Roxanne Bouchard: Der dunkle Sog des Meeres

Eine junge, an Depressionen leidende Frau reist in einen entlegenen kanadischen Küstenort. Dort will sie Frieden und ihre Mutter finden. Doch dann wird eine weibliche Leiche im Meer geborgen – eben ihre Mutter.

Ein älterer, Mid-life-Krisengeplagter Kommissar siedelt in diesen Küstenort um, wartet auf seine Frau, die später nachkommen will. Er wird, obwohl eigentlich im Urlaub, mit den Ermittlungen hinsichtlich der im Meer gefundenen Frauenleiche beauftragt.

Die im Dorf lebenden Menschen, wortkarge, wettergegerbte Fischer vor allem, sind dem Ermittler dabei keine Hilfe, verwirren ihn mit ihren spärlichen Informationen. Auch die junge Catherine, die Anschluss sucht und nicht wirklich findet, kommt den Einwohnern nicht recht nah. Dabei spielt im Grunde das Meer die Hauptrolle in diesem recht düsteren Roman.

So recht fand ich nicht den Zugang, weder zur Handlung noch zu den Handelnden. Der Kommissar Joaquín Morales, seinen mexikanischen Wurzeln zum Trotz auf die Frage nach seiner Herkunft stets Montreal nennend, ist sympathisch-verpeilt. Seine Sorgen um seine Ehe, seine altersbedingten Grübeleien kollidieren mit seiner Tätigkeit, lenken ihn ab von den Ermittlungen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Harry Kämmerer: Oh, Mama! Tagebuch eines Nesthockers und seiner Mutter

Ein witziger, leider aber nicht neuer Plot um einen nicht erwachsen werden wollenden Sohn, der es sich unter den Fittichen der Mama bequem eingerichtet hat. Auch Romane in Tagebuchform gibt es immer mal wieder, wenn sie in früherer Zeit auch sicher häufiger vorkamen. Der Münchner Autor legt hier nun eine moderne Variante vor – ein Zweier-Tagebuch sozusagen, berichten doch abwechselnd Mutter und Sohn.

Daher ist dieser Roman von Ansatz her nicht uninspiriert, in der Umsetzung hingegen hat er mich leider nicht angesprochen. Der Humor ist fad, die Witze platt und abgedroschen, das Frauenbild fragwürdig und die Handlung schon viele Male zuvor weit besser umgesetzt.

Es geht um Tommy, der mit 40 Jahren noch zu Hause bei seiner Mutter lebt, die gerade in den Anfängen einer neuen Beziehung steckt. Natürlich kann der Sohn den Lover der Mutter nicht leiden und bedient sich lausbubenhafter Streiche, um diesen zu vergraulen. Mama und Tommy leben nicht nur zusammen, sondern arbeiten auch beide in der eigenen Firma. Hier ist Tommy damit beschäftigt, unter anderem Bauernkalender zu gestalten und zu drucken. Dafür wirbt er ein mit ihren Reizen nicht geizendes Model an, welches ihm gehörig den Kopf verdreht. Währenddessen wächst und gedeiht die Beziehung zwischen seiner Mutter Michaela und dem attraktiven Arzt York. Doch nicht nur der bedroht Tommys Seelenfrieden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dagmar Maria Toschka: Alte Anker rosten nicht

Es sollte eine romantische Flusskreuzfahrt auf dem Rhein werden, die Linda und ihr Mann Adi gebucht hatten. Was stattdessen daraus wurde, hätte sich Linda niemals träumen lassen.

Nachdem sie ihren Mann mit einer anderen erwischt hat, tritt Linda die Reise statt mit ihm  zusammen mit ihrer Cousine Maike an. Zu den beiden Frauen gesellt sich bereits am ersten Tag der Fahrt ihre Kabinennachbarin Enni. Alle drei und noch weitere weibliche Passagiere werden von dem alternden Gigolo Gunnar Behorn zu einem klandestinen Stelldichein geladen.

Am nächsten Morgen findet sich Linda nackt in seinem Bett wieder, geweckt von der Polizei, die den Tod von Behorn untersucht. Dieser ging in der Nacht über Bord und verstarb kurz nach seiner Rettung. Nicht nur Linda, sondern auch die anderen Frauen sind des Mordes verdächtig, ebenso wie einzelne Crewmitglieder oder sogar Lindas Ehemann Adi.

Während Linda – die gerade ihren letzten Geburtstag mit einer Vier vorne feierte – diversen Männern auf dem Schiff, darunter der Kapitän und der ermittelnde Kommissar, den Kopf verdreht und ihr Mann alles daran setzt, sie zurückzugewinnen, versucht sie gleichzeitig, selbst den Täter zu finden. Denn bevor der Fall nicht geklärt ist, dürfen sie und die anderen Verdächtigen das Schiff nicht verlassen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Guillermo Martinez: Der langsame Tod der Luciana B.

Schon die beiden im letzten Jahr erschienenen Kriminalromane des argentinischen Autors haben mir sehr gut gefallen. Doch dieser neue toppt die anderen sogar noch. Die Erzählweise, die altmodisch-fesselnde Handlungsstruktur, die geheimnisvollen Figuren – all das passt perfekt und ergibt einen hochspannenden Krimi.

Der Ich-Erzähler ist Schriftsteller, noch am Anfang seiner Karriere. Als er wegen eines gebrochenen Arms eine Schreibkraft einstellen muss, engagiert er die junge Luciana, Studentin und normalerweise für den berühmten Kriminalschriftsteller Kloster tätig. Doch dieser ist gerade auf mehrwöchiger Reise, so dass Luciana dem Erzähler – der den ganzen Roman über namenlos bleibt – aushelfen kann. Er verfällt im Laufe der kurzen Wochen, die Luciana für ihn arbeitet, ihrer Schönheit, doch im Grunde geschieht nicht viel mehr als ein kurzer Kuss. Danach verlieren sie sich aus den Augen.

Zehn Jahre später jedoch kontaktiert Luciana ihn erneut und bittet um ein Treffen. Als er sie wiedersieht, ist er entsetzt von ihrem Aussehen. Völlig verstört, frühzeitig gealtert und abgemagert erscheint sie. Und sie erzählt von den Geschehnissen der vergangenen Jahre, wie ihre Familienmitglieder nacheinander verstarben, teils unter mysteriösen Umständen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Philippe Amar: Victor, Lily und der Weg nach Hause

Mit viel Geschick umschifft der Autor alle Kitschklippen in seinem Roman um einen Waisenjungen, der sich eine neue Mutter über ein Datingportal suchen willVictor ist 12 und lebt bei seiner geliebten Pflegemutter Annie. Seine Eltern hat er nie kennengelernt. Das Licht der Welt erblickte er bei einer anonymen Geburt, ohne dass seine Mutter eine Spur zurückgelassen hätte, mit der er sie finden könnte. Sein Vater war ihm zwar bekannt und er hat auch mit ihm korrespondiert, doch ist er jung gestorben, so dass sie sich nie begegnen konnten.

Nun soll Victor zu Adoptiveltern kommen, denn Annie ist herzkrank und kann künftig nicht mehr für ihn sorgen. Doch Victor will sich nicht wie ein fügsames Lamm neuen Eltern zuführen lassen, er will selbst entscheiden, wer seine Mutter sein soll.

Also erstellt er mit Hilfe seiner Freunde ein erfundenes Profil von sich auf ein Datingportal. Auf diese Weise lernt er Lily kennen. Sie ist Patissière in einem Nobelrestaurant, hat diverse schlechte Erfahrungen mit auf diesem Weg zustande gekommenen Dates hinter sich. Außerdem hat auch sie eine schwierige Familiengeschichte zu verarbeiten. Sie steht Victors Ansinnen daher eher skeptisch bis ablehnend gegenüber. Doch er lässt nicht locker, sondern stattdessen all seine Verführungskünste spielen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alida Leimbach: Tod unterm Nierentisch

In einer interessanten Zeit lässt die Autorin ihren Kriminalroman spielen. 1954, während der Fußballweltmeisterschaft, wird in Osnabrück ein angesehener Friseur erschossen. Nicht nur unter den Kunden, auch innerhalb seiner Familie gibt es reichlich Verdächtige. Derer annehmen muss sich Kommissar Johann Conradi. Dieser wird nicht nur durch seinen unsympathischen Vorgesetzen genervt, er leidet auch noch immer heftig unter dem Tod seiner Frau und seines Kindes, die bei einem Bombenangriff während des Krieges starben.

Rolf Schmalstieg, das Mordopfer, lebt in einer sogenannten „Onkel-Ehe“ mit Lieselotte zusammen. Sie hat drei Kinder aus ihrer Ehe mit Otto Korittke, der nicht aus dem Krieg heimkehrte und den sie für tot erklären ließ, und zwei Kinder von Rolf.

Doch am Tag vor dem Mord steht Otto plötzlich im Frisiersalon. Aber nicht nur Otto gerät in Verdacht, auch Lieselottes Sohn Karl hätte ein Motiv, seinen „Stiefvater“ zu töten. Ebenso wie ein ehemaliger Soldat, der von Rolf im Krieg im Stich gelassen worden war. Bis es dem Kommissar gelingt, die Spuren richtig zu deuten, die Motive zu beleuchten, vergehen etliche Tage. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

James Bailey: Du kannst kein Zufall sein

Ein Orakel zu befragen, wer hätte das noch nie getan. Der Protagonist dieses humorvollen Romans lässt eine Münze über jeden seiner Schritte entscheiden – ein ganzes Jahr lang. Das nimmt er sich vor, nachdem er von seiner Freundin verlassen wird und Job und Wohnung verliert.

Josh zieht wieder bei seinen Eltern ein, zusammen mit seinem Kaninchen Jeremy. Für einen Sohn Mitte Zwanzig sicher nicht einfach, für Josh eine Katastrophe. Sein Vater öffnet all seine Briefe, seine Mutter versucht ständig, ihn zu verkuppeln. Nur seine Freunde Jessie und Jake können ihn jetzt noch aufmuntern.

Doch dann begegnet er seiner Traumfrau. Aber bevor er sie nach ihrem Namen oder ihrer Adresse fragen kann, verliert er sie schon wieder aus den Augen, mitten in London während des Marathons. Der einzige Hinweis, den er hat, ist ihr Arbeitsplatz in einer englischen Buchhandlung in einer Stadt außerhalb Englands und ihre Vorliebe für die Sonnenblumenbilder van Goghs. Mit diesen rudimentären Angaben begibt er sich auf die Suche in den europäischen Großstädten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ursula Poznanski: Vanitas: Rot wie Feuer

Endlich erfahren wir das Ende der Geschichte von Carolin, der Wiener Friedhofsgärtnerin, die sich vor ihren Verfolgern durch eine falsche Identität schützt. Wie schon im zweiten Band der Trilogie „Vanitas: Grau wie Asche“ ist die Protagonistin in großer Gefahr. Nur hat sie sich diesmal selbst hineinbegeben.

Carolin Bauer, so ihr falscher Name, ist ständig auf der Flucht vor einem Gangsterboss, gegen den sie ausgesagt hatte, woraufhin sie eine neue Identität erhielt. Nun hat sie, nach den dramatischen Ereignissen in Wien, die im vorigen Band geschildert wurden, die Stadt verlassen und ist nach Frankfurt zurückgekehrt. Der Stadt, in der ihr größter Feind zu Hause ist, wo ihre Verfolger ihren dubiosen und illegalen Geschäften nachgehen. Sie hat beschlossen, aus der Gejagten zur Jägerin zu werden. Ihr in die Hände spielt die Konkurrenz zwischen zwei gefährlichen Gangsterbanden, der russischen, die ihr auf den Fersen ist und einer armenischen. Diese hetzt Carolin nun mit perfiden Tricks gegeneinander auf.

Auch dieser dritte und letzte Teil der Trilogie ist wieder hochspannend. Carolin gerät von einer lebensgefährlichen Situation in die nächste, in letzter Minute stets entkommend, wobei ihr oft der Zufall zu Hilfe kommt. Aus ihrer Zeit als Mitglied der russischen Gangsterbande kennt sie viele der Verbrecher und muss daher aufpassen, von diesen nicht erkannt zu werden. Gleichzeitig aber hat sie gerade dadurch auch viele Tricks und Ideen, schlägt die Gangster mit ihren eigenen Waffen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mechtild Borrmann: Glück hat einen langsamen Takt

Nicht jede Romanautorin oder jeder Romanautor kann auch Kurzgeschichte. Mechtild Borrmann kann. Was sie virtuos in diesem Band unter Beweis stellt, der zwanzig lebendige und lebensnahe Erzählungen aus ihrer Feder vorstellt.

Mechtild Borrmann, am Niederrhein geboren und heute in Bielefeld lebend, ist eine bekannte Bestsellerautorin. Ihre historischen Romane „Trümmerkind“ und „Grenzgänger“ sind mit Preisen ausgezeichnet worden und das wohlverdient. Doch ihre Kurzgeschichten stehen dem in nichts nach.

Der Stoff jeder dieser Geschichte hätte vermutlich auch für einen ganzen Roman gereicht, so prall, so tief sind die Texte. Es ist fabelhaft, wie es der Autorin gelingt, die Leserin mit wenigen Sätzen, mit ein paar Bildern in die Geschichten hineinzuziehen. Wie sie Stimmungen erzeugt, Settings erschafft und Figuren zum Leben erweckt. So dass man es fast bedauert, diese nach wenigen Seiten schon wieder verlassen zu müssen. Doch die nächste Erzählung fesselt wieder von neuem. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jérôme Loubry: Der Erlkönig

Dieser Krimi ist so verwunden, so verschachtelt, dass wohl niemand imstande ist, das Ende vorauszuahnen. Leider hat mir jedoch der ungelenke Schreibstil die Freude an der Lektüre verdorben.

Die Journalistin Sandrine soll den Hausstand ihrer verstorbenen Großmutter auflösen. Sie hat ihre Großmutter nie kennengelernt, die immer auf einer Insel lebte. Diese Insel war für andere Menschen tabu und sie selbst durfte sie nie verlassen. Als Sandrine auf der Insel ankommt, begegnen ihr mehrere alte Leute, die ihre Großmutter kannten und schätzten.

Ihre Großmutter Suzanne war 1949 auf die Insel gekommen als Betreuerin für eine Gruppe Kinder, die hier die traumatischen Kriegserlebnisse verarbeiten sollten.

Einige Tage nach ihrer Ankunft auf der Insel wird Sandrine blutverschmiert am Strand des Festlandes gefunden, ohne Erinnerung, immer wieder vom Erlkönig erzählend, der die Kinder hole. Kommissar Damien Bouchard wird mit dem Fall betraut. Er hat selbst mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen, denn vor Jahren verschwand seine eigene Tochter spurlos. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: