Deike Wichmann: Weil wir gleich sind

Der Roman um die „Blitzlicht-Frauen“ beruht auf einer wahren Begebenheit und ist von daher umso interessanter. Zwei der 1978 am Prozess der „Heinze-Frauen“ Beteiligten haben der Autorin die Geschichte ihres zähen und kräftezehrenden Kampfes um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ erzählt und sie so zu der Geschichte um die Fotolaborantin Henni und ihre Kolleginnen inspiriert.

Alles beginnt damit, dass Henni den Lohnzettel eines Kollegen findet, der dem wohl aus der Tasche gerutscht sein muss. Sie bemerkt, dass die Männer im Betrieb offenbar ein gutes Stück besser bezahlt werden als die Frauen, und sie redet mit ihren Freundinnen aus ihrer Schicht darüber. Sie gehen damit zum Betriebsrat, der sie in ihrem Anliegen nach gleicher Bezahlung auch unterstützt. Ein Gespräch mit der Geschäftsleitung verläuft allerdings sehr unerfreulich, die Frauen werden abgespeist mit Bemerkungen, dass Männer eben schwerere Arbeit machten, in Nachtschichten arbeiten würden (was Frauen 1978 gar nicht gestattet war), etc. Doch die Frauen geben sich damit nicht zufrieden. Sie kämpfen weiter, oft gegen Widerstand in der eigenen Familie. Viele Männer finden es überhaupt nicht in Ordnung, dass ihre Frauen plötzlich aufmucken.

Jo, Hennis Ehemann, zum Beispiel setzt sie regelrecht unter Druck, mit ihren Aktionen aufzuhören und an seinen Ruf zu denken! Seine Haltung führt schließlich dazu, dass Henni sich von ihm trennt und zunächst bei einer Kollegin unterkommt, die inzwischen zu einer guten Freundin geworden ist. Doch das Anliegen der „Blitzlicht-Frauen“ findet auch Unterstützer. Mit zunächst kleinen Aktionen machen sie auf sich aufmerksam, die Presse schreibt über sie, sie ziehen schließlich vor Gericht und kämpfen zwei Jahre lang über drei Instanzen für ihr Recht. Im September 1981 ergeht das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (5 AZR 1182/79) und spricht den Frauen das Recht auf gleiche Entlohnung zu.
Ein interessant geschriebener Roman aus der Serie „Sternstunden der Frauen“ um starken Zusammenhalt, den festen Willen, für ein Ziel einzustehen und echte Freundschaften. Sehr realistisch und authentisch, eben weil auf einem wahren Hintergrund beruht.

Mit dem Urteil vom September 1981 hätte man meinen sollen, das Thema sei nun erledigt. Leider ist es bis heute immer wieder aktuell, wie u.a. der Fall einer Abteilungsleiterin belegt, die vor dem BAG ebenfalls auf gleiche Bezahlung geklagt hatte, nachdem sie festgestellt hatte, dass sie deutlich schlechter bezahlt wurde als ihre männlichen Kollegen in vergleichbarer Position. Das Urteil vom Oktober 2025 (8 AZR 300/24) gab ihr Recht.

Deike Wichmann: Weil wir gleich sind
Aufbau Taschenbuchverlag, April 2026
320 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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