Stefan Heuer: Katzen im Sack

Rolf und Frank gondeln mit ihrem zweigeteilten Wohnmobil – jeder hat sein eigenes Reich darin – durch Norddeutschland. Immer im Schlepptau der Anhänger mit Schießbude (für Rolf) und Angelstand (für Frank), die sie auf allen möglichen Festen und Märkten für das zahlende, aber auch Arbeit und Dreck machende Volk öffnen.

Die beiden mögen es eher gemütlich: ausschlafen, mit der Playstation zocken, Filme gucken (und sich gegenseitig bei Zitaten daraus auf die Probe stellen), ab und zu eine Frau vernaschen (vor allem Rolf, der gerne mal den Macho raushängen lässt). Dabei geht es nicht zimperlich zu und an Alkohol und Nikotin wird nicht gespart. Eine echte Männerfreundschaft eben.

Dann tritt Sybille in ihr Leben – das heißt, vor allem in Franks Leben. In einer Bierlaune hatte er ein Schild an seinem Enten-Angelstand angebracht: Junge Frau zum Mitreisen gesucht. Die Ehre und eine Wette hatten verboten, es wieder abzunehmen, als Sybille fragt, ob die Stelle noch frei sei.

Frank verguckt sich sofort in die geheimnisvolle junge Frau, mit der er gleich sein Wohnmobil-Abteil und nicht viel später auch sein Bett teilt. Selbst nach mehreren Wochen gemeinsam auf Achse, weiß er von ihr nicht viel mehr als ihren Vornamen und dass sie aus Göttingen stammt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ivan Calbérac: Der Sommer mit Pauline

Émile ist 15 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig verliebt. Die Angebetete ist Pauline aus der Klasse unter ihm und sie haben sogar schon mal zusammen in einem Raum gesessen. Doch wie man sie anspricht? Kein Plan! Dann entwickelt sich das Schicksal zu Émiles Gunsten und es kommt zu einem ersten Kontakt. Die beiden Jugendlichen finden sich sympathisch, treffen sich öfter und kommen immer wieder ins Gespräch. Als Pauline Émile schließlich zu einem Konzert in Venedig einlädt, bei dem sie selbst auch spielt, ist er ganz aus dem Häuschen. Leider ist das Venedig schrecklich weit weg von Frankreich und seine peinliche Familie setzt sich zudem noch in den Kopf ihn mit dem Wohnwagen selbst dorthin zu bringen. Schlimmer geht’s kaum!

Ivan Calbérac erzählt eine amüsant-chaotische Geschichte über die erste Liebe. Sein Protagonist Émile ist ein sensibler junger Mann mitten in der Pubertät. Er macht sich viele Gedanken über Mädchen im Allgemeinen und Pauline im Besonderen. „Pauline habe ich im Freizeitraum getroffen. Also unsere Blicke haben sich getroffen, aber manchmal reicht das ja, um ein Leben zu verändern.“ (Kapitel Montag, 12. März) Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng

Mallorca, absolute Nebensaison – wenn es das dort überhaupt noch gibt! Aber der private Ermittler Cheng braucht ein paar Tage Ruhe. In dem verschlafenen kleinen Hotel auf der Insel wohnt allerdings neben unserem einarmigen und leicht verdrehten Wiener Dedektiv Cheng,  u.a. ein weiterer Gast, den Cheng, im wahrsten Sinne des Wortes, vom Hörensagen kennt. Der Gast ist nämlich der berühmte Synchronsprecher Peter Polnitz, der – evtl. vergleichbar mit Christian Brückner (Robert de Niro, Robert Redford, etc.), die Stimme des Kino-Weltstars Andrew Wake ist. Die beiden unterhalten sich relativ zwanglos und die Sache wäre bald vergessen gewesen, wenn nicht ca. ein Jahr später genau dieser Peter Polnitz in einem Londoner Hotel verhaftet wird, wegen Mordes an eben den Filmstar Blake. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Einst wurden vier magische Artefakte geschaffen und an die Völker des Landes verteilt: Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren. Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen. Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen. Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen. Die Menschen, Zwerge und Elfen verschenkten die Gegenstände untereinander und so nahmen sie in ihrer Macht stetig zu. Doch nun scheinen die magischen Artefakte verschollen. Der Spiegel zerbrach und wurde zum kupfernen Kleid, der Becher wurde lange nicht mehr gesehen. Nur noch Geschichten ragen sich um die vier magischen Gegenstände. Doch sie könnten das Gleichgewicht der Welt wiederherstellen. Walgretas Schicksal, die eigentlich eine Weise Frau werden wollte und deren Lebenstraum nun zerstört scheint, ist untrennbar mit den Artefakten verbunden.

Zugegeben muss man sich in Jenny-Mai Nuyens neuem Roman erstmal zurechtfinden. Sie wählt einen besonderen, etwas umständlichen Schreibstil, der letztlich aber sehr gut zu der Geschichte passt. Es ist genau der richtige Ton für so eine umfassende Handlung mit viel Magie, Liebe und Schicksal. Hinzu kommen die zahlreichen Figuren, die den Einstieg nicht leicht machen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mattias Edvardsson: Die Lüge

Lund, Schweden: Adam, Ulrika und ihre 19-jährige Tochter Stella führen ein gutes Leben. Es mangelt nicht an Geld, Adam ist als Pfarrer des Ortes angesehen, Ulrika als Anwältin erfolgreich. Dann stellt ein Ereignis das Leben der Familie gründlich auf den Kopf. Ein Mann kommt zu Tode, er wurde erstochen und ist verblutet. Als Tatverdächtige wird ausgerechnet Stella festgenommen. Adam und Ulrika wollen nicht glauben, dass ihre Tochter zu einer solchen Tat fähig ist und lassen jeweils, ohne den anderen einzuweihen, erdrückende Beweise verschwinden.

Mattias Edvardsson ist ein grandioser Roman gelungen. Er nimmt in der Geschichte eine Dreiteilung vor. Zuerst erzählt Adam, was vor dem Prozess passiert. Ein schwieriges Verhältnis zu seiner Tochter wird mehr als deutlich. Aber sie ist auch sein kleines Mädchen und er würde alles tun, um sie zu schützen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 02: Die Nachthexe

London ist ein beliebter Ort für Russische Oligarchen, denen der Boden in Mütterlein Russland ein wenig zu heiß geworden ist. Sei es, dass der Geheimdienst hinter ihnen her ist, die Russen-Mafia oder das Finanzamt, Aufnahme finden sie mit ihren Millionen an Pfund, die auf britischen Konten lagern in der Hauptstadt an der Themse. Eines Tages wird die Tochter eines solchen Exil-Russen entführt. Die Mutter beharrt auch gegenüber der Polizei darauf, dass der Entführer nicht etwa, wie man annehmen könnte, ein geldgieriger Verbrecher gewesen sei, sondern, dass hinter dem Kidnapping ein Leshy, ein übernatürliches Wesen stecken würde.

Glücklich damit, den unbeliebten Fall ans Folly abtreten zu können, landen die Ermittlungen auf dem Schreibtisch von Constabler Peter Grant. Dass dieser eigentlich mit seiner Ausbildung und der Liaison mit der Flussgöttin Beverly mehr als genug um die Ohren hat, und nur zögerlich in die Gänge kommt hat Auswirkungen. Um ihn ein wenig anzuspornen, entführt die Russenmafia kurzerhand seinen Chef Nightingale. Was aber steckt hinter der Entführung, und wer mischt sich hier in die Ermittlungen von Grant ein? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Wiebke Lorenz: Einer wird sterben, gelesen von Christiane Marx

Stella Johannsen lebt zurückgezogen in dem Häuschen, das sie mit ihrem Mann Paul bewohnt. Seit einem schweren Unfall, in den die beiden verwickelt waren und bei dem auch Pauls Exfrau starb, ist ihr Gesicht entstellt und sie zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit. Als tagelang ein Auto scheinbar grundlos in ihrer Straße parkt, ist Stella in Alarmbereitschaft. Kann es sein, dass der Mann und die Frau nur wegen des Unfalls da sind, dass sie vielleicht sogar wissen, was damals wirklich passiert ist? Stella ruft in hellem Aufruhr ihren Ehemann Paul an, der als Pilot überall auf der Welt unterwegs ist.

Wiebke Lorenz verlagert die Handlung ihres neusten Romans in die so genannte Blumenstraße. Ein idyllisches Sträßchen mit wenigen Mietern, die sich kennen und allesamt irgendwie Geheimnisse vor einander haben. Der Bau einer großen Wohnanlage bringt das Leben der Ansässigen kräftig durcheinander und auch für das seit Tagen dort parkende Auto interessiert sich nicht nur Stella. Auch die anderen Bewohner fragen sich, was es mit den mysteriösen Leuten auf sich hat. Um so schlimmer, denkt Stella. Denn niemand soll erfahren, was vor sechs Jahren wirklich passiert ist. Doch Stella ist auf sich allein gestellt, denn Paul ist weit entfernt und wird so schnell nicht nach Hause kommen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Philipp Schwenke: Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste. Ein Karl-May-Roman.

Was haben Instagram und Karl May miteinander gemein? „Karl May war ein wahnsinnger Narzisst“, erklärte Philipp Schwenke einmal in einem Interview. Genau wie heute bei Instagram ging es bei May immer wieder um Selbstinszenierung, geboren aus dem Bedürfnis, geliebt zu werden. Alles klar? Nicht? Dann einmal von Anfang an!

In den Jahren 1899/ 1900 unternahm Karl May, mittlerweile nicht mehr ganz jung und bekannter Autor zahlreicher „Reiseberichte“, die ihn nicht nur berühmt, sondern auch sehr wohlhabend gemacht hatten, eine Reise in und durch den Orient. Zweck dieser Reise war vor allem die Erbringung von Beweisen, dass May diese Gegenden tatsächlich in der Vergangenheit bereist hatte und dies in Abständen immer wieder zu tun pflegte. Die Wahrheit indes war eine andere. Mays „Reiseberichte“ waren Fiktionen mit überaus gut recherchierten Details, erfundene Abenteuer – und May selbst hatte für sich sein Erzähler-Ich erfunden: im Wilden Westen Nordamerikas Old Shatterhand, in seinen Orientromanen und -erzählungen Kara Ben Nemsi. Dieses Erzähler-Ich war ein hochpotenzierter Superheld, der alles konnte – von Kenntnissen der Medizin, der Beherrschung großartiger Kampf- und Schießkünste bis hin zu beeindruckenden Sprachkenntnissen: locker über 1200 Sprachen, daneben noch diverse Dialekte und so weiter, und so weiter. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ian Kershaw: Achterbahn. Europa 1950 bis heute

Wenn große Historiker am Ende eines erfolgreichen Forscherlebens an der Universität emeritiert werden, dann haben nicht wenige von ihnen etwas, das sie verbindet: Sie legen – quasi als Vermächtnis – mindestens eine große Überblicksdarstellung vor und ziehen damit auch Bilanz ihres Forscherlebens. Ian Kershaw, der große britische Historiker und Hitler-Biograf, 2002 von der Königin zum Ritter geschlagen, Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Karlsmedaille der europäischen Medien und Empfänger zahlreicher weiterer Ehrungen, hat dies nun mit seinem zweiten, abschließenden Band zur europäischen Zeitgeschichte getan: „Achterbahn. Europa 1950 bis heute.“

1989 wurde ich zum ersten Mal auf diesen Autor aufmerksam. Mit „Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick“ war ein Jahr zuvor ein stattliches Paperback erschienen (im englischen Original bereits 1985), in dem Kershaw sachlich und doch klar pointiert einen Forschungsbericht vorlegte, der für Studenten der Geschichtswissenschaften Pflichtlektüre war, aber auch für den Laien verstehend konsumierbar erschien. Schon hier zeigte sich eine stilistische Souveränität, die man bei britischen Historikern immer wieder, bei deutschen dagegen eher selten vorfindet.

Kershaw hatte es zu einiger Bekanntheit gebracht durch eine Monografie, die – anders als die meisten Werke, die sich mit historischen Personen befassen – durch einen interessanten Perspektivwechsel auffiel. In „Der Hitler-Mythos“ (1980) legte er eben nicht die x-te Biografie über den Diktator vor, sondern er stellte eine viel spannendere Frage, nämlich die, weshalb so viele Menschen ihm vom Anfang bis zum Ende die Treue hielten. Anhand bislang weitgehend unbeachteter Quellen warf er einen Blick auf die deutsche Bevölkerung und untersuchte das, was den „Führer“ mythisch so auflud. Kershaw verfasst seine Texte zwar in Englisch, beherrscht aber die deutsche Sprache souverän, so dass er auf keine Probleme bei der Quellenarbeit stieß. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ingrid Noll: Goldschatz

Gegenstrom: So nennt sich eine alternative Studenten-WG, die Konsum ablehnt und auf Nachhaltigkeit setzt. Protagonistin Trixie hat das verfallene Bauernhaus ihrer Großtante geerbt. Statt es abreißen zu lassen, möchte sie es renovieren, da sie überzeugt ist, dass alte Gebäude eine Seele haben. Dieses waghalsige Vorhaben ruft sowohl bei Trixies Eltern, als auch bei diversen Handwerken Kopfschütteln hervor. Gemeinsam mit ihren vier Freunden will es Trixie der Wegwerfgesellschaft zeigen! Doch der Fund von mysteriösen Goldtalern und den Gebeinen eines Toten setzt der Landhausidylle ein Ende. Und was ist von Herrn Gläser zu halten, dem unheimlichen Nachbarn, der irgendwie in die Sache verwickelt ist?

Trixies Mitbewohner sind zum einen ihr fester Freund Henry, größter Verfechter der Konsumkritik, wortreicher Ideologieführer und Halbschotte. Hinzu kommen der gutaussende Frauenschwarm und Musiker Oliver, Trixies beste Freundin Saskia sowie die fleißige Martina, eine Pfarrerstochter mit Hang zur Esoterik. Bei dieser charakterlichen Gemengelage scheinen Konflikte vorprogrammiert. Aber zunächst stürzen sich alle gemeinsam in die Renovierungsarbeiten, schmieden Pläne und versuchen den entrümpelten Trödel auf Flohmärkten zu verkaufen. Ganz ohne Geld geht es nicht. Die Fenster sind undicht, es gibt keine Zentralheizung und nur ein Badezimmer. Daneben soll ein Gemüsegarten zur autarken Selbstversorgung entstehen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: