Stewart O’Nan: Abendlied

Der amerikanische Schriftsteller Stewart O’Nan hat bislang zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane verfasst. In unserem Leselustportal ist eine weitere Rezension zu seinem 2022 erschienenen Roman „Ocean State“ zu finden.

Sein neuer Roman „Abendlied“ ist im Gegensatz zu „Ocean State“ eine ruhige Geschichte, was wohl an den betagten Hauptfiguren liegt.

„Abendlied“ ist in O’Nans Geburtsort Pittsburgh, Pennsylvania, angesiedelt. Hier haben sich mehrere betagte Damen zu einer Selbsthilfeorganisation zusammengefunden und den „Humpty-Dumpty-Club“ gegründet. Ihr Hauptanliegen ist es, sich gegenseitig und weitere alte Menschen zu unterstützen, damit alle noch möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können. Im Laufe der Jahre sind einige vertraute Personen gegangen, andere kamen dazu.

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Fabian Kowallik & Gamze Kılıçarslan: Das originale Gottesnahrung-Kochbuch

Zwischen Natur, Körperwissen & Rebellion

Dieses Buch will nicht gefallen. Es stellt Gewohnheiten infrage. Präzise und ohne Rücksicht auf deine Komfortzone. Es zielt auf all das, was du über „gesunde Ernährung“ zu wissen glaubst. Und ja: auf das, was wir unserem Körper über Jahre zugemutet haben.

Der Satz: „Wenn die Oma es nicht kennt, ist es ein verarbeitetes Lebensmittel und hat im menschlichen Organismus nichts zu suchen“ (S. 43) ist hier kein nostalgischer Spruch, sondern eine Anklage gegen industrielle Normalität. Eine, die uns zwingt, Ehrlichkeit und Verantwortung wieder über unsere Bequemlichkeit zu stellen.

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Miriam Rademacher: Banshee Livie 11: Überleben für Erstsemester

Livie lernt eine weitere Verwandte der Harrowmores kennen: Eine bislang noch nicht aufgetauchte alte Dame kommt zu Besuch und verteilt gefährliche Geschenke, um – wie sich herausstellt – die Banshee aus der Reserve zu locken. Ihr zu Gefallen reist Livie gemeinsam mit Millie in der Zeit zurück, um auf dem Universitätscampus von Durbridge herauszufinden, was damals mit den beiden verschwundenen Söhnen geschah und vor allem, wer von den beiden den Erben gezeugt hat.

Sehr bald stellt sich heraus, dass in Durbridge das Böse umgeht und die beiden Jungen nicht die Einzigen sind, die verschwinden. Brisant ist, dass außer den beiden Harrowmores anscheinend nur Stipendiaten betroffen sind („wo niemand nachforschen wird“) und dass es nach den beiden Harrowmores aufgehört hat.

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Kylie Scott: Text Appeal

Romance-Autorin Riley hat sich ihren Traum erfüllt und ist in eine kleine Küstenstadt gezogen. Sie ist gerade in Port Stewart angekommen, als sie Textnachrichten für einen »Connor« erhält, die sie extrem neugierig machen. Wie sich herausstellt, ist Connor der Golden Boy der Stadt, der es irgendwie nicht schafft, seine Ex davon zu überzeugen, dass es wirklich vorbei ist. Ein bisschen Fake-Dating mit der Neuen, die zufällig seine alte Nummer hat, scheint die perfekte Lösung zu sein. Riley hat nichts dagegen, Zeit mit dem umwerfenden einstigen Prom-King zu verbringen – natürlich nur zu Recherchezwecken für ihren Roman und nicht, weil Connor ihr Herz von Anfang an höher schlagen lässt …

Das Buch ist perfekt für zwischendurch. Eine humorvolle, kurzweilige Geschichte mit Fake-Date-Trope erwartet die Leser hier. Im Grunde genau das, was ich liebe, aber hier hat mir das gewisse Etwas dann doch gefehlt.

Der Schreibstil ist einfach, gut verständlich und meiner Meinung nach manches Mal ein wenig zu locker.

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Julian Barnes: Abschied(e)

Julian Barnes ist am Ende seiner schriftstellerischen Karriere angelangt und benennt dies auch ausdrücklich. Im Januar 2026 wird er achtzig Jahre alt. Nun ist es an der Zeit, das eigene Leben zu hinterfragen und zu ordnen, befindet er, und wendet sich damit an seine Leser.

Barnes erzählt von den Anfängen seiner Schriftstellerei und macht einen Sprung bis an das Ende. Dazwischen steht die Erzählung von der Beziehung seiner Kommilitonen Stephen und Jean aus der gemeinsamen Zeit in Oxford.

Wie Barnes selbst schreibt, verwendet er für diesen Roman Aufzeichnungen aus Notiz- und Tagebüchern. Manches erzählt er, wie es sich zugetragen hat, in anderen Teilen verwebt er Erinnerungen mit Fiktionen. Natürlich ist dadurch ein sehr persönlicher Text entstanden.

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Elisa Jakob: Queen Victoria

Wer sich für das viktorianische Zeitalter interessiert, aber nicht nur Geschichtsbücher wälzen möchte, wird hier aufs Beste informiert. Leben und Wirken von Queen Victoria werden in dieser Romanbiografie sehr anschaulich und fesselnd beschrieben.

„Wäre ich nicht die, die ich bin, dann wäre dies mein richtiges Zuhause geworden, aber für mich wird es immer mein zweites sein“, soll Queen Victoria über das kleine Schloss Rosenau in der Nähe der Residenzstadt Coburg gesagt haben. Hier und im Herzogtum Coburg fühlte sie sich wohl; dort hat sie mit Albert, ihrem Mann, dem Prinzen von Sachsen-Coburg und Gotha, glückliche Tage verbracht, die beide immer als die schönsten bezeichneten. In Schloss Rosenau wurde übrigens eigens für den Besuch der Queen und ihres Gatten 1860 ein Wasserklosett eingebaut – eine neumodische Erfindung, die Königin Victoria begeisterte und die sie bereits zur „Great Exhibition“ 1851 in London im berühmten Kristallpalast hatte einbauen lassen, um die Hygiene und damit die Gesundheit zu verbessern, in einer Zeit, in der immer noch Epidemien und Infektionen Tausende Menschenleben forderten, weil der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine hygienische Abwasserentsorgung fehlten. Die Gesundheit ihrer Untertanen lag Victoria am Herzen.

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Jessie Garcia: The Business Trip

Stephanie ist auf dem Weg zu einem lästigen Kongress. Im Flugzeug trifft sie Jasmine, die auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund ist. Die beiden Frauen haben nichts gemeinsam, sich nichts zu sagen und wechseln auch nicht mehr als ein paar Worte.

Beide erzählen in Textnachrichten an Freunde von einem supertollen Mann, den sie kennengelernt haben und mit dem sie eine Woche abtauchen wollen. Aber irgendwas stimmt da nicht. Kollegen finden heraus, dass Stephanie plötzlich die Namen ihrer eigenen Geschwister nicht mehr zu kennen scheint. Außerdem passt das alles so gar nicht zu ihr. Und dann kommen Hilferufe – und dann gar nichts mehr.

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Anna Benning: To Love A God: Götterlicht 02

Colden hat seine Erinnerungen an die letzten 200 Jahre verloren – und damit auch jede Erinnerung an Aurora. Dass er sich nicht mehr an ihre Liebe erinnert, ist jedoch ihr geringstes Problem, als ein neuer Gott aus der alten Welt auftaucht, der sich als Cassian, Coldens älterer Bruder, erweist – der Gott, der vor tausenden von Jahren den Krieg anzettelte, der die Welt der Götter zerstört hat.

Auf seinen Rat hin, fordert Colden – durch den Gedächtnisverlust kalt und rachsüchtig geworden – den Herrschergott zu einem Wettkampf heraus, um seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen. Doch jeder verfolgt seine eigenen Ziele und Aurora ist als mächtigste Waffe ein Spielstein zwischen undurchschaubaren Mächten …

„To Love A God“ ist der zweite Band der Reihe nach „To Tempt A God” und um Längen besser als Band 1! Wer den Einstieg entgegen aller Schwierigkeiten bewältigt hat, wird nun mit einer rasanteren Handlung belohnt; mit Charakteren, die durch den Verlust ihrer Erinnerung um einiges interessanter werden, und mit einer Geschichte, die so zwar nicht überragend innovativ oder irgendetwas dergleichen wäre, aber immerhin Spaß bringt und wirklich aufregend ist!

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Mikkel Robrahn: Eternity Online 3

Rob und seine Freunde bestreiten ihre letzte Quest, die für altbekannte Helden doch ein Klacks sein sollte: Ein Monster töten, das droht, ganz Avataris zu verschlingen. Dem tödlichen Hammer des Scharfrichters und seiner Silbernen Garde entkommen. Eine Freundschaft retten. Und sich nebenbei noch aus den Fängen aller höheren Mächte befreien, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Was kann da schon schiefgehen?

Inhaltlich ging es genauso spannend weiter, wie der letzte Band aufgehört hatte, sodass ich ab dem ersten Satz wieder drin war. Dem größten Teil der Geschichte bin ich auch gespannt gefolgt, aber vor allem das Ende hat sich für mich zu lang gezogen, weil dann doch recht schnell klar war, was passieren würde. Auch Erklärungen oder inhaltlich Gesagtes von den Charakteren, haben sich hier für mich zu oft wiederholt. Dennoch hat der Autor ein schlüssiges, auserzähltes Ende gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin.

Gut fand ich wieder, dass sowohl Robs Perspektive im Spiel als auch Roberts Perspektive in der realen Welt erzählt wurde. So ergibt sich ein größeres Gesamtbild ohne offene Fragen.

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Irene Vallejo: Wein und Küsse

Geistreich, unterhaltsam und ganz auf heutige Lesebedürfnisse zugeschnitten: Wie ein literarisch-philosophisches „TikTok-Format“ für Wissbegierige muten die 200 kurzen Kolumnen von Irene Vallejo an, veröffentlicht in der Zeitung „El Pais“. Die Autorin pickt sich eine Idee, eine Redensart, die Herleitung eines Wortes oder eine Sage aus der Antike heraus und verknüpft sie gekonnt mit Heute. Das regt beim Lesen sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken an. Denn in der Moderne steckt weit mehr vom alten Rom und Athen, als uns bewusst ist. Noch dazu bezaubert Irene Vallejo durch ihren ganz eigenen Schreibstil mit herrlichen Metaphern samt Kommentaren, die Lust darauf machen, diesen Buchschatz in einem Atemzug zu verschlingen.

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