Florian Schwieker: Code Null: Dieses Spiel kennt keine Grenzen

Florian Schwieker kennen Sie vielleicht als Mit-Autor der Krimis um den Strafverteidiger Rocco Eberhardt und den Gerichtsmediziner Justus Jarmer, die er gemeinsam und sehr erfolgreich mit Michael Tsokos geschrieben hat. Schwieker, der selbst lange als Strafverteidiger gearbeitet hat, ist inzwischen im Management eines führenden globalen Unternehmens im Bereich Künstliche Intelligenz tätig. Also auch für den Auftakt seiner neuen Serie rund um Künstliche Intelligenz eine kompetente und authentische Basis. Seine Protagonistin, Charlotte Engel, genannt Charlie, ist eine sympathische, hochintelligente junge Frau, die allerdings manchmal etwas menschenscheu, verunsichert und verletzlich ist.

An der Universität Amsterdam hat Charlie einen Master-Abschluss in Mathematik und Machine Learning gemacht. Sie hat ihr Studium absolviert als eine der Besten bisher an der Uni, ihre Dissertation hat sie dann allerdings wegen „Problemen im Team“ abgebrochen und ist in die freie Wirtschaft gewechselt. Auch hier macht sie einen Top-Job, ist allerdings wenig teamfähig, was zu häufigeren Wechseln führt. So auch grade jetzt. Ein Kunde hat an ihrer Qualifikation und Arbeitsweise gezweifelt, woraufhin Charlie einfach alles hingeschmissen hat. Jetzt hat sie zwar grade keinen Job, aber das wird sich finden. Sie hat aber Zeit, sich über einige Unregelmäßigkeiten zu wundern, die ihr in kleinen Meldungen auffallen: Störungen von Navigationssystemen, Probleme im Flugverkehr am BER, Störungen an der Börse – alles gleichzeitig um 16.05 Uhr! Das konnte kein Zufall sein.

Charlie recherchiert genauer und stößt auf eine Störung im System Galileo, dem Satellitennavigationssystem der Europäischen Union. Diesmal nur beschränkt auf Berlin. Sie gräbt tiefer und stößt auf eine Organisation namens „Timeout“, die wohl für diese millisekundenlangen Schwankungen verantwortlich ist. Und sie findet heraus, dass man bei den zuständigen Organisationen in der EU hektisch versucht, herauszufinden, wer hinter „Timeout“ steckt und was diese Cyberterroristen als nächstes planen. Charlie bietet ihre Unterstützung an, und es gelingt ihr, ins Team der CSA5 in Berlin aufgenommen zu werden.

Nicht ganz regelkonform, aber nützlich, reaktiviert Charlie ein von ihr geschaffenes KI-Programm namens KIM, mit dem es ihr gelingt, Schwachstellen und Fallen aufzuspüren, die bislang nicht aufgedeckt worden waren. Sie schafft es, ihren Kollegen Lukas davon zu überzeugen, dass „Timeout“ mindestens einen Maulwurf innerhalb der CSA5 hat. Charlie und Lukas müssen höllisch aufpassen, wem sie vertrauen. Dennoch geraten sie immer mehr in den Fokus von „Timeout“, eine Organisation, die ihre Leute in den höchsten Kreisen der EU hat und die vor nichts zurückschreckt, wie Charlie und Lukas am eigenen Leib erfahren müssen.
Dank KIM schaffen sie es immer wieder, weitere Puzzleteile zusammenzutragen, aber immer wieder geraten sie auch in Fallen, die lebensgefährlich für sie sind. Nach und nach setzt sich ein Bild von „Timeout“ zusammen, das unglaublich erscheint. Ein Kampf, der kaum zu gewinnen ist, beginnt. Vor allem auch für KIM.

Ein hochspannender Thriller um Künstliche Intelligenz und die Gefahren, die eben durchaus auch von ihr ausgehen.

Zu Beginn ein bisschen schwierig für IT-Laien, aber dennoch fesselnd. Beruhigend, dass auch Lukas, Charlies Kollege, nicht so firm ist und gerne auch mal nachfragt. Das hilft dem Leser! Die vielen Fachtermini, die unterschiedlichen Institutionen, die eine Rolle spielen, machen das Verstehen manchmal ein bisschen schwierig, aber im Großen und Ganzen wird gut klar, worum es geht.
Ein beklemmend realistischer Thriller, der einen an Marc Elsbergs „Blackout“ erinnert. Ein sehr gelungener Auftakt einer neuen Reihe mit sympathischen Protagonisten wie Charlie oder ihrem Kollegen Lukas, ihrem Bruder und Anwalt Fritz, ohne den Charlie echt aufgeschmissen wäre und nicht zuletzt mit KIM, der KI, die selbstständig denken und hin und wieder auch Gefühle zeigen kann.

Florian Schwieker: Code Null: Dieses Spiel kennt keine Grenzen
Knaur, Juni 2026
448 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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