S. Craig Zahler: Die Toten der North Ganson Street

totenVictoria, Missouri ist nicht die Vorstufe zur Hölle, das ist sie. Der traditionelle Krimifreund ist hier nicht mehr die Zielgruppe, hier geht es um waschechte Metzeleien, Hinrichtungen; Grausamkeiten, Unmenschlichkeiten. Zart besaitete Zeitgenossen sollten die Finger von dem Buch lassen. Ich eigentlich auch. Aber man wird ungläubig in ein inhumanes Inferno gezogen, welches mit Schriftstellerei eigentlich nichts mehr zu tun hat. Dieser Roman ist eine Abrechnung mit dem kaputten Leben in den verrotteten Städten in dem früheren nördlichen Industriegürtel der Staaten. Also eine Abrechnung mit dem gesellschaftlichen Leben (aber, das ist kein Leben mehr) in diesem verwüsteten Land, welches so schön wäre, wenn nicht da Menschen leben würden. Weiterlesen

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Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald

seeleEin äußerst düsterer Roman stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016: „Fremde Seele, dunkler Wald“ des 1982 geborenen österreichischen Autors Reinhard Kaiser-Mühlecker.

Es geht um zwei Brüder, aus deren Perspektive der Autor abwechselnd erzählt. Der eine hat den heimischen Bauernhof irgendwo im oberösterreichischen Niemandsland verlassen, um in einer internationalen Truppe als Soldat zu dienen. Der andere, erst 15 Jahre alt, erledigt fast alle Arbeiten, die auf dem Hof anfallen, allein. Versuche, sich von dort zu befreien, scheitern.

Um es positiv darzustellen: Der Roman hält durchgehend eine dumpfe und freudlose Atmosphäre, die ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt. Bis auf wenige Details – wie Handys –, könnte der Roman auch irgendwann im 19. Jahrhundert spielen und von einem Autor wie etwa Adalbert Stifter stammen. Das Wörtchen „archetypisch“ wird in solchen Zusammenhängen gerne verwandt. Weiterlesen

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Jasper T. Scott: Dark Space 02: Der unsichtbare Krieg

jasperEs war eine Überraschung, eine böse, eine existenzielle noch dazu. Die Menschheit hatte sich im All ausgebreitet, hatte Sternensysteme besiedelt und ihren Machtbereich immer weiter nach Außen geschoben. Dann traf man auf die Sythianer, und ein ebenso kurzer, wie desaströser Krieg begann.

Die Sythianer schickten das von ihnen versklavte Reptilienvolk der Gor vor, eine Rasse, die für den Kampf lebt, die sich selbst und ihre Kriegsschiffe fast unsichtbar machen kann und die Telepathen sind. Der Untergang der Menschheit schien unaufhaltsam zu sein.

Die letzten überlebenden Kolonisten zogen sich in den Dark Space, eine Dunkelwolke inmitten von schwarzen Löchern zurück und begann einen Guerillakrieg.

Der Overlord, allmächtiger Anführer der letzten freien Menschen koordinierte die Angriffe und baute eine wackelige Allianz mit Gor Rebellen auf. Dass ein skrupelloser Verbrecher ihm sein Flaggschiff stehlen, und seine Mannschaft mit einem künstlichen Virus killen würde, war nicht eingeplant. Weiterlesen

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Marcel Bauer: Shango: Im Bann des Voodoo

Layout 1Georg Werners Großvater war Eisenbahner in der deutschen Kolonie Togo. Georg, der sich für die Lebensgeschichte seines Großvaters bisher nicht interessiert hat, findet auf dem Dachboden seiner Eltern einen unheimlichen Nagelfetisch, der in seinem Brustkasten wie in einem Reliquienschrein merkwürdige Überreste enthält. Er bewahrt den Fetisch von nun an zuhause auf, gegen den Willen seiner Frau Petra.

Georg plagen, seitdem er diesen unheimlichen Fund gemacht hat, Albträume, er hat Erscheinungen und sein Alltag gerät völlig aus den Fugen. Schließlich reist er überstürzt nach Afrika ab, scheinbar gesteuert von einer fremden Macht. Weiterlesen

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Hilary Mantel: Im Vollbesitz des eigenen Wahns

mantelEngland, 1984: Zehn Jahre nach den erschreckend bösartigen und kongenial erzählten Vorkommnissen des Romans „Jeder Tag ist Muttertag“ lässt Autorin Hilary Mantel ihre Protagonisten weiter agieren. Vor allem Muriel, die jahrelang zurückgezogen in einem unheimlichen Geisterhaus lebte, hat nach dem Tod ihrer Mutter und ihres Babys eine erstaunliche Verwandlung zurückgelegt. Das scheinbar zurückgebliebene Mädchen entpuppt sich als unglaublich gerissen. Muriel hat eine Vision: Sie will diejenigen bestrafen, denen sie die Schuld an den dramatischen Vorkommnissen gibt: ihren Nachbarn, den Sydneys, und ihrer damaligen Sozialarbeiterin Isabel Fields.

Der metaphysisch angehauchte Wahnsinn des Erstlings klingt in diesem Nachfolger nur noch leise an. Für realen Alltagshorror sorgen die weltlichen Probleme der Protagonisten. Weiterlesen

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Amie Kaufman & Megan Spooner: Theses Broken Stars 01: Lilac und Tarver

stars1Als Tarver Lilac auf der größten Raumstation des Universums trifft, ist er von der jungen Frau fasziniert. Dabei weiß er nicht, dass Lilac die Tochter des mächtigsten Mannes ist und in Geld nur so schwimmt. Tarver selbst ist nur ein unbedeutender, wenn auch ganz erfolgreicher Soldat. Doch das Schicksal meint es gut mit den beiden: Als es zu einem Zwischenfall auf dem riesigen Raumschiff und wenig später zu einem Absturz kommt, scheinen die zwei die einzigen Überlebenden der Katastrophe. Auf einem unbekannten Planeten müssen sie sich durchschlagen. Schnell wird klar, dass in der seltsamen Landschaft schon einmal Menschen gewirkt haben. Doch warum haben sie den Planeten nicht weiter für die menschliche Zivilisation vorbereitet? Weiterlesen

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Lesley-Ann Jones: Freddie Mercury: Die Biographie

mercury25 Jahre nach Freddie Mercurys Tod erscheint diese aufwändig recherchierte, detailreiche Biographie. Die Autorin, Lesley-Ann Jones, arbeitete für Plattenfirmen, das Fernsehen und als Journalistin. In den 80er Jahren war sie u.a. Rock-Korrespondentin bei der britischen Tageszeitung Daily Mail. In dieser Zeit war sie mit Queen auf Tour und ist bis heute gut befreundet mit der Band. Sie reiste von Freddies Geburtsort Sansibar über München, wo er ausschweifende Parties feierte, bis zu seiner Wahlheimat London und lässt zahlreiche seiner Weggefährten zu Wort kommen.

Wirklich beeindruckend die Fülle an Informationen und Zeitzeugen, die die Autorin zusammengetragen hat. Weiterlesen

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Alex Capus: Das Leben ist gut

Capus Das Leben ist gut Final_MR3.inddAlex Capus (Jahrgang 1961) lebt und arbeitet in der schweizerischen  Stadt Olten im Kanton Solothurn. Dort schreibt er seine Romane und betreibt eine Bar mit dem Namen Galicia Musik Bar, in der sich einst die Einwanderer aus Galicien trafen und in der Capus heute einmal in der Woche selbst hinter der Theke steht. Und so kommt es, wie es kommen muss: Alex Capus schreibt ein Buch über einen Schriftsteller und Barbesitzer namens Max und seine Bar Sevilla.

Der Roman „Das Leben ist gut“ enthält unverkennbar Autobiografisches aus Capus‘ Leben.

Ich-Erzähler Max ist seit 25 Jahren mit Tina verheiratet, mit der er drei halberwachsene Söhne hat und die für eine Gastprofessur als Juristin für ein Jahr an die Pariser Sorbonne geht. Der Roman beginnt mit ihrer Abreise. Max ist nun zum ersten Mal seit vielen Jahren allein zu Hause und zweifelt (aber nur einen Moment lang), ob es richtig war, seine Frau ohne ihn reisen zu lassen. Weiterlesen

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Stephen King: Mind Control

mindDa hat er es doch noch geschafft, ein wenig dunkle Mächte in die Geschichte hineinzubringen, der Großmeister des Horrors. Ein wenig hat er dabei die gute alte Detektiv-Geschichte der ersten beiden, ach was, eigentlich nur des ersten Bandes verlassen und ist wieder in alte Bahnen eingebogen. Da die aber schon immer gut waren, macht das nichts. „Mind Control“ ist ein echter Pageturner, den man am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde.

Brady Hartfield, auch bekannt als „Mercedes-Killer“ liegt im Koma nach dem Schlag, den ihm Holly, die smarte aber durchgeknallte Assistentin verpasst hat. Zumindest glaubt das die Welt. Weiterlesen

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Eva Schmidt: Ein langes Jahr

lang20 Jahre hat die österreichische Autorin Eva Schmidt kein Buch mehr veröffentlicht. Mit ihrem neuen Band „Ein langes Jahr“ hat es die 64-Jährige auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. – Als einzige Frau im Sextett der Finalisten.

Ein Episodenroman ist das Buch. In 38 Kapiteln erzählt Schmidt vom Alltag der Menschen in einem kleinen, namenlosen Ort an einem namenlosen See. Es könnte ihre Heimat Bodensee sein. Die Menschen leben dort ein unaufgeregtes Leben – im Hochhaus, auf einer Anhöhe. Sie sitzen im Garten, stehen auf dem Balkon oder schauen aus dem Fenster und beobachten die anderen Leute. Weiterlesen

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