Kate Alice Marshall: Eisnebel

Geheimnisse, Intrigen, Missverständnisse, aufkeimende Erinnerungen, eine Ahnung von Bösem – das erwartet einen in dem recht spannend geschriebenen Thriller, der uns in die luxuriöse Winterwelt einer sagenhaft reichen Familie führt, die ganz offensichtlich eine Menge zu verbergen hat. Das trifft allerdings wohl auch auf Theo zu, die als frisch Verlobte des jüngsten Sohnes der Daltons eingeladen ist, die Weihnachtstage in Idlewood zu verbringen.

Von Anfang an fühlt Theo sich hier weder wohl noch willkommen. Drohnachrichten, in denen ein unbekannter Absender sie mahnt, zu verschwinden, die Finger von Connor zu lassen und die Daltons in Ruhe zu lassen, machen die Situation nicht angenehmer. Zudem hat sie das unbestimmte Gefühl, schon einmal an diesem etwas unheimlichen, äußerst abgeschiedenen Ort in den tief verschneiten Bergen gewesen zu sein. Doch wann soll das gewesen sein? Und warum? An ihre früheste Kindheit hat Theo keine Erinnerungen. Sie wurde als kleines Mädchen adoptiert, warum und wer ihre leiblichen Eltern waren, hat ihr nie jemand erklärt. Dass sie von Connors sagenhaftem Reichtum nichts wusste, als sie sich kennengelernt haben, glaubt ihr hier niemand. Alle denken, sie sei nur auf sein Geld aus, wie wohl viele vor ihr. Sie lassen sie spüren, dass sie in ihrer Familie keine Freunde finden wird.

Theo hat Albträume, die hier wieder verstärkt auftreten und die wohl in irgendeiner Form in Verbindung mit diesem Ort stehen. Doch das kann sie sich nicht erklären. Als sie in einer der abgelegenen Hütten auf dem Berg eine verstörende Entdeckung macht, beginnt ihre Erinnerung, sich Bahn zu brechen und Theo nach und nach die Geheimnisse ihrer Vergangenheit zu offenbaren. Theo muss hier weg. Sie ist ihres Lebens nicht sicher. Aber wem kann sie sich anvertrauen? Ist Connor wirklich ihr Freund, ihr Vertrauter oder ist er auch nur Teil einer verlogenen, nur auf ihren Ruf bedachten stinkreichen Familie, die glaubt, sich alles erlauben und erkaufen zu können?

Immer wieder steht man als Leser vor der Frage: war’s jetzt so oder doch anders? Immer wieder gibt es neue Wendungen, die die Geschichte in einem neuen Licht dastehen lassen. Vielleicht die ein oder andere zuviel. Die Figuren bleiben etwas schwach, der Plot ist spannend, aber stellenweise ein bisschen überladen. Dennoch möchte man wissen, wie war’s denn nun wirklich?

Kate Alice Marshall: Eisnebel
Piper, November 2025
432 Seiten, Paperback, 17,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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