Guiseppe Fava: Bevor sie Euch töten (1976)

»… Als ich jung war, dachte ich, man müsse kämpfen und Widerstand leisten, um etwas zu erreichen. Aber ich war ein Wirrkopf. Ich dachte, wenn ein Mensch lebt, dann muss es auch ein Ziel für ihn geben. Aber ich habe nichts erreicht, und jetzt weiß ich nicht einmal mehr, was ich gesucht habe, als ich jung war.« (S. 312)

Lorenzos Leben als einfacher Arbeiter in Sizilien ist hart. Am Ende seiner Tage muss er hungern. Als er beim Wildern erwischt wird, hat der einfache Bauer ohne Bildung keine Chance auf einen gerechten Prozess. Er wird gefoltert und schikaniert. Um seine Ehre zu retten, tötet er einen Menschen. Natürlich wird er von der Polizei gesucht. Er kann sich in den Bergen verstecken, wo er auf drei jüngere Schicksalgefährten trifft. Jeder von ihnen hat ein Ziel; die Liebe, ein besseres Leben oder genug Geld, für Medikamente. Wie Lorenzo haben sie die Regeln der Reichen gebrochen. Die unterschiedlichen Männer, die nur als Verbrecher eine Überlebenschance haben, bilden eine Gemeinschaft. Während die Suchtruppen der Polizei ihr Versteck immer mehr einkreisen, erhalten sie einen Mordauftrag. Der Preis hierfür sind neue Pässe für eine Flucht nach Venezuela. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jacques Berndorf: Eine Reise nach Genf (1993)

Man muss schon eine Autoren-Institution sein, um erleben zu dürfen, dass seine Werke mehrfach und in verschiedenen Verlagshäusern neu herausgebracht werden. Jaques Berndorf, 1936 in Duisburg geboren, darf dies für sich in Anspruch nehmen. Aus Anlass seines 80. Geburtstags bringt der KBV Verlag frühe Werke Berndorfs als Neuauflage heraus, was sicherlich auch einer Verbeugung vor dem Lebenswerk des Autors gleichkommt. Dazu gehört u.a. auch „Eine Reise nach Genf“.

Jaques Berndorf, dessen erzählerische Bühne in der Eifel steht, konfrontiert seinen Protagonisten Siggi Baumeister mit einem realen Fall. Die meisten der Berndorf-Leser haben das Bild des toten Uwe Barschel in der Badewanne eines Genfer Hotels sofort vor Augen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Willem Frederik Hermans: Die Dunkelkammer des Damokles (1955)

Henris Lebensgeschichte ist keine normale Biografie. Als er ein Kind ist, tötet seine Mutter den Vater. Er selbst wird dadurch zu einem Außenseiter, dem Sohn einer verrückten Mörderin. In der Pubertät bleibt die Stimme hoch und der Wuchs klein. Auf die übliche Gesichtsbehaarung wartet Henri vergeblich. Sein Gesicht bleibt mädchenhaft. Er lernt Judo, so dass jeder Angriff seiner Mitschüler ins Leere geht. Am Anfang des Krieges rutscht er in den Widerstand, um gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Weil er für den Dienst an der Waffe zu klein geraten ist, folgt er einem gewissen Dorbeck, der ihm zum Verwechseln ähnelt. Immer wieder tötet er auf dessen Anweisung. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

E. M. Forster: Die Maschine steht still (1909)

Wie könnte der Mensch in 100 Jahren aussehen und leben? Es gibt zahlreiche Autoren, die ein Bild der Zerstörung, Angst und Hoffnungslosigkeit erschaffen haben.

M. Forsters Blick auf die Zukunft war ebenfalls nicht paradiesisch. Auch wenn Vashti ihr Zuhause für vollkommen hält. Ein vollautomatisiertes Zimmer unter der Erde ist ihr Fleckchen Heimat. Als ihr Sohn Kuno sie zu einem Besuch überredet, überwindet sie ihre Angst vor der Sonne und der Erdoberfläche. Dabei kann sie sich ein eigenes Bild machen. Und was sie durch ein Fenster des Luftschiffes sieht, ist ihr genauso fremd wie Kunos Bericht. Ohne Erlaubnis DER MASCHINE sei er nach oben geklettert. Zu Vashtis Überraschung überlebte er seinen Ausflug ins Freie, und seine Theorie treibt sie in die Flucht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hella Haasse: Der schwarze See (1948)

seeAuf Java in den zwanziger, dreißiger Jahren sind die Grenzen zwischen den holländischen Kolonialherren und den verarmten Einheimischen genau definiert. Als die Frau des Verwalters einer Teeplantage und die Frau des Aufsehers im gleichen Jahr einen Sohn gebären, werden diese Grenzen durchlässig. Denn die beiden Jungen wachsen zusammen auf, spielen, essen das Gleiche und werden beste, unzertrennliche Freunde. Eines Tages sollen die Freunde unterschiedliche Schulen besuchen. Mit dem erzwungenen Aufbrechen der Gemeinsamkeiten werden die vorgegebenen Grenzen wieder hergestellt. Doch dabei bleibt es nicht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ernest Hemingway: Schnee auf dem Kilimandscharo (1936)

schneeSucht man ein ausgesprochenes Männerbuch, ist Hemingway gewiss eine Option. In dieser Edition wurden zehn von Hemingways Kurzgeschichten vom Rowohlt-Verlag neu aufgelegt. Die Auswahl der Erzählungen wurde von der amerikanischen Ausgabe 1961 übernommen. Die Übersetzung von Werner Schmitz lässt sich gut lesen, er hat die Geschichten  vom absolut nicht mehr zeitgemäßen Stil der frühen Ausgaben befreit.

Hemingway, einst Reporter einer Lokalzeitung, war ein Weitgereister. Er lebte u. a. in Paris, Florida, auf Kuba, nahm am Spanischen Bürgerkrieg teil. Im zweiten Weltkrieg war er Kriegsberichterstatter. Zeitlebens blieb er ein Abenteurer. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rebecca West: Die Rückkehr (1918)

westIm Ersten Weltkrieg kursierte ein geflügelter Witz:

»Hilf mir, alter Knabe, ich hab‘ keine Beine mehr!«

… »Ich kann nicht, alter Knabe, ich hab‘ keine Hände mehr!«

Rebecca West schrieb im Alter von 24 Jahren ihren Debütroman »Die Rückkehr«, der 1918 veröffentlicht wurde. Während ihre Kollegen über das Leiden der Soldaten berichteten, erzählt die Autorin aus der Perspektive einer finanziell abhängigen, unverheirateten Frau im Alter von 35 Jahren.

Jenny lebt im Haushalt ihres Cousins Chris. Zusammen mit Kitty, der Ehefrau, wartet sie auf seine Lebenszeichen von der Front. Nach wochenlangem Bangen taucht die Arbeiterin Margaret auf, die Nachrichten bringt. So nach und nach erfahren sie alle Umstände seiner Krankheit. Durch Granateneinschläge wurde Chris traumatisiert, so dass seine Erinnerungen an die letzten fünfzehn Jahre verdrängt sind. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gabriele Tergit: Käsebier erobert den Kurfürstendamm (1931)

tergit„Mensch, ist Liebe schön“, singt der Chansonsänger Georg Käsebier 1929 in Berlin, und eine Zeitungsredaktion, der noch ein paar Zeilen fehlen, empfiehlt den Sänger und seinen Auftritt in der Hasenheide. Damit beginnt der Großstadtroman der Gerichtsreporterin und Schriftstellerin Gabriele Tergit. Ereignisse werden losgetreten, die Käsebier nicht mehr beeinflussen kann, er will einfach nur singen, aber was nun geschieht ist mehr, als er selber in der Hand hat.

Plötzlich will die Berliner High Society Käsebier singen hören, seine Auftritte werden zum Event, der Schmalz seiner Texte populär. Es gibt Käsebier-Puppen und er bekommt einen Vertrag bei der UFA, schließlich hat der Tonfilm Einzug gehalten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter (1957)

wachAls die US-Schriftstellerin Harper Lee im Februar 2016 wenige Wochen vor ihrem neunzigsten Geburtstag verstarb, zog ihr Name noch einmal die Aufmerksamkeit der Nachrichtenwelt auf sich.

Mit ihrem ersten Roman Wer die Nachtigall stört, hatte Harper Lee gleich den begehrten Pulitzer-Preis gewonnen.

Harper Lee hat Gehe hin, stelle einen Wächter noch vor ihrem Erfolgsroman Wer die Nachtigall stört geschrieben, doch es war nicht der richtige Zeitpunkt, diesen Roman zu veröffentlichen. Harper Lee’s Agenten lehnten das Manuskript 1957 ab. Die Autorin schrieb weiter, versetzte ihre Protagonisten zurück in die Jahre ihrer Kindheit und so entstand Wer die Nachtigall stört. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Frans Kellendonk: Buchstabe und Geist (1982)

»… Alles liegt immer an einem selbst. Du wolltest nicht mehr so wichtig sein. Du wolltest dich verlieren und dein Leben retten. Du kamst, um ein Mensch unter Menschen zu werden, in der Hoffnung, deine Glasglocke der Eitelkeit würde zerbrechen. Es ist dir nicht gelungen. Und du glaubst, es wird niemals gelingen.» (S. 140/141)

geistFelix Mandaat jagt einem Geist hinterher. Er ist so flüchtig, dass er ihn noch nicht einmal zu benennen vermag. Vergeblich suchte er sein Glück in der Dichtkunst. Und dann, kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag sollen ihm die Menschen helfen. Die Vertretungsstelle in der Bibliothek entwickelt sich jedoch nicht so, wie er hofft. Aus irgendeinem Grund bleibt er zwischen den vielen, schriftstellerisch tätigen Kollegen der Außenseiter. Zusammen mit ihren eigenen Büchern haben sie in den Hallen eine geistige Heimat gefunden, einen Hort der Gelehrsamkeit. Mandaats anfängliches Unbehagen bleibt. Allmählich verändert die Arbeit in diesem alten Gemäuer seine Wahrnehmung. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: