Dr. Benjamin Hardy: Die Selbstfindungs-Falle

Auch wenn mich die Illustration auf dem Cover so gar nicht angesprochen hat, umso begeisterter bin ich vom Inhalt, der wirklich brandneue Sichtweisen eröffnet. Das Buch glänzt mit allerlei weisen Zitaten, wahren Lebensgeschichten und bietet ebenso praktische, wissenschaftlich fundierte Ratschläge für die persönliche Neuerfindung, hilfreiche Fragen zur Selbstreflexion sowie kurze Übungen.

Persönlichkeitstests als Fast Food für die Seele?

Der Psychologe Benjamin Hardy entlarvt auf Grundlage psychologischer Forschungserkenntnisse die weltumspannenden Mythen über die Persönlichkeit, die uns an der Weiterentwicklung hindern – und bietet erfrischende Strategien für persönliche Transformationsprozesse.

Dabei widerlegt er u. a. das Missverständnis des tief verwurzelten Glaubens, dass die Persönlichkeit angeboren und somit unveränderlich ist. Oder auch, warum populäre Persönlichkeitstests wie der Myers-Briggs-Typenindikator, das HEXACO-Modell und das Enneagramm nicht nur psychologisch destruktiv sind, sondern reiner Aberglaube, der sich als Wissenschaft tarnt. Denn sie reden uns Einschränkungen ein, die in Wirklichkeit gar nicht existieren oder sogar unser Leben ruinieren können. Weiterlesen

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James Corey: Das Protomolekül

The Expanse – was heute Viele nur durch die kongeniale Verfilmung fürs TV kennen, das begeisterte mich schon gleich nach der Publikation. Hier erhoben zwei Verfasser (Ty Frank & Daniel Abraham verbergen sich hinter dem Pseudonym James Corey) gemeinsam ihre Stimme, führten die etwas darbende Science Fiction zu neuen, sehr realistisch gezeichneten Ufern.

Kein Wunder, dass die Bücher jenseits wie diesseits des Atlantiks schnell Kultstatus erreichten und die Bestsellerlisten stürmten. Das Lektorat bei Heyne erkannte das Potenzial der Reihe um die Crew der Rosinante und sicherte sich die deutschsprachigen Rechte.

Erst später kam es dann aufgrund der Erfolge der Reihe auf dem internationalen Buchmarkt zur Verfilmung, die gerade auch für eine SF-Serie neue Maßstäbe setzte. Nicht länger ging es immer chemisch rein zu, wirkten die Raumschiffe wie geleckt, hier bekam man Raumfahrzeuge zu Gesicht, die alt, ramponiert und störanfällig waren, verelendete Raumfahrer und große Konflikte, die ihre Auswirkungen bis in die Niederungen der jeweiligen Gesellschaft zeigten. Und auch die verschiedenen handlungsrelevanten Parteien – Erde, ehemalige Mars-Kolonie und die Gürtler – wurden jeweils in sich überzeugend differenziert dargestellt. Weiterlesen

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Mariana Leky: Kummer aller Art

Es sind nicht die großen Probleme, sondern die kleinen Ängste, Neurosen, Spleens, welche in diesen herrlichen Kolumnen für Kummer aller Art sorgen. Die einen plagt die Schlaflosigkeit, andere trauen sich nicht in den Aufzug hinein. Manche haben Probleme damit, Entscheidungen zu fällen, lassen das Für und Wider so lange gegeneinander antreten, bis einer von beiden „erschöpft aus der Arena getragen wird und man mit einer ganz zweifellosen Entscheidung dastehen kann.“ (S. 158) Andere müssen genau 12-mal prüfen, ob der Herd ausgeschaltet ist, bevor sie das Haus verlassen. Die Autorin befürchtet, dass sie ihren Hund nicht genug liebt, während die Psychologin einer cremefarbenen Praxis ein genauso farbloses Leben führt. Eine 16-Jährige hat kein Freizeitleben mehr, denn ihr Ex-Freund hat alle Aktivitäten mit Erinnerungen kontaminiert. Lekys Protagonisten verlieren die Contenance, wenn sich an der Kasse jemand vordrängelt oder die Nachbarn zu laut sind. Aus dem Nichts kann der Kummer über einen hineinbrechen, aber genauso schnell wieder verschwinden.

Die 39 literarischen Kolumnen wurden erstmals in der Fachzeitschrift „Psychologie heute“ veröffentlicht und von der Autorin für dieses Buch überarbeitet. Es gelingt Leky meisterlich, empathisch auf menschliche Probleme einzugehen, diesen mit humoristischer Beobachtungsgabe zu begegnen und dabei stets den richtigen Ton anzuschlagen. Kein Wunder, dass die Autorin diesen Spagat so gut beherrscht: Sie wurde als Tochter einer Gesprächstherapeutin und eines Gefängnispsychologen in Köln geboren. Man merkt, dass sie sich mit Kompensationsstrategien und Verhaltenstherapien bestens auskennt, allerdings transportiert sie diese äußerst unterhaltsam, statt belehrend. Weiterlesen

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Volker Jarck: Robuste Herzen

#Eine Familiengeschichte, ein Psychogramm, eine Zeitreise – all das ist der neue Roman von Volker Jarck. Und dazu ist er wieder ganz wunderbar geschrieben, auf eine fast poetisch Art, mit fein ziselierten Sätzen.

Von seinem Debüt „Sieben Richtige“ war ich vollkommen begeistert. Dieser Autor kann einfach schreiben, formuliert auf jeder Seite Sätze, die man sich an die Wand pinnen und auswendig lernen möchte. „Was da jetzt noch schwer erkennbar zappelte, würde demnächst atmen, gleich danach trinken, und dann könnte es schnell gehen – zwischen Stehen, Sprechen, Gitarre oder Klavier spielen

und der Abifahrt lägen gerade mal tausende von Sekunden oder Tagen, nur ein Windstoß in der Zeit.“ (S. 67).

In diesem neuen Roman lernen wir die Geschwister Katja, Milena und Leon kennen. In ihrem heutigen Leben und in vielen, nicht chronologisch erzählten Rückblicken auf ihre Kindheit und Jugend, auf ihr familiäres Beziehungsgeflecht, ihre Träume und die bittere Realität. Das erfordert Konzentration, wechseln doch die Zeitebenen oft sehr abrupt, ebenso wie die Perspektiven. Folgen wir eben noch Katja, die die Trennung von ihrem Mann verwinden und mit dieser Situation im dörflichen Umfeld umgehen lernen muss, so erleben wir einen Absatz weiter Milena, die eine Fernbeziehung führt und das gerne ändern möchte, ohne dabei ihr eigenes Leben und ihre Pläne aufzugeben. Weiterlesen

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Jean Stafford: Das Leben ist kein Abgrund

Den elf kurzen Geschichten in diesem Storyband sind im Anhang ein sehr wissenswertes Nachwort von Jürgen Dormagen, Anmerkungen zur Autorin, zu ihren Übersetzern und zum Buch angefügt.

Zu den Stories: In der ersten Geschichte Dunkler Mond geht es um eine Mondfinsternis und die damit einhergehenden Eindrücke der jungen Protagonistin Ella, die dieses Ereignis in ihrem Unwissen bildreich und angstbehaftet durchlebt.

Die Geschichte Im Zoo wurde 1953 im New Yorker abgedruckt. Wir lesen darin von zwei Schwestern im reifen Alter, deren Schreckenserinnerungen an ihre angsterfüllte Kindheit mit einer Pflegemutter so präsent sind, dass die Vergangenheit die Gegenwart verdrängt und anhaltend nachwirkt.

Eine ländliche Liebesgeschichte erzählt von der jungen May und ihrem imaginären Liebhaber in einem alten Pferdeschlitten auf ihrem Hof. Weiterlesen

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Daniel Napp: Dr. Brumms verrückte Abenteuer

Welch ein Glück, dass Daniel Napp, dem Erschaffer von Dr. Brumm, die Ideen für neue Dr. Brumm-Abenteuer nicht auszugehen scheinen, denn Lachen ist garantiert bei den umwerfend komischen Geschichten mit dem tollpatschigen Bären. Dr. Brumm-Fans und alle künftigen Leser werden sich über diesen neuen Sammelband, in dem 32 Abenteuer des Dr. Brumm mit auf den Punkt gebrachten Gags vereint sind, freuen.

Natürlich sind auch wieder Dr. Brumms Freunde, ein Goldfisch mit Namen „Pottwal“ und ein Dachs namens „Dacks“ mit von der Partie.

Ob zusammen auf der Wippe mit Pottwal, beim Verfrachten eines Riesenkürbis, der nicht durch die Tür passt oder beim Zubereiten von Bratkartoffeln, die Dr. Brumm bereits aus der Pfanne verspeist hat, bevor sein Gast, der Dachs eintrifft, – jede der kurzen Geschichten hat ihren ureigenen Witz, über den auch die großen Vorleser schmunzeln können. Weiterlesen

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Sacha Bachim: Therapie to go: 100 Psychotherapie Tools für mehr Leichtigkeit im Alltag

Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist deine Einstellung zum Problem.“ (Captain Jack Sparrow in Fluch der Karibik; S. 69)

Der luxemburgische Psychotherapeut Sacha Bachim gibt dem Leser direkt praktische Beispiele, Tipps, Techniken und Methoden aus seinem psychotherapeutischen Werkzeugkoffer mit auf den Weg. Dabei geht er auf Fragen ein wie: „Wieso haben wir eigentlich diese ständigen Gefühle? Und wieso verhalten wir uns so, wie wir uns verhalten, und nicht anders?“ (S. 69)

Direkt am Anfang geht es schon los und man entdeckt als Leser erstes praktisches Handwerkszeug für die eigenen Routinen. Auf jeder Seite habe ich Text- und Pagemarker gezückt, um allerhand nützliche Textstellen zu markieren.

Dank des unterhaltsamen und charmant-humorvollen Schreibstils bin ich wissbegierig durch die Kapitel geflogen, in denen so viele ultraspannende, psychologische Aspekte beleuchtet werden. Weiterlesen

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Mia Kankimäki: Frauen, an die ich nachts denke

Mit 43 hat Mia Kankimäki eine heftige Krise. Sie ist unverheiratet, kinderlos, Single, ihre Wohnung hat sie verkauft, den Job gekündigt. Bisher hat sie ständig alle an sie gestellten Erwartungen erfüllt, studiert und fleißig gearbeitet. Jetzt fragt sie sich: Ist das der Sinn des Daseins? War das alles? Kommt noch was? Sie hat ein Buch geschrieben. Wird auch das nächste ein Erfolg werden? Wird es überhaupt ein weiteres Buch geben? Darf man bedingungslos seinen Wünschen folgen oder ist es besser, im Mainstream mitzuschwimmen?  Ihr Leben ist aus den Fugen geraten. In zahllosen schlaflosen Nächten denkt sie an historische Frauen, deren Leben nicht in traditionellen Bahnen verlaufen ist, die Grenzen überschritten und ungehörige Dinge getan haben. Alle sind ihren Leidenschaften gefolgt und haben viel dafür in Kauf genommen.

Die bekannteste von ihnen ist wohl Karen Blixen. Auf ihren Spuren fährt Kankimäki nach Kenia und Tansania. Sie verflicht Blixens Lebensgeschichte mit ihren Reiseerlebnissen. Auch nach Japan und nach Florenz fährt sie auf der Suche nach den Spuren besonderer Frauen. Namentlich sind das wie gesagt Karen Blixen, Isabella Bird, Ida Pfeiffer, Mary Kingsley, Alexandra David Néel, Nellie Bly, Yayoi Kusama, Sofanisba Anguissola, Lavinia Fontana, Artemisia Gentileschi. Es handelt sich um Alleinreisende zu Zeiten, in denen es undenkbar war, als Frau um die Welt zu fahren, Weiterlesen

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Elke Heidenreich: Ihr glücklichen Augen

Die deutsche Schriftstellerin Elke Heidenreich (Jahrgang 1943) ist bekannt durch Radio und Fernsehen. Wer kennt sie nicht als Else Stratmann oder ihre Buchtipps aus der Sendung „Lesen!“? Im Carl Hanser Verlag sind am 22. August 2022 ihre „kurzen Geschichten zu weiten Reisen“ unter dem Titel „Ihr glücklichen Augen“ (nach einem Zitat aus Goethes Faust) erschienen.

Darin finden sich kurze Erzählungen zu Reisen, die Elke Heidenreich in ihrem Leben bisher unternommen hat, dazu Fotos von Orten, Menschen, Tagebucheinträgen. Nun reist Elke Heidenreich nicht, um touristische Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern um sich vor Ort treiben zu lassen, Opernhäuser zu besuchen und Freunde zu treffen. So erinnert sie Paris als Sehnsuchtsort ihrer Jugend und besucht es auch später immer mal wieder. Oder Mailand mit ihrer Freundin Inge Feltrinelli, Schottland wegen Shakespeares Macbeth und Danzig wegen der eigenen Vorfahren. Weiterlesen

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Helene Hegemann: Schlachtensee

Titel und Buchcover sagen eigentlich schon alles: Hier darf sich die Leserschaft auf ein literarisches Happening an gewagter, ebenso brutaler wie bissig-burlesker Prosa gefasst machen. In der aber immer ein Hauch Empathie zu den Figuren durchschimmert, mit denen die Autorin wahrlich nicht zimperlich umgeht. Mit dem Titel verweist die in Berlin lebende Autorin nicht auf den Schlachtensee in Steglitz-Zehlendorf, der an keiner Stelle erwähnt wird. Es sind vielmehr die Schlachten, in die ihre Endzwanziger-Protagonisten ziehen und an deren Wendepunkten häufig Gewässer eine bedeutende Rolle spielen. Mal erfährt eine Surferin von der Krebserkrankung ihres Vaters und erlebt eine eigene Nahtoderfahrung im Wasser. Mal findet eine toxische Beziehung zu einem reichen Oligarchen durch ein Bad in der Wolga ein unerwartetes Ende. Mal mündet ein nächtlicher See-Ausflug in einer homoerotisch-verwirrenden Sequenz, durch die Wildscheine ziehen. Oder auch nicht. Hegemanns „Schlachtensee“ ist ein Werk, irgendwo zwischen genial, grotesk und unbequem. Weiterlesen

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