Monika Niehaus & Michael Wink: Wie man Männer in Schweine verwandelt und wie man sich vor solch üblen Tricks schützt

Schon der Titel lässt aufhorchen: Gibt es wirklich einen Trick, mit dem man Männer in Schweine verwandeln kann? Er wäre manchmal nützlich, aber das Zurückverwandeln wäre wahrscheinlich noch wichtiger (schon die „Ärzte“ wussten ja, dass Männer sowieso Schweine sind). Um es hier schon zu verraten: Die Zauberin Kirke kannte den Trick. Die Alraune spielt dabei (wie auch bei Harry Potter) eine wichtige Rolle. Doch Hermes verrät Odysseus das Gegengift. Männer halten halt zusammen.

„Rauschpflanzen und Gifte in antiken Mythen und Sagen“ – so der Untertitel – kamen aber nicht nur bei Zauberinnen zum Einsatz. Auch in der Medizin leisteten sie wichtige Dienste. Hier gilt wie meistens: Die Dosis macht das Gift.

Doch die Wirkung entfaltet sich nicht nur bei denen, die die jeweiligen Pflanzenzubereitungen zu sich nehmen, manchmal wird auch der Fötus in der Schwangerschaft geschädigt. So könnte sich erklären lassen, warum es Zyklopen oder Nixen gibt bzw. Menschen mit Missbildungen, die an diese Wesen erinnern. Dass Geschichten ausgeschmückt werden oder sich selbständig machen, ist ja keine Seltenheit. Dass auch der Mittelmeer-Zwergelefant mit der Erzählung über die Zyklopen zu tun hat, können Sie ab Seite 22 im Buch nachlesen. Und ab Seite 101 erfahren Sie etwas über den Zusammenhang zwischen Seekühen und Meerjungfrauen. Neugierig geworden? Weiterlesen

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Yuhi Azumi: Cutie and the Beast 1

„Cutie and the Beast“ erzählt uns die Geschichte der jungen Momoka, welche für ihr Leben gern Wrestling schaut. Anders als ihre Mitschülerinnen interessiert sie sich nicht für die Schönlinge der Modelbranche oder angesagte Boybands. Für sie zählt nur Kuga, ein Profiwrestler.

Nachdem Momoka via Twitter eine längere Zeit mit ihrem Idol Kontakt hält, schafft sie es endlich persönlich auf Event zu gehen und wie der Zufall es will, trifft sie Kuga nach seinem Match. Anders als erwartet ist er kein harter Kerl, sondern sympathisch und mitfühlend. Außerdem küsst er sie und die Beziehung der beiden nimmt ihren Lauf.

Dieser Manga ließ mich lächeln. Warum ich das erzähle? Weil mich in den letzten Wochen nichts wirklich lächeln ließ. Dieses Werk von Yuhi Azami hat es in den ersten paar Minuten geschafft. Die Geschichte von Momoka und Kuga ist unglaublich warmherzig. Man fühlt sich wohl und kann sich beim Lesen entspannt zurücklehnen. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie die beiden sich näher kommen, obwohl jeder von ihnen ein wenig schüchtern zu sein scheint. Weiterlesen

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Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam

Ein kleiner Stern wartet schon eine Million Jahre darauf, auf die Erde zu kommen um ein Menschenkind zu werden. Nach langem Suchen findet der Stern endlich Eltern, bei denen er aufwachsen möchte. Eine Eule hilft ihm dabei.

Die großflächigen Bilder spiegeln die Geschichte aussagekräftig. So ganz nebenbei kann man darin nebensächliche Details wie zum Beispiel unterschiedliche Hautfarben der Eltern bemerken.

Hinter der Geschichte um den kleinen Stern, der mit Hilfe der weisen Eule zum Leben erweckt wird, steckt in doppelter Sicht –  vom Ursprung allen Entstehens bis hin zur Menschwerdung – eine aufklärende Botschaft. Das Fantastische entspringt der Wirklichkeit.

Die märchenhaft anmutende Illustration von Mehrdad Zaeri unterstreicht den kindgerecht verpackten Text von Thomas Meyer und lässt Platz für eigene Phantasien.

Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam.
Diogenes, Oktober 2020.
40 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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Gabriele Kögl: Gipskind

„Die Kleine“ wird in den 1960-er Jahren geboren und wächst auf einem Bauernhof in Österreich auf. Die Verhältnisse in ihrem Elternhaus sind eher mittelalterlich als neuzeitlich und die Ansichten sind es dem entsprechend auch.

Es gibt keine Zentralheizung und keine Toilette im Haus. Der ältere Bruder nächtigt auf einem Sofa in der Stube, das tagsüber hochgeklappt wird. Es ist kein eigenes Zimmer für ihn vorhanden. Als die Kleine im Gitterbett absolut nicht mehr Platz hat, weil die Beine durch die Stäbe schauen, stirbt glücklicherweise der Großvater. Sie darf zur Oma ins Doppelbett ziehen und schläft fortan bei ihr.

Die Großmutter realisiert auch, dass die Kleine nicht laufen kann, weil eine Fehlstellung der Hüfte nicht erkannt- auf alle Fälle aber nicht korrigiert wurde. Man muss etwas unternehmen, sonst wird sie ihr Leben lang nicht gehen können. Es folgen für das Kind unzählige Krankenhausaufenthalte und ein Martyrium im Gipskorsett. Nur die Großmutter nimmt sich seiner liebevoll an und transportiert das „Gipskind“ im Leiterwägelchen an die frische Luft, damit es nicht wochenlang in seinem Bettchen liegen muss.

Das Leben der Eltern ist von harter Arbeit geprägt. Für Hätscheleien und zärtliche Worte gibt es keine Zeit. Die Kleine ist nur Ballast. Weiterlesen

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Cassandra Clare: Chain of Gold: Die Letzten Stunden 1

Elegante Londoner Abendgesellschaften, politische Debatten und anderer Schattenjäger um sich herum – das alles ist Cordelia Carstairs nicht gewöhnt. Bisher lebte sie eher zurückgezogen mit ihrer Familie, doch nun, wo ihr Vater als Angeklagter vor Gericht steht, ist es ihre größte Aufgabe, den guten Ruf ihrer Familie wieder herzustellen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts tauchen nur wenige Dämonen in London auf. Persönliche Probleme beschäftigen die Schattenjäger mehr als der Kampf gegen das Böse – zumindest James Herondale hat mehr als genug davon. Als Kind einer Hexe und eines Schattenjägers verfügen sowohl er als auch seine Schwester über Fähigkeiten, die sie vor der Welt geheim halten müssen, um nicht Spott oder sogar Hass auf sich zu ziehen. Außerdem ist er unglücklich an seine Kindheitsliebe Grace gebunden, die eine Beziehung mit ihm abweist. Als Grace plötzlich in London auftaucht und es kurz darauf zu einem unerwarteten wie verheerenden Dämonenangriff kommt, beginnen James und Cordelia zu begreifen, dass die Abwesenheit der Dämonen nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein könnte. Die Dämonen scheinen unbesiegbar, verletzte Schattenjäger erliegen einer unbekannten Krankheit – die Situation entwickelt sich so dramatisch, dass London unter Quarantäne gestellt wird, um die Ausbreitung der Dämonen zu verhindern.

Persönliche Probleme müssen hinten angestellt werden, doch das ist gar nicht so leicht. Cordelia kämpft innerlich gegen die Liebe zu ihrem Kindheitsfreund James, dieser muss mit ansehen, wie Grace sich mit einem anderen verlobt. Die beiden müssen erfahren, dass das Leben als Held mit großen Opfern verbunden ist. Weiterlesen

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Victoria Mas: Die Tanzenden

„,Louise. Es ist Zeit.‘ Mit einer Hand zieht Geneviève die Decke weg, unter der zusammengekauert auf der schmalen Matratze der schlafende Körper der jungen Frau liegt.“

So wünscht sich LeserIn den Beginn einer Geschichte. Ohne Umschweife hinein in die Handlung. Impliziert mit Fragen, die sich aufdrängen und neugierig machen: Wer ist Louise? Wer ist Geneviève? In welcher Beziehung stehen die beiden zueinander?

„Die Tanzenden“ ist der Debutroman von Victoria Mas und wurde mit dem Preis des besten Debuts in Frankreich ausgezeichnet. Ein solcher Preis kann zuweilen eine Bürde sein.

Mit Louise und Geneviève stellen sich zwei der drei Protagonisten gleich am Anfang vor. Später kommt mit Eugénie die Tochter eines angesehenen Pariser Notars hinzu, die von ihrem Vater in das Hôpital de la Salpêtrière gebracht wird, weil nur hier sie den Familiennamen nicht entehren kann.

Im Hôpital de la Salpêtrière leben um 1885 rund 100 Frauen in einem großen Schlafsaal. Sie alle eint, dass sie in den Augen der Pariser Bürger geisteskrank, irre oder einfach verrückt sind. Louisa und Eugénie sind Insassinnen des Hôpital de la Salpêtrière, während Geneviève die Oberaufseherin ist. Weiterlesen

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Sien Volders: Norden

Die 1983 geborene Sien Volders siedelt ihren Debütroman im hohen Norden Kanadas an. Das einstige Goldsucherstädtchen Forty Mile bietet vor allem jenen, die sich nach Einsamkeit und der Wildnis sehnen, ein Podium. Es ist ein ganz besonderer Menschenschlag, der    dort gestrandet ist. Genau an diesen Ort verschlägt es auch die Protagonistin Sarah auf ihrer Suche nach sich selbst und einer wichtigen Entscheidung, die sie treffen muss. In Vancouver hat sie sich einen Namen als erfolgreiche Designerin und Silberschmiedin gemacht und dabei über ihrem Ehrgeiz und Fleiß nicht nur ihre Freunde vernachlässigt sondern schlichtweg vergessen zu leben. So ist sie nun eine ganze Woche mit dem Auto unterwegs um die Strecke von Vancouver nach Forty Mile zurückzulegen.

Mary, die in Forty Mile einen kleinen Kolonialwarenladen mit Poststelle unterhält und Sarah spontan ein Zimmer anbietet, entpuppt sich als eine Art Seelenverwandte durch viele Parallelen, die die Lebenswege der beiden Frauen aufweisen.

Die alte Kneipe in Forty Mile ist Treffpunkt für die Bewohner ringsum. Adam und Jakob treten dort als Musiker auf und pflegen einen außergewöhnlichen, sehr lokalen Musikstil. Beide Männer werden zu einer wichtigen Verbindung für Sarah. Weiterlesen

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Hallie Rubenhold: The Five: Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden

Dieses Buch ist so zutiefst erschütternd, dass es mich bis in den Schlaf verfolgte. Und es macht derart wütend, dass man gerne mehr tun können würde als nur mit den Zähnen knirschen oder die Fäuste ballen.

Schon oft hat es mich geärgert, wenn bei einer Straftrat, einem Attentat oder ähnlichem dem oder den Tätern nahezu uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit gewährt wurde, für die Opfer sich aber kaum jemand interessierte. Natürlich darf und will ich weder die Namen noch den detaillierten Gesundheitszustand eines Verletzten erfahren, der beispielsweise bei einer Amoktat zu Schaden kam. Aber immer wieder erfährt man alles Mögliche über den Täter, meist mehr, als man überhaupt wissen möchte. Doch die Opfer werden kaum erwähnt. So fände ich es durchaus wissenswert, wie es diesen Menschen auch später noch geht, ob sie genesen sind.

Offensichtlich gab es dieses Missverhältnis aber auch schon im vorletzten Jahrhundert. Und dieser Ungerechtigkeit, dieser Verzerrung der Verhältnisse hat sich die Autorin in ihrem preisgekrönten Buch angenommen.

Vermutlich haben wir alle schon von „Jack the Ripper“ gehört oder gelesen, dem unheimlichen Mörder, der im Jahr 1888 fünf Frauen in London auf grässliche Weise tötete. Über ihn wurde nicht nur zu seiner Zeit in allen Zeitungen in aller Ausführlichkeit berichtet, auch immer seither wird von ihm erzählt, wird seine Geschichte verfilmt, werden Bücher über ihn geschrieben. Doch wer hat je über die fünf ermordeten Frauen gelesen, wer kennt ihre Namen, ihre Geschichten? Diese Geschichten erzählt Hallie Rubenhold. Weiterlesen

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Mercedes Spannagel: Das Palais muss brennen

Spritzig, provokant, klug – Mercedes Spannagels Debütroman „Das Palais muss brennen“ trifft einen wunden Punkt des aktuellen europäischen Zeitgeschehens. Mit ihrem inhaltlich und sprachlich hochmodernen Erstlingswerk ist die bereits vielfach ausgezeichnete Wienerin für den österreichischen Buchpreis in der Kategorie „Debütpreis“ nominiert.

„Ich streichelte TTs Arm und TT streichelte mir die Wange und er fragte leise, ob wir miteinander schlafen wollten. Ich sagte, dass ich lieber kein rechtes Gedankengut in mir hätte.“

Protagonistin Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs und rebelliert auf ganz eigene Weise gegen ihre Mutter. Als Reaktion auf deren überzüchtete Windhunde legt sich Luise einen Mops zu, den sie demonstrativ Marx tauft und während sie mit ihren Freunden alle Annehmlichkeiten des Lebens im Palais genießt, hält sie der österreichischen Elite von innen heraus den Spiegel vor. Alkohol und andere Drogen stehen täglich auf dem Speiseplan der „Kinder der Nazis“, wie sie sich selber nennen, wenn sie sich in schicken Cafés, Bars, Clubs und dem Palais treffen. Einerseits geben sie sich intellektuell und philosophisch, andererseits akzeptieren sie verzogen und gelangweilt ihre Privilegien. Luise begegnet dem rechten Milieu um ihre Mutter frech und vorlaut, meist bleibt es allerdings bei rebellischen Phrasen. Das soll sich beim legendären Wiener Opernball ändern, doch die geplante Kunstaktion verläuft anders als gedacht. Weiterlesen

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Abbas Khider: Palast der Miserablen

„‚Und mein Vater?‘

‚Er ist zu Hause. […] Morgen reden wir weiter. Morgen reden wir über den Palast der Miserablen.‘“

Mit diesen lauernd drohenden Sätzen entlässt Abbas Khiders neuester Roman „Palast der Miserablen“ in eine Todesszene, deren Kontrast zur restlichen Handlung nicht gravierender sein könnte, in eine Tragik, die von Anfang an gefürchtet, doch stets durch Hoffnung überwunden wurde.

Es ist ein Ende, das wütend macht und erschüttert, das dazu bewegt, die Welt mit Füßen treten zu wollen und aller Gewalt ins Angesicht zu spucken. Abbas Khider, durch seine eigene Kindheit und Jugend im Irak, verschiedene Festnahmen und die Flucht nach Deutschland geprägt, schafft mit seinen Werken genau das, übt Kritik an den Zuständen in seinem Heimatland und weckt Aufmerksamkeit, indem er seine Erzählungen so persönlich und realitätsnah gestaltet, dass es einfach fällt, ihnen zu verfallen. So bin auch ich hineingezogen worden in die quirlig-bunte, von immerwährendem Krieg, Wirtschaftsembargos und Armut geprägte Welt des jungen Shams Hussein, begleite ihn auf seinem Weg ins Erwachsenwerden, durch verschiedene Selbstfindungsphasen bis hin zu dem Moment, an dem in einer einsamen Zelle im Bauch eines Militärkrankenhauses seine Hoffnung zu sterben droht. Weiterlesen

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