Im Schweizer Manesse-Verlag, der auf Klassiker spezialisiert ist, ist erstmals auf Deutsch eine Geschichte von Alexandre Dumas, dem Älteren (1802-1870), aus dem Jahre 1860 erschienen: „Ein Liebesabenteuer“. Dumas („Die drei Musketiere“, „Der Graf von Monte Cristo“) beschreibt darin autobiografisch eine Europa-Reise wenige Jahre zuvor mit einer ungarischen Schauspielerin, die halb so alt ist wie der schon damals berühmte Schriftsteller. Die beiden haben eine platonische Beziehung, auch wenn die Erotik im Hintergrund immer mitknistert. Weiterlesen
andreas-schröter
Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt
Der australische Autor Graeme Simsion hatte im vorigen Jahr auch in Deutschland mit seinem Erstling „Das Rosie-Projekt“ einen Mega-Erfolg.
Die Leser liebten einfach den am Asperger-Syndrom leidenden Professor Don Tillman, der sich in die chaotische Rosie verliebt. Asperger-Patienten sind extrem vernunftgesteuert, haben aber Schwierigkeiten, Emotionen zu erkennen oder selbst zu erleben. Kein Wunder, dass das vor allem in Liebesdingen zu Komplikationen führt. Nun liegt die Fortsetzung vor – „Der Rosie-Effekt“ – und sie ist nicht weniger gelungen als der Vorgänger. Weiterlesen
Robert Wilson: Ihr findet mich nie
Einen soliden, spannenden und stilistisch gut geschriebenen Thriller legt der britische Autor Robert Wilson vor: „Ihr findet mich nie“.
Es handelt sich nach „Stirb für mich“, der im August 2013 in Deutschland erschienen ist, um den zweiten Roman mit dem Spezialisten für hochkarätige Entführungsfälle, Charles Boxer.
Der Fall, mit dem er sich diesmal befassen muss, dringt tief in sein Privatleben ein, denn Boxers eigene Tochter hat beschlossen, den Eltern für immer den Rücken zu kehren und reißt aus. Weiterlesen
Lutz Seiler: Kruso
Lutz Seilers „Kruso“ gilt als einer der Favoriten für den Deutschen Buchpreis 2014, der am 6. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Und in der Tat entwickelt der Text in seinen besten Momenten eine Art magische Anziehungskraft, der man sich schwer entziehen kann. Anderes dagegen ist weniger positiv.
Der Roman ist aus der Sicht des psychisch labilen, selbstmordgefährdeten Germanistik-Studenten Edgar Bendler geschrieben, der im Sommer 1989 von Halle an der Saale nach Hiddensee reist, um den Tod seiner Freundin zu verdauen. Weiterlesen
Thomas Hettche: Pfaueninsel
Zum engsten Kreis der Anwärter für den Deutschen Buchpreis gehörte auch Thomas Hettche. Sein Roman „Pfaueninsel“ stand auf der Shortlist.
Die Pfaueninsel liegt in der Havel bei Potsdam und war zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Art Paradies und Zufluchtsort für Preußens Könige mit allerlei ausgefallenen Tieren und Pflanzen.
Mit einer sehr poetischen Sprache, die sich zum Teil der altertümlichen Ausdrücke von einst bedient, lässt Hettche die fast märchenhafte Atmosphäre der damaligen Zeit auferstehen. Weiterlesen
John Boyne: Haus der Geister
Eine Hommage an die guten alten englischen Schauerromane des 19. Jahrhunderts, die man am besten bei Gaslicht vor dem knisternden Kamin um Halloween herum liest – das ist John Boynes „Haus der Geister“.
London 1867: Als ihr geliebter Vater stirbt, braucht die 21-jährige Lehrerin Eliza Caine Distanz und tritt eine Stelle als Gouvernante in einem einsamen Herrenhaus in Norfolk an. Dort angekommen, stellt sie überrascht fest, dass sich außer den zwei Kindern, für die sie künftig zuständig ist, niemand in dem Haus aufzuhalten scheint. Schon bald muss Eliza eine zweite Feststellung machen: Hier spukt’s – und das nicht zu knapp. Weiterlesen
Tom Rachman: Aufstieg und Fall großer Mächte
Ein Herz für all jene, die nicht dem Mainstream oder einer großen beruflichen Karriere nachjagen, beweist der britisch-kanadische Journalist und Autor Tom Rachman in seinem Roman „Aufstieg und Fall großer Mächte“.
Im Mittelpunkt steht die sympathische Tooly, die der Leser abwechselnd in drei verschiedenen Stadien ihres Lebens begleitet: als Kind, als junge Erwachsene und als 30-jährige Frau, die einen antiquarischen Buchladen in Wales besitzt, der nichts einbringt. Weiterlesen
Joyce Carol Oates: Die Verfluchten
Wer sich nach dem Lesen des Klappentextes eine richtig schöne Gruselgeschichte erhofft hatte, wird zumindest teilweise enttäuscht: „Die Verfluchten“ der großen alten Dame der US-amerikanischen Literatur, Joyce Carol Oates, ist zugleich eine zuweilen unangenehm redselige Klatschgeschichte aus dem Princeton (New Jersey) in den Jahren 1905 und 06 sowie ein Abriss über das sozialistische Wirken des Schriftstellers Upton Sinclair. Die so unterschiedlichen Buchteile passen nicht besonders gut zusammen. Weiterlesen
Bernhard Schlink: Die Frau auf der Treppe
Bernhard Schlink hat das Problem, dass man bei seinem Namen unweigerlich an den „Vorleser“ denkt, jenes grandiose und später verfilmte Werk aus dem Jahre 1995, das man heute schon fast als modernen Klassiker bezeichnen kann.
Man kann gar nicht anders, als alles, was der heute 71-Jährige danach geschrieben hat, mit diesem Werk zu vergleichen. Und diesen Vergleich verlieren eben all diese Bücher.
Das gilt leider auch für seinen neuesten Roman, „Die Frau auf der Treppe“. Alles wirkt ein wenig hölzern, etwas betulich, kopflastig und wenig lebensnah – so als habe der Autor am Reißbrett eine Geschichte entworfen und zu Papier gebracht, die aber mit der Realität nur sehr wenig zu tun hat. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren vorzustellen, versteht nicht recht, wie sie handeln, und kann die große Liebe, die der Ich-Erzähler für die titelgebende Frau empfindet, nicht nachvollziehen. Weiterlesen
Bridget Golightly & Joan Hardcastle: Bridget und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy
Eine Parodie auf Helen Fieldings erfolgreiche – aber seichte – Bridget-Jones-Romane ist im Manhattan-Verlag erschienen: In „Bridget und Joans Tagebuch – Verrückt nach dem Toyboy“ schreiben zwei weit über 80-jährige Seniorinnen auf, was sie im Seniorenheim so erleben. Schnell wird deutlich, dass die beiden die Ereignisse vollkommen unterschiedlich bewerten.
Die eine, Bridget, ist eine Nervensäge, die sich für die größte Künstlerin aller Zeiten hält und Alkoholprobleme hat. Sie gibt ihr Geld mit vollen Händen aus und ist auf der Suche nach einem Mann. Damit hat sie eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer Namensgeberin aus den echten Bridget-Jones-Romanen und könnte fast eine Fortschreibung der Figur im Alter sein. Weiterlesen