Im Roman von Vanessa Barbara ist die Welt bunt. Bunt sind die Häuser einer abgelegenen Ortschaft, bunt sind die Bewohner der dünnhäutigen Wohnungen und so geschwungen, wie sich die Straßen über das Gefälle der Landschaft ziehen, so verlaufen die Biographien einiger Bewohner. Eine Übersetzerin zum Beispiel könnte Karriere machen, wenn ihre drei Hunde sie nicht völlig kontrollieren würden; ein alter Japaner erlebt nach seiner Demenzerkrankung den Zweiten Weltkrieg in seiner ganz persönlichen Interpretation; ein Briefträger, der grundsätzlich die Post falsch zustellt; ein Apotheker sammelt leidenschaftlich Erkenntnisse über die Nebenwirkungen der von ihm verkauften Medikamente; eine alte Inderin beschäftigt eine junge Büglerin, die nicht bügeln kann oder das in die Jahre gekommene Ehepaar Ada und Otto versorgt jeden mit Blumenkohlauflauf. Die bunte Gemeinschaft hält auf jeden Fall zusammen. Egal, was passiert. Weiterlesen
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Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe
Die 25-jährige Ballerina Leyla erlebt in Baku ihre Stunde „Null“. Eben hat sie noch mit den gelangweilten Söhnen und Töchtern der Superreichen Partys gefeie
rt und ist mit ihnen private Rennen gefahren, bei denen auch schon einmal jemand sein Leben verlor, und nun sitzt sie im Verhörzimmer der Polizei, wo sie der handfesten Befragung ausgesetzt ist. Mit Schmerzen kennt sich Leyla aus. Wer wie sie von klein auf Ballett tanzt, hat den Schmerz in seinem Leben angenommen, bis er wie das Atmen dazugehört. Die Schmerzen bei der Misshandlung sind jedoch andere, völlig neue. Nachdem ihr Mann Altay die richtigen Beamten bestochen hat, wird Leyla freigelassen. Doch die Familie bietet keinen langanhaltenden Schutz. Leyla muss mit ihrer Geliebten verschwinden. Die Liebe und ein intensiv gelebtes Leben sind auf dieser Reise genau so zu überdenken wie das Arrangement ihrer Ehe mit Altay. Weiterlesen
J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine
Wie jedes Jahr im Sommer steht ein Urlaub in Maine auf dem Programm. Während Alice im modernen Sommerhaus mehrere Monate lebt, kommen ihre Kinder, Enkel im Wechsel, um im alten Sommerhaus nebenan für ein paar Wochen zu entspannen. Die alte Dame solle nicht zu lange sich selbst überlassen sein, meint die hilfsbereite Schwiegertochter Ann Marie. Alice Tochter Kathleen will dagegen mit ihrer Mutter seit dem Tod des Vaters vor zehn Jahren so wenig wie möglich zu tun haben. Und Maggie, Kathleens Tochter, fährt statt ihrer regelmäßig nach Maine. In diesem Jahr kommt sie ohne ihren Freund, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, wie ihr Leben demnächst als alleinerziehende Mutter aussehen könnte. Weiterlesen
Fletcher Moss: Der Giftschmecker
Wer keine Familie hat, muss sehen, wo er bleibt. Da ist niemand, der einem das Leben leicht macht. Alles, von täglichem Brot angefangen bis hin zu einem trockenen Schlafplatz, muss aus eigener Kraft erarbeitet werden.
Der Jugendliche Dalton Fly war ein Findelkind, gestohlen vom dicken Oskar aus den Händen von Sklavenhändlern. Mehr oder weniger frei arbeitet er nun als Giftschmecker. Die Anleitung, wie erkenne ich vergiftetes Essen und Trinken und eine tägliche Dosis Gift zur körperlichen Abhärtung erhält er von seinem Lehrherrn, dem dicken Oskar. Weiterlesen
J. Cardenal & H. Araújo: Der große Beutezug
Globale Marktwirtschaft, Wirtschaftskrieg, Marktanteile, Gewinnoptimierung. All diese Begriffe würden Anleger mit einem Konzern in Verbindung bringen. Wenn ein Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern wie eine private Firma geführt wird und alle Ressourcen unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung eingesetzt werden, könnte man schnell an einen globalen Beutezug denken, der jeden in irgendeiner Weise betrifft.
2010 besichtigten die Autoren Juan Pablo Cardenal und Heriberto Araújo zum Beispiel Costa Ricas spektakulärstes Geschenk, das von China finanziert worden ist. Ein malerisches Nationalstadion zu einem „sehr vernünftigen Preis von 89 Millionen Dollar“. 35.000 Zuschauer finden dort Platz. Weiterlesen
Arthur Schnitzler: Später Ruhm (1895)
Jeder Mensch hat in seinem Leben mindestens einen großen Traum: Manche streben einen besonderen Beruf an, sehnen sich nach der großen Liebe oder Reichtum …
Eduard Saxberger träumte von einem Leben als Dichter. Den ersten Schritt hatte er geschafft, als sein Gedichtband „Wanderungen“ veröffentlicht worden ist. Und danach das lange Hoffen auf den Durchbruch, auf Aufmerksamkeit, Anerkennung. Irgendwann wurde das Hoffen vergeblich, schmeckte schal und wurde schließlich ad acta gelegt.
Inzwischen ist Eduard Saxberger siebzigjährig, Beamter und lebt alleine in kleinen Räumlichkeiten. Mit dem Besuch seines ersten Fans, des Herrn Meier, Mitglied im Verein „Begeisterung“, scheint sich sein tristes Leben zu verändern. Auf einmal sitzt er im Kreis von hoffnungsfrohen Künstlern, die ihn bejubeln und mit ihm einen öffentlichen Auftritt planen. Weiterlesen
Cécile Harel: Während wir warten, bis die schönen Zeiten wiederkehren
„… Manche Leute leisten außerordentliche Dinge oder grübeln über ihre Bestimmung, ich dagegen kann nur über meine Vergangenheit nachdenken. Als Kind habe ich geweint, weil mir meine Mutter fehlte, dabei war sie da, und als Erwachsene weine ich über ihren Tod.“ (Seite 237)
Marie, eine Frau in den besten Jahren, verliebt sich auf einer Party in einen Fremden, von dem sie sofort eines weiß: Der ist es. Bei ihm findet sie endlich ihren Heimathafen und die schon lange vermisste Geborgenheit. Weiterlesen
C. S. Forester: Gnadenlose Gier (1930)
Es hätte alles gut laufen können, ein kleines Geschäft nebenbei und wenn es richtig gut läuft, vielleicht ein weiteres. Doch sie fliegen bei dem Abteilungsleiter in der Werbeagentur auf. Die drei Angestellten Morries, Oldroyd und Reddy müssen nur noch auf die Rückkehr des Chefs warten. Dann hätten sie ihre Kündigung, kein Geld mehr, dafür Kälte und Hunger bei der Jobsuche, denn die 20er Jahre in London sind nicht gerade ein Arbeitnehmerparadies. Morries beschließt unter dem Gesichtspunkt der Existenzsicherung den Abteilungsleiter mit Oldroyds Revolver zu erschießen und sich von dem jungen Reddy auf seinem Motorrad zu dem Tatort hin und weg fahren zu lassen. Der Mord wird ein voller Erfolg: Die Polizei ist ratlos. Die Jobs sind nicht nur sicher, sondern Morries bekommt auch noch die Stelle seines Opfers. Weiterlesen
Marie Lucas: Was wir auch tun
In einem Jahr sollen sie sich den Prüfungen im Abitur stellen. Doch Robin, Alex, Jasper und Hannes haben ganz andere Sorgen als das Lernen. Robin hat sich in den neuen Mitschüler Alex verliebt, der so ganz anders ist als die Jungs in ihrem reichen Freundeskreis, denn der gutaussehende Neue ist arm und soll in der Hooliganszene ein berüchtigter Schläger sein. Jasper, Robins Exfreund und Alex lieben beide das gleiche Mädchen. Während Jasper um jeden Preis seine Robin wieder haben möchte, glaubt Alex, für Robin nicht gut genug zu sein. Und Hannes, Jaspers bester Freund, pflegt eine heimliche Liebschaft mit Steffi, die fest mit Lars liiert ist. Im Laufe des Schuljahrs spitzen sich die Verwicklungen zu. Familiengeheimnisse, Eifersucht, Intrigen und Brandstiftung führen alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Weiterlesen
Mia Ajvide: Der Mann, der vergessen wurde
Mit Jack passiert etwas Seltsames. Gestern führte er noch die Touristen durch das Schloss Myntholm und erzählte von der geheimnisumwitterten Grafentochter Alma. Und heute findet er neue Spuren von ihr und wird kurz darauf von jedem ignoriert. Seine Frau Aino fürchtet sich scheinbar grundlos vor ihm. Bei dem bleibt es allerdings nicht. Denn schon bald ist er für sie und jeden anderen ein unerwünschter Fremder. Jeder vergisst ihn, sobald er außer Sichtweite ist. Jetzt ist er ein Niemand, heimatlos. Das Überleben in einer so konfusen Situation treibt ihn schneller als ihm lieb ist an den Rand des Wahnsinns. Um nicht völlig durchzudrehen, versteckt er sich im Schlossmuseum, um im Hinblick auf die neuen Informationen Almas besondere Lebensumstände zu erforschen. Weiterlesen