Durian Sukegawa: Die Katzen von Shinjuku

Ein anrührender, einfühlsamer Roman um zwei Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Yama, ein junger, schüchterner Fernsehautor, der von seinem Vorgesetzten auf das Heftigste drangsaliert wird, betritt eines Abends eine winzige Bar im Viertel Shinjuku. Hinter der Theke der Bar bedient die ebenfalls sehr junge Yume. Eine wortkarge Frau, die schielt und die eine ganz besondere Beziehung zu Katzen hat. Um diese Katzen dreht sich auch die Katzenwette, bei der einige der Kneipengäste darauf wetten, welche Katze als nächste durch ein Oberlicht in den Raum hineinsehen wird. Zur besseren Unterscheidung der Tiere hat Yume einen sogenannten Katzenplan gezeichnet, der stets an der Kühlschranktür hinter der Theke hängt.

Im Laufe der vielen Abende, die Yama nach seinem ersten Besuch in der Bar „Karinka“ verbringt, kommen Yama und Yume sich etwas näher, auch wenn das sehr vorsichtig und behutsam geschieht. Schließlich zeigt Yume ihm sogar, wo sie die vielen Katzen, um die sie sich kümmert, versorgt.

Währenddessen quält sich Yama in mehreren Jobs, in denen er gegängelt, ausgenutzt und missachtet wird. Er selbst traut sich wenig bis gar nichts zu, bis Yume ihn dazu anregt, Gedichte zu schreiben. Doch dann schlägt das Schicksal grausam zu und Yume wird brutal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Weiterlesen

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Amie Kaufman & Jay Kristoff: Aurora erwacht: Band 1

Sie sind die Hoffnung und die Helden ganzer Planeten. Die Rede ist von den Crews der Space Academy. Jahrelang werden sie von der Aurora Legion ausgebildet, müssen lernen und trainieren. Am Tag der Auslese können sich die Squad Leader ihre Mannschaft auswählen – der mit der besten Abschlussnote bekommt natürlich das erste Zugriffrsecht. Und Tyler ist der Beste – überall, in jedem Fach. Dass er just in der Nacht vor der Auslese nicht schlafen kann und, natürlich höchst illegal, einen Ausflug in die Raumfalte unternimmt, erweist sich als – schicksalsträchtig.

Inmitten der Abkürzung zwischen den Sternen, die allein interstellare Reisen ermöglicht, findet er ein seit 200 Jahren dort verschollenes Schiff – an Bord, neben all den Toten in ihren Cryo-Kapseln ein junges, lebendiges Mädchen. Dass er ein Held ist, dass er einem Menschenkind das Leben gerettet hat zählt kaum, ist die Auslese doch, bis er wieder auf den Beinen ist, vorbei. Übrig bleiben die, die niemand sonst gewollt hat – die Loser, die Unfähigen, die im Umgang schwierigen Abgänger der Academy. Als Alpha muss Tyler aus diesen ein Team formen – seine Squad 312. Dann findet er gleich beim ersten Einsatz einen blinden Passagier an Bord – Aurora, das gerettete Mädchen – die vom menschlichen Geheimdienst gejagt wird. Warum nur ist der GIA hinter einer jungen Frau her, die die letzten 200 Jahre in der Falte im künstlichen Schlaf verbracht hat? Weiterlesen

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Isabel Allende: Was wir Frauen wollen

Wer zahlt, sagt, wo’s langgeht“, sagte einst Isabel Allendes Großvater. Dieser Satz wurde zum ersten Lehrsatz ihres erwachenden Feminismus.

Mit einer beharrlich anmutenden Leidenschaft schreibt die große chilenische Erfolgsautorin Isabel Allende über ihre Rolle als Frau und die gesellschaftliche Rolle von Frauen im Allgemeinen weltweit. Sie selbst sieht ihre Freiheit, die ihr der Erfolg ihrer Bücher beschert hat, als Privileg. Dadurch konnte sie sich bald von jeglichen Abhängigkeiten, mit denen sie jedoch zeit ihres Lebens konfrontiert war, freischwimmen:

Isabel Allende wurde in eine Familie hineingeboren, in der ihre Mutter Panchita immer von den Männern abhängig gewesen war. Früh verlassen vom Ehemann unterwarf Panchita sich dem patriarchalischen Vater, der auch Isabels Kindheit dominierte. Obwohl der oberen chilenischen Gesellschaft angehörig, konnte die Mutter sich auch im Leben mit ihrem zweiten Mann Ramón nie verwirklichen. Ihr Hang zur Malerei blieb eher ein verborgenes Hobby. „Ernährt und beschützt zu werden hatte eben seinen Preis“ , resümiert Allende (E-Book S. 15). Immer wieder zieht die mittlerweile 79-jährige Schriftstellerin Vergleiche zum Leben ihrer Mutter, die mit dem zwanzigjährigen Altersunterschied zu ihr selbst noch dazu verdammt gewesen war, sich stets unterzuordnen. Ungerechtigkeiten in und außerhalb der Familie erkannte die kleine Isabel schon früh und entwickelte Schuldgefühle der Mutter gegenüber, die sie als Opfer betrachtete. Heute ist sie dankbar für ihre als unglücklich empfundene Kindheit, die ihr den Stoff für ihr Schreiben lieferte. Weiterlesen

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Kristina Hauff: Unter Wasser Nacht

Ein Buch um Trauer, Schuld und Zweifel, um Freundschaft und Nähe und um Fremdheit, ein Roman über Menschen, die verzweifelt um ihre Träume kämpfen.

Es ist fast so etwas wie eine großräumige WG, in der sie leben. Sophie und Thies in dem einen Haus und direkt daneben Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Schon lange sind die Vier eng befreundet und wohnen nun nah beieinander, teilen Grundstück und Windrad, Scheune und Garten, Vergangenheit und Erinnerungen.

Doch werden sie auch eine gemeinsame Zukunft haben? Aaron, der Sohn von Sophie und Thies ist vor etwas mehr als einem Jahr ums Leben gekommen, ertrunken in der Elbe. Sophie, die schon immer Inga um ihre heile Familie beneidete, kann die Anwesenheit der Freundin und den Anblick der nachbarlichen Idylle kaum ertragen, zieht sich immer mehr von den Freunden zurück. Und auch mit ihrem Mann kann sie über das Vergangene kaum sprechen. Thies hingegen, ein seit Aarons Tod berufsunfähiger Lehrer, findet keine Ruhe, streift durch die Umgebung. Weiterlesen

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Kevin Hearne: Tinte und Siegel – Die Chronik des Siegelmagiers 01

Mit „Tinte und Siegel“ erzählt Kevin Hearne Neues aus der Welt des Eisernen Druiden. Seine Bücher gehören zum Genre der „Urban“ oder „Contamporary“ Fantasy, die sich dadurch auszeichnet, dass die Handlung nicht in fremden Fantasiewelten spielt, sondern in unserer realen Gegenwart angesiedelt ist. Das darf den Fantasyfan aber nicht abschrecken. Die Welt der Sagen, Mythen und Götter sickert ordentlich durch den dünnen Schleier unserer Realität.

In „Tinte und Siegel“ bemüht sich Aloysius „Al“ McBharrais seinen Pflichten als sogenannter Siegelagent in Glasgow nach zu kommen. Er betreibt als Tarnung eine Druckerei, ist aber in Wahrheit dafür zuständig, Götter und andere Geschöpfe aus mythischen Gefilden daran zu hindern, ungeregelt in unsere Welt zu kommen und alles Mögliche anzurichten, von Schabernack bis hin zu Tod und Verderben. Hierzu wurden einst Verträge geschlossen und Siegelagenten können mittels sehr spezieller Tinten und ihren Siegeln dazu beitragen, dass diese eingehalten werden. Die Geschöpfe, mit denen Al hauptsächlich zu tun hat, kommen aus dem irischen Pantheon Tir Na Nog. Weiterlesen

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Claudia Piñeiro: Wer nicht?

Hernán wird von seiner Mutter beauftragt, das Haus vom verstorbenen Großvater Martín zu verkaufen. Er erfüllt diese Aufgabe nur, weil er der Lieblingsenkel gewesen ist und als Architekt arbeitet. Mit der verborgenen Überraschung hat er nicht gerechnet. „Er starrt weiterhin die aufgebrochene Wand vor ihm an. Und dann geht er, als hätte er auf einmal begriffen, mit bloßen Fäusten auf das bröckelnde Mauerwerk los, schiebt die Stücke zur Seite.“ (S. 102)

Jeder Mensch kann in eine Ausnahmesituation geraten. Wenn diese dann auch noch mit einer Erkenntnis verbunden ist, haben die Betroffenen nicht nur eine Entscheidung zu treffen. Sie hat auch Auswirkung auf das eigene Leben.

In Claudia Piñeiros facettenreichen Erzählungen finden sich Personen im scheinbar harmlosen Alltag wieder. Ob es sich hierbei um so etwas Banales wie das Raustragen des Hausmülls, ein unbedachtes Wort im Spiel oder einen zweiten Koffer handelt, in jedem Ereignis verbergen sich Fallstricke, die eine Veränderung einleiten. Aus diesem Grund bleiben die Geschichten in Erinnerung. Die von Peter Kultzen übersetzten Texte berühren, erschüttern oder lassen im Kopfkino eine dramatische Fortsetzung entstehen.

Für viele Charaktere beginnt danach ein neuer Lebensabschnitt. Die Autorin bietet viele Möglichkeiten an. Dabei schafft sie es, persönliche Schicksale zu fokussieren. Unter anderem beschreibt sie ihre weiblichen Charaktere als anpackend oder hart arbeitend in ihrem Beruf. Ihre Frauen hinterfragen die ihnen auferlegte Rolle als Mutter, Tochter oder Ehefrau. Sie zeigen sowohl Mitgefühl als auch persönliche Grenzen. Weiterlesen

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Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Geschichte wird an Menschen konkret. Was dieser packende Generationenroman einmal mehr verdeutlicht Alena Schröder verbindet Nazi-Kunstraub mit vier Frauenschicksalen, welche über 100 Jahre hinweg im Leben der jeweils anderen Spuren hinterlassen. Ausgehend von der jungen Studentin Hannah, die in Berlin mit ihrem Leben hadert. Erst durch einen Blick in ihre Vergangenheit versteht sie ihre Gegenwart. Der Autorin ist ein packender Roman gelungen, der ein Stück deutscher Zeitgeschichte auf persönliche Art aufarbeitet. Ganz nah führt Sie uns an Ihre Hauptfiguren heran – allesamt weiblich, allesamt gegen den Strom schwimmend, allesamt mit den gleichen Fragen kämpfend, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ist es ein Historienroman? Eine Emanzipationserfahrung? Eine Schuld-und-Sühne-Aufarbeitung? Eine Coming-of-Age Geschichte? Dieses Buch ist ein wenig von allem. Und vor allem sehr bewegend.

Ein Berliner Seniorenwohnheim: Zwei unterschiedliche Frauen arbeiten ihre Probleme aneinander ab. Da ist die über 90-jährige Evelyn, eine ehemalige Ärztin, mürrisch, abweisend, mehr oder weniger auf den Tod wartend. Da ist ihre 27-jährige Enkeltochter Hannah, deren Leben nicht in die Gänge kommen will. Sie hadert mit ihrer Promotionsarbeit, der Affäre zu ihrem verheirateten Professor, dem Sinn des Lebens. Seit dem Tod ihrer Mutter vor zehn Jahren will nichts mehr gelingen. Weiterlesen

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Mariona Tolosa Sisteré: Das geheime Leben der Popel

Was soll ich sagen?!? Mein Sohn liebt dieses Buch! Geht es ja auch um ein Thema, das Kinder wahnsinnig fasziniert. Und hier erfahren sie wirklich alles Wissenswerte rund um die glibberigen Bewohner in ihrer Nase.

Mit großflächigen, sehr fantasievollen und bunten, um nicht zu sagen poppigen, Zeichnungen erfahren die kleinen Leser alle erstaunlichen, witzigen und zum Teil ekligen Details rund um den Popel. Zum Beispiel, dass wir es bei Popeln mit unerschrockenen Superhelden unseres Immunsystems zu tun haben. Sie erfahren, woraus die schleimigen Gesellen bestehen und wo genau im Körper sie leben. Was sagt der Schleim uns über unseren Gesundheitszustand? Wie halten es die Tiere mit ihren Popeln? Und was können wir Menschen respektive Kinder alles mit ihnen anstellen? Weiterlesen

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Frank Goosen: Sweet Dreams

Man kann dem Bochumer Autor Frank Goosen sicherlich vorhalten, mehr oder weniger immer dasselbe zu schreiben. Seine Bücher sind nostalgische Erinnerungen an das Leben im Ruhrpott – speziell in Bochum – in den 70er und 80er Jahren. In gefühlt jedem seiner Texte kommen die berühmten C-90-Kassetten vor – in seinem neuesten Werk „Sweet Dreams“ sogar auf dem Cover (in einem Walkman).

Und doch: Wer selbst im Pott aufgewachsen und ungefähr im selben Alter wie Goosen ist, wird an diesem Buch seine Freude haben. Das steigert sich, wenn man einen Bezug zu Bochum hat: Die Ruhr-Uni kommt genauso vor wie der VfL Bochum in der Bundesliga und die „Zeche“ mit ihren vielen tollen Konzerten.

Besonders zu Anfang liest sich „Sweet Dreams“, das offenbar nah an einer Autobiografie ist, unterhaltsam. Man begleitet den Ich-Erzähler und seine Freunde Brocki, Spüli, Förster und einige andere gerne durch ihr Leben als Jugendliche, das sich um die typischen Themen dreht, die für die meisten Jungs im Alter von 17, 18 oder 19 eben das Wichtigste sind: Mädchen und Alkohol. Weiterlesen

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Susanne Fröhlich: Abgetaucht

Die Hauptdarstellerin in „Abgetaucht“ heißt Andrea Schnidt (sic!), ist Ü50, hat ein paar Kilos zu viel auf den Hüften und kurvt durch ihren turbulenten Alltag. Es gilt eine Patchworkfamilie am Laufen zu halten. Das verlangt ihr manchmal einiges an Nerven ab. Die Tochter wird z.B. bei einem One-Night-Stand schwanger. Vom Kindsvater kennt sie nur den Vornamen. Ihr Freund kehrt ihr daraufhin erbost den Rücken. Der kleine Halvar ist dann allerliebst und Andrea eine schwer besorgte Helikopteroma, die Mutter und Kind dauernd umsurrt.

Weil sie selbst geschieden und wieder liiert ist, mit dem Arzt Paul, wird Weihnachten zur emotionalen Tour de Force. Es kommen ihre beiden Kinder, davon die alleinerziehende Tochter mit Baby, und auch die schöne Model-Ex von Paul mit der gemeinsamen Tochter. Außerdem ist Andreas Ex-Schwiegervater Rudi mit dabei, den sie aber sehr mag und der sie immer unterstützt.

Irgendwie verträgt man sich unter dem Tannenbaum letztendlich dann doch. Turbulenzen gibt es allerdings genug. Die schöne Ex zieht in die unmittelbare Nachbarschaft, Andrea und ihr Ex-Schwiegervater fahnden auf eigene Faust nach dem Vater von Baby Halvar, was dessen Mama aber nicht wissen darf. Weiterlesen

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