Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, als ich das Buch von Torsten Körner in Händen hielt, war: Wieso schreibt ein solches Buch ein Mann? Mein Sohn stellte dann genau dieselbe Frage, als er das Buch bei mir liegen sah.
Ja, wieso wurde das Buch, das so wichtig und richtig ist, von einem Mann geschrieben? Ich habe keine Ahnung, ob es ähnliche Bücher schon gibt, die von Frauen verfasst wurden, falls ja, kenne ich sie nicht. Im Laufe der Lektüre schwankte ich dann immer wieder hin und her, ob es tatsächlich richtiger, besser wäre, ein solches Thema durch die Feder einer Frau zu be-schreiben. Vermutlich wäre ein „neutrales“ Geschlecht der perfekte Verfasser eines Buches über den Kampf der Frauen gegen die Vorherrrschaft der Männer in der Politik. Da es das aber leider bekanntlich nicht gibt, ist es gut, dass es überhaupt geschrieben wurde, dieses Buch.
Torsten Körner, Journalist und Autor, zeichnet verantwortlich für einige Bestseller-Biographien sowie für die Dokumentarfilme „Angela Merkel – die Unerwartete“ und „Drei Tage im September“, der für den Deutschen Fernsehpreis nominiert war. Man darf also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass er sein Handwerk versteht und den Beweis erbringt das vorliegende Buch auf jeder Seite.
Die Recherchen, die erforderlich waren, um so fundiert über die Frauen im Parlament der Bundesrepublik berichten zu können, müssen enorm gewesen sein. Der Autor zitiert beispielsweise aus unglaublich vielen Debatten im Plenum, noch zu Bonner Zeiten wie auch bereits im Reichstag in Berlin. Die Schilderungen, welchen Angriffen, Verunglimpfungen und welchem Hohn und Spott Frauen im Bundestag besonders zu Beginn, in den 50er und 60er Jahren, aber durchaus auch heute noch, ausgesetzt sind, haben mir bei der Lektüre mehrmals die Zornröte ins Gesicht getrieben. Weiterlesen








