Peter Høeg: Durch deine Augen

Wie in den beiden anderen Romanen des Autors, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ oder „Der Susan-Effekt“, so steht auch in dem neuen Buch eine Wissenschaftlerin im Mittelpunkt des Geschehens. Lisa, so ihr Name, hat eine Methode entwickelt, das Bewusstsein sichtbar zu machen durch Licht. Dabei werden die Dinge, die sich im Unterbewussten festgesetzt haben und psychische oder physische Probleme verursachen, besonders hell und dadurch erkennbar. Und behandelbar. Lisa arbeitet in einem wissenschaftlichen Zentrum, in einem außerhalb der Stadt gelegenen Schloss, welches rund um die Uhr vom Geheimdienst bewacht wird.

Einer ihrer Patienten wird Simon. Simon hat versucht, sich umzubringen und sein Adoptivbruder Peter möchte den Grund dafür herausfinden und natürlich alles tun, damit Simon es nicht noch einmal versucht.

Peter, Lisa und Simon kennen sich seit ihrer frühen Kindheit, als sie zusammen den Kindergarten besuchten, hatten aber seither keinen Kontakt. Lisa hat nach einem Unfall alle Erinnerungen an ihre Kinderzeit und frühe Jugend verloren, erst nach und nach, indem Peter seine Erinnerungen mit ihr teilt, fällt ihr vieles wieder ein. Weiterlesen

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Kate Elizabeth Russell: Meine dunkle Vanessa

An der Browick Highschool verführt der Literaturprofessor Jacob Strane seine Schülerin Vanessa Wyw. Wir schreiben das Jahr 2001. Strane ist zu diesem Zeitpunkt 42, Vanessa ist 15. Suggestiv und unglaublich manipulativ zieht er sie in seinen Bann. Er lobt ihre Gedichte, stößt sie einmal von sich und beachtet sie nicht, dann aber holt er sie wieder zu sich heran. Er macht sie langsam gefügig durch Aufmerksamkeit und indem er ihr sagt, sie sei etwas ganz Besonderes. Es verbände sie eine dunkle Romantik. Immer eindeutiger tritt zu Tage, wohin die Reise geht. Er gibt ihr z.B. „Lolita“ zu lesen, sagt ihr, ihr Haar habe die Farbe eines Ahornblattes im Herbst, berührt sie, indem er seine Hand auf ihr Knie legt. Vanessa hat keine Freunde. Sie bleibt eher für sich und ist in sexuellen Dingen ahnungslos. In Browick wohnt sie im Internat. Strane und sie begegnen einander unweigerlich täglich auf dem Campus. Erst zufällig, dann sucht sie ihn gezielt. Mehrmals möchte man ihr zurufen: „Pass auf, Mädchen! Der Kerl ist sowas von gar nicht gut für dich! Glaub ihm kein Wort!“

Um ihm zu gefallen und im Glauben, er liebe sie abgöttisch, legt sie das Verhalten an den Tag, das Strane von ihr erwartet. Das missbilligende Heben seiner Augenbrauen z.B. lässt sie schon seinen Erwartungen gemäß handeln. Als Leser verfolgt man gebannt die geschilderten Ereignisse. Es schleicht sich auch hin und wieder die Frage ein, inwieweit Vanessa eine gewisse Mitschuld trifft. Strane gibt vor, gegen seine Pädophilie zu kämpfen. Er kann nur mit ganz jungen Mädchen schlafen und projiziert seine Sehnsüchte auf Vanessa, die sie erfüllt, um ihn nicht zu vergraulen. Sie lässt ihn in dem Glauben, was vor sich geht, gefalle ihr auch. Er fragt sie NACH jeder Handlung, ob seine Übergriffe nicht zu viel für sie seien. Sie verneint jedes Mal. Er glaubt in ihr Abgründe zu sehen, die da nicht sind. Im Prinzip schaut er in seine eigene Dunkelheit.

Ein fatales Spiel. Weiterlesen

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Otfried Preußler: Meine große Otfried-Preußler-Hörspielbox

Wer kennt sie nicht aus seiner Kindheit, die Geschichten um das kleine Gespenst, die kleine Hexe oder den kleinen Wassermann?!? In dieser Hörspielbox sind die drei Klassiker vereint. In einer wundervollen Interpretation des WDR.

Noch kurz zur Auffrischung der Inhalt der drei Hörspiele:Eines Tages bekommt die Wassermannfamilie Nachwuchs: Einen kleinen Wassermann mit grünen Haaren und Schwimmhäuten. Dieser geht gerne auf Entdeckungsreise – am liebsten allein! Er trifft Sonne und Regen, ersinnt lustige Streiche und findet sogar Menschenfreunde.

Mit 127 Jahre ist die kleine Hexe noch zu jung, um mit den anderen in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg zu tanzen. Aber sie tut es trotzdem – und wird dabei erwischt. Zur Strafe muss sie dem Rat versprechen, eine gute Hexe zu werden. Sie gibt sich das ganze Jahr über redlich Mühe, ausreichend gute Taten zu vollbringen, hilft armen Menschen, bestraft Bösewichte. Aber reicht das, die Alten zu überzeugen? Weiterlesen

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Anthony Ryan: Das Lied des Wolfes: Rabenklinge 01

Nach seiner Rabenschatten-Trilogie nun also die Rabenklingen-Serie. Die Vorgänger-Trilogie begann mit zwei außerordentlich guten ersten Bänden und einem Helden, der mit so viel Tiefe gezeichnet wurde, dass es eine helle Freude war, die Bücher zu verschlingen. Leider war der letzte Teil der Rabenschatten sehr enttäuschend und das Ende hinterließ beim erwartungsvollen Leser ein schales Gefühl.

In „Rabenklinge 1: Das Lied des Wolfes“ findet Ryan wieder zu den Anfängen zurück. Vaelin wird wieder mit dem Verbündeten konfrontiert und begibt sich auf die Suche nach seiner verlorenen Liebe Sheryn. Alte Gefährten und neue Freunde begleiten ihn in asiatisch anmutende Länder. Dort trifft er auf seinen direkten Gegner – Kehlbrand, den Anführer der Barbarenhorde „Stahlhast“. Ryan lässt über längere Strecken des Buchs Kehlbrands Schwester Luralyn vom Aufstieg ihres Bruders erzählen. Sie ist eine „Begabte“, so wie Vaelin es einst auch war. Für ihn war seine magische Begabung sein „Lied“, das er allerdings bereits in der Rabenschatten-Trilogie verloren hat. Nach einigen Fährnissen treffen Kehlbrand und Vaelin, beide im jeweils eigenen Volk die „Dunkelklinge“ genannt, zusammen. Bei dieser Begegnung tritt das Lied, das bisher nur vage beschrieben war,  in den Fokus der Erzählung. Auch wird klar, dass Kehlbrand und seine Anhänger die Feinde sind, mit denen Vaelin es in der Folge zu tun haben wird. Weiterlesen

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Kathrin Tordasi: Brombeerfuchs. Das Geheimnis von Weltende

Eigentlich wollte die 12-jährige Portia die Sommerferien mit ihrer Mutter in Andalusien verbringen. Stattdessen soll sie nun zwei Wochen zu ihren Großtanten Rose und Bramble nach Nordwales. Zunächst ist Portia enttäuscht, aber die Reise soll sich bald als großes Abenteuer erweisen.

Das Cover des Buches ist wunderschön gestaltet. Man wird direkt hineingezogen in diese magische Welt der Sagen, der Anderswelt. Aber nicht nur die Buchgestaltung übt diesen Song aus, auch die Erzählart. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Portia und Ben erzählt, was einen – vor allem ab der Hälfte des Buches – die Lektüre nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Wir treffen auf Feen (keine klischeehaft niedlichen, heiteren und glücksbringenden, sondern eher in der Tradition der bösen Fanferlüsch), auf Gestaltwandler und auf Arawn, den grauen König. Ihn müssen Ben, Portia und ihre neugewonnenen Freunde besiegen, um die in den Nebeln gefangene Rose und schließlich auch sich selbst zu befreien und wieder in die „richtige“ Welt zu gelangen. Weiterlesen

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Erin Niimi Longhurst: Ikigai – Die Kunst, zufrieden zu sein

Ikigai stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Lebenssinn. Diesen zu finden und ihm nachzugehen, kann zufrieden mache

n. Für diese Erkenntnis benötigt man kein Buch. Die Autorin will uns wohl auch deshalb mehr mit dem vorliegenden Band vermitteln.

Das Buch startet leidigerweise mit einer Einführung über elf Seiten. Diese Seiten beschäftigt sich vornehmlich mit der Autorin und ihren Weg zum ikigai. So sympathisch sie zu sein scheint, diese Passage gehört, wenn überhaupt, ans Ende des Buches. Ich möchte gleich auf Seite 1 damit starten, einen neuen Blick auf mein Leben zu werfen und es reicher und vollkommener zu machen. Denn dies, so verspricht die Einführung vor der Einführung ist das Ziel des Buches.

Auf knapp 280 Seiten erfahren wir sehr reichlich über die traditionelle japanische Lebensweise. Zum Beispiel, dass die Bewohner dieses Landes zu den Menschen gehören, die am längsten leben. Und dies, obgleich bekanntermaßen ihre Work-Life-Balance zu einer der schlechtesten weltweit gehört. Wo liegt das Geheimnis? Weiterlesen

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Anne von Canal: Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit

Ich bin verliebt! Ich bin verliebt in dieses Buch! Ich liebe dieses Buch von Seite 1 bis zum viel zu frühen Ende. Es startet famos: „An einem unbekannten Ort ankommen, ist wie der erste Kuss mit einem Fremden.“ Kann ein Anfang treffender, fesselnder, fragender sein?

Wir erfahren in Kapitel 1 etwas über das gesunkene deutsche Frachtschiff mit dem – angesichts seiner jetzigen Lage – absurden Namen „Fortuna“ auf den Schiffsseiten. Erfahren trifft es allerdings nicht – wir erleben es, stehen neben der Ich-Erzählerin bei Ebbe auf einem Felsstück im Wintermeer und strecken die Hand nach dem verrosteten Eisen aus. Wir stapfen neben der Protagonistin im nächsten Kapitel an den Ort, an dem einst die Villa Kunterbunt stand.

Gotland ist für die Autorin die Winterinsel, ist wie ein Raum der Einsamkeit, den man betreten kann. Sie nimmt uns einfach mit auf ihre Winterinsel, auf die Insel, weder Festland noch Meer. Weiterlesen

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Thilo Corzilius: Diebe der Nacht

Die Bretter, die die Welt bedeuten sind auch der umherziehenden Schauspieler-Truppe, die sich selbst die „Herbstgänger“ nennt eine willkommene, vertraute Bühne. Wo auch immer sie gastieren, führen sie Theaterstücke auf, verzaubern ihr Publikum durch mitreißende Darbietungen und, ja auch durch große Kunst. Daneben und unbemerkt von allen, bis auf ihr jeweiligen Opfer haben sie sich auf Trickbetrug spezialisiert. Da wird reichen Adeligen schon einmal ein heruntergekommenes Theater angedreht, da werden Despoten geschröpft und eingebildete Fatzke der Lächerlichkeit preisgegeben. Im Sommer zieht die Theatertruppe in die malerisch gelegene Lagunenstadt Mosmerano. Dank ausgefeilter Mechanik ist die Bühne und sind die Zuschauerreihen in Minutenschnelle aufgebaut, der Coup kann beginnen. Eigentlich wollen sie nur dem Herrscher ein gefälschtes Bild für dessen Sammlung andrehen. Doch dann trifft ihr Anführer auf einen verflossenen Liebhaber, verliert dabei, wie ein weiterer der Truppe sein Leben und die Dinge beginnen so richtig interessant zu werden.

Es geht um Überbleibsel einer ausgestorbenen Rasse. Die Schöpfungen sind voller Leben und Magie – aber auch gefährlich, kann man sie doch als desaströse Waffen einsetzen.   Um einen verheerenden Krieg zu vermeiden, um die Pläne despotischer Menschen zu vereiteln muss der junge Dieb und Mechanist Glin, der die Führung der Truppe übernommen hat, über sich selbst hinauswachsen – in seinem größten Coup . Weiterlesen

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Charlotte McConaghy: Zugvögel

Die Tiere sterben. Bald sind wir hier ganz allein.“ So beginnt dieser Roman, der in einer Zukunft spielt, in der die Wildtiere nahezu ausgestorben sind. Die Meere sind leergefischt, in den Wäldern leben keine Füchse, Rehe und Wildschweine mehr, Schutzprogramme gibt es nur für Tierarten, die der Mensch braucht.

Küstenseeschwalben gelten als die Zugvögel mit der längsten Zugstrecke überhaupt. Sie brüten in der Arktis und fliegen auf dem Weg in die antarktischen Überwinterungsgebiete und zurück in jedem Jahr eine Strecke von bis zu dreißigtausend Kilometern, fast einmal um die Erde.

Die Forscherin Franny Lynch will den letzten Küstenseeschwalben übers Meer folgen. „Vielleicht hoffte ich ja, er würde mich dorthin führen, wohin sie alle geflüchtet waren, […] all die Lebewesen, die wir getötet zu haben glaubten. […] Oder ich hoffte einfach nur, die letzte Reise dieses Vogels würde mir einen Ort zeigen, wo ich hingehörte.“ (Zitat Kap. 1) Denn Franny ist selbst ein Zugvogel, sie kann nicht an einem Ort bleiben. Weiterlesen

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Eric Barnert & Michael Kibler (Hrsg.): Banken, Bembel und Banditen

Als ich diesen Titel las, war es für mich als gebürtige Frankfurterin natürlich ein Muss, diese Sammlung von Krimi-Kurzgeschichten, die alle im Rhein-Main-Gebiet spielen, zu lesen.

In meinen Augen sind Krimis in Form von Kurzgeschichten eine echte Herausforderung. Muss der Autor doch auf wenigen Seiten die Ausgangssituation, die Handlung und die Lösung erfassen, dabei ausreichend Spannung aufbauen und das Ganze noch in einem guten, passenden Schreibstil präsentieren. Schon allein deswegen haben Autor:innen von Kurzkrimis meine Hochachtung. Auch wenn es sicher nicht allen gleich gut gelingt. So treten doch immer wieder auch Stereotypen auf oder zu klassische Handlungsstrukturen.

Andere jedoch, ich meine hier die Autoren aus dem vorliegenden Band, darunter vor allem Uli Aechtner, Dieter Aurass, Ella Theiß und Fenna Williams, um nur eine Auswahl zu nennen, schaffen skurrile, spannende Geschichten mit witzigen Plotideen und überraschenden Auflösungen.

Besonders imponiert hat mir die Geschichte „Träumerei“ von Ella Theiß, auch weil sie in der sehr selten verwendeten zweiten Person Singular geschrieben ist, der „Erzähler“ also die Protagonistin durchweg direkt anspricht. Eine fesselnde und gelungene Methode, um die Geschichte der Putzfrau Aneta zu erzählen, die bereit ist, eine ihrer Nieren zu verkaufen, um Geld für die Renovierung ihres Elternhauses zu bekommen. Ohne zu spoilern kann ich verraten, dass sie an Betrüger und am Ende sogar in Lebensgefahr gerät. Weiterlesen

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