Emily Rudolf: Die Housesitterin: Ein Traum von einem Job. Oder?

Darum geht es: Cecilia hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Nach dem Tod ihrer Mutter hat sie völlig den Boden unter den Füßen verloren und kann sich nicht einmal mehr ein einfaches WG-Zimmer leisten. Das Housesitting ist ihr Rettungsanker. Ihr neuester Job führt sie in die luxuriöse Villa der einflussreichen Familie Waldner – einsam gelegen auf einer winzigen Ostseeinsel. Was wie eine perfekte, friedliche Idylle beginnt, entpuppt sich schnell als Falle. Denn Cecilia ist nicht zufällig hier: Eine machtvolle, mysteriöse Anziehung verbindet sie mit Johannes Waldner, dem Sohn des verstorbenen Besitzers. Während Cecilia noch glaubt, mutterseelenallein im Haus zu sein, machen sich bereits vier weitere Menschen auf den Weg zur Insel. Alle von ihnen im Gepäck: dunkle Geheimnisse und eine ganz eigene, düstere Agenda. Die Frage ist: Würden sie für ihre Ziele auch töten?

Starker Beginn, zäher Mittelteil und gewohnter Schreibstil.

Das Buch beginnt vielversprechend und stark. Die Autorin zieht den Leser sofort in ihren Bann und man möchte einfach immer weiter und weiter lesen. Emily Rudolf bleibt hierbei ihrem unverkennbaren Schreibstil treu, den ich persönlich sehr mag. Die Erzählperspektive wechselt hierbei geschickt zwischen den einzelnen Charakteren und verschiedenen Zeitebenen. So kann man als Leser das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen, denn Informationen serviert sie hier nur häppchenweise.

Die Grundzutaten für einen spektakulären Thriller sind definitiv gegeben: Die einsame Villa an der Ostsee, das recht isolierte Setting, die düsteren Geheimnisse der einzelnen Figuren und nicht zu vergessen, das psychologische Katz-und-Mausspiel. Dies alles verspricht eine Hochspannung, die hier allerdings nur zum Beginn wirklich gehalten werden konnte.

Nach dem starken Einstieg verliert sich die Spannung im Mittelteil merklich. Die Handlung wird an manchen Stellen zäh und schleppend. Es kommt zu ermüdenden Wendungen. Zudem haben mich die teils zu derbe Sprache sowie die hohe Anzahl an überflüssigen erotischen Szenen im Lesefluss gestört. Weniger ist manchmal mehr. Was dem Buch einfach über eine weite Strecke fehlt, ist der WOW-Effekt und der unvorhersehbare Twist.

Dranbleiben lohnt sich schließlich bis zum Ende aber doch, denn zum Finale hin nimmt die Geschichte erneut Fahrt auf. Alle Fäden laufen zusammen und es ergibt sich so ein schlüssiges, logisches Ende.

Fazit: „Die Housesitterin“ punktet mit einer dichten, einsamen Atmosphäre und dem gewohnt starken, perspektivenreichen Schreibstil von Emily Rudolf. Wer ein klassisches, ruhigeres Psychokammerspiel mag, wird hier gut unterhalten. Wer jedoch einen rasanten Thriller mit spektakulären Wendungen sucht, könnte durch die Längen im Mittelteil enttäuscht werden. Ein solider Thriller für zwischendurch, der sein volles Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.

Emily Rudolf: Die Housesitterin: Ein Traum von einem Job. Oder?
FISCHER Scherz, Januar 2026.
432 Seiten, Paperback, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Katja Plattner.

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