Messie Condo: Niemand möchte deinen Scheiß: Die Kunst, richtig auszumisten, bevor du stirbst

Ups, der Titel haut ja schon mal richtig rein! „Niemand möchte deinen Scheiß“! Das muss man sich erstmal sagen lassen und verdauen! Okay, mag ja sein, dass „Messie“ Condo recht hat! „Messie“ ist natürlich ein Pseudonym, klar, passt aber super gut zu dem, was sie übers Aufräumen, Ausmisten, Sich-trennen- von … so zu sagen hat.

Das Buch, der Ratgeber, wenn man so will, richtet sich, so heißt es im Vorwort, an alle, die langsam in einem Alter sind, in dem „sie ein Gefühl für ihre Sterblichkeit“ bekommen. Wann fängt das an? Mit 60? 80? 90? – keine Ahnung. Das muss dann wohl jeder auch für sich selbst definieren.

So knallhart wie der Titel, ist dann auch der ganze weitere Stil des Buches. Schonungslos, unbarmherzig und gnadenlos offen. Wer will schon deine Sammeltassen, dein Geschirr, Besteck, die Tischdecken von Ururoma, die keiner mehr auflegt? Die vielen, vielen Bücher, die es ja notfalls auch alle digital zu lesen gibt, den ganzen Krimskrams? Da mag viel Wahres dran sein. Aber bin ich bereit, mich jetzt schon von vielem, was mir lieb geworden ist, zu trennen, nur damit irgendwann, in hoffentlich noch recht ferner Zukunft, meine Lieben keine Last mit dem Entrümpeln haben? Ich weiß nicht. Soll ich jetzt anfangen, minimalistisch zu leben, nur um das Gefühl zu haben, anderen damit Gutes zu tun? Wo bleibt da der Spaß?

Das Buch ist unterteilt in fünf große Kapitel, die jeweils wieder untergliedert sind. Gut zu lesen, durchaus amüsant und humorvoll, aber eben auch gnadenlos streng. Das muss man mögen, muss man mitmachen oder eben nicht. Es ist einiges sicher Sinnvolles dabei, was man unbedingt machen sollte, auch wenn man den eigenen Tod noch nicht wirklich vor Augen hat: Konten, Dokumente und Verfügungen, digital wie analog ordnen und so hinterlegen, dass sie im Zweifelsfall leicht gefunden werden können. Das gilt auch für Zugangsdaten und Passwörter, Vollmachten und Ähnliches. Das ist auf jeden Fall und zu jeder Zeit sinnvoll. Auch das radikalere Ausmisten von Dingen, die man ganz sicher nicht mehr braucht, die einem nicht mehr passen und die man nie wieder in die Hand nehmen wird, sollte man angehen. Das kann auf keinen Fall schaden, schafft Platz und ein gutes Gefühl, da bin ich sofort einverstanden. Aber ganz so radikal wie Messie Condo hier vorgeht, ist mir dann doch ein bisschen zu viel des Guten.

Flott geschrieben, rasch zu lesen, knallhart in der Aussage, dennoch nicht verletzend, humorvoll und amüsant – auch wenn man vielleicht nicht danach handelt.

Messie Condo: Niemand möchte deinen Scheiß: Die Kunst, richtig auszumisten, bevor du stirbst
Yes Publishing, Juni 2026
160 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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