Karen Sander: Die Tiefe: Verblendet

Kaum hat man Verblendet, den zweiten Teil der Trilogie Die Tiefe, gelesen, will man unbedingt in dem dritten Teil weiterlesen: Tom und Mascha sehen sieben Todesfälle in ihrer Ermittlungsarbeit, die scheinbar zusammenhängen und gleichzeitig unterschiedliche Gewaltanwendung aufzeigen. Inzwischen wächst das Team mit neuen Kollegen an, um an verschiedenen Orten gleichzeitig zu ermitteln. Mascha vermutet, die Gemeinsamkeit könnte mit dem Ort Schwerin zusammenhängen, doch Indizien und Zeugenaussagen sorgen für immer mehr Durcheinander.

Dies wird besonders deutlich an der Vernehmung eines älteren Ehepaares, das zu später Stunde zufällig jemanden beim Betreten der Praxis der getöteten Gynäkologin beobachtet haben will. Die Aussagen könnten kaum unterschiedlicher sein: Mann oder Frau, mit Jacke oder in Sommerkleidung, die unklare Farbe und Marke des Fahrzeugs und Angaben über das Kennzeichen. Die beiden streiten sich immer mehr. Jeder von den beiden will es besser wissen und gesehen haben, bis sie sich in einem Punkt plötzlich einig sind: An der Heckscheibe gab es einen Aufkleber „Baby an Bord“.

Die unterschiedlichen Ermittlungsergebnisse der aufgeteilten Teams führen ebenfalls in dubiose Richtungen. Gibt es einen Täter oder vielleicht sogar zwei? Einen Trittbrettfahrer gab es bereits – gibt es möglicherweise weitere?

Die Thrillerautorin Karen Sander schafft es auch im zweiten Teil, ihre Leserschaft zu fesseln. Es gibt ein paar Parallelhandlungen, in denen jeweils viel passiert, und man glaubt, dass sich der im ersten Teil aufgebaute Verdacht über den Täter auch im zweiten Teil bestätigen wird. Wären da nicht die Hinweise auf eine ältere Frau, die möglicherweise als letzte mit einem oder zwei Mordopfern Kontakt hatte.

Die zahlreichen Hinweise sorgen für ein kurzweiliges Rätselraten, bei dem dramaturgisch geschickte Blendgranaten und Cliffhanger eingesetzt werden. Aus dem Lesevergnügen wächst fast automatisch ein immer größerer Lesehunger.

Ob die sympathischen Ermittler/-innen verblendet oder nur geblendet werden, weil sie in ihren Reihen Gegenspieler haben, ändert nichts an dem Ergebnis: Es zeigt ein irritierendes Chaos, gepaart mit bedrohlichen Ankündigungen.

Maschas private Recherche nach ihren biologischen Eltern hat bereits zu einem Autounfall geführt, den sie mit viel Glück nur leicht verletzt überstanden hat. Inzwischen glaubt sie immer weniger an Zufälle, zumal ihre Wohnung mindestens zwei Mal von Fremden aufgesucht wurde. Leider fehlt ihr einfach die Zeit, weiter zu forschen, denn immer wieder blähen neue Todesfälle die Ermittlungsarbeit der Teams auf.

Für Quereinsteiger oder vergessliche Leser/-innen gibt es anfangs eingefügte Erklärungen und Bezüge zu dem Geschehen im ersten Teil, sodass bei der Lektüre sehr schnell wieder ein Einstieg in ein umfangreiches Werk von etwa tausend Seiten möglich ist.

Karen Sander: Die Tiefe: Verblendet
Rowohlt Taschenbuch, Februar 2026
352 Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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