Jean-Christophe Grangé: Die marmornen Träume

Der Meister des französischen Thrillers Jean-Christophe Grangé ist mit meinem Paukenschlag zurück. Sein neuestes Werk „Die marmornen Träume“ spielt in einem Setting, das bestenfalls als düster bezeichnet werden kann. Und zwar in Berlin, im September 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Neben dem eigentlichen mörderischen Plot entwickelt sich eine Atmosphäre des Bösen, in der unvorstellbare Gräuel zur gesellschaftskonformen Normalität geworden sind. Der Autor führt uns den ganz alltäglichen Horror vor Augen, eine Welt des Machtmissbrauchs, der blinden Hörigkeit, der sinnlosen Gewalt. Dabei zeichnet er drei komplexe Hauptcharaktere, die mit den Widersprüchlichkeiten der Ära zurechtkommen müssen und bei denen die Grenzen zwischen Gut und Böse luzide werden. Ein brutaler SS-Mann, ein ebenso zwielichtiger wie verführerischer Traumforscher und die alkoholabhängige, adelige Leiterin einer psychiatrischen Anstalt bilden ein ungewöhnliches Trio.

Ihre Wege kreuzen sich durch die Morde an den „Adlon-Damen“. Die blonden, arischen Frauen der besseren Gesellschaft, verheiratet mit NS-Größen und regimetreuen Großindustriellen, verbringen in dem Berliner Nobelhotel ihre Nachmittage in gelangweiltem Luxus. Doch nacheinander werden sie auf bestialische Weise getötet. Treibt ein irrer Serienmörder im straff durchorganisierten Nazireich sein Unwesen? Ein Ding der Unmöglichkeit! Noch dazu, weil die Taten politisch motiviert sein könnten. Deshalb müssen die Ermittlungen unter strengster Geheimhaltung stattfinden.

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Katarzyna Bajerowicz: Viel los bei den Bienen: Mein Sach-Wimmelbuch

Wimmelbücher kann man nie genug haben. Reiche Bebilderungen regen den kindlichen Gedankenfluss und die Kreativität an. Häufig eröffnet sich beim wiederholten Betrachten etwas, was man zuvor noch nicht entdeckt hatte oder man freut sich, bereits Bekanntes aufs Neue zu finden.

Ganz besonders informativ sind Sach-Wimmelbücher. „Viel los bei den Bienen“ von Katarzyna Bajerowicz öffnet den Betrachtern den Blick auf die Natur, den Frühling mit den ersten Blüten und den Bienen, die sie besuchen. Die bunte Illustration zeigt anschaulich auf, welchen Aufgaben die Bienen nachgehen und warum sie für uns so wichtig sind.

So gibt es beispielsweise blühende Obstbäume zu entdecken, die von den Bienen umschwirrt werden. Mit weiteren detaillierten Darstellungen und Erläuterungen über den Aufbau einer einzelnen Blüte ist zu erfahren, wie das Obst eigentlich entsteht.

Weiter gibt es eine Bienenwabe mit der Königin und ihren Bienen und Larven zu entdecken und natürlich auch, wie die Bienen ihren Artgenossen mitteilen, wo Blumen mit Pollen und Nektar zu finden sind.

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Jonas T. Bengtsson: Auf Bewährung

Die drei Freunde Danny, Malik und Christian haben ihre Kindheit und Jugend im gefährlichsten Viertel Kopenhagens überlebt. Inzwischen wohnt Danny im Gefängnistrakt für Schwerverbrecher, Malik studiert Zahnmedizin, und Christian ist Polizist in der Abteilung Drogen.

Ohne genau zu wissen warum, wird Danny vorzeitig entlassen und versucht die neue Freiheit auf Bewährung zu genießen, die für ihn wider Erwarten mehr Stress und Verunsicherung bedeutet. Danny kennt sich in seinem Kopenhagen nicht mehr aus. Alles ist anders. Auch die organisierten Verbrecherclans haben sich während seiner Inhaftierung verändert. Aus den ruppigen, gewaltbereiten Gruppierungen sind Franchise-Unternehmen geworden. Hinter einem undurchsichtigen Geflecht aus Verbindungen und Feindschaften findet heute das große Geschäft mit Verbrechen in allen Nuancen statt. Was Danny am meisten irritiert, ist Maliks Verschwinden. Der Klügste und Ehrlichste aus ihrem Dreiergespann scheint Schwierigkeiten zu haben. Und Danny, der Schlimmste und Brutalste von ihnen, will Malik wie früher helfen. Koste es, was es wolle. Die Mauer des Schweigens und seine Bewährungsauflagen stehen ihm dabei im Weg.

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Kristen Perrin: Magische Tinte: Die Geschichtenwandler 01

Als die zwölfjährige Enna in „Magische Tinte“ von Kristen Perrin im Buchladen ihrer Mutter beobachtet, wie ein Fremder mit seltsam antiquiertem Hut die seltene Erstausgabe von Große Erwartungen aus der Vitrine nimmt, ist sie empört. Als er dann auch beginnt, mit grüner Glitzertinte hineinzuschreiben, traut sie ihren Augen nicht. Wer ist dieser Fremde, der das teuerste Buch des Ladens verschandelt? Ohne groß darüber nachzudenken, folgt sie ihm auf einer Verfolgungsjagd durch halb London. Dabei stößt sie auf ein unglaubliches Geheimnis: Emerald Ink Society, die mit ihrer grünen Tinte Bücher umschreiben und damit Auswirkungen auf die echte Welt haben können.

Schrecklich, findet Enna. Denn bei den plötzlich roten Taxis hört es ja nicht auf! Nach und nach wird London mit jedem Eingriff in ein Buch ein Stückchen schlechter und trostloser. Der Badeplatz im Hyde Park verschwindet, ebenso wie sämtliche Süßigkeiten und eigentlich alles, was Spaß macht. Enna ist entschlossen: Sie muss diese Verschwörung aufhalten. Dass gerade magische Prüfungen abgehalten werden, um neue Mitglieder in den Kreis der Ink aufzunehmen, fällt ihr da natürlich in die Hände und sie schmuggelt sich in den Wettbewerb, um mehr über diese mysteriöse wie gefährliche Geheimgesellschaft herauszufinden.

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Abla Alaoui: Bissle Spätzle Habibi

Um es gleich mal vorwegzusagen: würde man diesen knapp 500-Seiten-Roman, „Bissle Spätzle Habibi“ von Abla Alaoui, um 250 Seiten kürzen, er würde nichts einbüßen, dafür aber umso mehr gewinnen. Auch, weil die von Cover und Titel geweckten Erwartungen, einen heiteren, ja komischen Roman um einen Culture Clash zu bekommen, nicht wirklich erfüllt werden.

Amaya ist die mit 30 immer noch unverheiratete Tochter einer in Deutschland lebenden marokkanischen Familie. Ihre Geschwister sind inzwischen verheiratet oder zumindest verlobt, nur bei ihr sieht es in dieser Hinsicht, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, zappenduster aus. Nun soll eine Dating-App helfen, und zwar diejenige für Muslime namens Minder.

Doch deren bedarf es nicht, denn Amaya lernt einen netten Mann kennen, leider weder Marokkaner noch Muslim, sondern ein waschechter Schwabe. Um ihre Eltern nicht zu enttäuschen, präsentiert Amaya jedoch dessen Freund Ismael als den künftigen möglichen Schwiegersohn.

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Ali Kacar: Dunkler Segen: Herrscher der Dämonen

Der dunkle Paladin wurde besiegt – doch zu welchem Preis! Der Kampfpriester Finn ist ebenso tot, wie die beiden unsterblichen Wesenheiten, die die Welt an den Rand des Untergangs gebracht haben. Die Diebin Khalea und die Söldnerin Talisa sind dank ihrer Heldentaten am Königshof zu Jars aufgestiegen und werden überall im Reich verehrt. Das hindert sie aber natürlich nicht, jetzt im Auftrag des Königs, ihren Geschäften nachzugehen – die Ausgangslage in „Dunkler Segen: Herrscher der Dämonen“ von Ali Kacar.

Wenn es gilt, einen verräterischen Untertan dingfest zu machen, eine unbezwingbare Burg an der Küste einzunehmen oder der neuesten, verheerenden Droge, die die Hauptstadt heimsucht, nachzuspüren, sind ihre Dienste mehr als gefragt. Als der König ermordet wird und der Krieg gegen die Wüstenstadt Wranis Kräfte bindet, nimmt das Geschehen eine dramatische Wendung.

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Christine Dwyer Hickey: Schmales Land

Der Maler Edward Hopper und seine Frau Josephine verbringen die Sommer in ihrem Haus auf Cape Cod direkt am Meer. Dort werden sie von allen Mr und Mrs Aitch genannt und leben zurückgezogen auf dem schmalen Ausläufer der Halbinsel, etwa 400 Meilen nördlich von New York. Während die vermögenden Sommergäste ihre Zeit am Strand verbringen oder sich auf Festen amüsieren, sucht Hopper nach Motiven und dem richtigen Licht. Schon seit Monaten kommt er nicht voran, und Josephine beäugt ihn so kritisch, dass ihre Ehe immer mehr in eine ernste Krise rutscht. Zur gleichen Zeit lernen sie den deutschen Waisenjungen Michael kennen, den ein amerikanisches Paar adoptiert hat. Michael darf als Gast der Familie Kaplan den Sommer am Meer erleben, die in der Nähe von Hoppers Sommerhaus ihr Feriendomizil genießen.

Auch bei der Familie Kaplan kriselt es. Denn die alte Frau Kaplan trauert um ihren gefallenen Sohn und wird bald von ihrer todkranken Tochter Katherine nehmen müssen. Gleichzeitig häufen sich zwischen ihrem Enkel Richie und seiner Mutter Olivia Meinungsverschiedenheiten, unter anderem weil diese wieder einen neuen Ehemann sucht, während Richie seinen toten Vater vermisst.

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Simon R. Green: Die dunkle Seite der Straße

Ich bin der Mann, den man ruft, wenn es gilt, die bösen Menschen dieser Welt auszuschalten – dauerhaft. Seit Jahrzehnten erledige ich den Job, erst für Black Heir, eine höchst geheime Regierungsorganisation, die die Aliens im Königreich im Auge behält und maßregelt, später für den Colonel, der mich rekrutiert hat.

Für mich als Alien im nicht alternden Körper eines Menschen ist der Colonel die einzige Familie, die ich habe, die ich je hatte. Und wenn er ruft, dann komme ich. Auch wenn dies heißt, an Weihnachten durch die Mutter aller Schneestürme nach Cornwall zu fahren, zum Anwesen der Familie meines Auftraggebers.

In der großen Halle des Herrenhauses treffe ich auf die Verwandtschaft meines Bosses. Sein alter, aber noch rüstiger Vater, dessen zwei so ungleichen Frauen, sein Geschäftspartner, den Ex-Verlobten der Tochter und diese selbst – nur mein Colonel ist nicht auffindbar.

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Joy Williams: Stories

Joy Williams (Jahrgang 1944) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die in ihrer Heimat sehr wohl bekannt und mit vielen Preisen ausgezeichnet worden ist. In Deutschland kennt man sie noch nicht so gut. Das wird sich hoffentlich nun ändern. Am 16. März 2023 ist die deutsche Erstausgabe ihrer Short-Stories aus dem Jahre 2015 bei dtv erschienen. Das Buch mit dem Titel „Stories“ wurde von Brigitte Jakobeit und Melanie Walz aus dem Englischen übersetzt.

Darin finden sich dreizehn Kurzgeschichten, in denen Joy Williams düstere Episoden von Menschen erzählt, die eher nicht auf der „sunny side“ des Lebens stehen.

Da ist der Prediger Jones in der Geschichte „Liebe“, dessen Frau schwer erkrankt ist und dessen Tochter sich auf eine Selbsterfahrungsreise begibt. Sie überlässt ihm ihr Baby und den Hund. 

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Annie Ernaux: Der junge Mann

Annie Ernaux ist bereits mehr als fünfzig Jahre alt und eine angesehene Autorin, als sie Mitte der 90er Jahre eine Beziehung zu einem deutlich jüngeren Mann eingeht. In der Erzählung „Der junge Mann“ beschreibt sie knapp und, wie ich finde, emotionslos die Zeit mit A. und was diese Liaison für sie bedeutete.

Von dem titelgebenden Geliebten erfahre ich außer dem Anfangsbuchstaben des Vornamens wenig. Was Annie Ernaux über ihn schreibt – er ist mittellos, er hat schlechte Manieren, welche Gesten ihr an ihm auffallen – das steht immer im Kontext von Erinnerung an ihre eigene Jugend und Herkunft und sie beschreibt damit eine jüngere Ausgabe ihrer selbst. A. ist ein Abbild der Verhältnisse, denen sie entronnen ist. Von seiner kalten und kargen Wohnung in Rouen, wo sie selbst einst studierte, kann man auf das ehemalige Krankenhaus blicken, in dem sie als junge Studentin nach einer misslungenen Abtreibung eingeliefert wurde. In der Wiederholung kann sie gelassen auf Ereignisse blicken, die sie einst mit Scham erfüllten und die ihr nun verdeutlichen, wie sehr sich ihre Welt gewandelt hat.

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