Als Roswitha als Studierende endlich einen Weg gefunden hat, von zu Hause auszuziehen, weg von der auf Hochglanz polierten Kleinbürgerlichkeit, lernt sie für ein paar Jahre einen Hauch von Freiheit kennen und Mick lieben. Kunst, Literatur, der Geist von Woodstock und Partys mit reichlich Alkohol werden für die Clique um Mick und Roswitha wichtiger als strebsames Lernen. Viel zu schnell wird sie nach ihrem „erfolgreichen“ Studienabschluss in das Erwerbsleben der DDR integriert, in dem fast alles von Seiten der Behörden auf Antrag zugeteilt wird. Roswitha spielt ihre Rolle als „Werkschaffende“, heiratet und gründet eine Familie. Mick dagegen, für diese Art von Anpassung unfähig, verschwindet aus ihrem Blickfeld. Weiterlesen
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Guy de Maupassant: Auf See (1888)
Eine Urlaubszeit kann vieles sein. Für Guy de Maupassant (1850 – 1893) ist es eine Flucht vor den Menschen und einem tief sitzenden Lebensekel. Denn allem, was irgendwie nach Beziehung riecht, möchte er aus dem Weg gehen, bis ihn wieder die Neugier packt und er auf dem Festland nach geistiger Nahrung sucht. Es entsteht ein Spiel mit dem Feuer, auf das de Maupassant weder verzichten noch von ihm lassen kann.
„…Anscheinend kann es keine Bekanntschaften geben, die keine Verpflichtungen, Empfindlichkeiten und einen gewissen Grad von Knechtschaft nach sich ziehen. Kaum hat man den Höflichkeiten eines Unbekannten ein Lächeln geschenkt, hat dieser Unbekannte einem etwas voraus, sorgt sich um das, was man tut, und wirft einem vor, ihn zu vernachlässigen. Weiterlesen
Olivier Adam: An den Rändern der Welt
Eigentlich hat Paul es im Alter von Anfang vierzig geschafft. Er verdient gut an seinen Romanen, schreibt Drehbücher und Reportagen. Jahrelanges Beobachten, Analysieren und ein damit einhergehendes Gefühl der Fremdheit haben ihn an den „Rand der Welt“ gebracht, der zugleich auch Abgrund oder Absturz in eine Depression sein kann. Während beruflich alles bestens läuft, ist sein Privatleben ein einziges Debakel. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und die Kinder mitgenommen. Ein neuer Liebhaber steht vor ihrer Tür. Zur gleichen Zeit beschließt sein Vater, in eine Seniorenresidenz zu ziehen. Die Preise für Immobilien sind in Paris dermaßen in die Höhe geschossen, dass die Randbezirke – früher sozialer Brennpunkt – von der Mittelschicht aufgekauft werden. Weiterlesen
Richard Hughes: In Bedrängnis (1938)
Im Grunde genommen braucht ein Autor nicht viele Zutaten, um einen packenden und zugleich informativen Roman zu schreiben.
Richard Hughes benötigt für seine Abenteuergeschichte „In Bedrängnis“ lediglich ein Dampferschiff auf hoher See und einen in die Quere kommenden, gigantischen Hurrikan.
Zunächst sah es für den unscheinbaren und erfahrenen Kapitän Edwardes so aus, als könne er das angekündigte Unwetter umschiffen. Jedoch jedes noch so raffinierte Ausweichmanöver hilft nicht, als ein zweiter, bisher unerkannter Hurrikan das Dampfschiff mit sich reißt. Die Macht des Wassers und des Windes haben ihre eigenen Regeln. Weiterlesen
Juri Rytchëu: Traum im Polarnebel (1968)
In der Regel wollen Abenteuer bestanden werden. Ein bisschen Nervenkitzel, ein wenig Lebensgefahr und zum Finale wird vor einem geeigneten Publikum der Wagemut zelebriert. In geselliger Runde und gegebenenfalls zum Zwecke der eigenen Vermarktung steht der Abenteurer als ganzer Kerl im Zentrum der Bewunderung. Im optimalen Fall sieht man ihn als Trendsetter oder Vorbild an.
Der Kanadier John reist 1910 per Schiff in die Arktis. Die Welt aus Eis und Polarkälte nimmt ihn schließlich gefangen, als Packeis das Schiff umschließt. Mit Sprengladungen soll es befreit werden. Doch der Versuch geht in jeder Hinsicht schief und dies nicht nur weil Johns Finger zerfetzt werden. Von den Einheimischen, den Enmynern, ist zu erfahren, dass der Weg zum nächsten Arzt dreißig Tage dauern wird. Weiterlesen
Michael Wildenhain: Das Lächeln der Alligatoren
Wenn eine Frau zu einem Lebensthema wird, einen jungen Menschen scheinbar für immer sexuell prägt, dann könnte so eine erste Liebe unter einem guten Stern stehen, eine erfüllende Liebe werden.
Matthias große Liebe beginnt, als er vierzehnjährig die um einige Jahre ältere Marta, die Pflegerin seines kranken Bruders, kennenlernt. Sie lässt sich von ihm beobachten und zeigt bereitwillig ihren Körper. Auf einer Feier knutscht sie mit ihm, um anschließend mit ihrer Kollegin ins Bett zu gehen.
Fünf Jahre später treffen sie sich in einem Hörsaal wieder. Inzwischen ist Matthias mit Bestnoten Student und Überflieger, während Marta als Gasthörerin und Autodidaktin den Vorlesungen beiwohnt. Wie früher übernimmt die lebenserfahrene junge Frau die Führung. Weiterlesen
Clay Carmichael: Ich bin kein anderer
Der Satz: „Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.“ kann vieles sein, nicht nur ein Trost. Für den siebzehnjährigen „Bruder“, der eigentlich Billy heißt, ist die geschlossene Tür, der Tod seiner Großmutter Mem. Jetzt steht er alleine da. Mittellos. Ohne Familie. Zumindest dachte er dies, bis er die Zeitung auf Mems Bett findet. Darin abgebildet ist sein Gesicht mit einem anderen Namen. Gabriel, der Sohn des gerade im Wahlkampf befindlichen Senators. Kurz vor dem Aufbruch zu dem Wohnsitz des Senators steht Jack, der kleine Bruder seines besten Freundes Cole vor ihm, der mal wieder einen Babysitter braucht. Nun bleibt „Bruder“ nichts anderes übrig, als den Kleinen mit auf seine Reise zu nehmen. Weiterlesen
Stefania Bertola: Mit Links
Als Adele eines Morgens aufwacht, ist ihr Mann weg, alle Konten sind geplündert, und das gemeinsame Haus samt Inventar gehört bereits den Nachbarn. Nun steht sie buchstäblich auf der Straße. Schneller als sie denken kann, wird sie von den reichen Freundinnen fallen gelassen. Nachdem sich sogar die eigene Mutter von ihr abwendet, besitzt Adele nur noch einen Kleinwagen mit einer Tankfüllung und weiß nicht wohin mit sich und ihrem Leben. In dieser Situation lernt sie Eva und ihre kleine Tochter Jezebel kennen, die auf einer Raststätte in ihr Auto springen, um vor der habgierigen alten Clotilde Castelli und einem ihrer Söhne zu fliehen. Weiterlesen
Lisa Gardner: Schmerz
Detektive D.D. Warren hat bei ihrem fünften Fall eine Ärztin an ihrer Seite, die kaum gegensätzlicher sein könnte. Verletzt an der linken Schulter und vor Schmerzen fast bewegungsunfähig will D.D. unbedingt den „Rosen-Killer“ fassen, der alleinstehende Frauen tötet und misshandelt. Die Schmerztherapeutin Dr. Adeline Glen hilft ihr, stärker als der lähmende Schmerz zu werden. Dass Adeline ein ganz besonderer Mensch ist, stellt D.D. recht schnell fest. Abgesehen von dem Gendefekt, keine Schmerzen spüren zu können, ist sie die jüngste Tochter eines vor vierzig Jahren verstorbenen Massenmörders, dessen Vorliebe für menschliche Haut gerade vom „Rosen-Killer“ kopiert wird. Weiterlesen
Kamila Shamsie: Die Straße der Geschichtenerzähler
Das Thema „Loyalität“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichten der Autorin Kamila Shamsie. Mal ist es der blinde Gehorsam, die prägende Familie, eine Religion oder auch die gewalttätige Geschichte eines Volkes. Wird ein Mensch automatisch zu einem Verräter, wenn blinder oder geforderter Gehorsam eines Tages hinterfragt wird?
Im Jahr 515 vor Christus war Loyalität für den berühmten Helden Skylax viele Jahre keine Frage, bis neue Erfahrungen seine Meinung änderten. Labraunda (Türkei), ein Fluchtort der karischen Krieger und ihm, ist 1914 der Schauplatz für archäologische Ausgrabungen, an denen auch die junge Engländerin Vivian teilnehmen darf. Weiterlesen