Ben Aaronovitch: Geister auf der Metropolitan Line

Die Pendler beschweren sich. Mehrfach. Lautstark. Die Londoner Metropolitan Line hat ein Problem. Pendler sind wichtig. Pendler sind regelmäßige Einnahmen. Pendler können dem Ruf der U-Bahn schaden. Pendler brauchen sich nicht von übergriffigen Geistern antatschen und anschreien zu lassen. Deswegen wird das Foley hinzugezogen und Peter Grant nimmt sich der Sache an.

Der neueste Aaronovitch hat nur einen Fehler: Er ist zu kurz. Verglichen mit den Vorgängern ist das Buch wirklich arg dünn. Darüber kann nur hinwegtrösten, dass im englischen Verlag bereits der Nachfolger für November 18 angekündigt ist, vielleicht ist dieser Roman deswegen so kurz geraten.  „Geister auf der Metropolitan Line“ führt Peters Nichte Abigail tiefer ins Geschehen ein und bietet ansonsten den üblichen Aaronovitch/Grant Humor, ich konnte allerdings nicht erkennen, dass er die Gesamtgeschichte um die historischen Magier und den gesichtslosen Mann deutlich weitergebracht hat. Trotzdem war es ein lustiges Lesevergnügen und lohnt sich für Fans der Reihe auf alle Fälle. Weiterlesen

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Tom Hillebrand: Hologrammatica, gelesen von Oliver Siebeck

Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der Galahad Singh lebt. Er wohnt in der Stadt, die wir heute als London kennen, aber die Welt hat sich verändert. Nicht nur, dass die Autos endlich selbst fahren und Eigensteuerung als Abenteuer gilt, es gibt das Holonet, das die ganze Welt ein bisschen aufhübscht und „Mind Uploading“ – das zeitweise Leben in einem Wunschkörper – ist Alltag. Dazu haben die Folgen des Klimawandels und einer Art Pestausbruch die Welt und die Bevölkerung grundlegend verändert. Galahad arbeitet als Quästor, heißt: Er sucht verschwundene Menschen. Keine einfache Sache in einer Welt, in der jeder so aussehen kann, wie er gerade will. Sein aktueller Fall ist die die Ausnahmeprogrammiererin Juliette Perotte, Tochter eines greisen Herrschers. Die Suche führt Galahad tief in die Szene der Menschen ein, die inzwischen das Leben in einem Holokörper dem eigenen Selbst vorziehen. Weiterlesen

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Michael Nast: #Egoland

Der Klappentext klingt superspannend. Auch die Idee ist an sich gut: Schriftsteller mit offensichtlicher Schreibblockade sucht sich Anschauungsmaterial in der Realität und hetzt ein Paar in der Krise noch gegeneinander auf, um dann darüber zu Schreiben. Die Umsetzung fand ich allerdings eher mäßig. Zum ersten fand ich den Kniff zu behaupten, es handele sich um reale Ereignisse eher nervig, sollte es Andreas Landsberger wirklich gegeben haben, hat er es als Schriftsteller zumindest nicht ins Internet geschafft und außerdem könnte man beim sonstigen Aufbau des Buches über die Einstufung als „Roman“ diskutieren. Somit blieb mir der Sinn der Realitätsbehauptung verschlossen.

Und nein, es ist kein gelungenes Spiel mit dem Leser. Wir haben also einen fiktiven Schriftsteller, der Menschen gegeneinander aufhetzt. Das böte jetzt Stoff für einen tollen Thriller, der mit der Realität des betroffenen Paares spielt. Und einen tollen Protagonisten, der durch und durch böse oder zumindest sozial gestört ist. Weiterlesen

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A.J. Finn: The Woman in the Window, gelesen von Nina Kunzendorf

Anna Fox lebt in New York. Allein. Ihre Familie ist „abwesend“. Sie fotografiert. Sie kann das Haus nicht verlassen. Aber nicht ein Beinbruch hindert sie daran, wie in dem nicht zufällig ähnlich klingenden Klassiker-Film, sondern ihre Angst. Sie hat sich eingerichtet, verbringt viel Zeit im Internet und geht dort sogar ihrem Beruf als Psychologin nach. Nachbarn kommen und gehen und sie lernt eine der neuen Nachbarinnen kennen. Man trifft sich, man unterhält sich, dann eines Nachts beobachtet Anna, wie die Nachbarin ermordet wird. Sie ruft die Polizei. Aber es gab keinen Mord, bloß sieht die neu Nachbarin überhaupt nicht so aus, wie Anna sie kennengelernt hat, es ist eine ganz andere Frau. Wer war bei Anna, oder hat sie sich den Besuch nur eingebildet. Niemand glaubt ihr, fast verliert sie den Glauben an sich selbst.

Was für ein Ritt durch die Psyche. Stück für Stück enthüllt sich die Wahrheit ebenso wie der Grund für Annas Angststörung. Von der ersten Minute an superspannend, entfaltet das Hörbuch einen Sog, dem man sich als Zuhörer kaum entziehen kann. Das liegt unter anderem an Nina Kunzendorf, die Anna eine tolle Stimme gibt. Mal ängstlich, mal trotzig, mal zweifelnd, aber immer Anna. Weiterlesen

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Frank Goldammer: Tausend Teufel

Max Heller ist in Dresden auch nach dem Zusammenbruch es Dritten Reiches noch oder wieder (nur) Oberkommissar. Dresden ist ein einziges Trümmerfeld und gehört zur sowjetischen Besatzungszone, oder wie die Zeitgenossen es ausdrücken würden: die Russen haben jetzt hier das Sagen. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es noch ein Komissariat, in dem in Mordfällen ermittelt wird. Es fehlt an allem, an Mitarbeitern, an Material und eigentlich auch an Zeit, aber man gibt sein Bestes. Ausgerechnet zwei russische Offiziere werden kurz hintereinander ermordet, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt auf einen Täter schließen lässt, der bloß das Kriegsende verschlafen hat.

Frank Goldammer lässt die Zeit 1947 wieder zum Leben erwachen. Der Leser spürt den Hunger, die Angst und auch die verschiedenen Traumata an jeder Stelle des Romans, der trotzdem noch ein solider Krimi ist. Weiterlesen

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Kelly Barnhill: Das Mächen, das den Mond trank, gelesen von Simon Jäger

Jedes Jahr kommt in die an Trauer und Verzweiflung nicht arme Protektoratsstadt noch weitereTrauer hinzu. Jedes Jahr zur gleichen Zeit müssen sie das jeweils jüngste Kind im umliegenden Sumpf zurücklassen und die Hexe holt es sich, um dafür die Stadt ein weiteres Jahr zu verschonen. Die Hexe dagegen wundert sich über die seltsamen Stadtbewohner, die einmal im Jahr ein Kind aussetzen. Was müssen das nur für herzlose Menschen sein. Sie holt das Kind, damit es im Sumpf nicht umkommt, tränkt es mit Sternenlicht und bringt es bei kinderlosen Paaren in der nächsten, glücklicheren Stadt unter. Was für ein grausamer Kreislauf.

Und was für ein bezauberndes Hörbuch. Liebevoll vorgetragen von Simon Jäger ist es ein Märchen, eine Geschichte über Mut und Veränderung, aber auch über den Lauf der Zeit. Denn eines Tages geht etwas schief. Weiterlesen

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Gin Phillips: Nachtwild, gelesen von Andrea Sawatzki u.a.

Boah, was für ein Ritt durch die Nacht. Gin Phillips versteht es, die Spannung mit kleinen Randbemerkungen bis ins Unerträgliche aufzubauen und dann zu halten bis zum Schluss. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Mit einem Zoobesuch. Joan geht gerne mit ihrem kleinen Sohn Lincoln in den Zoo, sie beobachten die Menschen und Tiere, der phantasiebegabte Lincoln spielt mit seinen Figuren, ein schöner Tag. Gerade als sie auf dem Weg zum Ausgang sind, fallen Schüsse, die Joan zunächst nicht zuordnen kann. Bis sie die ersten Leichen findet. Der Weg zum Ausgang ist versperrt, sie ist gezwungen, sich mit ihrem kleinen Sohn zu verstecken und die Nacht auszuharren. Was dann folgt, ist sowohl spannend als auch grauenhaft. Joan verändert sich. Ihr Denken, sogar ihre Werte verändern sich, denn es gibt nur noch einen Grundsatz: Lincoln muss überleben. Dafür ist Joan bereit, die Sicherheit anderer Menschen zu opfern. Weiterlesen

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Poznanski & Strobel: Invisible, gelesen von Christiane Marx u.a.

Wie erkennt man eine Mordserie, wenn es kein offensichtliches Motiv, immer andere – bekannte – Täter gibt und dazu Opfer, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben? Kriminalkommissarin Nina Salomon erkennt genau darin das Gemeinsame: die scheinbare Wahllosigkeit der Opfer und natürlich die immer gleiche Fassungslosigkeit der Täter. Da ist der Chirurg, der auf seinen Patienten während der Operation mit dem Skalpell einsticht, da ist der junge Mann, der auf offener Straße förmlich erschlagen wird. Und allen Täter ist doch etwas gemeinsam: Sie sind unglaublich wütend auf die Opfer – obwohl sie sie in den meisten Fällen sogar nur flüchtig kannten.

Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Buchholz kommt sie zu der Überzeugung, dass es noch einen weiteren, quasi einen übergeordneten Täter geben muß, der alle anderen steuert. Aber wie? Und warum? Weiterlesen

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Koethi Zan: Nur das Böse, gelesen von Nina Petri u.a.

Man soll ja immer mit dem Positiven beginnen: Also, das Hörbuch ist toll anzuhören. Das liegt an den drei professionellen Sprechern, die aus der etwas verworrenen Geschichte wirklich das Beste herausholen.

Worum geht es? Julie ist eine Studentin mit einem normalen, erfolgreichen Leben. Bis sie eines Nachts direkt vom Bahnhof in einen Transporter geworfen wird und sich in einem Keller eingesperrt wiederfindet. Ihre Hoffnung, die Frau des Hauses, Cora, könnte ihre eine Hilfe sein, erweist sich recht schnell als Irrtum. Im Gegenteil empfindet Cora Julie eher als Bedrohung ihrer „Ehe“, vor allem als Julie schwanger wird. Zwischendurch taucht ein Ex-Polizist auf, der die Suche nach dem Entführer zu seinem Leben gemacht hat und nahe dran ist, daran zu zerbrechen und der Entführer verschwindet. Weiterlesen

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Laura Dave: Hello Sunshine

Da das Buch im Rahmen der „Hello Sunhsine“-Kampagne von Blanvalet als kostenloses eBook zur Verfügung gestellt wurde und im Zusammenhang mit einer Gewinnmöglichkeit steht, muss dieser Beitrag als #Werbung gekennzeichnet werden. Dies beeinflusst aber nicht die ehrliche Meinung zu dem rezensierten Buch.

Sunshine MacKenzie kann nicht kochen. Gar nicht. Trotzdem ist es ihr gelungen, mit einem Kochblog und dazugehörigen YouTube-Videos erfolgreich zu sein. So richtig erfolgreich. Das verdankt sie unter anderem ihrem Manager, sie ist sogar im Gespräch für eine eigene Kochsendung im regionalen Fernsehen. Leider, leider ist das Kochen aber nicht die einzige Lüge in Sunshines Leben. Und ausgerechnet an ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag holt sie das alles ein. Mit Schwung. Und schlägt ihr ins Gesicht. Der Mann, den sie liebte, behauptet sie überhaupt nicht mehr zu kennen. Ihre Fans sind empört. Ihre Konkurrenten frohlocken. Ihre Freunde lassen sie fallen.

Es folgt eine Reise in die Vergangenheit, aber auch tief ins eigene ich. Sunshine zieht sich zurück, wohnt bei ihrer ungeliebten Schwester und bewirbt sich bei einem Spitzenkoch, um naja – kochen zu lernen. Natürlich hat er keine Ahnung, wer sie ist. Sie lernt, sich dem Leben ohne Lügen zu stellen, und das ist ein langer Weg. Weiterlesen

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