Nina MacKay: Black Forest High: Ghostseer

Willkommen in der Welt der Geister – doch, fangen wir mal lieber am Anfang unserer Geschichte an. Seven hat wahrlich keine einfache Kindheit! Der Vater hat sich, kurz nachdem ihre Mutter mit ihrer jüngeren Schwester schwanger wurde verdrückt, danach wurde alles nur immer schlimmer. Sevens kleine Schwester wurde von einem Junkie ermordet, ihre Mutter nahm im Gerichtssaal blutige Rache und darf nun selbst ihre Tage hinter schwedischen Gardinen fristen. Seven zog daraufhin bei ihrer Tante in einem kleinen Kaff in Utah ein. Dass sie von Selbstmordgedanken heimgesucht wird ist angesichts ihres Leids verständlich, dass sie Geister sehen kann spricht nicht eben für ihre geistige Gesundheit.

Als sie erfährt, dass ihr Freund, ja so mit Küssen und so, neben ihr noch gleichzeitig mit anderen Schülerinnen rummacht, verliert sie vollends den Halt. Seit mehr als zwei Jahren versucht Remi, der Geist, sie davon zu überzeugen, aufgrund ihrer Begabung Geister sehen zu können, nach good old Germany umzuziehen. Hier, auf der Black Forst High, werden solche wie sie aus aller Welt ausgebildet und angeleitet. Jetzt ergreift sie die Chance, einfach wegzukommen – und zieht um. Weiterlesen

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Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Dieser meisterhaft erzählte und psychologisch ausgefeilte Roman erzählt von fünf Frauen, die ihre Liebe im Ernstfall verloren haben. Die Gründe für das Scheitern ihrer Beziehungen sind so unterschiedlich wie die Charaktere der Frauen. Mal scheinen ihnen die Umstände übel mitzuspielen, meist aber müssen sie erkennen, den falschen Lebenswurf gewählt zu haben. Denn egal, was die eine hat und um das die andere sie beneidet – seien es Kinder oder Karriere, Stabilität oder Unabhängigkeit – sie alle sind unglücklich mit ihrer Situation.

Paulas Beziehung zerbricht durch den Tod des Kindes. Ihr Mann gibt ihr die Schuld an dem Unglück. Doch bei genauerer Betrachtung scheint schon Jahre zuvor ein Riss durch die vermeintliche Vorzeigefamilie gegangen zu sein. Während Paula um ihr Kind trauert, wird ihre beste Freundin Judith ungewollt schwanger. Die erfolgreiche Ärztin führt seit jeher Beziehungen zu reifen, verheirateten Männern und hält diese auf Distanz. Ihre wahre Liebe gilt den Pferden sowie ihrem Beruf. Auf Online-Plattformen sammelt sie Affäuren. Dies ändert sich erst, als sie Gregor kennenlernt. Zum ersten Mal scheint eine Langzeitbeziehung denkbar. Doch als sie das gemeinsame Kind heimlich abtrieben lässt, ohne ihn über ihre Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen, kann er ihr diesen Vertrauensbruch nicht verzeihen. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Wo die Toten leben

Fionas fünfter Fall beginnt scheinbar harmlos: In dem alten Totenhaus eines Dorfes wird der Leichnam einer jungen Frau gefunden. Aufgebahrt und ohne sichtbare Verletzungen liegt sie da. Die Untersuchungen ergeben recht schnell, dass sie einen natürlichen Tod starb. Nur wer diese Frau dort aufgebahrt hat und wer die Unbekannte ist, bleibt im Verborgenen.

Der Fall, der nach der Meinung ihrer Vorgesetzten keiner sei, lässt Fiona nicht los. Und wie es so ihre Art ist, beißt sie sich an winzigen Spuren fest.

Fiona findet den Namen der unbekannten Toten heraus. Die winzigen Spuren werden größer. Weitere Indizien zeigen in die Richtung einer großen Sache, die nicht nur für sie lebensgefährlich wird. Denn die Gegner bleiben gern im Verborgenen und verfügen über ein weit verzweigtes Netz. Zu keiner Zeit kann sich Fiona sicher sein, ob zum Beispiel der Kollege ein Freund oder Feind ist.

Harry Bingham kann schreiben. Er schreibt so gut, dass seine äußerst spannenden Kriminalromane im Bücherregal eines jeden Krimifans stehen sollten. Ein weiteres Buch erscheint noch in diesem Jahr. Weiterlesen

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Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest

Kim hat keine Lust, seinen 50. Geburtstag zu feiern, zumindest nicht mit vielen Menschen. Nur mit der Familie, vielleicht noch mit seinen wenigen engen Freunde, so könnte er es sich vorstellen. Mit zunehmendem Alter meidet er die Gesellschaft. Immer mehr lange verschüttete Gedanken und Gefühle kommen ans Licht.

„Er hatte mehr erreicht, als er jemals zu träumen gewagt hatte.“ Kim, der Flüchtlingsjunge, der seinen Traum von Familie und Selbständigkeit als Architekt verwirklichen konnte. Aber die Glücksgefühle von früher wollen sich nicht mehr einstellen. Er zweifelt daran, ob sein Leben tatsächlich in den richtigen Bahnen verläuft, aber noch verdrängt er die dramatischen Ereignisse aus seiner Jungend, so gut er kann.

Doch seine Frau Ines plant – ohne sein Wissen – eine große Feier und auch die Kinder haben eine Überraschung für ihn: Jonas, der Jüngste, hat Tevi Gardiner eingeladen. Die Tevi, die als Kind Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit Kim in das österreichische Dorf P. nahe Linz gekommen war, die Tevi, die er auf der gefährlichen Flucht durch den kambodschanischen Dschungel tagelang getragen hatte, weil ihr die Ruhr und der Tod ihrer Familie alle Kraft genommen hatten. Weiterlesen

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Linda Vilhjálmsdóttir: Freiheit

Freiheit – in diesem Wort steckt eine außergewöhnliche Tiefe und eine Menge Sprengkraft. Wo beginnt die individuelle Freiheit, wo endet sie? Darf oder kann man die persönliche Freiheit einschränken, um eine Gesellschaft als Ganzes freier oder „besser“ zu machen – wie auch immer man „besser“ definiert? Geistige Freiheit, körperliche Freiheit, Entscheidungsfreiheit, gesellschaftliche Freiheit, politische Freiheit, religiöse Freiheit und noch so viel mehr – kann es einen Vorrang für eine Art der Freiheit geben, wenn dies eine andere beschneidet?

Die Antworten auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Menschen, die darüber nachdenken. Linda Vilhjálmsdóttir widmet der Freiheit einen Gedichtzyklus, in dem sie darüber aus ihrer Sicht reflektiert. Im Hintergrund steht die Situation ihres Heimatlandes Island währende der letzten Finanzkrise. Doch die meisten ihrer Überlegungen und Einsichten lassen sich ohne weiteres in einen universellen Zusammenhang stellen.

Dies wird schon auf den ersten Seiten deutlich, wenn es heißt:

wir haben
das wort vervielfacht
auf erden

vervielfacht die festungen
zwischen himmel und erde
vervielfacht gott

vervielfacht das lachen
das weinen den hass und die gier
vervielfacht alles
zwischen himmel und erde
alles außer der güte Weiterlesen

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Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success

Gary Shteyngart, ein russisch-stämmiger Jude, der in den USA lebt, legt mit „Willkommen in Lake Success“ einen großen amerikanischen Gesellschaftsroman vor. Darin seziert er das amerikanische Befinden im Jahre 2016 – einer Zeit, in der ein gewisser Donald Trump sich anschickt, der nächste US-Präsident zu werden.

Die Welt des schwerreichen New Yorker Hedgefonds-Managers Barry bricht auseinander. Sein Fonds basiert auf Lügen und die Kapitalgeber ziehen ihr Geld zurück. Außerdem liebt ihn seine Frau Seema nicht mehr. Dass das Paar einen autistischen Sohn hat, der kein Wort spricht und jede Berührung ablehnt, macht die Lage nicht besser.

Barry zieht die Reißleine, wirft Kreditkarten und Handy weg und setzt sich in den nächsten Greyhound-Bus, um seine Jugendliebe Layla in El Paso zu treffen. Weiterlesen

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Lutz Wilhelm Kellerhoff: Die Tote im Wannsee

Ein Schwarz-Weiß-Film als Buch. Die drei Autoren, die Herren Lutz, Kellerhoff und Wilhelm, machen ein Jahrzehnt wieder lebendig, in dem sie die Bilder, die man irgendwo gespeichert hat, durch ihre Beschreibungen der Szenerien des Berlins Ende der sechziger Jahre, sofort wieder vor Augen hat. Die Demonstrationen in Berlin, bis dahin in Deutschland nie für möglich gehalten, mit für die Beteiligten überraschender Gewalt und Hilflosigkeit auf allen Seiten. Rennende Schupos mit Tschakos auf den Köpfen, Demonstrationsketten mit entsprechen Schlachtrufen, Wasserwerfer, brennende Barrikaden, alles da.

Dazu die Namen von damals: Mahler, Meins, Dutschke, Kommune 1, die späteren RAF Namen, und zur Folklore die jungen Liedermacher Wader und Mey. Man wähnt sich im Bonner Haus der Geschichte oder in der RAF Ausstellung, die ich in Berlin (!) vor Jahren besucht habe. Dazu durchzieht das ganze Buch die unsägliche, so genannte Entnazifizierung, die, gelinde gesagt, in Deutschland als geradezu lächerlich durchzogen wurde. Weiterlesen

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Gérard Salem: Du wirst an dem Tag erwachsen, an dem du deinen Eltern verzeihst

Dieses Buch besteht nur aus Briefen, in denen zwölf Mitglieder einer Familie miteinander kommunizieren. Der Briefkontakt erstreckt sich über drei Generationen. Um hier den Überblick nicht zu verlieren, ist der Stammbaum am Romanende hilfreich.

Ein weiterer Briefschreiber ist der Psychiater Yuri, der diesen ungewöhnlichen Austausch überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Yuri hat seinem Patienten Boris, um dessen Befindlichkeit sich alles dreht, nahegelegt, endlich wieder mit seinen Eltern in Kontakt zu treten.

Sieben lange Jahre hatte Boris die Verbindung zu seinen Eltern, Geschwistern und der restlichen Verwandtschaft abgebrochen. Boris war damals verzweifelt gewesen. Es gab Interessenkonflikte und  verletzte Eitelkeiten, stets fühlte er sich ungerecht behandelt. Nun, als er vor einem erneuten innerfamiliären Trümmerhaufen steht – diesmal geht es um Konflikte mit seiner Frau und seinen Kindern, steht es nicht gut um seine Gemütsverfassung. Um seinen depressiven Gedanken entgegenzuwirken, hat Yuri, zu dem Boris sich in Behandlung begeben hat, die Kontaktaufnahme in Briefform vorgeschlagen und Boris folgt dem Rat seines Psychiaters. Weiterlesen

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Antonio Ortuño: Die Verschwundenen

Aurelio Blanco ist unglücklich in die drei Jahre ältere Alicia verliebt. Weil er und seine Mutter auf dem Anwesen ihrer Eltern leben, arbeitet er schon als Junge für ihren Vater, den einflussreichen Carlo de Flores. Aus einer Laune heraus akzeptiert sie ihn als Sexualpartner, behandelt ihn jedoch wie einen Hund und nennt ihn auch so.

Eines Tages wandelt sich Alicias Unglück in sein ganz persönliches Glück. Er soll die entehrte Alicia heiraten und arbeitet nun in der Baufirma seines Schwiegervaters.

Noch immer folgt er bedingungslos de Flores Anweisungen. Auch als der Schwiegervater ihn für das Gericht, die Investoren und Presse als Sündenbock für die eigenen Betrügereien präsentiert. Angeblich soll Blanco nur für kurze Zeit ins Gefängnis.

Nach fünfzehn Jahren Gefängnis steht er ihm und seiner Familie erneut gegenüber. Der Tag der Abrechnung für den Verlust von Freiheit, Ehe und Familienleben fällt mit dem Weihnachtsfest zusammen, dem Tag der Liebe. Weiterlesen

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Sigurður Pálsson: Gedichte erinnern eine Stimme

Gewöhnlich beginne ich meine Rezensionen mit einem Einblick in den Inhalt des beschriebenen Buches. Nun habe ich erstmals einen Lyrikband ausgewählt. Doch worum geht es in „Gedichte erinnern eine Stimme“? Erzählen diese Gedichte Geschichten? Ich meine ja. Sie sprechen vom Leben, von den Elementen, die es ermöglichen und bereichern, von Feuer und Schatten, Erde, Stimmen in der Luft, dem Wasser oberhalb und unterhalb.

Der isländische Autor Sigurður Pálsson, der nicht nur in der Lyrik unterwegs war, nimmt die Leserinnen und Leser mit in eine Welt der Poesie, die vom Alltag durchdrungen ist und die den Alltag durchdringt. Beides ist nicht zu trennen.

Gleich im ersten Gedicht „Feuer und Schatten“ ist zu lesen:

Sonnige Heiterkeit
Das ist die richtige Einstellung
So wollen wir ankämpfen
gegen das Bleierne und Dunkle
gegen Unrecht und Gewalt
die ganze lange Liste … Weiterlesen

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