Unverhofft findet sich Gertrud Severin im Jenseits wieder – das vermutet sie jedenfalls, denn wer weiß schon, wie es dort aussieht. Die 52-Jährige ist verwirrt. Sie hat keine Ahnung, wie sie hierhergekommen ist. Zwar fühlt sie sich etwas seltsam, aber sie weiß noch, wie sie heißt, wo sie herkommt und kann sich an einiges aus ihrer Vergangenheit erinnern. Ihr Körper ist verschwunden, ihre Stimme funktioniert allerdings noch und nervt ihren Nachbarn, der sich schon mit seinem Tod abgefunden hat. „Lassen Sie mich in Ruhe. Ich bin tot! Gestorben! Jetzt grade.“ (Seite 9)
Doch da sie nur zu zweit in dieser seltsamen Zwischenwelt festhängen (und Gertrud sich schon immer gerne unterhalten hat), kommen die beiden ins Gespräch. Gemeinsamkeiten finden sie nur wenige. Verständnis und Unverständnis wechseln sich ab, auf Annäherung folgen Meinungsverschiedenheiten, Widerspruch ist angesagt.
Kein Wunder. Während Gertrud ein geselliger Mensch war, Kunst und Kultur mit allen Sinnen genossen hat und auch jetzt noch an den christlichen Gott und seine Gerechtigkeit glaubt, weiß der eigenbrötlerische, namenlose Herr neben ihr kaum mehr, wer er war (oder ist). „Sie scheinen geradezu das Gegenteil von mir zu sein. Ich bin purer Gedanke, befreit von mir selbst weiß ich nichts von mir außer dem, was ich gerade denke.“ (Seite 10) Weiterlesen








