In Jakobs Leben wird Drama ganz groß geschrieben: Er verliebt sich in Hannah, und Hannah erwidert seine Gefühle. Seine Eltern streiten so viel, dass eine Trennung unvermeidbar ist. Und sein bester Freund Erik ist nun Henrys bester Freund. Als die beiden in den Besitz von Jakobs Videokamera und dessen privaten Aufnahmen kommen, nutzt Henry die Videoclips, um Jakob zu schaden. Erik soll sein bester Freund bleiben.
Das Autorenduo Karin Kaçi und Jan Braren haben in ihrem dramatischen Kurzroman das Thema »Mobbing im Internet« aufgegriffen. Am Beispiel eines 15-jährigen Jungen zeigen sie, wie dieser unverschuldet am öffentlichen Pranger landet und dem Mob schutzlos ausgeliefert ist. Weiterlesen
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Robert Williams: Tief in den Wald hinein
Als Harriet geboren wird, schreit sie fast ununterbrochen. Ihre Eltern, Thomas und Ann, gehen vergeblich von Arzt zu Arzt. Schreien sei normal, hören sie als Erklärung. Ihre Verzweiflung führt zu dem Arrangement, abwechselnd die nächtliche Betreuung zu übernehmen, damit der Rest der Familie Schlaf findet. Eines Nachts entdeckt Thomas, dass Harriet im Wald von Abbeystead nicht mehr schreit. Mehrmalige Versuchen zeigen das gleiche Ergebnis. In diesem Wald fühlt sich die Tochter zum ersten Mal richtig wohl. Die Eltern beschließen, ihr Haus in der Stadt zu verkaufen und eine heruntergekommene Scheune im Wald zu sanieren. Das Leben in der Einsamkeit scheint für die gesamte Familie eine glückliche Entscheidung zu sein.
Die friedliche Idylle wird gestört, als Männer eines Abends in ihr Haus eindringen und die gesamte Familie in Geiselhaft nehmen. Am nächsten Morgen soll Thomas, der Direktor einer Bank ist, den Männern den Banktresor öffnen, während zwei von ihnen bei Ann, Harriet und ihrem Bruder Daniel bleiben. Das Gefühl der Sicherheit, Geborgenheit und dem kleinen Glück ist nun zerbrechlich geworden.
Robert Williams dritter Roman »Tief in den Wald hinein« ist nicht nur wunderschön geschrieben, sondern auch spannend zu lesen. Unweigerlich fühlt der Leser mit den liebevoll gezeichneten Protagonisten, als seien sie »reale Menschen«. Aus der Perspektive von vier grundverschiedenen Personen wird deren Sehnsucht nach einem friedvollen oder erfolgreichen Leben beschrieben. Der zu klein geratene Keith leidet unter einem Minderwertigkeitsgefühl. Jeden größeren Menschen betrachtet er automatisch als einen Akt der Häme. Deshalb will er um jeden Preis Erfolg haben. Thomas und Ann lieben einander, können aber nicht immer ihre unterschiedlichen Bedürfnisse miteinander verbinden. Und Raymond, hünenhaft und schüchtern zugleich, kämpft mit seiner tiefsitzenden Einsamkeit. Der Überfall verknüpft und verändert nachhaltig ihre Biografien.
Viel zu schnell ist die letzte Zeile erreicht. Romane wie diesen sollte es häufiger geben.
Robert Williams: Tief in den Wald hinein.
Berlin Verlag, Februar 2016.
304 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.
Anneliese Bunk & Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik
Wie wollen wir in Zukunft leben? Eine Antwort für ein Leben mit so wenig Plastik wie möglich haben Anneliese Bunk und Nadine Schubert gefunden. Sie geben Tipps, die viele Bereiche abdecken: Kinderzimmer, Bad und Haushalt, Leben und Einrichten. Darüber hinaus zeigen sie plastikfreie Rezeptideen. Die Vorstellung, mit wenigen Zutaten Putz-, Waschmittel oder Kosmetik herzustellen, die man nie mehr teuer einkaufen und nach Hause schleppen muss, lädt zum Ausprobieren ein.
Es gibt kleine Schritte, die eine große Wirkung haben können. Weiterlesen
William Boyd: Die Fotografin
Amory Clay ist auf dem besten Weg, ein Stipendium für Oxford zu bekommen, als ihr Vater, traumatisiert vom Ersten Weltkrieg, sich und seiner Lieblingstochter das Leben nehmen will. Nach dem verhinderten Freitod ist alles anders. Amory schafft nicht mehr den erforderlichen Notendurchschnitt, der Vater wird in einer geschlossenen Psychiatrie für Jahre weggesperrt, während der Mutter und ihren Geschwistern im rasanten Tempo das Geld ausgeht. Amory will in dieser Situation unbedingt eigenes Geld verdienen. Deshalb geht sie bei ihrem Onkel in die Lehre, der sich mit Porträtaufnahmen einen Namen gemacht hat. Weiterlesen
Hans Fallada: Der Alpdruck (1947)
Kurz vor Kriegsende leben der Berliner Schriftsteller Dr. Doll und seine Frau wie Außenseiter in einem kleinen Ort. Als die Russen die Bewohner von der Naziherrschaft befreien, gehen die Drangsalierungen weiter, denn für die Russen ist jeder Deutscher ein verhasster Feind. Beim Aufbau der neuen Verwaltung wird ausgerechnet Doll zum Bürgermeister gemacht. Ihm obliegt unter anderem die Aufgabe, die heimlich angelegten Vorräte der ehemaligen Nazis zu konfiszieren. Mit Fleiß und Akribie geht Doll an seine Arbeit. Schließlich kennt er die Kriegsgewinnler und die Nazis viel zu gut. Weiterlesen
Jørn Lier Horst : Eisige Schatten
Die Hafenstadt Stavern befindet sich in einem Winterschlaf. Eine dicke Schneedecke und eisige Kälte sind die Themen in den Medien. Kurz vor Weihnachten wird Lines ehemaliger Nachbar Viggo Hansen gefunden. Für ihren Vater, Kommissar Wisting, sieht es nach einem ganz normalen Todesfall aus. Es fehlen Einbruchspuren, und er kann an der mumifizierten Leiche keine Gewaltanwendungen erkennen. Der alte Mann lebte zurückgezogen, so dass ihn niemand über Monate vermisste. Bisher hat Line Artikel über Kriminalfälle geschrieben. Jetzt will sie eine Reportage für ihre Zeitung schreiben, denn Hansens Schicksal nimmt sie gefangen. Weiterlesen
Fuminori Nakamura: Der Dieb
Nach vielen Jahren kehrt Nishimura zurück nach Tokio. Er weiß, dass es gefährlich ist. Aber trotzdem muss er zurück, um Gewissheit zu haben, was mit seinem besten Freund passiert ist. Sie waren über viele Jahre perfekte Taschendiebe: ein geniales Team, das Bargeld stahl und den ahnungslosen Opfern die leeren Brieftaschen zurück in die Taschen schob. Noch immer nimmt er die Reichen aus und arbeitet für sich.
Als ihn ein alter Bekannter entdeckt, sieht es so aus, als habe ihn die Vergangenheit nie vom Haken gelassen. Weiterlesen
Patricia Highsmith: Carol: oder Salz und sein Preis (1952)
»… ,dass Sie so etwas einfach tun können. Sie sind frei. Ist Ihnen das eigentlich klar?« (S. 95)
Dies stellt Carol überrascht fest, als sie die junge Therese näher kennen lernt. Sie lebt dagegen ein unfreies Leben. Gerade versucht sie sich von ihrem Mann zu trennen. Die Scheidung droht zu einem Krieg zu werden, bei dem Schaden anrichten an erster Stelle ihres Noch-Ehemanns steht. Eine seiner Waffen ist es, die Tochter fortzubringen und gleichzeitig das alleinige Sorgerecht zu beantragen. Die andere findet Therese erst allmählich heraus. Genauso allmählich nähert sie sich der schönen und erfahrenen Frau an, die ihre Freundin und Bezugsperson wird. Sie entwickelt für Carol starke Gefühle. Weiterlesen
Tom Leveen: Ich hätte es wissen müssen
Schicksal, Zufall, eine zweite Chance?
Für Tori ist der nächtliche Hilferuf auf ihrem Handy alles zusammen.
Ein Junge mit dem Namen Andrew will sich das Leben nehmen. Er befindet sich irgendwo in den Bergen, um gleich in den Abgrund zu stürzen.
„…Andrew, hör mal, wenn du das auch nur ein kleines bisschen ernst gemeint hast … also, was du vorhin gesagt hast, und ich bezweifle ja eigentlich, dass es so ist, dann solltest du wissen, dass ich absolut die falscheste Person auf der Welt bin – ich meine, wirklich so was von total falsch -, mit der du im Moment telefonieren solltest.“ (S. 45) Weiterlesen
Jean Prévost: Das Salz in der Wunde (1934)
Jean Prévost (1901 – 1944) schrieb neben literaturkritischen Texten und Reportagen auch Romane, in denen die emotional begründete Handlung seiner Helden im Mittelpunkt steht.
»Das Salz in der Wunde« erzählt vom Fall und Aufstieg des Jurastudenten Crouzon während der goldenen zwanziger Jahre. Der junge Mann hat bereits als Waisenkind das Kämpfen gelernt. Mit Intelligenz und Fleiß behauptet er sich in einer Pariser Eliteuniversität. Hinter dem Vorhang am Ende eines Flures lebt er in einem provisorischen Zimmer. Weiterlesen