wie ihre anderen Bücher, die ich immer gerne gelesen habe, so ist auch dieser ein historischer Roman, für den Mechtild Borrmann diesmal in Tagebuch-Archiven recherchiert hat. Was sie dort fand und las, inspirierte sie zu diesem eindringlichen Roman.

Auf zwei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven erzählt sie die Geschichte zweier miteinander schicksalhaft verbundener Familien. Zu Beginn begegnen wir am Ende des Jahres 2000 der Anwältin Cara Russo, die in einem Café sitzt und einer fremden Frau erlaubt, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Doch plötzlich verschwindet die Frau, nachdem sie kryptische Bemerkungen über das Verschwinden einer Adele gemacht hatte. Zurück lässt sie eine Aktentasche.

Statt diese Tasche über ein Fundbüro oder ähnliches der Frau zurückzuerstatten, beginnt Cara zu recherchieren. Dies wäre auch einer der wenigen Kritikpunkte, die ich an dem Roman habe, dass ich genau dies nämlich ziemlich unrealistisch finde. Aber sei es drum.

Cara folgt den Spuren der Liebesbriefe, die sich in der Aktentasche befanden und die aus den vierziger Jahren, aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen. Sie führen die Anwältin zu einem Richard Martens, der offensichtlich der Absender der gefundenen Briefe war. Weiterlesen

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Juno Dawson: Das begabte Kind: Der Hexenzirkel Ihrer Majestät 01

Mit dem Band „Das begabte Kind“ startet die britische Autorin Juno Dawson eine neue Urban-Fantasy-Trilogie: „Der Hexenzirkel ihrer Majestät“. Vier Hexen, die sich schon aus Kindertagen kennen, rücken wieder enger zusammen, weil eine dunkle Bedrohung prophezeit wird, die alle Hexen auslöschen könnte. Ein Jugendlicher mit außergewöhnlichen magischen Fähigkeiten spielt dabei eine Rolle.

Das Reizvolle am Genre „Urban Fantasy“ ist, dass hier das Element des Übersinnlichen in den ganz normalen Alltag der Figuren kracht. Die haben mit untreuen Ehemännern und Katern nach Besäufnissen genauso zu tun wie mit widersprüchlichen Gefühlen für den Gemüselieferanten oder pubertierenden Töchtern.

Außerdem können sie natürlich Gedanken lesen sowie das Wetter beeinflussen und beherrschen auch sonst allerlei magische Tricks. Viel zu tun haben sie damit, dass die Menschen um sie herum („die Profanen“) keinen Wind davon bekommen. Weiterlesen

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Jovana Reisinger: Enjoy Schatz

Jovana Reisinger, Jahrgang ’89, ist Autorin, Filmemacherin und bildende Künstlerin. Ihr künstlerisches Gespür nehme ich in ihrem Essayband „Enjoy Schatz“ sehr deutlich wahr. Eine wahrhaftige Perle abseits der Mainstream-Lektüre!

Autobiographischer Pakt? Autofiktion?

„Werden weibliche Schreibende nicht sowieso mit ihren Figuren verwechselt? Warum sich also die Mühe machen und eine Protagonistin erschaffen, die möglichst weit weg von der Verfasserin ist?“ (Zitat Klappentext)

Perlenlektüre … Lektüre-Perle? It’s so damngood, it’sJovanaesk!

Mich hat es überrascht, wie klug der Text geschrieben ist. Dabei ist alles dennoch so locker, juicy&cute.

Hier geht es nicht nur um die Lust am Begehren, ums Rumkriegen und Rumgekriegtwerden. Weiterlesen

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Matthew Reilly: Die vier mystischen Königreiche

Eigentlich – Sie wissen schon, was jetzt in aller Regel auf so eine Einleitung folgt? Nun eigentlich heißt es, dass es für den Protagonisten des betreffenden Buches nicht wirklich gut läuft. Eigentlich bedeutet das, dass dieser, in vorliegendem Fall Jack West, ganz tief drin sitzt, in den Verdauungsprodukten.

Da hat er doch in den ersten drei Romanen die Welt gerettet, hat die Bestandteile einer uralten Maschine gesucht, gefunden und zusammengesetzt und sich als der legendäre, verheißene fünfte Krieger erwiesen. Damit nicht genug, hat er sein persönliches Glück gemacht, seinen Vater, einen Wolf, eine Bestie in Menschengestalt, umgebracht und erwähnte ich es schon, die Welt und all ihre Bewohner gerettet.

Genug getan also, Zeit sich im Australischen Outback auf seiner Farm gemütlich zurückzulehnen.

Doch, natürlich kommt es ganz anders. Zusammen mit seinem Pflegesohn und seiner Tochter wird er auf einem US-Stützpunkt gefangen genommen und entführt. Seine Abenteuer haben ihn in das Visier der uralten Familien gerückt, die, aufgeteilt in vier Königreiche, im Geheimen über die Welt, die Menschen und deren Schicksal bestimmen. Weiterlesen

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Anne Stern: Fräulein Gold: Die Rote Insel: Die Hebamme von Berlin 05

1926 ist für Hulda Gold ein Jahr des Umbruchs: Sie muss kündigen, damit ihre Vermieterin nicht Gefahr läuft, wegen Kuppelei angezeigt und bestraft zu werden, und sie muss ihre Stelle als leitende Hebamme im Krankenhaus kündigen. Hulda befindet sich in einer Situation, vor der sie am meisten Angst hatte. Sie ist ein gefallenes Mädchen, eine schwangere, ledige Frau, die für ihren sichtbaren Zustand bestraft wird.

Zum Glück ist sie mit der kommunistischen Ärztin Grete befreundet, die illegal Schwangeren aus ihrer Not hilft. Auch Hulda brauchte in früheren Jahren ihre Hilfe. Doch heute will sie ihr Kind behalten. Aus diesem Grund vermittelt Grete Hulda in der Nähe ihrer Praxis ein kleines, verschimmeltes Kellerzimmer, in dem sie wohnen darf und beschäftigt sie als Arzthelferin. Irgendwann im Juni wird ihr Baby zur Welt kommen. Was danach aus Hulda und ihrem Kind werden soll, steht in den Sternen.
Auf der schäbigen Seite von Berlin Schöneberg, der roten Insel, leben traditionell die Armen eng aufeinander in heruntergekommenen Häusern und glauben wie Grete an eine bessere Zukunft durch den Kommunismus. Immer mehr lässt sich Grete in politische Kämpfe gegen die Nazis hineinziehen. Diese eskalieren, als ein Freund von ihr erschlagen wird. Automatisch wird nun auch Hulda eine Beteiligte, ob sie will oder nicht. Weiterlesen

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