Grace Paley: Die kleinen Widrigkeiten des Lebens (1959)

Die US-amerikanische Schriftstellerin Grace Paley wurde 1922 geboren. Ihre Eltern waren russisch-jüdische Einwanderer. Sie lebte in New York City, schrieb Kurzgeschichten und Gedichte und starb 2007 in Vermont. Grace Paley engagierte sich aktiv für Frauen- und Bürgerrechte und die Friedensbewegung. „Die kleinen Widrigkeiten des Lebens“ erschienen 1959 unter dem Originaltitel „The Little Disturbances of Man“ und 1994 erstmals auf Deutsch bei Schöffling. Im April 2018 legte btb die Taschenbuchausgabe des Klassikers in einer Übersetzung von Sigrid Ruschmeier vor.

Darin zehn Storys der Autorin, die so modern und pfiffig daher kommen, dass sie auch noch fast sechzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung unbedingt lesenswert sind.

Tante Rose erklärt ihrer Nichte Lillie in „Auf Wiedersehen und viel Glück“, warum sie keine bedauernswerte, alte, alleinstehende Frau ist, sondern ein selbstbestimmtes, spannendes Leben geführt hat und am Ende nicht mehr nur Geliebte sondern Ehefrau des bekannten Schauspielers Volodya Vlashkin wird. Weiterlesen →

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Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht

In schöner Regelmäßigkeit schreibt Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) an seiner Krimireihe über den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano weiter. Mit „Eine Stimme in der Nacht – Commissario Montalbano hört auf sein Gewissen“ erschien am 27. April 2018 der zwanzigste Band bei Bastei Lübbe. Rita Seuß und Walter Kögler übersetzten ihn aus dem Italienischen. Den Krimi mit dem Originaltitel „Una voce di notte“ verfasste Camilleri allerdings schon 2012.

Ausgerechnet an seinem 58. Geburtstag muss Commissario Salvo Montalbano sich zuerst mit einem Verkehrsrowdy und dann mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Piano Lanterna, bei dem die Tageseinnahmen gestohlen wurden, beschäftigen. Der Verkehrsrowdy, Giovanni Strangio, entpuppt sich als Sohn des Provinzpräsidenten Michele Strangio, der ihm sogleich den Anwalt Nullo Manenti auf den Hals hetzt. Weiterlesen →

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Jorge Amado: Tote See (1936)

Jorge Amado (Jahrgang 1912), der große brasilianische Schriftsteller, starb 2001. Er hinterließ eine Vielzahl von Büchern, in denen er über sein Heimatland Brasilien und die Menschen dort schrieb. Amado war Kommunist und wurde in Brasilien verfolgt. Er lebte viele Jahre, u.a. in Europa, im Exil. „Tote See“ erschien erstmals 1936 unter dem Titel „Mar Morto“. Amado selbst bezeichnete es als sein „liebstes Buch“. Der S. Fischer Verlag hat am 26. April 2018 eine Neuauflage des Buches in einer Übersetzung von Karin von Schweder-Schreiner herausgebracht.

In „Tote See“ erzählt Jorge Amado die Geschichte von Lívia und Guma, dem Saveirofahrer in der Bucht von Salvador da Bahia im Nordosten Brasiliens. Und von Iemanjá, der Meeresgöttin, die sich erst dann den Männern zeigt und sie in ihr Gefolge aufnimmt, wenn sie im Meer sterben.

Gumercindo, Guma genannt, hat das Handwerk des Saveirofahrens (Saveiros sind traditionelle brasilianische Segelboote, die Waren und Lasten transportieren) von seinem Onkel Francisco gelernt. Sein Vater Frederico ist im Meer umgekommen. Seine Mutter hat die Familie verlassen. Weiterlesen →

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Toni Morrison: Die Herkunft der anderen

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison (Jahrgang 1931) hat sich ihr Leben lang mit den Themen Rasse und Rassismus beschäftigt. In ihrem literarischen Werk beschreibt sie das Leben und Schicksal afroamerikanischer Menschen, insbesondere von Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika. In dem Roman „Gott, hilf dem Kind“, 2017 bei Rowohlt auf Deutsch erschienen, spielte die Hautfarbe der Hauptfigur eine große Rolle.

2016 hielt Toni Morrison eine Vortragsreihe an der Harvard University in Cambridge über „Die Literatur der Zugehörigkeit“. Im März 2018 veröffentlichte der Rowohlt Verlag sechs Texte aus diesen Vorlesungen unter dem Titel „Die Herkunft der anderen – Über Rasse, Rassismus und Literatur“ in einer Übersetzung von Thomas Piltz. Darin nähert sich Toni Morrison von verschiedenen Seiten den Themen Rasse und Rassismus und ihrer Rolle in der Literatur bzw. für die Literatur.

In „Romantisierte Sklaverei“ beschreibt sie den Nutzen einer Unterscheidung nach Hautfarbe für den Erhalt von Macht und die Legitimierung von Unterdrückung. Und wie Literatur einen Beitrag zur Romantisierung der Sklaverei leistet (Beispiel: „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe, 1852). „Amerikanisch zu sein“, bedeutet auch heute noch „weiß zu sein“. Weiterlesen →

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Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore 02: Eine Metapher wandelt sich

Nun ist es also soweit: Haruki Murakamis Fortsetzung „Die Ermordung des Commendatore 02:  Eine Metapher wandelt sich“ ist am 16. April 2018 (Übersetzung Ursula Gräfe) im DuMont Verlag erschienen. Hinterließ der erste Band des Romans, der im Januar 2018 veröffentlicht wurde, viele offene Fragen, so ist die Spannung auf die Antworten in Band II groß. Und die Leserinnen und Leser sollen nicht enttäuscht werden.

Murakamis Protagonist, der Porträtmaler, sucht weiter nach seinem Malstil. Er porträtiert die dreizehnjährige Marie Akikawa und freut sich auf die sonntäglichen Sitzungen mit ihr. Währenddessen spielt der weißhaarige Herr Menshiki, der glaubt, dass Marie seine leibliche Tochter ist, sein eigenes Spiel. Er beginnt eine Affäre mit Maries Tante Shoko Akikawa. Marie hingegen hat kein gutes Gefühl mit Herrn Menshiki. Dafür  entwickelt sie ein Vertrauensverhältnis zu dem Maler und erzählt ihm von ihrem geheimen Weg, der durch den Wald an dem alten Schrein und der Grube vorbeiführt. Sie besucht den Maler heimlich.

Derweil recherchiert Menshiki im Leben des Nihonga-Malers Tomohiko Amada, in dessen Haus der Porträtmaler wohnt, weiter und findet Details über die Familie heraus. Der Porträtmaler bittet Masahiko Amada, den Sohn Tomohikos, darum, ihn bei dem nächsten Besuch seines Vaters begleiten zu dürfen. Das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ fasziniert ihn weiterhin. Und eines Nachts glaubt er, den alten Tomohiko im Atelier sitzen zu sehen. Weiterlesen →

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Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Die US-Amerikanerin Celeste Ng (Jahrgang 1980) schrieb 2016 mit „Was ich euch nicht erzählte“ einen Bestseller. Nun ist bei dtv am 20. April 2018 ihr neuester Roman „Kleine Feuer überall“ in einer Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen. Auch in diesem Buch geht es um das Thema Familie.

Das Haus der Richardsons brennt.

Familie Richardson lebt in Shaker Heights, Ohio (Ng ist selber dort aufgewachsen). Elena und Bill Richardson mit ihren vier Kindern Trip, Lexie, Moody und Izzy sind die perfekte Familie. Elena arbeitet als Journalistin, Bill ist Jurist. Elena lebt schon ihr ganzes Leben in Shaker Heights. Ihre Kinder gehen dort zur Schule und sie schreibt für die „Sun Press“. Sie sind wohlhabend und selbstbewusst.

Mr und Mrs Richardson vermieten eine Wohnung an Mia Warren und ihre Tochter Pearl. Mia ist Fotokünstlerin und alleinerziehend. Sie verdient zusätzlich Geld mit Kellnern oder Putzen. Mia und Pearl führen ein Nomadenleben. Weiterlesen →

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Emily Fridlund: Eine Geschichte der Wölfe

Emily Fridlund ist eine US-amerikanische Autorin, die bisher überwiegend Kurzgeschichten, Erzählungen und Gedichte geschrieben hat. Ihr Debüt-Roman „Eine Geschichte der Wölfe“ ist am 19. März 2018 in einer Übersetzung von Stephan Johann Kleiner im Berlin Verlag erschienen. Die amerikanische Ausgabe „History of Wolves“ war für den Man Booker Prize 2017 nominiert.

„Eine Geschichte der Wölfe“ erzählt von der 14jährigen Linda, die bei ihren Eltern, zwei ehemaligen Hippies, in Minnesota aufwächst. In der Schule gilt Linda aus Außenseiterin. Sie wird „Freak“ genannt. Mit den Hockeyspielern, Cheerleadern, den „begabten und talentierten Kinder“ kann Linda nichts anfangen und die anderen nichts mit ihr. Linda fährt im Kanu über die Seen, fängt Barsche und nimmt sie aus, sie spaziert durch die Wälder, sie kümmert sich um die Hunde. Bis Mr Grierson, der neue Geschichtslehrer, an die Schule kommt, als Ersatz für den verstorbenen Mr Adler, der immer nur von den russischen Zaren erzählte. Mr Grierson bittet Linda, als Vertreterin der Schule an einer Geschichtsodyssee teilzunehmen. Linda bekommt den Originalitätspreis für ihre „Geschichte der Wölfe“. Linda beobachtet Mr Grierson und ihre Mitschülerin Lily Holburn genau. Später wird Mr Grierson gefeuert und Lily verschwindet. Weiterlesen →

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Natsume Sōseki: Der Bergmann (1908)

Natsume Sōseki (1867-1916) ist ein berühmter japanischer Schriftsteller der modernen Literatur. Zu seinem 100. Todestag  erschienen 2016 einige seiner Bücher in Deutschland. Im März 2018 gab der DuMont Verlag Sōsekis 1908 erschienenen Roman „Der Bergmann“ (Originaltitel: Kōfu) in einer Übersetzung von Franz Hintereder-Emde als Taschenbuch heraus.

Im Vorwort zu dem Buch zählt Haruki Murakami „Der Bergmann“ zu seinen Lieblingsbüchern.

Ein junger Mann verlässt eines Tages (vermutlich nach einer unglücklichen Verliebtheit) Hals über Kopf sein Elternhaus in Tokio, in dem er bis dahin sorgenfrei gelebt hat. Auf seiner Wanderschaft, die planlos durch die japanische Landschaft führt, landet er zunächst in einer Teestube, in der er von einem fremden Mann für die Arbeit in einem Bergwerk angeworben wird. Der junge Mann sucht die Einsamkeit und vielleicht auch den Tod. Und trotzdem folgt er dem Werber Chōzō blauäugig und ohne Nachzudenken. Auf dem Weg kommen zwei weitere Unbedarfte dazu. Trotz aller Widrigkeiten scheint der junge Mann diese zusammengewürfelte Gemeinschaft zu genießen und ihr zu vertrauen. Weiterlesen →

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Felicitas Hoppe: Prawda – Eine amerikanische Reise

Die Büchner Preisträgerin von 2012 Felicitas Hoppe (Jahrgang 1960) hat die Welt schon auf einem Containerschiff umrundet („Pigafetta“, 1999) und sich eine fiktive Autobiografie verpasst („Hoppe“, 2012).

Im März 2018 veröffentlichte der S. Fischer Verlag ihr neuestes Buch „Prawda – Eine amerikanische Reise“. Felicitas Hoppe begibt sich darin im Herbst 2015 auf eine Reise vom Osten der USA nach Westen, von Boston nach San Francisco und von Los Angeles zurück nach New York City. Inspiriert wurde sie durch den Reisebericht der beiden Russen Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, die in den 1930er Jahren im Auftrag der russischen Zeitung „Prawda“ Amerika bereisten.

Mit drei Mitreisenden, die sich in einem anspruchsvollen Auswahlverfahren durchgesetzt haben, macht sich „Frau Eckermann“ (wie sich Hoppe in ihrem Buch nennt) auf den Weg. Der russische Künstler Foma, die deutsche Fotografin Jerry und die österreichische Dozentin und Kettenraucherin MsAnnAdams begleiten Felicitas Hoppe fortan in einem rubinroten Ford Explorer durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Noch regiert Barack Obama, aber es ist Wahljahr. Weiterlesen →

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Andreas Maier: Die Universität

Der Doktor der Philosophie und Schriftsteller Andreas Maier (Jahrgang 1967) hat 2011 mit dem Buch „Das Zimmer“ einen autobiografischen Romanzyklus angefangen, von dem bisher fünf Teile veröffentlicht wurden. Im Februar 2018 erschien im Suhrkamp Verlag Teil Sechs „Die Universität“. Wie seine Vorgänger ist „Die Universität“ ein schmales Bändchen. Darin beschreibt Maier die ersten Semester seiner Philosophie-Studienzeit in Frankfurt a. Main Ende der 1980er Jahre.

Andreas Maier ist von Friedberg in der Wetterau nach Frankfurt am Main gekommen, um Philosophie und Germanistik zu studieren. In den Semesterferien will er nach Italien, genauer gesagt nach Südtirol. Doch als er am Hauptbahnhof Frankfurt steht, kauft er eine Fahrkarte nach Butzbach, wo sich eine Zweigstelle der Bindernagelschen Buchhandlung befindet. In die Buchhändlertochter war er einst verliebt.

Zurück in Friedberg sitzt er vor einem leeren Blatt Papier mit der Überschrift „Butzbachfahrt“. Weiterlesen →

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