Alice Oseman: This Winter: Weihnachten mit Nick & Charlie

Alice Oseman erzählt in ihrem Kurzroman This Winter, wie Charlie und Nick versuchen, aus einem Weihnachtsfest das Beste zu machen. Bei Charlie läuft es zurzeit extrem stressig. Dies liegt unter anderem daran, dass seine Eltern noch nicht genau wissen, wie sie mit Charlies Erkrankung umgehen sollen. Eine Essstörung will einfach nicht zu einem ergiebigen Weihnachtsessen im großen Kreis der Familie passen. Auch die Cousinen und deren Eltern nerven Charlie mit endlosen Fragen, die nicht nur gefühllos, sondern auch mit Vorurteilen gespickt sind. Das Fest der Freude und des Friedens verdient in diesem Jahr eher einen anderen Titel.

Wie immer beschreibt die Autorin und Zeichnerin auf eine charmante und humorvolle Weise, wie sich Charlie und Nick durch ein Weihnachtsfest mit seinen unvermeidbaren Hürden kämpfen. Aus den Perspektiven der Geschwister Charlie, Tori und Oliver wird von einem „typischen“ Familientreffen erzählt, das untypisch unangenehm aus dem Rahmen fällt. In diesem Durcheinander an Wünschen und Forderungen zeichnet Alice Oseman mit Worten und Bildern ihre Charaktere so sympathisch, dass sie den Lesern schnell ans Herz wachsen dürften. Weiterlesen

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Alice Oseman: Nick & Charlie

Die Liebesgeschichte zwischen dem 18-jährigen Nick und dem 17-jährigen Charlie entwickelt sich zu einer intensiven Beziehung. Nach zwei Jahren fühlen sie sich wie Seelenbrüder. Da ist bereits in den Blicken und Gesten ein tiefes Verständnis füreinander. So könnte es weitergehen, wenn nicht der neue Lebensabschnitt für Nick anstünde. Nach den Sommerferien wird er zur Universität gehen, während Charlie noch ein letztes Schuljahr vor sich hat. Die räumliche Trennung macht ihm Angst. Hat ihre Liebe auch als Fernbeziehung eine Chance?

Charlies Zweifel werden besonders durch Kommentare im Internet geschürt. Natürlich sind dies Meinungen von Unbekannten, die sich hinter ihrer Anonymität verstecken. Sie raten Charlie, Nick das Schlimmste zu unterstellen. Schließlich würde keine Teenagerbeziehung lange dauern und als Fernbeziehung auf gar keinen Fall. Für eine Weile erlaubt Charlie, dass Fremde sein Herz vergiften.

Die junge und engagierte Alice Oseman gehört inzwischen zu den Autorinnen, die sich in dem Genre Jugendroman und Gender-Themen international einen Namen gemacht hat. Ihre Zeichnungen ergänzen ihre Texte prägnant und sicher, so dass sie die Liebesgeschichte mit Worten und Bildern als ausgearbeitetes und zugleich charmantes Kunstwerk präsentiert. Dabei gelingt es ihr, Nick und Charlie glaubwürdig bei der Bewältigung ihres Alltags zu zeigen. Weiterlesen

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Gesa Schwartz: Ash und die Welt der Schatten

Neben dem, was die Menschen als Realität begreifen, existiert eine weitere Ebene. In dieser Welt leben sie – die magischen Gestalten, Vampire, Werwölfe, Elfen, Nachtalben und Schatten.

Einst, vor Generationen befruchteten sich beide Welten, lebten in friedlicher Co-Existenz. Mittlerweile haben die Menschen dank ihrer Sucht nach Reichtum und persönliche Erfüllung die Parallelwelt vergessen – und, geht man nach der Königin der Schattenwelt, ist dies auch gut so. Ein paar wenige Menschen wissen noch um die Welt der Träume, haben sich als Gilde der Jäger zusammengefunden und wachen darüber, dass die gefährlichsten Bestien verfolgt und vertrieben werden. Einst waren Lucys Eltern die berühmtesten Jäger. Dann wurde ihre Mutter in der Schattenwelt getötet, ihr Vater zog sich vom Orden zurück.

Eines Nachts hört die 12-Jährige aus dem Keller Lärm. Als sie nachschaut, ist ihr Vater spurlos verschwunden, die Hinweise deuten auf die Schattenwelt. Als sie auf der verzweifelten Suche nach ihrem Vater das Tor zur Schattenwelt durchqueren will, begegnet sie Ash, einem Schatten, Bestienbezwinger und Traumräuber. Ein Renegat, einst einer der erfolgreichsten Jäger in Diensten der Königin, darbt er nun an einer Wunde, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Er ist, wie so manche der Wesen der Traumwelt, verletzt, wird immer schwächer. Weiterlesen

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Tanya Byrne: Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus

Die queere Autorin Tanya Byrne ermutigt Autor*innen aus Randgruppen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Dafür setzt sie sich passioniert ein und entführt uns in „Everlove“ in einen paranormalen, bittersüß-tragischen Young Adult-Romance.

Die Story dreht sich um Ashana, ein 16-jähriges britisch-indisch-guayanisches Mädchen, die mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in Brighton lebt. Doch Ash stirbt – mitten in ihrer eigenen Liebesgeschichte. Das einzige, was Ash und ihre erste Liebe Poppy trennt, ist der Tod. Dies war meine erste lesbische Liebesgeschichte und sie hat mich wirklich verzaubert, da sie einzigartig ist und aus einer authentischen Perspektive geschrieben wurde.

Ich bin die, mit denen sie experimentieren. Die, bei der sie sich gehenlassen können, weil ich es nie irgendwem erzählen werde. Ich bin die, deren Nummer sie unter Alfie oder Harry oder Luke abspeichern. Die Hüterin ihrer Geheimisse […].“ (S. 39)

Ich habe es sehr genossen in der ersten Hälfte dieses Buches in Ash und Poppys frische Beziehung einzutauchen, zu lesen, wie sie sich kennenlernen und ineinander verlieben. Liebesgefühle, bei denen jeder Gedanke in ihren Köpfen durch die Freundin ersetzt wird und Ash sich fragt, ob Poppys Lippen so schmecken, wie sie Torte an ihrem dreizehnten Geburtstag, als die das letzte Mal so unfassbar glücklich war. Weiterlesen

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Anna Fleck: Meeresglühen 02: Wiedersehen in Atlantis

#Ella ist am Ende des ersten Bandes zurück an die Oberfläche gekehrt. Es war ihre eigene Entscheidung, aber glücklich ist sie damit nicht. Zu sehr vermisst sie Aris. Bis er nach einem Jahr plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Sie kehrt zurück nach Atlantis, aber Atlantis befindet sich im Krieg. Es ist Aris, auf dem die Verantwortung liegt, diesen Krieg zu beenden und zunächst ahnt Ella nur, wie er das bewerkstelligen soll. Als ihre Ahnung bestätigt wird, stellt sie das vor eine neue furchtbare Entscheidung.

Auch der zweite Band der Trilogie hat ein wundervolles Cover, das mit seiner Farbgebung und seiner Reliefstruktur gleich an eine Unterwasserlandschaft denken lässt. Aber auch der Inhalt hat mir gefallen. Ella hat sich endlich mal weiterentwickelt und hier sind es vor allem die Nebencharaktere, die mir ans Herz gewachsen sind und die Anna Fleck genauso liebevoll ausgearbeitet hat, sie das Setting und die Hauptprotagonisten. Weiterlesen

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Patrick Bard: Point of View: Wenn du nicht wegschauen kannst

Lucas Leben ist vollständig durcheinander. Er kann nicht mehr schlafen, seine Schulnoten sind unterirdisch, und er verliert völlig den Kontakt zu seinen Freunden. In seinem Kopf sind ständig diese Bilder und Szenen.

„Das Problem ist: Nur die Flucht in die Pornowelt lässt ihn zur Ruhe kommen. Dabei kann er loslassen und alles vergessen.“ (S. 88, 89)

Irgendwann erkennen auch seine Lehrer und Eltern, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Lange glauben sie, Strenge und Gespräche könnten helfen. Natürlich weiß Lucas aus eigener Erfahrung, dass das Aufhören nicht so einfach ist. Wie kann man mit etwas aufhören, das seine Gedanken vollständig beherrscht.

An dem Tag, an dem seine Eltern mit ihm eine neue Maßnahme ausprobieren wollen, trifft Lucas selbst eine Entscheidung, die drastisch und folgenreich wird.

„Er hatte sich von uns zurückgezogen“, wird die einzige vernünftige Antwort sein, die der Richter von Lucas Eltern herausbekommen wird, um zu erklären, warum Lucas […] auf der […] A11 […] bei 110 Stundenkilometern […] die hintere Autotür geöffnet hat und […] gesprungen ist.“ (S. 108)

Patrick Bards Romane wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Autor, Reiseschriftsteller und Fotojournalist aus Frankreich bearbeitet meistens die Themen Grenzen und Frauenfragen. Weiterlesen

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Angeline Boulley: Firekeeper’s Daughter

Daunis Fontaine entstammt zwei Welten: Sie ist eine Fontaine, Enkelin des Bürgermeisters und Inhabers der größten Baufirma der Oberen Halbinsel am Lake Superior. Und sie ist die Tochter von Levi Firekeeper sr. vom Stamme der Ojibwe. Weiße halten sie oft für eine Native American, für Natives gehört sie manchmal nicht richtig dazu. Die Parallelen zur Autorin sind unverkennbar: Angeline Boulley hat eine weiße Mutter und einen Ojibwe-Vater. Sugar Island, wo die Handlung spielt, nennt sie ihre Heimat.

Am Anfang lässt sich Angeline Boulley Zeit beim Erzählen. Aus der Perspektive der 18jährigen Daunis stellt sie deren Mutter vor, die Beziehung zu ihrem Bruder Levi, der nur drei Monate jünger ist, die beste Freundin, die Leidenschaft für Eishockey, die Ojibwe-Community, Ojibwe-Traditionen. Sie reißt Probleme an und wirft Fragen auf: Warum starb Daunis’ Vater, als sie und Levi erst sieben Jahre alt waren? Wie haben es sowohl die Fontaines als auch die Firekeepers bislang geschafft, dem Mädchen gerecht zu werden, ohne sie zu zerreißen? Wird sie sich für eine der beiden Welten entscheiden müssen? Weiterlesen

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Alice Oseman: Nothing Left for Us

Dies vorab: Der Jugendroman Nothing Left for Us mit dem Originaltitel Radio Silence von Alice Oseman ist ein Superlativ geworden. Gründe gibt es hierfür viele, unter anderem ihr angenehmer Schreibstil. Die Erzählerin Frances erzählt einfühlsam und extrem spannend von ihren letzten Trimestern und ihrem Wunsch, einen Studienplatz in Cambridge zu bekommen. Seit vielen Jahren arbeitet sie auf dieses Ziel hin, wurde eine der besten Schülerinnen und Schulsprecherin. In der gleichen Zeit hat sie ihr Image des farblosen Nerds aufgebaut.

Wer die private Frances ist, bleibt privat. Diese andere Frances hat ein künstlerisches Talent, liebt bunte Kleidung und ist unter anderem ein großer Fan des Podcasts Universe City, in dem der oder die geheimnisvolle Radio Silence einen verzweifelten Hilferuf aus der Zukunft sendet. Inzwischen hat Frances die spannenden Folgen der Science Fiction-Serie in vielen Skizzenblöcken visualisiert und im Internet veröffentlicht. Am letzten Schultag vor den Sommerferien erhält sie vom Creator den Vorschlag, Universe City mit ihren Bildern zu ergänzen. Weiterlesen

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Robert Habeck & Andrea Paluch: Sommergig

Andrea Paluch und Ihr Ehemann Robert Habeck (ja, genau der) schreiben ja schon eine ganze Weile zusammen Romane, vor allem Jugendbücher. Dieses, im Original bereits 2009 erschienen, war nun das erste, das ich von dem Autorenpaar las und ich muss sagen, es hat sich gelohnt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 17jährige Tom, der mit seinem Vater zusammenlebt. Seine Mutter ist vor Jahren gestorben, Vater und Sohn haben lange Zeit in Amerika gelebt. Als Tom nach Deutschland zurückkam und als Neuer in die Schule eintrat, begegnete er zum ersten Mal der Mädchenband Penny or Dime. Die vier Schülerinnen, Penny, Anna, Britt und Ilayda werden für ihn regelrecht zum Zentrum seines Lebens. Vor allem um Penny, die Sängerin der Band, drehen sich seine Gedanken. Zu dumm nur, dass diese ausgerechnet mit Aikal, Ilaydas Bruder, geht, der auch Toms bester Freund ist.

Die Band gewinnt eine Einladung auf ein Nachwuchsfestival in Kopenhagen und Tom darf die Mädchen dorthin chauffieren. Hitze, Alkohol, Eifersucht und Missverständnisse bringen die Gruppe fast zum Auseinanderbrechen. Als schließlich auch noch ein syrischer Flüchtling um ihre Hilfe bittet, eskaliert die Lage. Weiterlesen

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Jarrett J. Krosoczka: Hey, Kiddo

Es gibt Bücher, die beim Lesen etwas auslösen, insbesondere wenn ein Thema viele Menschen jenseits der Überholspur beschäftigt. Dem amerikanischen Autoren und Zeichner Jarrett J. Krosoczka ist dies gelungen, in dem er seine persönliche Geschichte erzählt und damit tendenziell an die des legendären Tellerwäschers erinnert. Denn der Unterschied zwischen reich und arm ist riesengroß geworden und hat damit die Chancenungleichheit zementiert. Armut ist ein Synonym für schlechte Bildung, gering bezahlte Jobs, eine unbezahlbare Krankenversicherung, ein Wohnungsumfeld mit Kleinkriminalität und Bandenkriegen, bei denen Unbeteiligte ins Schussfeld geraten können. Kinder, die in einem schwierigen Umfeld groß werden, haben selten die Chance, die traurige Karriere ihrer Eltern hinter sich zu lassen, um ihre eigene zu finden.

Hey, Kiddo ist so eine Geschichte. Der kleine Jarrett wird so von seiner heroinsüchtigen Mutter genannt, die aufgrund ihrer Erkrankung seine ganze Kindheit und Jugend verpasst. Der Großvater Joe sorgt dafür, dass Jarrett bei ihm und seiner Frau Shirley aufwächst. Dort lebt er im Kreis seiner jungen Tanten und Onkel. Die ganze Zeit wird Jarrett von Alpträumen heimgesucht, die ihn nicht loslassen wollen. Vermutlich haben die drogenabhängigen Freunde seiner Mutter einen bleibenden Eindruck bei dem kleinen Jarrett hinterlassen. Weiterlesen

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