Gerard Donovan: In die Arme der Flut

Dieses Buch lässt mich etwas ratlos zurück. Nämlich ratlos, wie ich es beurteilen soll, wie es mir gefällt.

Die Handlung ist relativ schnell zusammengefasst: Luke möchte sich umbringen, steht auf einer Brücke und will springen. Doch stattdessen rettet er einen Jugendlichen vor dem Ertrinken. Daraufhin wird Luke in seinem Wohnort und darüber hinaus als Held gefeiert, gegen seinen Willen. Denn Luke ist ein Eigenbrötler, ein Einsiedler, der gerne für sich ist. Doch irgendwann wendet sich das Blatt um Hundertachtzig Grad, als nämlich über Social Media eine Hatz beginnt gegen Luke.

Mich hat das Buch nicht angesprochen, der Stil ist mir zu langatmig, zu absonderlich. Allein die Szene am Anfang, als Luke auf der Brücke steht, um sich in den Fluss zu stürzen, zieht sich über Dutzende Seiten. Ich bekomme keinen Zugang zum Protagonisten, alles bleibt auf Distanz. Alles wirkt ungemütlich, fremd, die Art, wie der Autor mir seine Geschichte erzählt, erreicht mich nicht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mhairi McFarlane: Du hast mir gerade noch gefehlt

Es gibt Autorinnen,  die enttäuschen ihre Leserinnen nie. Mhairi McFarlane ist so eine Autorin. Wenn man ein Buch in die Hand nimmt, den ersten Satz, den ersten Absatz liest und dann erst wieder aufschaut, wenn man den letzten Satz gelesen hat – dann ist es bestimmt ein Buch von ihr.

Sie fängt ihre Leserin ein, sofort. Dabei ist es schwer zu sagen, woran es liegt, warum es sofort, auf der ersten Seite geschieht. Vielleicht liegt es an den so lebendigen, sympathischen Figuren, die stets so wirken, als könnten es deine Nachbarn sein, Kolleginnen, Menschen, die du gerne zum Freund, zur Freundin hättest. Vielleicht liegt es an ihrem so lebendigen Stil, den Dialogen, die so lebensecht, natürlich klingen, so wie die Menschen um dich herum eben sprechen. Oder liegt es an der durchdachten, mit hohem Tempo ablaufenden Handlung, die ihre Spannung bis zur letzten Seite hält, auch wenn erfahrene Leserinnen das Happy End natürlich ahnen.

Woran auch immer es liegt, die Bücher der schottischen Autorin Mhairi McFarlane machen einfach Spaß. Im vorliegenden Roman ist der übliche Humor sehr zurückhaltend, ist doch die Geschichte an mancher Stelle wirklich tragisch. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und die Verschwörung

Was für ein spannender, was für ein exzellent geschriebener Roman! Und was für eine abgefahrene Story.

Der Schweizer Autor hat in diesem bereits dritten Band um die Auftragsmörderin Violetta Morgenstern alle Register gezogen, die einen Krimi mit Tiefgang auszeichnen. Die Figuren sind plastisch, sympathisch, lebendig und dabei so realistisch. Die Geschichte zwar völlig irrsinnig, aber vermutlich (leider) nicht völlig unmöglich. Die Szenen unglaublich dynamisch, ohne falsche Action, mit reichlich Cliffhangern und mit etlichen Nebenhandlungssträngen, die aber mindestens so fesselnd und spannend sind wie der Hauptplot. Und diese Sprache, diese herrliche, so punktgenau treffende Wortmalerei, die ihresgleichen sucht.

Ich weiß nicht, ob solche Formulierungen wie „sie hühnerte herum“ oder „er hirnte“ oder gar „er schlückelte“ typische schweizerische Worte oder Teil des sehr speziellen Wortschatzes von Marcel Huwyler sind, ich weiß nur, dass man beim Lesen solcher Sätze sofort das Bild vor Augen hat, sofort drin ist in der Szene. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jonathan Carroll: Das Land des Lachens

Ein Buch für Träumer, Fantasten und kindliche Gemüter. Ein Buch, das überrascht mit absurden Wendungen, mit unerwarteten Stilbrüchen und wundersamen Figuren. Ein Buch, das Freude macht.

Der Roman war der erste des amerikanischen Autors Jonathan Carroll, veröffentlicht 1980. Er erzählt von Thomas Abbey, Sohn eines berühmten Schauspielers und Lehrer an einer Privatschule. Vor allem aber ist er glühender Fan der Bücher von Marshall France, eines geheimnisvollen Autors von fantastischen Kinderbüchern. France, inzwischen verstorben, gab nie Interviews und es existieren auch keine Biografien über ihn. Da reift in Thomas die Idee, eine solche zu schreiben.

Zusammen mit seiner neuen Freundin Saxony reist er auf gut Glück nach Galen, dem Ort, an dem France all seine Bücher geschrieben hat und wo heute noch seine Tochter Anna lebt. Entgegen der Warnung des Verlegers von Frances Büchern erweist sich Anna als entgegenkommender als erwartet. Dennoch geht irgendetwas in Galen nicht mit rechten Dingen zu, erscheint Thomas und Saxony vieles merkwürdig, absonderlich und erschreckend. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bethany Clift: Die Letzte macht das Licht aus

Wenn die Fiction von der Realität überholt wird…

Das hat sich die Autorin dieses hochspannenden und psychologisch fesselnden Thrillers auch nicht träumen lassen. Sie begann 2018 an ihrem Roman zu schreiben. Ein Roman um die letzte Überlebende einer tödlichen Pandemie. Drei Monate nach Unterzeichnung ihres Buchvertrags erfuhr sie zum ersten Mal von dem in China aufgetretenen Virus. „Ich habe ein Buch über eine fiktionale Pandemie geschrieben, das während oder während der Nachwehen einer echten Pandemie erscheinen wird.“ (Nachwort, S. 461)

Wer beginnt, dieses Buch zu lesen, legt es erst wieder aus der Hand, wenn die letzte Seite umgeblättert ist. Bethany Clift schildert in ihrem Debütroman, wie eine Frau nicht nur ums Überleben kämpfen muss, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen. Die namenlose Protagonistin, die ihr ganzes bisheriges Leben unter Angstattacken litt, die wenig eigenständig entschied, die alles ihrem Lebensgefährten überließ, die sich in den falschen Beruf, in die falsche Beziehung treiben ließ, diese Frau ist nun plötzlich ganz auf sich allein gestellt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Carla Berling: Was nicht glücklich macht, kann weg

Das ist wieder einmal so ein Titel, der keinerlei Bezug zum Inhalt des Buches hat. Manchmal frage ich mich wirklich, wie ein Verlag zu solchen unpassenden Titeln kommt, die noch dazu die falschen Erwartungen wecken.

Denn dieser Titel hier, zusammen mit dem Cover, vermittelt den Eindruck, man habe einen heiteren, unbeschwerten Roman vor sich, der locker-flockig unterhält. Doch weit gefehlt, das Buch von Carla Berling, von der ich bereits den Roman „Der Alte muss weg“ mit großem Vergnügen gelesen habe, hat viel mehr Tiefgang und Ernst, als man anhand eben von Titel und Cover erwartet.

Billie lebt mit Ehemann Thilo in einem gemütlichen, aber etwas stillen Haus in der Provinz. Mit ihren Nachbarn verbindet sie wenig, Freundschaften pflegt sie keine, Rituale und Gewohnheiten sind ihr wichtig. Zu ihrem Sohn Jonas, der mit seiner Familie in Köln lebt, hat sie keinen Kontakt, ihren Enkel August hat sie nur einmal als Kleinkind gesehen, bei der Beerdigung ihrer früh verstorbenen Schwiegertochter. Das nagt an Billie, die nie verstanden hat, warum sich ihr Sohn so rigoros von ihr abgewandt hat und sich niemals bei ihnen meldet. Die Schuld dafür hat sie stets bei ihrer Schwiegertochter gesucht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mary Lawson: Im letzten Licht des Herbstes

Wenn man auf Seite 60 noch nicht erkennt, worum es in einem Roman geht und auf Seite 120 noch immer nicht viel schlauer ist, dann stimmt in meinen Augen etwas nicht mit dem Plot.  Was dann dazu führt, dass man die Lust an dem Roman verliert.

Die in Kanada geborene und in England lebende Autorin erzählt uns mehrere Geschichten, die nebeneinanderher laufen und sich dabei nur hin und wieder berühren. So scheint es zumindest.

Da haben wir die kleine Clara, 7 Jahre alt, deren ältere Schwester Rose seit Tagen verschwunden ist. Clara hat sich selbst einige Regeln gegeben, deren Befolgung die Wiederkehr ihrer Schwester sichern soll. So zum Beispiel, dass sie sich außer zum Schlafen und zum Schulbesuch nicht vom Fenster wegbewegt, dort sogar isst und ihre Hausaufgaben erledigt. Von ihrem Fensterplatz hat sie einen guten Blick auf das Nachbarhaus, das der alten Mrs Orchard gehört. Diese ist im Krankenhaus – so glaubt Clara – und das Mädchen versorgt derweil den Kater der Nachbarin.

Die Geschichte von Mrs Orchard erfahren wir durch sie selbst, in Rückblicken im Gespräch mit einer anderen Person, der sie ihre vergangenen Taten zu erklären versucht. Dabei geht es um Verfehlungen, die sie vor vielen Jahren beging und deren Folgen bis in die heutige Zeit reichen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Paula Hawkins: Wer das Feuer entfacht

Paula Hawkins, bekannt durch ihren Bestseller „Girl on the train“ legt hier einen hochspannenden Roman vor, der insbesondere von den sehr professionell und tiefgründig ausgearbeiteten Figuren lebt.

Daniel Sutherland wird ermordet auf seinem Boot gefunden, das in einem Kanal in London ankert und ihm als Wohnung diente. Seine Leiche findet seine Nachbarin Miriam, die ebenfalls auf einem Boot lebt. Etwa zum errechneten Zeitpunkt seines Todes wurde in der Nähe seines Bootes die junge Laura gesehen, blutbesudelt und offensichtlich verstört. Verstört von seinem Tod ist auch seine Tante Carla, zumal Davids Mutter, ihre Schwester Angela, gerade erst kürzlich ebenfalls verstorben ist. Deren Nachbarin wiederum ist Irene, eine betagte einsame Dame, die dankbar Lauras Hilfe bei täglichen Erledigungen annimmt.

Um diese Frauen dreht sich der Roman, um ihre Vergangenheit, ihre Geschichten und ihre Störungen. Denn die haben alle vier oder vor allem drei, die auch alle drei unter Mordverdacht geraten, auch wenn die Polizei ihre Ermittlungen vorrangig auf Laura konzentriert. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Antonia Michaelis: Die Wiederentdeckung des Glücks

Wie sehr hat mir ein früheres Buch dieser Autorin gefallen. „Mr. Widows Katzenverleih“ ist ein wunderbar poetischer, liebevoll-mystischer Roman mit liebenswerten Figuren. So war ich voller positiver Erwartung, als ich begann, den neuen Roman von Antonia Michaelis zu lesen.

Für den muss man jedoch, glaube ich, in der passenden Stimmung sein. Ich war es wohl nicht, denn er hat mich nicht so erreicht, wie man es von einem so gefühlvollen Roman vermuten sollte.

Die Handlung trägt sich zu auf Madagaskar und teilweise auf Sylt, auch wenn das zuerst eine verwunderliche Kombination zu sein scheint. Die Hauptrolle im Roman spielt im Grunde ein Fahrrad. Daneben erfahren wir die Geschichten von Biscuit, dem Straßenjungen, der sich zum rekordverdächtigen Radler entwickelt, von Maribelle, einem jungen Mädchen zwischen Träumen und Realität und von Terje und seiner Tochter Nora. Er war als junger Mann auf Madagaskar und hat seither eine immer stärker werdende Sehnsucht nach diesem Ort. Nora hingegen ist eher auf der Suche nach sich selbst. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Clare Chambers: Kleine Freuden

Ganz im Gegensatz zum Titel ist es eine große Freude, dieses Buch zu lesen. Behutsam, mit viel Verständnis und ebenso viel Einfühlungsvermögen erzählt die englische Autorin von einer einsamen, pflichtbewussten, in den Moralvorstellungen der Zeit verfangenen Frau im London der 50er Jahre.

Jean Swinney, Ende Dreißig und als Lokalreporterin tätig, lebt zusammen mit ihrer Mutter in einem kleinen, etwas heruntergekommenen Haus in London. Ihre Mutter ist gesundheitlich angeschlagen und ein schwieriger Charakter. Daher genießt Jean die Stunden, die sie in der Redaktion oder mit Recherchen fern von zu Hause verbringen kann, ist sie doch in ihrer Freizeit stets ans Haus und an ihre Mutter gebunden.

Aufgrund eines wissenschaftlichen Artikels über Parthenogenese meldet sich bei Jeans Zeitung eine Frau, die behauptet, ihre Tochter sei die Frucht einer jungfräulichen Empfängnis. Das ist der Auftakt zu Ereignissen, die Jeans Leben komplett verändern werden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: