Anne Stern: Fräulein Gold: Die Stunde der Frauen

Im vierten Band mit Fräulein Gold hat die Stunde der Frauen geschlagen, so dass für die Aufdeckung von Verbrechen wenig Raum bleibt. Hulda hat inzwischen eine steile Karriere zurückgelegt: Aus der freischaffenden Hebamme ist die leitende Hebamme einer angesehenen Frauenklinik in Berlin-Mitte geworden. Endlich hat sie die Macht, einzelnen Gebärenden ein angenehmes Umfeld zu schaffen. Auch ihre Erfolge bei schwierigen Geburten erstaunt so manchen Arzt.

Privat geht es ebenfalls aufwärts: Der junge Arzt Johann will sie nach einem Jahr intensiver Werbung endlich heiraten. Im Vergleich zu Hulda sieht er keine Hindernisse, denn seine vermögenden Eltern haben ihm bisher jeden Weg geebnet. An seiner Seite lernt Hulda die Licht- und Schattenseiten der höheren Gesellschaft kennen. Ihre Neugier und Zweifel finden neue Nahrung.

Der Name Anne Stern steht für kurzweilige Unterhaltungsromane, in denen die Autorin die großen Themen Gleichberechtigung und Frauengesundheit vor einem historischen Hintergrund bearbeitet. 1925 geht es in Berlin für viele wirtschaftlich ein wenig aufwärts. Es herrscht in den Arbeiterkreisen aber trotzdem tiefe Armut. Weiterlesen

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Kim Rabe: Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau

„Berlin. Vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen die Nächte in Friedrichshainer Clubs durch, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln.“ (Auszug Klappentext)

Der Klappentext verspricht eine atemberaubende Story, die zwischen Thriller und Urban Fantasy rangiert und dabei Gänsehaut-Feeling vom Feinsten ankündigt. Doch das erfüllt „Berlin Monster“ leider nicht ganz.

Das Setting ist perfekt ausgearbeitet und hat mir beim Lesen der 416 Seiten richtig Spaß bereitet. Auch die Idee ist grandios, verliert aber leider schnell seine Magie und Spannung. Weiterlesen

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Laura Labas: Lady of the Wicked 01: Das Herz der Hexe

Darcia Bonnet wurde aus ihrer Heimat Babylon verbannt, da sie sich gegen die Königsfamilie auflehnte und damit Hochverrat beging. Das alles tat sie für ihre Schwester, die nun tot ist. Ein Umstand, den Darcia nicht akzeptieren will. In einem brutalen wie unheimlichen Ritual arbeitet sie daran, die Herrin der Wicked zu werden, der bösesten Hexenseelen, die jemals existierten und mit deren Hilfe sie ihre Schwester von den Toten zurückholen und sich an denen rächen möchte, die sie auf dem Gewissen haben.

Auch Valens Mariquise kann nicht länger in seiner Heimatstadt Babylon leben. Anders als Darica wurde er jedoch nicht verbannt, sondern flüchtete, um dem sicheren Tod zu entgehen. Denn auf ihm lastet ein grausamer Fluch.

Ausgerechnet Darcia ist die einzige, die in der Lage sein könnte, diesen Fluch aufzuheben. Das Schicksal sorgt also dafür, dass sie sich über den Weg laufen – und von Anfang an nicht ausstehen können. Darcia hält Val für arrogant und hat eigentlich kein Interesse daran, einen komplexen Fluch zu lösen, solange sie das Ritual der Wicked vollzieht. Was keiner von beiden ahnt, ist, dass ihre Schicksale schon seit viel längerer Zeit verknüpft sind und sie beide für dieselbe Sache kämpfen. Weiterlesen

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Brandon Sanderson: Der Ruf der Sterne 01: Skyward

Der Krieg gegen die Krell tobt schon lange. Einst dachte die Menschheit, man sei alleine im Universum, breitete sich in der Galaxis aus, besiedelte Planeten, gründete Kolonien. Das ist lange her. Man traf auf die Krell, eine Rasse, die anscheinend nichts besseres zu tun weiß, als Jagd auf Menschen zu machen. Die Piloten an Bord ihrer Jäger stehen dabei immer in vorderster Front gegen den Aggressor. Vor 85 Jahren stürzte eine bedrängte Flotte menschlicher Schiffe auf dem lebensfeindlichen und kargen Planeten Detrius ab. Die Überlebenden verstecken sich in tiefen Minenschächten, Katakomben und Höhlen.

Eine kleine, elitäre Gruppe Kampfpiloten sorgt für die Sicherheit der Kolonie. Die siebzehnjährige Spensa hat es nicht einfach. Ihr Vater, ein einst angesehener Pilot, soll vor zehn Jahren vor dem Feind geflohen und gestorben sein – ein Feigling. Dabei träumt Spensa von nichts Anderem, als Pilotin zu werden und die Kolonie zu schützen. Zusammen mit ihrem einzigen Freund – die meisten ihrer Mitschüler schneiden und mobben sie – bereitet sie sich auf die Prüfung für die Zulassung zur Ausbildung als Pilotin vor. Am Vorabend der Prüfung erfährt sie, dass sie, ganz egal wie sie abschneidet, aufgrund ihres Vaters nie zur Ausbildung zugelassen wird. Die Admiralin hat entschieden, bei der Müllabfuhr sind ja auch noch Ausbildungsplätze frei. Nur dem Eingreifen des einstigen Wingmans ihres Vaters verdankt sie, dass sie allen Widerständen zum Trotz, die Fliegerschule besuchen darf. Weiterlesen

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Adeline Dieudonné: Bonobo Moussaka

Kurz, knackig, treffsicher. Auf gerade einmal 87 Seiten schlägt die belgische Autorin Adeline Dieudonné gekonnt den Brückenschlag zwischen einer familiären Weihnachtsfeier und den Problemen der Gegenwart: von Sparpolitik, Migration, Klimakrise bis zur Ungleichverteilung der Ressourcen. Diese in Monologform geschriebene Erzählung, von der Autorin als One-Woman-Show auf der Theaterbühne aufgeführt, legt ein ungeheures Tempo vor. Dieudonné beschönigt nichts. Doch im Gegensatz zu ihrem brutalen Erstling „Das wirkliche Leben“ wählt sie hier knochentrockenen Humor als stilistische Waffe. Mit spitzer Feder skizziert sie die Konflikte, die unter der perfekt durchchoreografierten Weihnachtsfeier lauern. Mag der Edeltropfen aus den feinen Baccarat-Champagnergläsern noch so vorzüglich munden – in Wirklichkeit liegt alles in Scherben. Während wir nur einen Wimpernschlag von unseren affenartigen Verwandten, den Bonobos, entfernt sind.

Die Ich-Erzählerin ist 36 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Die Erkenntnis, in was für eine schreckliche Welt sie ihren Nachwuchs gesetzt hat, überfällt sie mit ungeheurer Wucht. Die Weihnachtsfeier im Haus ihres Cousins macht die Sache nicht besser. Weiterlesen

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Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden

Es ist eine Art Kontaktaufnahme mit der eigenen Kindheit, die Edgar Selge in diesem Buch beschreibt. Dabei beweist er, dass er nicht nur ein brillanter Schauspieler ist (man denke nur an Houellebecqs „Unterwerfung“), sondern auch ein lesenswerter Schriftsteller.

In vielen Episoden erzählt er in diesem Buch von den Gepflogenheiten im Elternhaus in den Sechzigerjahren.

Edgar ist zwölf und lebt mit seinen Brüdern und den Eltern in direkter Nachbarschaft zum Gefängnis, dessen Direktor sein Vater ist.

Musik spielt eine bedeutende Rolle im Haus der Selges. Den regelmäßigen Hauskonzerten, bei dem sich der Vater am Flügel durch einen Violinenspieler begleiten lässt, dürfen auch Strafgefangene im Wohnzimmer der Selges beiwohnen.

Den Gefangenen gegenüber und ihren Motiven, die zur Straftat geführt haben, begegnet der Vater mit erstaunlicher Güte und Empathie. Die eigenen Kinder dagegen bestraft er mit unerbittlicher Härte. Für seine Verfehlungen (Edgar bestiehlt den großen Bruder und veruntreut die Klassenkasse) bezieht Edgar regelmäßige Prügel mit dem Rohrstock. Weiterlesen

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Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses

Florian Illies ist ein Satzvirtuose. Sätze, die er verfasst, wirken wie gemeißelt, fein ziseliert oder sanft gedrechselt. Dabei immer lebendig und brillant formuliert. So auch in diesem Buch, welches sich mit Liebesgeschichten von Künstlern und Künstlerinnen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts befasst.

Beginnend 1929, erzählt Illies von allen den schillernden, kreativen, oft auch einflussreichen Schriftstellern, Malerinnen, Schauspielern, von den Kindern und Ehepartnern der oft verrückten, oft verruchten, gerne auch mal versponnenen Künstler in Deutschland und Europa.

Dabei zeichnet er in kurzen, manchmal sehr kurzen Sequenzen ein buntes, fesselndes Bild dieses Jahrzehnts, zeigt er all die Facetten in den oft ungewöhnlichen, manchmal aber auch erstaunlich gewöhnlichen Lebensläufen. Das liest sich flott, sehr unterhaltsam, niemals langweilig und, dank seiner Virtuosität, mit großer Freude an den Worten.

Doch gleichzeitig sind diese Streiflichter zu kurz, zu hektisch wechselt der Schauplatz, steht abrupt ein anderer Autor, eine andere Tänzerin im Scheinwerferlicht, das Illies auf sie oder ihn richtet. Weiterlesen

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Ozan Zakariya Keskinkiliç: Muslimaniac: Die Karriere eines Feindbildes

Die Neuerscheinung des Politikwissenschaftlers und freien Journalisten Ozan Zakariya Keskinkılıҫ hat mich auf mehrere Arten berührt. Sein Roman „Muslimaniac – Die Karriere eines Feindbildes“ bespricht in persönlichen Erfahrungen, aber auch in einer weitgehenden Recherche des Autors das Feindbild Deutschlands (und der Welt) gegenüber dem Islam. Dieses äußert sich in mehr Facetten, als die meisten Außenstehenden es sich vorstellen können.

„Muslimaniac“ ist eines von jenen Büchern, die mir beim Lesen wie ein Hammer auf den Kopf fallen und mir die Augen öffnen für all die indirekten Diskriminierungen, an denen mein Alltag mich oft genug blind vorbeiführt. Dass ein Teppichladen in Deutschland zugunsten des Umsatzes architektonisch einer Moschee ähnelt; dass ein Neugeborenes einen „Mongolenfleck“ auf dem Rücken trägt; dass Sie doch lieber nicht den Namen Ihres türkischstämmigen Mannes annehmen sollten, wenn Sie jemals wieder eine Wohnung finden wollen. All diese Aspekte und noch viele mehr stellen aufs Neue heraus, wie wenig die deutsche Gesellschaft über den Islam und all jene, die sich ihm zugehörig fühlen, weiß und wie falsch und vorurteilbehaftet unser Schubladendenken funktioniert. Doch dieses Buch, auch wenn es in erster Linie das Feindbild Islam thematisiert, geht noch darüber hinaus, muss es sogar. Denn das Feindbild des Islam beschränkt sich nicht nur auf die Religion oder ihre Gläubigen. Es dehnt sich darüber hinaus auf alle Menschen aus, die als ausländisch wahrgenommen werden, außerdem auf Homosexuelle, Frauen und jegliche Personen, die nicht dem weißen, männlichen, heterosexuellen Stereotypen entsprechen. Weiterlesen

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Bruno Hof: Serera: Erstes Buch: Die zwei Welten

„In der Literatur ist alles schon einmal dagewesen.“ Sagt man. Schon aus dem Klappentext geht hervor, dass der Seelenlose Ängste und Bosheit der Menschen verkörpert und sich aus ihnen nährt. Dies ist ein eher in Horrorromanen gängiges Motiv. Für mich, der ich selbst schreibe, standen daher die Fragen im Vordergrund: Wie überträgt Bruno Hof in seinem Debütroman dieses Bild ins Genre Fantasy? Und wie drückt er es schriftstellerisch aus? Beide Fragen durfte ich nach der Lektüre mit einem einzigen Wort beantworten: überzeugend.

Fantasywelten zeigt uns der Altmeister Tolkien als das fruchtbare, liebliche Auenland oder als das öde, lebensfeindliche Mordor. Hof führt uns in beide Welten: Aus seiner Jahrtausende währenden Verbannung sucht der Seelenlose von Serera aus das Tor zu den Menschen zu öffnen, um mit seinen Horden Grauen erregender Bestien alles Leben zu vernichten. Ausgerechnet dem sechzehnjährigen Robin übergibt die sterbende Torwächterin den Schlüssel. Auf der Flucht vor dem hyänenhaften Späher des Seelenlosen flieht er mit seiner jüngeren Schwester Elina aus dem idyllischen Städtchen Torheim unbeabsichtigt nach Serera, wo sie in einer Welt voller grauenhafter Geschöpfe nur Folter und Tod vor Augen haben. Nach ihrer unverhofften Befreiung stellen sie sich mit ihren neuen Verbündeten einem mehr und mehr aussichtslos scheinenden Kampf gegen den Einen, den Seelenlosen, der ihnen mit allen Mitteln den Schlüssel abzujagen trachtet. Weiterlesen

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Christiane Antons: Nanas Reise: Und zwischen uns all die Farben

Das beeindruckend schöne Cover – ein urbanDECOLLAGE-Werk – wurde mit einem Bild von Matze Brandt gestaltet. Diese Kunstaffinität spiegelt sich auch in diesem hinreißend warmherzigen und farbverliebten Roman voller feinsinniger Beobachtungen wider, der gewürzt ist mit Rückblenden, humorvollen Anekdoten und interessanten Details während der Reise. In jeder Passage dieses spannenden Roadtrips konnte ich mit den liebenswerten Protagonisten mitfiebern, denn sie erlebten so viele bemerkenswerte Momente.

Die Protagonistin Nana ist Synästhetikerin, dies ist ein neurologisches Phänomen. Sie erlebt täglich eine Vermischung ihrer Sinnesqualitäten: Nana sieht und empfindet Buchstaben und Worte in vielfältigen Farben.

Statt Blau wollte sie Türkis verwenden. Sie liebte den Farbton, weil er besonders leuchtete und interessanterweise erschien das Wort vor ihren inneren Augen in demselben Farbton, den es beschrieb. Die Form des Wortes war außerdem wunderschön geschwungen, eine sanfte Welle mit einem Hauch Glitzer an der höchsten Stelle. So sah in ihrer Welt das Wort Türkis aus.“ (eBook Pos. 58) Weiterlesen

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