Ursula Poznanski: Shelter

Es ist spät geworden. Nach der Feier sitzen nur noch die fünf Freunde zusammen. Eine Frage beschäftigt die Psychologiestudentin Liv: Wie kann man Menschen erreichen, deren Überzeugung so fest ist, dass sie anderslautende Tatsachen komplett ablehnen? Und Benny, der Schauspieler werden möchte, spinnt weiter: „[…] du zeigst ihnen auf eine andere Art und Weise, wie naiv sie sind.“ (S.11)

Man könnte den Verbohrten „[…] eine total bescheuerte eigene Verschwörungstheorie präsentieren, und sobald sie darauf eingestiegen sind, hättest du haha gesagt, ätsch, alles bloß meine persönlichen Hirngespinste […]“ (S. 11)

Kurz darauf haben die Fünf eine Theorie entwickelt, und Livs neues Projekt kann starten. Mit Fake-Accounts und gesprayten Logos in der realen Welt geht es los. Schnell wird allen klar, dass ihre erfundene Verschwörung Widersacher braucht. „Man muss selbst das Gefühl haben, auf der richtigen Seite zu stehen, die Dinge zu durchschauen.“ (S. 49) Also planen sie, die Gegenseite zu steuern. „Wir greifen auf der einen Seite an und verteidigen auf der anderen.“, schlägt Liv vor. „‚Ein paar Sekunden lang starren alle sie an. Dann lachte Darya. ‚Du machst mir Angst‘, sagte sie.“ (S. 50) Weiterlesen

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Naomi Novik: Scholomance 02: Der letzte Absolvent

Willkommen in Scholomance – oder sollte ich vielleicht treffender sagen, willkommen in der Hölle? Eigentlich war die Idee ja wirklich gut – sorgfältig durchdacht, geplant, ausgeführt – alles perfekt. Doch sie kennen das vielleicht, wenn man meint, alles bedacht zu haben, wirklich perfekte Arbeit abgeliefert zu haben, dann gibt es ein kleines Ding und das ganze schöne Kartenhaus bricht über einem zusammen.

Ich bin El, eigentlich Galadriel, und gehe auf das magische Internat Scholomance. MeinVater starb, als er seine schwangere Frau, meine Mutter, beim Verlassen der Magierschule rettete, nach meiner Geburt bekam ich von meiner Großmutter väterlicherseits eine mehr als finstere Prophezeiung mit auf den Weg – von Wegen, aus mir würde eine Weltenzerstörerin – und wuchs in der Hippie-Kommune meiner Mutter mehr geduldet, als geliebt auf. Jetzt bin ich also in meinem letzten Jahr an der Magierschule ohne Lehrer, ohne Ferien und ohne Dates – schließlich sind wir alle nur mit einem beschäftigt – zu überleben. Die Mals – magische Bestien – lauern überall auf uns, nur die Taffsten von uns, die Brutalsten, die mit den besten Verbindungen werden es durch die Tore der Schule in die Freiheit schaffen, die anderen werden sterben. Sterben wie in Tot, grausam und brutal zerfleischt, gefoltert, aufgefressen – können sie sich ein Bild machen, was ich meine? Weiterlesen

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Kevin Brooks: Bad Castro

Judy ist Polizistin. Sie bekommt per Mail einen Hinweis und ist tatsächlich dabei, als zwei ihrer Kollegen den Gangführer Bad Castro verhaften. Aber diese Nacht ist keine ruhige Nacht, seit dem Abend schon gibt es an allen Ecken Ausschreitungen. Es ist eine seltsame Nacht, denn es scheint sich um keinen „normalen“ Bandenkrieg zu handeln, sondern jeder gegen jeden und alle gegen die Polizei. Der Wagen, in dem sie Castro transportieren wird gerammt und als Judy aus einer kurzen Bewusstlosigkeit erwacht, sind ihre beiden Kollegen erschossen und sie muss mit Castro aus dem brennenden Auto fliehen. Er bleibt bei ihr und sie bleibt bei ihm in dieser hochgefährlichen Nacht.

„Bad Castro“ ist eine faszinierende psychologische Ausarbeitung über die Komplexität des Zusammenspiels von Gang-/Bandenwesen und Polizei. Da ist auf der einen Seite Castro, ein Gangleader, jemand mit Macht, jemand, der bereits getötet hat und wahrscheinlich auch Morde in Auftrag gegeben hat. Man kommt nicht durch Wattebäuschchenweitwurf in eine solche Position. Er ist abgebrüht, der kennt sich aus, er weiß, wie man diese Nacht überleben kann. Und doch ist er noch ein Kind. Weiterlesen

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Annette Mierswa: Liebe sich, wer kann

Als Lotti Jakob anruft und ihn dazu überredet, sie auf einer Wanderung zu begleiten, ist er überglücklich. Lotti, die Schulsprecherin, die schöne Lotti, die Bonzentochter, eine mit der jeder Junge befreundet sein will, Lotti, seine heimliche Liebe, hat ihn erwählt. Die Wanderung durch die Wälder zu einem geheimnisvollen Ziel soll vier Tage dauern. Für Jakob könnte die Wanderung ewig dauern. Genaugenommen will er bei ihr bleiben und nie mehr zurück.

„Sie hatte ja keine Ahnung, wer mir alles im Nacken saß. Eine ganze familiäre Bullenherde, dazu der Keiler und seine Jungs und, nicht zu vergessen, mein verdammter Selbsthass.“ (S. 182)

Den Überlebensleitspruch ‚Rette sich, wer kann‘ hat die Autorin Annette Mierswa umformuliert. Ihr Leitthema sind Angststörungen und Depressionen. Am Beispiel von Jakob und Lotti zeigt sie, wie wichtig Selbstsicherheit und Eigenliebe sind. Wer sich selbst wertschätzt und gut behandelt, kann besser mit gedankenlosen Rüpeln klarkommen.

Im Zentrum ihrer Geschichte steht Jakob, der in der Familie unter einem prolligen Vater und älteren Zwillingsbrüdern leidet. Sie und verschiedene Mitschüler haben Jacob beigebracht, er sei nichts wert, ein Opfer, eine Peinlichkeit, und jeder hätte aus diesem Grund das Recht jederzeit auf Jakob einzutreten. Eine Schulpsychologin hat Jakob viele Tipps gegeben, seine Abwehrmechanismen zu stärken und sich selbst lieben zu lernen. Weiterlesen

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Neal Shusterman: Game Changer

Ash ist ein einigermaßen erfolgreicher Footballspieler. Er ist weiß, hetero und alles in allem amerikanischer Durchschnitt. Bis sich bei einem Zusammenstoß beim Football plötzlich alles ändert. Oder nur eine Kleinigkeit geändert hat. Jedenfalls hat sich Ashs Leben geändert. Er hat plötzlich reiche Eltern und ist ein Arschloch. Es muss etwas mit diesem Zusammenprall beim Football zu tun gehabt haben, denn da hat er plötzlich eine Verschiebung bemerkt. Beim nächsten Spiel möchte er das wiederholen und macht alles nur noch schlimmer.

Ash ist in der Lage Multiversen zu erschaffen, und bei dem Versuch, zurück in sein eigentliches Universum zu gelangen, erschafft er Welten, in denen die Rassentrennung nie abgeschafft wurde, in denen er schwul oder ein Mädchen ist. Das bringt eine ganze Menge neue Erkenntnisse mit sich.

Bislang hielt sich Ash für einigermaßen tolerant, sowohl Schwarzen wie auch Mädchen gegenüber, aber hier muss er erkennen, dass das nicht ausreicht. Ihm war nie klar, wie unfair das Leben Frauen gegenüber ist, bis er selbst ein Mädchen ist und das am eigenen Leib spürt, wohlgemerkt mit seinem Gedächtnis, wie die gleiche Situation als Mann gewesen wäre. Ihm war auch nie klar, wie dünn das Eis für seinen schwarzen Freund wirklich ist und wie hart dieser Arbeiten musste, um dort zu sein, wo er ist – und wie unmöglich das sein kann, wenn die Welt eine andere ist. Weiterlesen

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Adriana Popescu: Wie ein Schatten im Sommer

Der Umzug aufs Land ist eine echte Umstellung für die Münchnerin Vio – und dennoch kommt er wie gerufen, denn sie hat genug, wovor sie davonlaufen will. Ein Neuanfang also. Eine neue Chance. Neue Leute, die nicht alles über sie wissen und sie nicht verurteilen. Walddorf heißt der neue Ort und wird seinem Namen gerecht: Eingekesselt von Wäldern und abgeschnitten von der Außenwelt. Der Richtige Platz, um zur Ruhe zu kommen. Vio findet schnell Anschluss und versteht sich großartig mit dem Pizzaboten Konstantin, mit dem sie immer mehr Zeit verbringt. Alles scheint perfekt. Der perfekte Sommer. Fahrradausflüge, Nachmittage am Badesee und nächtliche Partys bei Vios neuen Freunden.

Eine Idylle, die zerstört wird, als jemand ausländerfeindliche Parolen an die Wände des nichtfertiggestellten Flüchtlingsheims schmiert. Auf einmal hinterfragt Vio alles, was sie um sie herum geschieht und merkt immer mehr, dass die Engstirnigkeit des Dorfes vielleicht doch größer ist als dessen Frieden. Und nicht nur das. Immer wieder wenden die unreflektierten oder gewollt provozierenden Kommentare sich auch gegen sie selbst, die als Tochter rumänischer Einwanderer von manchen nicht als Deutsche angesehen wird. Weiterlesen

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Kerstin Gier: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann

Quinn ist umschwärmt. Er wird zu Partys eingeladen, um seine Meinung gefragt, ist einfach ein cooler Teenager – der sich nur zu gerne von seiner Freundin Lilly trennen würde, es aber nicht übers Herz bringt – nett ist er also auch noch. Mathilda ist klug, hilfsbereit und hübsch, aber für andere alles andere als cool. Denn sie kommt aus einer hochreligiösen Familie mit langer Tradition und verbringt einen Großteil ihrer Freizeit in kirchlichen Einrichtungen. Ausgerechnet während der Party, auf der Quinn sich endgültig von Lilly trennen will, wird er angegriffen. Zumindest glaubt er das, alle anderen denken, er ist betrunken vor den LKW gelaufen.

Quinn überlebt nur knapp und ist lange auf Krücken und Rollstuhl angewiesen, sein Kopf ist jetzt kahl und vernarbt und seine Umwelt glaubt, er hätte auch geistige Schäden davongetragen. Er glaubt das auch, denn er sieht Wesen, hört Stimmen und irgendwas stimmt mit seiner Sehschärfe nicht. Quinns Mutter bezahlt Mathilda dafür, Zeit mit Quinn zu verbringen, denn seine alten Freunde will er nicht mehr sehen.

Zwei, die es noch nicht wissen, haben sich gefunden. Denn Quinn, der Pragmatiker, wird plötzlich mit einer Welt – dem Saum – konfrontiert, die es doch eigentlich nicht geben kann oder höchstens in Fantasy-Geschichten, die er nicht liest. Mathilda dagegen kennt jeden Fantasy-Roman auf dem Planeten, hat sie doch Grund genug, dem geistigen Leben ihrer Familie zu entfliehen. Dafür kann sie den Saum weder sehen noch betreten. Weiterlesen

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Leia Stone: Celestial City – Akademie der Engel: Jahr 3

Am Ende des zweiten Bandes erfahren wir, dass Luzifer Brielle vor den Augen ihrer Freunde die Kehle durchschneidet und mit ihr durch ein Portal in die Hölle verschwindet. Nun, am Anfang des dritten Bands, liegen alle in tiefer Trauer, denn sie sind von dem Tod ihrer besten Freundin, Verlobten, Tochter oder Schwester überzeugt. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin wurde sie vor ihren Augen ermordet.

Doch Brielle ist nicht tot. Stattdessen ist sie in der Hölle gefangen, ohne einen Ausblick auf Rettung, denn alle, die sie liebt, halten sie für tot. Keiner wird kommen, um sie zu retten. Um den Drogen zu entkommen, mit denen sie Tag für Tag ruhig gestellt wird, muss sie Luzifer vorspielen, auf seiner Seite zu stehen, was gar nicht so einfach ist, immerhin war dieser selbst einmal ein Erzengel.

Zwischen Folter, dem Erschaffen neuer Dämonen und Übungskämpfen gegen Luzifers Anhänger, die nicht selten mit dem Tod enden, muss sie eine Möglichkeit finden, dem Teufel höchstpersönlich zu entkommen, denn ihr durchgehender Aufenthalt in der Hölle, die ständige Wut und die Angst haben eine gefährliche Auswirkung auf ihre Magie: Es fällt ihr immer schwerer, die helle Magie anzuwenden, die Magie, die aus dem Himmel kommt. Weiterlesen

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Stefanie Lasthaus: Touch of Ink 02: Im Bann der Verbotenen

Im zweiten Band der Dilogie ist Quinn fast auf sich alleine gestellt, obwohl sie doch gerade erst herausgefunden hat, was sie ist und wo sie hingehört. Nathan wurde während des Angriffs entführt und der Rat der Wandler misstraut ihr als Verbotene. Quinn möchte diese ganze Macht nicht, die ihr ihr zweifaches Erbe als Wandler und Sänger angeblich gibt, überhaupt nicht. Sie möchte nur Nathan retten und manchmal als Polarfuchs gemeinsam mit ihm durch die Wälder streifen. Aber sie kann sich dem Krieg nicht entziehen, den die andere Verbotene gemeinsam mit abtrünnigen Bärenwandlern unbedingt haben will.

Ich fand auch den zweiten Band flüssig und angenehm geschrieben, allerdings nicht ganz so stark wie den ersten Band. Das mag an den vielen politischen Erklärungen liegen, die einfach notwendig waren, um diesen ganzen Krieg und den Hass, der da herrscht, zu verstehen. Aber es hat auch viel vom Schwung der Erzählung genommen. Außerdem war dieser Band deutlich düsterer als der erste. Wo im ersten Buch Quinn noch mit einer gewissen Neugier und Faszination ihr neues altes Leben entdecken konnte, ist hier fast nur Grausamkeit und Verzweiflung. Weiterlesen

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E.M. Castellan: Im Schatten des Sonnenkönigs 01: Die Gabe

Als Kardinal Mazarin, der die Geschicke Frankreichs auf Jahrzehnte hinaus bestimmt hatte, im März des Jahres 1661 stirbt, ist die Zeit für Louis XIV gekommen. Als Kindkönig stand er bis dahin ganz im Schatten des übermächtige Kardinals, jetzt will er Paris, ja der Welt seinen Stempel aufdrücken. Seine Vermählung mit einer Spanierin soll für Ruhe an der Süd-Westlichen Flanke seines Reiches sorgen, die Hochzeit seines Bruders mit der Schwester des Königs von England die Bedrohung aus dem Norden bannen. Dass der König höchstselbst über magische Fähigkeiten verfügt, soll ihm helfen, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Wie alle Magier des Reiches aber benötigt auch er, um seine Magie zu wirken, eine menschlichen Quelle. Quellen sind rar, zumal in letzter Zeit, da ein Mörder Paris in Angst und Schrecken versetzt und Quellen aus allen Schichten jagt und meuchelt.

Die 17-jährige Henriette D’Angleterre wuchs behütet zusammen mit ihrer Mutter im Kloster auf. Als Schwester des Englischen Königs ist sie eine gute Partie, wird sie als politisches Pfund heiraten müssen. Dass ihr Gatte, immerhin der jüngere Bruder Louis XIV, sich so gar nicht für seine Angetraute interessiert führt dazu, dass ihr Leben langweilig, ihre Position bei Hofe geschwächt und sie selbst zum Ziel politischer Ränke wird. Bis sie bei einem Reitunfall, bei dem sich der König schwer verletzt, diesem offenbart, dass ausgerechnet sie eine Quelle für dessen Magie ist. Ab da ändert sich ihr Leben radikal, zumal Henriette Gefühle für einen verheirateten Mann entwickelt, der nicht der ihre ist … Weiterlesen

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