Lizzie Doron: Das Schweigen meiner Mutter

mutter„Leben ohne eine Biographie ist wie ein Leben ohne ein Bein, ohne ein Auge, ohne eine Niere.“

Schon als Kind versucht Alisa ihrer allein erziehenden Mutter das Geheimnis um ihren Vater, den sie nie kennengelernt hat, in sich ständig wiederholenden Streitgesprächen abzutrotzen. Doch die Mutter schweigt hartnäckig. Jahrzehnte später trifft die inzwischen Schriftstellerin gewordene Alisa auf einer Beerdigung eine Freundin aus Kindertagen wieder. Die Begegnung versetzt Alisa in ihre Kindheit zurück und die Erinnerungen an die Jahre in dem Viertel von Tel Aviv, in dem sie aufgewachsen ist und dem sie als junge Frau den Rücken gekehrt hat, lassen sie nicht wieder los. Sie begibt sich als Frau mit erwachsenen Kindern erneut auf Spurensuche nach ihrem unbekannten Vater und kommt einem unfassbaren Geheimnis um ihre Herkunft auf die Spur. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus

wagnerEine unbekannte Frau, die bewusstlos in einem Straßengraben in Turku gefunden worden ist und seitdem im Wachkoma liegt, wird im Krankenhaus ermordet. Der Täter hinterlässt Tränenspuren auf der Bettdecke der Patientin.
Ein Softwareberater wird in einem Hotel in Helsinki von einem Balkon im vierzehnten Stockwerk gestoßen. Der Mörder verschwindet unbemerkt.
Ein Politiker wird während eines Fotoshootings an einem belebten Strand durch eine explodierende Schnapsflasche getötet. Der Fotograf verschwindet unerkannt.
Ein an Parkinson erkrankter Gärtner wird von einem als Pfarrer verkleideten Mann in seinem Pflegeheim aufgesucht und stirbt später im Krankenhaus an einer Pilzvergiftung. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nuran David Calis: Der Mond ist unsere Sonne

mondAlen besucht seine Heimat Armenien, in der er von seinem dritten bis zu seinem sechsten Lebensjahr mit seinen Eltern gelebt und an die er keine Erinnerungen mehr hat. Er ist zusammen mit seinem Onkel Vram hier, um im Angesicht des gewaltigen Berges Ararat die Asche seines Vaters, die er samt Urne vom Friedhof in Bielefeld geklaut hat, auf die Heimaterde zu streuen. Von hier blickt Alen zurück auf seine letzte Nacht als Türsteher im „Glashaus“ in Bielefeld-Baumheide, in der die Weichen seines Lebens völlig neu gestellt worden sind.

Die Schule schmeißt Alen nach dem Tod seines Vaters, weil er endlich Geld verdienen, endlich raus aus der Armut will, die ihn seit seiner Kindheit begleitet. In Bielefeld-Baumheide, dem Stadtteil mit drei Moscheen, aber keinem Pizzataxi, hat niemand eine Chance auf ein besseres Leben. Alen ist Türsteher in einem angesagten Club, dem „Glashaus“, von Donnerstagnacht bis Montagmorgen, von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr.

Halt gibt ihm die Freundschaft mit Flo, die in einem großbürgerlichen Viertel der Bielefelder Innenstadt lebt und keine Geldsorgen kennt. Flo träumt davon, Schauspielerin zu werden. Alen denkt nur an das Geld, das er als Türsteher verdient. Kennenlernen konnten sich die beiden nur, weil sie jahrelang an derselben Haltestelle auf ihren Bus gewartet haben, Alen auf den zur Gesamtschule, Flo auf den zum Gymnasium. Ihre Liebe ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da Alen nur in seiner Vergangenheit lebt und keine Zukunft hat, Flo ihre Vergangenheit wie eine alte Haut abstreifen und ihre Zukunft leben will.

Und da ist noch Karim, Alens jüngerer Cousin, der aus Liebe schwach wird und sich auf gefährliche Drogengeschäfte einlässt. In der letzten Nacht von Alens altem Leben als Türsteher provoziert Karim eine blutige Auseinandersetzung mit dem mächtigsten Dealer des Stadtteils.

Nuran David Calis breitet in seinem Debut die Geschichte seines Protagonisten nicht chronologisch vor dem Leser aus, sondern springt in der Zeitabfolge hin und her, scheinbar wahllos. Die Erinnerungen Alens sind wie Spots, ausgeleuchtete Szenen seines Lebens, die der Autor temporeich und in harter, direkter Sprache erzählt. Einer Sprache, die den Leser von den ersten Sätzen an packt und nicht mehr loslässt.

Ein Buch wie ein Rap, mit einem ganz eigenen, wuchtigen, hämmernden Sound. Unbedingt lesen!

Nuran David Calis: Der Mond ist unsere Sonne.
Fischer, August 2011.
205 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martina Sprenger.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod

todDie rothaarige Polizistin Renée wird an ihrer Wohnungstür von einem maskierten Mann überfallen, in ihre Wohnung gezerrt und brutal niedergestochen. Sie überlebt schwer verletzt und teilweise skalpiert, weil der Täter sie für tot hält. Ihr Vorgesetzter Paul Vegter glaubt zunächst an einen Racheakt und sucht in Renées aktuellen Fällen und in ihrem Privatleben nach Motiv und Täter. Ein Kollege glaubt in der Schnittwunde auf Renées Bauch die römische Ziffer I zu erkennen. Als nur einige Tage später eine rothaarige Studentin erstochen und skalpiert aufgefunden wird, eine römische II in die Bauchdecke geschnitten, reagiert Vegter erleichtert, da es sich nicht um einen persönlichen Angriff gegen Renée gehandelt haben kann. Andererseits haben er und seine Kollegen es nun mit einem offensichtlich psychisch gestörten Täter zu tun, der offenbar noch weitere Übergriffe auf rothaarige Frauen plant. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michel Bergmann: Die Teilacher

teil„Teilacher setzt sich zusammen aus dem Begriff ´Teil` und dem hebräischen Wort ´laachod`, Einzelhandel. Der Teilacher, als Vertreter des Einzelhandels, ist das kleinste spaltbare Teilchen, das Atom der Kaufmannswelt. Was den Teilacher vom herkömmlichen Handlungsreisenden unterscheidet: Der Teilacher ist Jude. Oder er gibt sich als solcher aus. Denn es gab eine Zeit, da konnte das, unglaublich, aber wahr, Vorteile haben.“

David Bermann ist einer dieser Teilacher. Zusammen mit seinen vier Brüdern gründet er in Frankfurt das Wäschekaufhaus „Gebrüder Bermann“. David, der Lebemann unter den Geschwistern, fühlt sich im Außendienst am wohlsten, der ihm genug Freiraum für seine zahlreichen Geliebten lässt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Regina Dürig: Katertag oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?

karterDer fünfzehnjährige Nico schreibt seinem Vater einen Brief. Der Vater befindet sich in einer Klinik, in der einen Alkoholentzug durchmacht. Nico schildert ihm die vergangenen zwei Jahre, so wie er sie erlebt hat, ehrlich und ohne Rücksichtnahme auf den Vater. Er führt einen Mann vor, der sich unter dem Einfluss des Alkohols vom verantwortungsbewussten Vater in einen dauernd gereizten, unberechenbaren Egoisten verwandelt, den Nico und seine zwei Jahre jüngere Schwester Susa bald nur noch den Eunk nennen. Dieser Fremde verschwindet tagelang und taucht ohne ein Wort der Erklärung oder Entschuldigung wieder auf. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: