Dan Wells: Die Formel

NewYew, eine New Yorker Firma, die ursprünglich Krebsmedikamente hergestellt hat, inzwischen aber auf Kosmetika setzt, will eine neue Hautcreme entwickeln. Das gelingt dem Chefchemiker Lyle Fontanelle und seiner Assistentin Susan besser, als sie sich das jemals vorgestellt hätten. Eigentlich sollte die Antifalten-Creme nur den Körper anregen, eigenes Collagen zur Faltenauffüllung zu produzieren. Stattdessen kopiert schon eine winzige Portion der Creme, irgendwo auf die Haut aufgetragen, die komplette DNA desjenigen, der die Creme zuletzt berührt hat, auf den neuen Träger. Das bietet ungeahnte Möglichkeiten. Für den einen zur Heilung aller Krankheiten, für den anderen die Möglichkeit zum Wunschkörper, für alle NewYew vor allem die Möglichkeit zu unendlich viel Geld. Sie nennen das Produkt ReBirth und um dem schwierigen Genehmigungsweg auszuweichen, vermarkten sie es nicht als Medikament, sondern als simple Kräutercreme.

Dan Wells beschreibt herrlich, wie die Welt durch Egoismus, Angst und Gier in nicht mal 300 Tagen untergeht. Das ist jetzt kein Spoiler, das steht bereits über Kapitel 1. Eigentlich liegen die Möglichkeiten und Gefahren von ReBirth völlig klar auf der Hand, Weiterlesen

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Neal Shusterman: Scythe 02: Der Zorn der Gerechten, gelesen von T. Michaelis u.a.

Am Ende des ersten Bandes ist die Entscheidung gefallen:  Citra wurde auserwählt und Rowan geht in den Untergrund. Etwa ein Jahr später haben beide einen Platz gefunden. Citra geht als Scythe Anastasia die Nachlesen auf ihre ganz eigene Art und Weise an, die der Rat nicht immer billigt. Rowan dagegen hat sich einen Namen als Scythe Luzifer gemacht, weil er Scythen nachliest, die ihrer Aufgabe mit sagen wir mal unangemessener Begeisterung nachgehen. Allein die Existenz von Scythe Luzifer ist in dieser Welt schon ein Unding, aber die Umbrüche gehen noch viel weiter. Es scheint, dass das Ende des sorglosen Lebens für alle Menschen gekommen ist.

Vieles an diesem Hörbuch ist beeindruckend, aber bei weitem am meisten ist es die (manchmal echt quengelnde) Stimme des Thunderhead. Der Thunderhead ist jener Computer, der allgegenwärtig ist, der vom Wetter bis zum Denken in dieser Welt alles steuert, außer den Skythen, der per Definition unabhängig sein müssen. Weiterlesen

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Otto Waalkes: Kleinhirn an alle, gelesen vom Autor

Nach meiner Erinnerung kam Otto in den 70gern ins deutsche Fernsehen. Meinen Eltern war er zeitweise zu modern. Ich glaube er hat meine Liebe zu Märchenadaptionen jeglicher Art zementiert. Damals war es neu, was er gemacht hat, oder zumindest in unserem kleinbürgerlichen Haushalt neu. Beim Hören seiner Biographie kommen also jede Menge alte Erinnerungen hoch. Man merkst dem Hörbuch an, dass Otto sowohl schreiben als auch entertainen kann. Das Zuhören ist ein einziger Genuss. Der – ich verspreche es – zu jeder Zeit  gefesselte Zuhörer erfährt viel über die Anfänge, über die erste Band, die meistens wichtiger war als die Schule und über die ersten Auftrittsversuche. Persönlich fand ich es auch erleuchtend, wie Otto die 60ger und 70ger Jahre wieder lebendig werden lässt, denn es kamen nicht nur Erinnerungen auf, die mit Otto unmittelbar zusammenhingen. Locker flockig von der Leber weg, wie es so seine Art ist, erzählt er – aber nicht zu intim – aus seinem Leben und Wirken und auch einiges über seine Vorbilder. Nach Ende des Hörbuchs hat man so richtig Lust auf mehr Otto. Weiterlesen

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Corinna Griesbach: Das Prinzip der Mittelmäßigkeit

H’Thüsos Maisyn ist Historiker und fremd in der Welt, in die er aus der Zukunft geschickt wurde. Es ist nicht wirklich unsere Welt, aber wir könnten nur wenige Jahre davon entfernt sein. Großbrände und Überschwemmungen bestimmen die Nachrichten, Füchse haben sich die Städte erobert und leben neben den Menschen, andere Tiere sind komplett ausgestorben oder ihre Sichtung ist extrem selten, wie Enten. H’Thüsos Maisyn hat eine Aufgabe. Er soll mit seinem „Auge“ aufzeichnen, was ihm des Aufzeichnens wert erscheint und er soll eine Frau für seine Zukunft finden. Keine besondere, nur eben eine mittelmäßige. Keine leichte Aufgabe, wenn man die Vorgehensweisen der Welt, in der man gerade nicht, nicht wirklich versteht.

„Das Prinzip der Mittelmäßigkeit“ hat mich mehr durch seine Sprache als durch seine Handlung bestochen, obwohl man doch irgendwie immer wissen will, wie es weitergeht. Dabei muss ich sagen, dass ich nicht behaupten kann, alle Handlungsstränge vollständig verstanden zu haben. Manches ist mir rätselhaft geblieben, z.B. warum sich die Frauen dauernd umbringen und warum das H’Thüsos Maisyn sagt, dass einer seiner Kollegen erfolglos war. Weiterlesen

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Christian Hardinghaus: Ein Held dunkler Zeit

Als ich von diesem Buch hörte, hatte ich nicht allzu viele Erwartungen. Ein Historiker, der einen Roman geschrieben hat. OK, das geht meistens schief, aber die Geschichte an sich hat mich interessiert. Und Christian Hardinghaus kann schreiben. So richtig. Belletristik. Also spannend. Und flüssig. Und so, dass man weiterlesen möchte. Und vor allem so, dass etwas im Leser von dem Buch hängen bleibt.

Im Winter 1941/42 ist Friedrich der Sanitätsoffizier des Arztes Wilhelm Möckel und in der Südukraine stationiert. Und Möckel tut sich durch Tapferkeit bis hin zur Waghalsigkeit hervor. Dahinter stecken nicht etwa Selbstmordabsichten, sondern eine tragische Geschichte. Eine echte Liebesgeschichte. 1932 lernt der aufstrebende Augenarzt die Medizinstudentin Annemarie kennen. Amor trifft sie beide mit voller Wucht und sie denken schon an das Heiraten. Dann kommt 1933 und die Nazis an die Macht. Wilhelm findet das zunächst alles nicht so furchtbar bedrohlich, muss sich denn nicht etwas ändern in diesem Land? Wilhelms Einstellung ist eher neutral, solange er nicht selbst betroffen ist und das ist für mich einer der Punkte, der den Roman so wichtig macht. Denn ja, es ist eine Liebesgeschichte und ja, es ist eine Heldengeschichte und ja, es ist nach einer wahren Geschichte – und trotzdem ist diese Geschichte ganz anders, ganz eigen und ganz besonders. Weiterlesen

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Benedict Jacka: Alex Verus 01: Das Labyrinth von London

Lasst Euch bloß nicht von dem Cover und dem Titel abschrecken, die beide leider den Eindruck machen, als wolle da jemand billig auf den Erfolgszug von Ben Aaronovitch aufspringen. Das Einzige, was die beiden Serien gemeinsam haben, ist, dass beide Urban-Fantasy sind und in London spielen. Wenn ich die Serie überhaupt mit einer anderen vergleichen würde (was keine Serie verdient hat), dann eher mit Malmquist.

Alex Verus betreibt einen Zauberartikelladen, allerdings bietet er keine Tricks – oder die nur zur Tarnung –, sondern echte Magie an. Alex ist Wahrsager und das hat nichts mit lila Frauen mit Tüchern zu tun. Er kann die verschiedenen Zukunftsstränge daraufhin untersuchen, welche Handlung die geringste Gefahr oder den größten Erfolg verspricht. Das kann einem Mann das Leben retten. In London gibt es den Rat der Weißmagier und unabhängige Schwarzmagier, die aber nicht grundsätzlich böse sind.  Alex hält wenig von beiden Seiten und möchte eigentlich in Ruhe gelassen werden. Da taucht ein mächtiges Artefakt aus ganz alter Zeit auf, alle anderen Wahrsager haben es rechtzeitig geschafft zu verschwinden und beide Seiten wollen jetzt unbedingt Alex anheuern, denn es muss noch ein Schloss geknackt werden, das sich als ausgesprochen wehrhaft erweist. Weiterlesen

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Antonia Michaelis: Tankstellenchips

Sean, ich bleib mal bei dem Namen, obwohl sein iranischer Name nur so ähnlich klingt, also Sean lebt in einer Flüchtlingsunterkunft und ist seit zwei Monaten in Deutschland. Eigentlich möchte er studieren. Eines Nachts gerät er zufällig in ein Verbrechen und flieht gemeinsam mit Davy, gerade acht und schon aus dem Heim abgehauen. Was folgt ist eine Road-Story quer durch Deutschland.  Die Geschichte ist aus Seans Sicht erzählt und der Leser bekommt eine ganz eigene Sicht auf das deutsche Normalleben. Es gibt echt witzige Stellen, die zum Teil auch durch Seans Sprachbarrieren verursacht werden, manchmal ist er herrlich naiv, aber er ist ein guter Junge, der nur ziemlich viele schlechte Entscheidungen trifft. Schlechte, nicht böse. Außerdem geht eine Menge schief, für das er wirklich nichts kann.

Das Irre ist, das Sean die ganze Zeit davon überzeugt ist, dass er abgeschoben werden wird (was soweit richtig ist, als dass sein Abschiebebescheid bereits in seinem Spind in der Unterkunft liegt), dass er aber einen lupenreinen Asylgrund inklusive Berichterstattung im Internet vorweisen könnte, wenn er es denn täte. Weiterlesen

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Richard Dübell: Das Jahrhundertversprechen

„Das Jahrhundertversprechen“ ist der letzte Teil der Trilogie um die drei großen Errungenschaften der Industriellen Revolution, die die Massen begeistert haben: Zuerst die Eisenbahn, dann das Flugzeug und jetzt im letzten Band das Automobil (und auch der Film). Berlin zu Beginn der 20ger Jahre des 20. Jahrhunderts ist ein gefährliches Pflaster. Das bekommen auch die Briests zu spüren, die gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Luisa in die Wirren der Inflation geraten. Der junge Max Brandow rettet Luisa das Leben und riskiert dabei sein eigenes. So wird der ehemalige Berliner Straßenjunge von den Briests erst quasi und dann auch wirklich adoptiert.

Jahre später hat Max seine Leidenschaft für Autos, insbesondere Autorennen entdeckt. Mit seinem Mechaniker Gehalt versucht er den finanziell schwächelnden Gutshof der von Briests zu unterstützen. Noch ist er „nur“ Mechaniker bei einem der großen Rennställe, aber seine Chance wird kommen.

Luisa dagegen interessiert sich außer für Max für den Film und als sie Fritz Lang kennenlernt, scheint einer Karriere als Schauspielerin nichts mehr im Wege zu stehen. Ihr verdanken wir unterhaltsame Einblicke in die Entstehung und Finanzierung von Metropolis. Weiterlesen

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Karen Hamilton: Perfect Girlfriend – Du weißt, du liebst mich

SIE ist davon überzeugt, den perfekten Mann gehabt zu haben. ER dagegen fand es Zeit für eine Beziehungspause. Aber was weiß er schon? Bestimmt nicht, was gut für ihn ist, findet Juliette. Aber da er nun einmal ein eigenständiger Mensch mit einem Recht auf eigene Meinung ist, muss ein Plan her. Zunächst einmal muss er davon überzeugt sein, dass sie seine Entscheidung akzeptiert hat. Dann muss sie ihm UNAUFFÄLLIG näherkommen. Was eignet sich besser, als ein Arbeitsplatz, auf dem man noch dazu auf engstem Raum aufeinander angewiesen ist und in der Freizeit in unbekannten Orten festhängt und nur einander kennt? Nate ist Pilot, also wird Juliette Flugbegleiterin. Sie gibt sich viel Mühe, vor Nate zu verbergen wie nahe sie ihm immer wieder kommt. Aber sie freundet sich mit seinen Freunden an, betritt seine Wohnung, wenn sie ihn unterwegs weiß und verfolgt sein Handy heimlich. Das wäre an sich schon perfide genug, aber ihr eigentlicher Plan haut den Leser dann vom Stuhl.

Am Anfang war ich von dem Roman eher gelangweilt (äh, ja, schon wieder ne Stalker-Story). Das änderte sich aber nach und nach, je tiefer Karen Hamilton dem Leser Einblick in Julies Inneres verschafft. Weiterlesen

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Genevieve Cogman: Das dunkle Archiv

Irene Winters beschafft für die unsichtbare Bibliothek Bücher. Manchmal rettet sie die Bibliothek auch, gemeinsam mit ihrem Drachenlehrling Kai. Dabei kann sie sich trotz aller Bemühungen nicht immer ganz an die Regeln halten. Deswegen wird sie zwar für ihre Leistungen hoch geachtet, aber von den Mitarbeitern der Bibliothek auch mit Misstrauen beäugt. Das Verhältnis der Bibliothek zu Drachen (und Elfen) ist ohnehin ambivalent, die Beziehungen brüchig. Gerade da tritt ein Drachen an Irene heran und möchte von ihr ein Buch besorgt haben. Für einen Wettbewerb, bei dem es um nichts weniger als einen begehrten Posten und, als Trostpreis für den Zweiten, den Tod geht. Irene weiß, dass sie nicht mit Drachen zusammenarbeiten darf, aber sie kann einen so mächtigen Drachen auch nicht einfach vor den Kopf stoßen. Und ganz sicher weiß sie, dass sie ihren Lehrling Kai aus der Sache heraushalten muß, denn als Drache und angehender Bibliothekar wäre er zweifach in eine Sache verwickelt, in die er überhaupt nicht verwickelt sein darf. Weiterlesen

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