Felicia Day: Dieses Buch macht dich wahnsinnig … kreativ und glücklich

Das Buch von Felicia Day, einer US-Schauspielerin, You-Tuberin und Bestseller-Autorin, ist genauso verrückt und so erfrischend gestaltet wie sein Titel ahnen lässt. In sieben Kapiteln oder besser gesagt Etappen möchte sie den Leserinnen helfen, ihre Kreativität zu entdecken, daran zu glauben und sie zu (er-)leben.

Es ist ein Mitmach-Buch, ein Buch, das sich beim Lesen füllt. Denn die Autorin stellt der Leserin Fragen, Aufgaben, sie fordert sie heraus. Felicia Day schenkt der Leserin nichts, sie zwingt sie, über sich selbst nachzudenken und sich zu hinterfragen.

Dabei geht es vor allem darum, herauszufinden, warum man bisher seine eigene Kreativität unterdrückt hat, darum, zu erkennen, dass jeder Mensch kreativ ist – der eine schreibt, der andere malt, die dritte komponiert – dass aber viele diese Kreativität nicht zulassen. Und so fragt Felicia Day„Wann hast du das letzte Mal eine heftige Emotion empfunden und sie einem anderen zuliebe geleugnet?“ (S. 92). Dann lässt das Buch Platz, damit die Leserin diese und ähnliche Fragen sofort beantworten kann. Denn darum geht es: spontan sein, nicht lange überlegen, dem inneren Schweinehund, der Angst und der Scham keinen Raum zugestehen.

So ist eines der Kapitel diesen „Feinden“ gewidmet: der Ohnmacht, der Angst, dem Perfektionismus, der Scham und der Reue und dem Neid. All diese Gefühle sind im Wortsinn die Feinde unserer Kreativität. Dazu gehören auch die allseits bekannte Prokrastination und nicht zuletzt die menschlichen Widersacher. Die gutmeinenden Freunde, die mit flotten Sprüchen und ach so witzigen Kommentaren das zarte Pflänzchen Kreativität, das gerade zaghaft das Köpfchen hebt, zertreten.

In solchen Momenten kommt es dann auf die Selbstmotivation an, darauf, an sich selbst zu glauben und die Ohnmacht zu bekämpfen. Weiterlesen

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Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir: Ein modernes Leben

Als Simone de Beauvoir 1908 in eine großbürgerliche französische Familie hineingeboren wurde, ahnte wohl niemand, was sie im Laufe ihres Lebens bewegen und verändern würde. Die promovierte Philosophin Kate Kirkpatrick beginnt ganz am Anfang und nimmt uns mit in eine Zeit vor über hundert Jahren. Sie erzählt von der kleinen Simone, die am liebsten draußen gespielt hat, aber sehr bald auch – gefördert von Mutter und Vater – das Lesen entdeckte, vom finanziellen Abstieg der Familie, von Freundschaften und erster Liebe. Sie beschreibt ihren Eigensinn, ihre Durchsetzungskraft, aber auch ihre Zweifel und ihre Niederlagen auf dem Weg zu einer der einflussreichsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts.

„Beauvoir war eine herausragende Gestalt: Viele ihrer Leistungen waren beispiellos und bahnten den Weg für künftige Frauen“, schreibt die Autorin in der Einleitung. Doch nicht nur in Bezug auf die Befreiung der Frauen von gesellschaftlichen Zwängen hat Simone de Beauvoir Großartiges geleistet. Mit philosophischen und politischen Essays, Reiseberichten, Romanen, journalistischen Arbeiten, Sachbüchern und Autobiografien hat sie ein reichhaltiges Werk hinterlassen, das nachwirkt.

In den letzten Jahren wurden weitere Briefe und Tagebücher von Simone de Beauvoir veröffentlicht, die Kate Kirkpatrick mit den bekannten Dokumenten und der öffentlichen Wahrnehmung von Beauvoir in Beziehung setzt. Weiterlesen

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Anne Siegel: Wo die wilden Frauen wohnen: Islands starke Frauen und ihr Leben mit der Natur

Für Menschen, die die Natur lieben, ist Island ein Traumland: zerklüftete Felsen, eindrucksvolle Fjorde, heiße Quellen, das wilde Meer und eine – zumindest in den Sommermonaten – bunte Tier und Pflanzenwelt, dazu Ruhe und Einsamkeit. Dass in dieser oft unwirtlichen, aber gleichzeitig fortschrittlichen Gegend auch ganz besondere Menschen gedeihen, beschreibt die Autorin und Journalistin Anne Siegel in ihrem neuen Buch „Wo die wilden Frauen wohnen“. Anne Siegel kennt sich aus in dem Land, das nur knapp südlich des Polarkreises liegt. Über dreißig Mal hat sie es schon besucht und auch darüber geschrieben.

Nun porträtiert sie zehn isländische Frauen, die etwas Besonders leisten und doch ganz „normal“ sind. Diese Frauen sind „wild“, weil sie Isländerinnen sind und damit eine ganz besondere Beziehung zur Natur haben. Aber ihre Wildheit drückt sich auch darin aus, dass sie ihre eigenen Wege gehen, Widerstände überwinden oder Hindernisse zur Seite räumen, sich dabei treu bleiben und sich trotzdem weiterentwickeln. Sie denken die Dinge neu, wie die Gestalterin Katrín Ólína oder die weltbekannte Sängerin Björk mit ihrem individuellen Stil, der sich gemeinsam mit ihr über die Jahre wandelt.

Anne Siegel erzählt von der Frau, die die drittgrößte Brauerei in Island aus dem Nichts aufgebaut hat, obwohl sie gar kein Bier mochte, von einer Seefahrerin, Fischerin und Managerin einer Fischfabrik, die ihren Beruf so liebt, dass sie bei jeder Fahrt ihre Seekrankheit in Kauf nimmt und von einer Rangerin, die ihren Traum verwirklicht hat, in und mit der Natur zu leben, und dafür ihre Stelle als Verwaltungsleiterin an der Uni aufgegeben hat. Weiterlesen

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Christina Clemm: AktenEinsicht: Geschichten von Frauen und Gewalt

Wenn Frauen Gewalt erfahren, dann steckt dahinter häufig eine Geschichte: eine biografische Geschichte, in der Gewalterfahrung zum Alltag gehört, eine Beziehungsgeschichte, in der ein Lebenspartner Frau und Kinder massiv schikaniert, oder es kann auch eine kulturelle Geschichte sein, in der Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile zu einer Akzeptanz von Gewalt führt.

Die Rechtsanwältin und Autorin Christina Clemm schreibt in ihrem Epilog: „Vielleicht sind es die Ignoranz und die Apathie großer Teile der Gesellschaft, die mich im Laufe der Jahre wütender werden lassen. Es gibt keinen Ort, keine Schicht, kein Alter, keine soziale Situation, in der Frauen keine Gewalt erleben …“ (S. 193) Den Nährboden für den allumfassenden Machtmissbrauch darf man in patriarchalen Gesellschaftssystemen sehen, in denen mehrheitlich Männer mehr Geld und Einfluss, höhere Positionen im Beruf, in der Politik, bei den Behörden und der Polizei innehaben.

Die Autorin lässt den Leser an ihrem berufsbedingten Einblick in geschlechtsspezifische Gewalt teilhaben. In neun Fallbeispielen stellt sie Gewalterfahrungen und die dazugehörige Rechtslage vor. Hierbei fällt auf, dass auf Seiten des Gesetzes und ihrer Vertreter das Ungleichgewicht zwischen dem Stärkeren und Schwächeren gefördert wird. Prinzipiell wird der Frau ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen, und wenn sie nicht als Nebenklägerin auftritt, befindet sie sich im Status einer Sache. Weiterlesen

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Benjamin & Fabian Eckert: Die 35-Tage-Challenge: Dein Weg in ein umweltbewusstes Leben

Sachbücher über Umwelt, Gesundheit und Lebensplanung gibt es viele. Die 35-Tage-Challenge der Brüder Benjamin und Fabian Eckert darf man als ein Experiment betrachten. In ihrem Buch wird alles miteinander vereint. Darüber hinaus entstand ein interaktives, ganzheitliches Buch.

Das Ziel ihrer vorgeschlagenen Herausforderungen: Jeder kann seinen persönlichen Energieverbrauch senken. „… Wenn du wirklich etwas für das Klima tun willst, sollte der Verbrauch pro Person etwa bei 600 bis 700 kWh pro Jahr liegen, wobei auch 300 kWh pro Jahr und Person möglich sind.“ (S. 63)

Wie man dahin kommt, beschreiben die Autoren ausführlich. Die praktischen Übungen für Anfänger und Experten sind in wöchentliche Aufgaben unterteilt, die jeder schaffen kann. Die größte Herausforderung besteht darin, den engen Kreis aus Gewohnheiten und Bequemlichkeit zu verlassen. Die Autoren erhoffen sich, dass ihre aktiv gewordenen Leser auf ihr direktes Umfeld eine Vorbildfunktion ausüben und andere wiederum die Klugheit eines klimafreundlichen Lebens in ihr eigenes Verhalten integrieren. Weiterlesen

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Helga Schütz: Von Gartenzimmern und Zaubergärten

Die deutsche Schriftstellerin und Drehbuchautorin Helga Schütz (Jahrgang 1937) ist ausgebildete Gärtnerin. Sie besitzt einen großen Waldgarten in Potsdam und weiß, wovon sie spricht, wenn sie vom Gärtnern erzählt. Mit dem Buch „Von Gartenzimmern und Zaubergärten“, das von Nils Hoff wunderbar illustriert wurde, lässt sie die Leserinnen und Leser an ihren Gartenerfahrungen und ihrer Gartenleidenschaft teilhaben. Das Buch ist am 10. März 2020 im Aufbau Verlag erschienen.

Nicht schon wieder ein Buch über den Garten und das glücklich machende Gärtnern, dachte ich nach gefühlt 50 gelesenen Büchern zu diesem Thema und jedes Jahr (besonders im Frühling) kommen neue dazu. Aber dann las ich Helga Schütz’ ersten Satz „Selten führt so ein freundlicher Raum seinen richtigen guten Namen“ und sie meint damit das Gartenzimmer. Das ist, einmal abgesehen von Nils Hoffs Zeichnungen, ein überraschender Beginn. Spricht man in Gartenzeitschriften oft von Gartenzimmern, so ist der Trend gemeint, den Garten durch die Einteilung in Bereiche unterschiedlicher Bepflanzung abwechslungsreich zu gestalten. Weiterlesen

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Claudia Neumann: Hat die überhaupt ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?

Oft war Claudia Neumann eine der ersten oder sogar die einzige Frau, wenn sie als Sportjournalistin beruflich etwas angepackt hat. Als Frau ein Fußballweltmeisterschaftsspiel der Männer live im Fernsehen zu kommentieren, ist auch heute noch eine absolute Ausnahme. Wenn Claudia Neumann diese Aufgabe übernimmt (und auch bei manch anderen Veranstaltungen, bei denen sie eingesetzt wird), ist der „Shitstorm“ beinahe vorprogrammiert. Um ihre eigene Persönlichkeit zu schützen, macht sie sich immer wieder klar, dass sie nur stellvertretend für die „Hetz- und Hexenjagd“ steht, die derzeit häufig im Gange ist. Sie ignoriert all die „Brutstätten wüster Beschimpfungen“ soweit sie kann, denn die Fußballkommentatoren sind (unabhängig vom Geschlecht) eine der beliebtesten Zielscheiben. Da ist es wohltuend, dass innerhalb der Reporter-Teams Solidarität und Zusammenhalt herrschen, die das teilweise wieder auffangen können.

Eine Opferrolle möchte sie keinesfalls annehmen. Sie ist keine, die sich in den Mittelpunkt stellt, doch sie bezieht deutlich Stellung zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung, die durch das Internet erst möglich geworden ist, benennt, was aus ihrer Sicht schiefläuft und hat auch Ideen, wie dem entgegengesteuert werden könnte.

Ihre persönliche Geschichte hat auch ihre Haltung geprägt. In ihrem Buch berichtet sie von ihrer Kindheit auf dem Bolzplatz (Wolfgang Overath ist ihr Idol und Fallrückzieher ihre Spezialität), ihrem beruflichen Werdegang, von den Stolpersteinen und Erfolgen. Weiterlesen

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Peter-André Alt: ‚Jemand musste Josef K. verleumdet haben …‘: Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten

„Am Beginn jeder Erzählung steht ein Verführungsversuch.“ (S. 10) Wie wahr dieser erste Satz des Buchs von Peter-André Alt ist. Denn was ist es, das uns dazu verführt, ein Buch zu kaufen? Das Cover, der Titel und? Genau, der erste Satz. Wenn er uns nicht überzeugt, nicht verführt, wenn er uns nicht hineinzieht in das Buch, dann hat es schon verloren und wir lassen es in der Buchhandlung zurück.

Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler an der Freien Universität Berlin und Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er hat u.a. Bücher über Schiller, Kafka oder Freud veröffentlicht. Und nun schreibt er über erste Sätze der Weltliteratur. Er zitiert fast 250 erste Sätze, von Homer über Goethe, Poe, Twain, Grass, bis Patrick Süßkind, Michel Houellebecq, Paula Hawkins. Er analysiert, wie sich die ersten Sätze über die Jahrhunderte verändert haben, was damals und was heute ihre Absicht, ihre Intention ist.

Und danach ist sein Buch gegliedert. Nach dem, was die ersten Sätze sagten und sagen. Darin spiegelt sich auch immer die jeweilige Art der Rezeption von Literatur, von Romanen wider. Weiterlesen

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Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia

Während Virginia Woolf in ihren letzten Lebenstagen den Krieg, der in ihrem Inneren tobt, mit sich ausficht,  fliegen deutsche Kampfflugzeuge über Südengland und das kleine Cottage, in dem sie und ihr Mann Leonard wohnen. Die Welt und – schlimmer noch – ihr eigenes Leben sind im Aufruhr und einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Melancholie, Selbstzweifel, diffuse Ängste, Mühsal und Leiden während des Schreibprozesses, lassen sie ihr Leben immer mehr als Qual empfinden. Die geniale Schriftstellerin, die ihrer Zeit weit voraus ist, zerbricht an ihrer schweren Persönlichkeitsstörung. Befreiung findet sie in Selbstmordgedanken.

Michael Kumpfmüller hat versucht, sich in diesen Seelenzustand zu versetzen und die 10 letzten Tage ihres Lebens nachzuempfinden, was sicher eine intensive Studie mit allen denkbaren Befindlichkeiten einer verwirrten, destruktiven Persönlichkeit und der Biografie Virginia Woolfs erfordert hat. Immer wieder lässt er Virginias Gedanken auch zu ihren vergangenen Werken abschweifen, was er stimmig in den Ablauf einbaut.

Virginia Woolf tut sich schwer mit der nachlassenden Beachtung der Gesellschaft. Inzwischen kommen so gut wie keine Gäste mehr in das Cottage, dabei lechzt sie nach Bestätigung und Bewunderung. Weiterlesen

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Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen

Nach seinem erfolgreichen Buch „Die Intelligenz der Pflanzen“ hat Stefano Mancuso, Professor für Pflanzenkunde, seine Leidenschaft in ein weiteres Buch fließen lassen. Im Zentrum stehen Pflanzen, die sich mithilfe ausgeklügelter Fortpflanzungsmethoden durch Raum und Zeit bewegen. Mit viel Liebe zum Detail erfährt der Leser von besonderen Extremen, die die Überlebens- und Anpassungsfähigkeit beschreiben. Ob es um hohe Windgeschwindigkeit, Trockenheit bei 50 Grad Celsius oder extreme Kälte geht, aber auch durch Umweltbelastungen, wenn trotz atomarer Sprengköpfe und die dadurch entstehenden Hitzewellen bis zu 6000 Grad die Wurzeln von Bäumen erneut ausschlagen. Auf informative und unterhaltsame Weise spannt Stefano Mancuso einen weiten Bogen, um die ganze Spannweite pflanzlicher Überlebenskunst unter Beweis zu stellen, aber auch, wie verletzlich ein uralter, einzelner Baum mitten in der Wüste der südlichen Sahara ist, wenn er innerhalb einiger Jahre von zwei Lkws angefahren wird und an den Folgen der Zusammenstöße stirbt.  Aber manchmal können Pflanzen auch zurückschießen, insbesondere der Sandbüchsenbaum, der seinen Samen mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde über 40 Meter weit katapultiert. Trotz dieser ungewöhnlichen Leistungen stoßen Pflanzen – so der Autor – auf geringes Interesse, „…, weil den meisten Menschen ihre grundlegende Bedeutung für das Leben auf diesem Planeten gar nicht bewusst ist.“ (S. 129) Weiterlesen

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