Der Schriftsteller Alexandre Dumas hatte einen berühmten Vater, dessen ungewöhnliche Karriere nicht nur durch die Berühmtheit seines Sohnes und Enkels in Vergessenheit geriet.
Alexandre Dumas Großvater war der Adelige Alexandre Antoine Davy de la Pailleterie, der zu seinem vermögenden jüngeren Bruder nach Saint-Domingue floh, wo Sklaven unter der brutalen Hand ihrer Aufseher die weltweit größte Menge an Zucker produzierten. Alexandre Dumas Vater, Thomas-Alexandre, wurde am 25. März 1762 als Sklave geboren, weil seine Mutter, Marie Cessette, eine schwarze Sklavin war. Weiterlesen
sabine-bovenkerk-mueller
Maike Stein: Tagebücher lügen nicht
„… Sogar ihre Lippen sind bleich. Sie steht da und starrt mich an. Ich habe keine Worte mehr. Sie dreht sich weg und rennt. Das Loch in meiner Brust verschluckt meinen ganzen Körper. Sie ist weg. …“ (S. 165)
Sophia und Tim sind fast schon ewig miteinander befreundet. Beide leben ihr alltägliches, normales Leben in der Schule, mit Freunden und der Familie. Doch beide haben noch eine ganz eigene Welt. Während Tim in seiner Basketballmannschaft seine zweite Heimat gefunden hat, liebt Sophie ihr zweites Leben in der Corvae-Welt, in der wandlungsfähige Menschen Abenteuer bestehen. Weiterlesen
Walter Bauer: Die Stimme (1961)
„… Verstehen Sie mich recht: ich spreche nicht von anderen, ich spreche von mir. Ich kann nicht vergessen, oder: ich konnte nicht vergessen.“ (S. 53)
Das eigene Land, die Heimat zu verlassen, dürfte niemanden leicht fallen. Wie fühlt es sich an, fremd zu sein und wortlos, wenn die Landessprache erst noch erlernt werden will?
Richard hat dieses Fremdsein nach dem Zweiten Weltkrieg ausgekostet. War sein altes Leben auf Dauer und Beständigkeit ausgelegt, besteht es nun aus Augenblicken. Weiterlesen
Daniel Glattauer: Geschenkt
„… Im nächsten Moment schämte ich mich … was glaubst du eigentlich, wer du bist? Dreiundvierzig Jahre lang warst du unauffällig, hast dich zurückgehalten, hast dich nie vorgedrängt, hast immer alle anderen gewinnen lassen, nicht aus edlen Motiven, nein, zumeist aus reiner Bequemlichkeit und weil du dich eben gut kennst: Du bist nicht der Typ, der für die großen Dinge vorgesehen ist. …“ (S.117/118)
Gerold ist inzwischen ein heruntergekommener Journalist und alkoholkrank wie einst sein Vater. Für ein Tageblatt schreibt er kleine Meldungen. Eines Tages erfährt er von seiner verflossenen Geliebten, er habe einen vierzehnjährigen Sohn. Weiterlesen
Liza Cody: Lady Bag
Liebe soll bekanntlich blind machen. Als Angela sich noch Angela nannte und bei einer Londoner Bank Karriere machte, liebte sie einen jüngeren Mann. Aus Liebe zu ihm wurde sie eine Betrügerin und ging für einige Jahre ins Gefängnis.
Nach der Haft ist von ihrem alten Leben nichts mehr übrig. Die Mutter tot und anonym beerdigt, ihr Haus verkauft, kein Job und keine andere Perspektive als die Obdachlosigkeit. Die von ihrem Liebhaber geschworene ewige Liebe ist zu diesem Zeitpunkt auch schon eine Weile Geschichte. Zusammen mit der Hündin Elektra lebt sie als „Lady Bag“ auf der Straße, bettelt und trinkt Rotwein gegen den in ihrem Inneren brodelnden Zorn. Weiterlesen
Wanjiku wa Ngugi: Die Scheinheiligen
Je nachdem, was einem Menschen widerfährt, entwickelt er sein ganz persönliches Weltbild. Der reiche und zugleich beruflich erfolgreiche Anwalt Zack findet: „… Mein Großvater … sah ein, dass die Schwachen die Starken nähren, die Niederen die Höheren. Reichtum gedeiht nur auf Armut. Ich habe es nicht erfunden, aber so funktioniert die Welt eben …“ (S. 244)
Das Weltbild der jungen, schönen und armen Mugure hat seine Grundierung in Kenia erhalten. Zum ersten Mal lernt Mugure als junge Frau ihren Vater kennen, der ihr vier Jahre ein Studium in den Vereinigten Staaten bezahlen will. Weiterlesen
Dragana Oberst: Jenseits der weißen Linie
Jana ist noch keine sieben Jahre alt, als sich ihr Leben schlagartig ändert. Der Vater verschwindet quasi über Nacht, die Mutter wandert nach Deutschland aus, um Geld zu verdienen. Der Familienrat beschließt, dass der elfjährige Bruder in ein Internat geht, während Jana bei der armen Großmutter in einem kleinen serbischen Dorf leben soll.
Das Jugoslawien der sechziger Jahre wird von Tito geprägt. Um ihn zu ehren, lernt sie zusammen mit den anderen Schulkindern regelmäßig Lobgedichte, die sie auf politischen Festakten vorträgt. Im Laufe der Jahre muss Jana lernen, dass jeder, der irgendwie aus dem gesellschaftlichen Gefüge ausbricht, am Rande der Gemeinschaft lebt. Und sie lernt, dass Fleiß und gute Noten nicht immer ausreichen, um dazuzugehören. Weiterlesen
Vanessa Barbara: Salatnächte
Im Roman von Vanessa Barbara ist die Welt bunt. Bunt sind die Häuser einer abgelegenen Ortschaft, bunt sind die Bewohner der dünnhäutigen Wohnungen und so geschwungen, wie sich die Straßen über das Gefälle der Landschaft ziehen, so verlaufen die Biographien einiger Bewohner. Eine Übersetzerin zum Beispiel könnte Karriere machen, wenn ihre drei Hunde sie nicht völlig kontrollieren würden; ein alter Japaner erlebt nach seiner Demenzerkrankung den Zweiten Weltkrieg in seiner ganz persönlichen Interpretation; ein Briefträger, der grundsätzlich die Post falsch zustellt; ein Apotheker sammelt leidenschaftlich Erkenntnisse über die Nebenwirkungen der von ihm verkauften Medikamente; eine alte Inderin beschäftigt eine junge Büglerin, die nicht bügeln kann oder das in die Jahre gekommene Ehepaar Ada und Otto versorgt jeden mit Blumenkohlauflauf. Die bunte Gemeinschaft hält auf jeden Fall zusammen. Egal, was passiert. Weiterlesen
Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe
Die 25-jährige Ballerina Leyla erlebt in Baku ihre Stunde „Null“. Eben hat sie noch mit den gelangweilten Söhnen und Töchtern der Superreichen Partys gefeie
rt und ist mit ihnen private Rennen gefahren, bei denen auch schon einmal jemand sein Leben verlor, und nun sitzt sie im Verhörzimmer der Polizei, wo sie der handfesten Befragung ausgesetzt ist. Mit Schmerzen kennt sich Leyla aus. Wer wie sie von klein auf Ballett tanzt, hat den Schmerz in seinem Leben angenommen, bis er wie das Atmen dazugehört. Die Schmerzen bei der Misshandlung sind jedoch andere, völlig neue. Nachdem ihr Mann Altay die richtigen Beamten bestochen hat, wird Leyla freigelassen. Doch die Familie bietet keinen langanhaltenden Schutz. Leyla muss mit ihrer Geliebten verschwinden. Die Liebe und ein intensiv gelebtes Leben sind auf dieser Reise genau so zu überdenken wie das Arrangement ihrer Ehe mit Altay. Weiterlesen
J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine
Wie jedes Jahr im Sommer steht ein Urlaub in Maine auf dem Programm. Während Alice im modernen Sommerhaus mehrere Monate lebt, kommen ihre Kinder, Enkel im Wechsel, um im alten Sommerhaus nebenan für ein paar Wochen zu entspannen. Die alte Dame solle nicht zu lange sich selbst überlassen sein, meint die hilfsbereite Schwiegertochter Ann Marie. Alice Tochter Kathleen will dagegen mit ihrer Mutter seit dem Tod des Vaters vor zehn Jahren so wenig wie möglich zu tun haben. Und Maggie, Kathleens Tochter, fährt statt ihrer regelmäßig nach Maine. In diesem Jahr kommt sie ohne ihren Freund, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, wie ihr Leben demnächst als alleinerziehende Mutter aussehen könnte. Weiterlesen