Anne Mette Hancock: Grabesstern

Man muss sich schon einfühlen in die Protagonistin der Romane von Anne Mette Hancock, die manches Mal doch recht unvernünftig, um nicht zu sagen unlogisch agiert. Aber so sind Journalistinnen vielleicht, jedenfalls die, die in Thrillern die Hauptrolle spielen.

Wie auch in den beiden Vorgängerbänden „Leichenblume“ und „Narbenherz“ dringt auch diesmal Heloise Kaldan, Investigativreporterin in Kopenhagen, in Bereiche vor, die Gefahr für sie und andere bergen. Und wieder wird sie hier unterstützt und begleitet von ihrem guten Freund, Kommissar Erik Schäfer.

Auslöser für die Ereignisse ist ein Artikel, den Heloise über Sterbebegleitung schreiben wollte. Dadurch kam sie in Kontakt mit Jan Fischhof, einem alten Mann, der im Sterben liegt und der ihr zu verstehen gibt, dass sein Gewissen schwer belastet ist. Sie beginnt zu recherchieren, weil sie glaubt, Jan könne nur dann in Ruhe sterben, wenn die Dinge aufgeklärt sind. Weiterlesen

Juan Moreno: Glück ist kein Ort: Geschichten von unterwegs

Für den spanisch-deutschen Autor Juan Moreno braucht es zum Reisen vor allem Zeit und das Interesse am anderen Leben. Reisen ist Geduld und Zuhören. In seinem Buch „Glück ist kein Ort“ erzählt er von den Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Gegenden der Welt. Reportageaufträge und Neugier brachten ihn nach Nord- und Südamerika, Indien oder Sibirien, aber auch nach Berlin, Kottbusser Tor. Er war dabei, als in Thailand Kinder aus einer überfluteten Höhle gerettet wurden oder als sich in Kolumbien die Guerillatruppen der Farc trotz Friedensvertrag neuformierten. Das Buch vereint Reportagen und Texte, welche mit nur zwei Ausnahmen bereits in Zeitschriften veröffentlicht worden waren, darunter auch Aufzeichnungen von den Stationen einer Weltreise, die ihn 2005/06 im Verlauf eines Jahres durch achtzehn Länder führte.

Moreno erzählt im Plauderton und doch sprachlich präzise. In den meisten Texten nimmt er sich mit seinen Befindlichkeiten zurück, seine Gedanken und Erlebnisse bleiben im Hintergrund. Er rückt Menschen vor Ort in den Fokus, lässt sie über ihr Leben erzählen. Oftmals sind es Biografien im Umbruch, wie zum Beispiel die des indonesischen Seenomaden Tadi, der mit seiner Familie auf einem Boot lebte, bis die Regierung den Menschen einen festen Wohnsitz aufzwang. Weiterlesen

Oliver Clements: Der Spion der Königin

#1572 in Paris: In der Bartholomäusnacht veranstalten Katholiken ein barbarisches Massaker und töten unzählige Protestanten. Mitten in dem Chaos versucht Francis Walsingham, wichtige Dokumente zu retten. Sein Gehilfe soll die Unterlagen in Richtung England und damit zu Königin Elisabeth I. schaffen. Doch der Mann wird getötet, die Dokumente gestohlen.

Wie sich später herausstellt, handelte es sich um eine mutmaßliche Lagebeschreibung der Straße von Anian, der Nordwestpassage, die einen direkten Seeweg von dem Pazifischen in den Atlantischen Ozean ermöglichen soll. Für England wäre das Wissen um einen solchen Weg von großer Bedeutung: Nicht nur könnte man so den Spaniern endlich Konkurrenz bei der Entdeckung der neuen Welt machen, sondern die Schätze aus neuen Ländern scheinen auch die einzige Möglichkeit zu sein, endlich aufzurüsten. Denn Elisabeth I. sieht sich zunehmend von fremden Mächten bedroht – und das nicht nur, weil Mary Stuart immer noch lebt und auf ihren Thron lauert. Weiterlesen

Kass Morgan & Danielle Paige: Der Club der Rabenschwestern

Das Autorenduo Morgan/Paige hat einen spannenden, hinreißend hexenhaften, modernen Urban Fantasy geschaffen, der mich direkt in seinen magischen Bann gezogen hat – und bis zur letzten Seite süchtig macht. „Der Club der Rabenschwestern“ ist ein buntes Potpourri aus Magie, Young Adult, College-Drama, mysteriösen Geheimnissen und einem Spritzer Zickigkeit.

Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Die ehrgeizige Scarlett, die versucht, die neue Präsidentin der „Rabenschwestern“ zu werden und die naive Vivi, die neu am Westerly College ist und keinen Schimmer davon hat, dass sie selbst eine Hexe ist.

Zwischen den weitläufigen viktorianischen Häusern und den gregorianischen Bauten liegt das Verbindungshaus des geheimen Hexenzirkels, der sich als exklusive Studentinnenverbindung tarnt. Vivi bringt frisches Blut in die legendäre Schwesternschaft und muss schon bald spüren, dass es sich in der Realität bei Magie nicht nur um Tarot, Partys und magische Gesichtsmasken dreht. Sie lernt, Magie zu kontrollieren und entdeckt Fähigkeiten, die ihre wildesten Träume übersteigen. Weiterlesen

Marion Herzog: Algorytmica

2381: Das Leben auf der Erdoberfläche ist schon vor Jahren unmöglich geworden. Seitdem verbringt der kleine Rest der Menschheit seine Zeit in drei riesigen Bunkern unter der Erde, eingesperrt in lebenserhaltenden Kapseln und 24 Stunden am Tag in eine virtuelle Welt eingeloggt, um dem Schrecken der dicken Betonwände und der Platzangst zu entkommen. Ein ins Hirn implantierter Chip kümmert sich um den täglichen Bedarf an Nährstoffen und setzt bei erhöhtem Stress Beruhigungsmittel frei. Gleichzeitig fungiert er auch als persönlicher Assistent, der mit einem spricht und durch das digitale Leben navigiert.

In dieser Welt gehört Kaja Andersson zu der Elite: Ihre Eltern betreiben die erfolgreichste Firma für Holovits, die digitalen Welten. Sie sind die besten Programmierer ihrer Zeit, was bedeutet, dass Kaja in ihrem digitalen Leben alles haben kann, was sie sich erträumt. Aufgewachsen in einer toskanischen Villa hat sie mehr als die meisten anderen Bürger.

Aber der perfekte Schein trügt. Innerlich hat sie mit Panikattacken zu kämpfen und mit dem Wissen, nicht gut genug zu sein. Denn anders als ihre Eltern will sie nicht wissen, wie das digitale Leben entsteht. Sie will vergessen, dass es sich um eine Illusion handelt. Weiterlesen

Amie Kaufman & Jay Kristoff: Aurora entflammt: Band 2

Äonen ist es her, dass zwei intergalaktische Mächte aufeinanderstießen. Der damalige Konflikt wurde mit allen Mitteln geführt, verheerte ganze galaktische Regionen und kostete unzählige Leben. Damals siegten die humanoiden Eshvaren über das Ra´haam, ein einziges Wesen, in das Millionen von Organismen aufgegangen sind und das sich gleich Ungeziefer über ganze Planeten ausbreitet. Der Sieg aber kostete die Eshvaren ihr Leben, das Ra´haam zog sich, schwer angeschlagen, über Jahrtausende in geheime Brutstätten zurück. Jetzt ist es erwacht, hat die Terranische Zivilisation unterwandert und plant seinen endgültigen Sieg. Doch noch sind die Eshvaren nicht besiegt, haben sie doch in weisen Voraussicht einen Plan initiiert – ein Trigger soll die ultimative Waffe gegen die Bedrohung lenken und auslösen – der Trigger ist ein zweihundert Jahre im Kälteschlaf befindliches Mädchen, das von dem Ra´haam mit allen Mitteln verfolgt wird. Gut dass sie Freunde an ihrer Seite hat. Doch wird dies reichen? Weiterlesen

Joachim B. Schmidt: Tell

Wer kennt ihn nicht, den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell, der aus Notwehr beziehungsweise auf Befehl des Landvogts Gessler mit seiner Armbrust den Apfel vom Kopf seines Sohnes schießt? Und so ihrer beiden Leben rettet. Friedrich Schiller verhalf in seinem Werk „Wilhelm Tell“ dem Schützen zu literarischem Ruhm. Das geschah im Jahr 1804. Höchste Zeit für eine Neuauflage! Helden sehen heute anders aus. Und das tun sie in Schmidts Roman. Dabei verlässt der Autor weitgehend die politische Bühne, spart Figuren und Handlungsstränge aus, die nicht unmittelbar mit Tell zu tun haben. Hier werden keine Allianzen unter Aufständischen geschmiedet, keine Reden geschwungen. Schmidt konzentriert sich auf die menschlich-psychologische Ebene, auf Tells unmittelbares Umfeld. Die Menschen, die ihn kennen und mit denen sich sein Schicksal kreuzt. Als stilistischen Spannungs-Booster wechselt Schmidt dabei ständig die Perspektive. Wir erleben die Geschehnisse durch die Augen von rund 20 verschiedenen Personen, die in kurzen, jeweils ein bis vier Seiten langen Passagen die einzelnen Vorkommnisse schildern. Daraus entwickelt sich ein sehr mitreißendes Erzähltempo! Weiterlesen

Antonia Blum: Kinderklinik Weißensee 02: Jahre der Hoffnung

Berlin, 1918: Das Waisenmädchen Marlene Lindow ist erwachsen und scheint der Erfüllung all ihrer Träume nahe. Die Ausbildung zur Krankenschwester hat sie mit links geschafft, das Studium zur Ärztin liegt so gut wie hinter ihr. An ihrer ehemaligen Ausbildungsstelle, der Kinderklinken Weißensee, soll sie nun den praktischen Teil des Studiums absolvieren. Doch die Ereignisse überschlagen sich. Ihr Verlobter Maximilian, ebenfalls Arzt, wird doch noch an die Front beordert, um dort Verwundete in einem Lazarettzug zu behandeln. Marlene weigert sich am Tag seiner Abreise, ihn noch eben schnell zu heiraten. Sie selbst bleibt in Berlin und plötzlich häufen sich Fälle einer starken Grippe, die gemeinhin als spanische Grippe bekannt ist. Auch die Kinderklinik, deren Behandlungskonzept im Umland einmalig ist, wird vor eine große Herausforderung gestellt.

Antonia Blum erfindet das Rad nicht neu und zugegebenermaßen ist sie auch gegen zahlreiche Klischees nicht geschützt. Aber diese Autorin kann erzählen, und zwar sowas von! Innerhalb weniger Seiten ist man in der spannenden und abwechslungsreichen Geschichte drin. Weiterlesen

Romy Hausmann: Perfect Day

Ein Mann wird verhaftet. Völlig unvorhergesehen und zum absoluten Entsetzen seiner Tochter. Der Mann, ein anerkannter Philosoph und Professor, wird beschuldigt, bis zu zwölf kleine Mädchen getötet zu haben.

Ann, die Tochter, wegen des frühen Tods der Mutter vom Vater allein aufgezogen, ist überzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln muss. Sie kann und will nicht glauben, dass ihr Vater ein Mörder sein soll. Doch Walter Lesniak spricht nicht, er äußert sich nicht zu den Vorwürfen, weder gegenüber der Polizei noch gegenüber seiner Tochter.

Nach dem anfänglichen Schock beginnt sie daher, selbst nachzuforschen. Sie beschafft sich die Ermittlungsakten und kommt sehr schnell zu einem Verdacht, wer der wirkliche Mörder sein könnte. In diesen Verdacht verbeißt sie sich regelrecht, verfolgt diese Spur ohne Rücksicht auf Verluste. Und die gibt es: ihre Freundin wird schwer verletzt, sie verliert das Vertrauen in den Anwalt ihres Vaters, sie verliert ihren Job.

Dann begegnet sie Jakob, der ihr seine Freundschaft und Hilfe anbietet. Doch auch er enttäuscht sie, zuerst, dann jedoch wird er ihre Ermittlungen begleiten und unterstützen. Weiterlesen

Stefan Rebenich: Der kultivierte Gärtner

In seiner Hinführung erklärt Stefan Rebenich: Er wolle Menschen ansprechen, die nicht nur eine Passion für den eigenen Garten innehaben, sondern auch über seine räumlichen Grenzen hinaus blicken wollen. Seine verschiedenen Beiträge bedienen das Thema ganzheitlich, indem er den Garten als Lebensraum und Kulturobjekt betrachtet. Dabei zeigt er epochenübergreifende Perspektiven und repräsentative Zusammenhänge in der Gartengeschichte.

Nicht nur heute besteht das Bedürfnis nach einem Rückzugsort im Grünen. Wer über keinen eigenen Garten verfügt, kann in Parkanlagen, öffentlichen Grünflächen und Wäldern die Natur genießen. Bei den alten Römern gönnten sich die Reichen ein luxuriöses Anwesen außerhalb der Stadt. Auch dort führten sie Konkurrenzkämpfe, um über die Lage, Größe und Gestaltung ihrer Residenz ihren politischen und sozialen Status zu offenbaren. Zum Komfort gehörten unter anderem Bibliotheken, Pinakotheken, Empfangsräume, Wandelgänge, beheizte Bäder und Wintertrakte und neben den obligatorischen Ziergärten kühle Sommerbereiche. Auf jeden Fall wurde die Natur im großen Stil inszeniert, in dem nach strengen Systemen Wege, Portiken, Laubengänge und Wasserläufe für die Gestaltung der weitläufigen Gartenanlagen angelegt wurden. Gartenarchitektur und Kunst gingen mit Obstbaumwiesen einher und schufen die Bühne für ein Naturschauspiel. Während die Reichen den Blick in die Natur von erhöhten Plattformen genossen, fanden die Städter ihren eigenen auf Dachgärten und bepflanzten Balkonen. Weiterlesen