Janine Adomeit: Die erste halbe Stunde im Paradies

Ein Roman um Zusammenhalt, Enttäuschung und Verzeihen, großartig erzählt

Wer schon länger meine Rezensionen liest, weiß, dass ich monoperspektivisch erzählte Romane bevorzuge. Somit hatte das neue Buch der wirklich sehr begabten Janine Adomeit – ihr vorheriger Roman „Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen“ hatte mich bereits begeistert – schon vorab gute Chancen, denn es erzählt die Geschichte von Anne und ihrem älteren Bruder Kai durchgängig und konsequent nur aus Sicht der jungen Frau.

Beziehungsweise des Kindes Anne, denn der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Im Heute ist Anne Anfang dreißig, Pharmaberaterin und gerade auf einer Firmenveranstaltung, wo sie einen für ihre Karriere wichtigen Vortrag halten soll. Die andere Zeitebene zeigt Anne als Kind im Grundschulalter. Hier erleben wir mit, wie sie und ihr einige Jahre älterer Bruder Kai immer mehr die Versorgung und Pflege ihrer Mutter übernehmen müssen.

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Emily Rudolf: Das Dinner

Mäßig spannender Krimi um ein Jahre zurückliegendes Verbrechen

Im Ansatz eine gute Plot-Idee: Eine Gruppe von Freund:innen findet sich zu einem Krimi-Dinner zusammen, welches sich als die von allen vor Jahren miterlebte Geschichte des Verschwindens einer jungen Frau aus ihrem Kreis herausstellt. Doch dem Roman fehlt es an Spannung, an Twists und an fesselnden Charakteren. Auch der Schreibstil ist wenig herausfordernd, eher simpel.

Fünf Menschen versammeln sich in einem – natürlich – einsam gelegenen Restaurant in der Eifel. Das Restaurant wird geführt von einem aus ihrer Gruppe, Jonathan, der sie zu einem Krimidinner geladen hat, wie sie es früher öfter veranstaltet haben. Damals waren sie noch sechs: Jonathan, seine Schwester Hanna, seine heutige Verlobte Lotta, Tristan, Hannas Ex und Kiano, Jonathans damaliger bester Freund. Es fehlt seit ihrem letzten Zusammensein in einem Zeltlager Maria, damals die beste Freundin Hannas.

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Susanne Gregor: Halbe Leben

Zwei Frauen, die das Leben zusammenführt und die trotzdem nicht zusammenkommen

Klaras Mutter Irene hatte einen Schlaganfall und braucht Betreuung. Paulína kommt ins Haus, wird Teil der Familie, wird immer mehr vereinnahmt. Dafür lässt sie ihre eigene Familie, ihre Söhne, in der Slowakei zurück.

Immer für zwei Wochen kommt Paulína zu Klara und Jakob und ihrer Tochter Ada, um sich um Irene zu kümmern. Wenn sie dann für zwei Wochen zurückfährt in ihre Heimat, zu ihren Kindern, kommt Radek. Doch mit ihm werden Klara und Jakob nicht warm. Paulína hingegen übernimmt immer mehr Aufgaben, putzt, räumt auf, muss sich irgendwann um den neuen Hund kümmern.

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Kristen Perrin: Das Mörderarchiv 02: Der Tod, der am Dienstag kommt

Fortsetzung eines Erfolgsromans, wendungsreich, temperamentvoll, unterhaltsam

Gleich vorab: Wer den wirklich gelungenen ersten Band um das Archiv von Tante Frances nicht gelesen hat, wird es schwer haben mit dem Nachfolgeband. Vieles wird vorausgesetzt, insbesondere die familiären Zusammenhänge und sonstigen Beziehungen zwischen den Figuren, sodass man sich – selbst mit Kenntnis des Vorgängerbands –immer wieder kaum zurechtfindet.

Davon abgesehen ist der neue Roman der Bestsellerautorin aus England ein sehr verwickelter Krimi, in dem es sowohl um einen aktuellen wie auch um einen viele Jahrzehnte zurückliegenden Mordfall geht. Und selbstverständlich ist Ich-Erzählerin Annie, die von oben erwähnter Tante Frances das Vermögen sowie Haus und weitläufigen Grundbesitz geerbt hat, wieder mittendrin in den Verwicklungen.

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Sharon Bolton: Winternacht

Gelungen verwickelter Krimi um Mord, Betrug und Liebe

Auch wenn ich diesen wirklich spannenden Roman nicht unbedingt einen Thriller nennen würde – dazu fehlt es ein wenig an Suspense – so ist er doch ebenso genial konstruiert wie der Roman „Beste Freunde“, den ich von dieser Autorin gelesen und sehr genossen habe.

Diesmal stehen im Mittelpunkt vor allem Frauen. Da ist Olive, zweite Ehefrau des Abgeordneten Michael Anderson. Da ist Gwen, Mutter der verstorbenen ersten Frau Michaels Eloise und da sind die halbwüchsigen Töchter, alle drei lehnen die neue Frau vehement und folgenreich ab.

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Anika Decker: Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

Altersunterschied in der Liebe, metoo am Arbeitsplatz, Mobbing in der Frauengruppe

All diese Themen möchte dieser Roman abdecken, den Anika Decker in gewohnt witzig-unterhaltsamer Weise verfasst hat. Dennoch hat mich das neue Buch von ihr nicht so abgeholt wie der wirklich sehr berührende und doch humorvolle Roman „Wir von der anderen Seite“, den sie 2019 veröffentlichte.

Diesmal geht es um Nina, die kurz vor ihrem 50. Geburtstag steht. Sie ist geschieden, ihr Mann hat eine neue Frau und mit dieser gerade Zwillinge bekommen, während ihre eigenen Kinder längst erwachsen sind. Es geht auch um Lena, Ninas jüngere Schwester, die stets dazugehören will und sich doch ausgeschlossen, die sich immer minderwertig fühlt. Lenas Ehemann Flori wiederum arbeitet für dieselbe Firma, zu der auch Ninas Arbeitgeber gehört, eine Produktionsfirma.

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Samantha Harvey: Umlaufbahnen

Philosophische Betrachtungen unseres Planeten, von ganz weit weg

Dass dieses Buch den Booker-Preis erhielt und sicher weitere Preise erhalten wird, verwundert nicht, denn es ist durchaus etwas Besonderes. Ein Raumschiff mit sechs Astronaut:innen umkreist die Erde und wir Leserinnen dürfen ihren dabei entstehenden Gedanken folgen.

Einmal um die Erde in 90 Minuten und das sechzehnmal binnen 24 Stunden – das ist die gesamte Handlung dieses Romans. Der eigentlich eher eine Art Essay ist, ein philosophischer Essay über die Erde und ihre Bewohner und was wir Menschen mit diesem uns geschenkten Planeten anstellen.

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Katherine Black: May Morrigans mysteriöse Morde

Unterhaltsamer Krimi mit überraschender Auflösung

Immer um den Neujahrstag herum verschwinden 16-jährige Mädchen, um dann etwa 14 Tage später tot aufgefunden zu werden. Das geschieht in einem ansonsten beschaulichen Dorf, in welchem die ehemalige Bibliothekarin May Morrigan ein ansehnliches Landhaus bewohnt. Ihre Mitbewohner sind zwei Dackel sowie ihr ehemaliger Studienkollege Fletcher.

May, die auch ehemals eine Buchhandlung betrieb, entledigt sich gerne mal unliebsamer Mitbürger. Wer ihr oder jemandem, der ihr etwas bedeutet, quer kommt, wird schonungslos eliminiert. Doch als nun wieder ein Mädchen verschwindet, wird Mays Spürsinn geweckt: Sie beschließt, den Täter zu finden und sein grausliches Tun zu beenden. Die Zeit drängt, er muss vor Ablauf der üblichen 14 Tage gefunden werden.

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Jojo Moyes: Zwischen Ende und Anfang

Vorhersehbarer und dennoch unterhaltsamer Liebes- und Eheroman

Jojo Moyes ist eigentlich eine Garantin für gute Unterhaltung, ihre Romane sind zwar meist ein bisschen seicht, aber fast immer voller Gefühl, mit ein wenig Spannung und oft auch einem besonderen Hintergrundthema.

So ist auch der neue Roman nicht wirklich enttäuschend, doch eben auch von vornherein absehbar, durchsetzt mit altbekannten Zutaten, dazu aber auch voller liebenswerter und sehr menschlicher Figuren.

Lila, 42 Jahre alt, Mutter der 16-jährigen Celie und der 8-jährigen Violet sowie Hüterin des ständig bellenden Hundes Truant, muss ihr Ehe-Aus verarbeiten. Ihr Mann Dan hat eine neue Frau, natürlich jünger und attraktiver, und diese ist nun auch noch schwanger. Zusätzliche Herausforderung ist ihr Stiefvater, der, obwohl Besitzer eines eigenen Hauses, nach dem Tod ihrer Mutter nun mehr oder weniger permanent bei Lila im Haus wohnt.

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Ralf Thiesen: Krähen über Königsberg

Vielschichtiger, figurenreicher historischer Kriminalroman

Wieder ein zweiter Band aus einer Reihe, deren ersten ich leider verpasst habe. Doch auch ohne den Inhalt der ersten Folge zu kennen, versteht man diesen neuen Krimi durchaus, der seine Spannung erst nach und nach entwickelt.

Die Handlung dieses in den zwanziger Jahres des zwanzigsten Jahrhunderts spielenden Krimis zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Denn die Story ist sehr wendungsreich, verlangt einiges an Geschichtskenntnissen und hat vor allem (zu) viele Handlungsorte und Figuren.

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