Hallie Rubenhold: The Five: Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden

Dieses Buch ist so zutiefst erschütternd, dass es mich bis in den Schlaf verfolgte. Und es macht derart wütend, dass man gerne mehr tun können würde als nur mit den Zähnen knirschen oder die Fäuste ballen.

Schon oft hat es mich geärgert, wenn bei einer Straftrat, einem Attentat oder ähnlichem dem oder den Tätern nahezu uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit gewährt wurde, für die Opfer sich aber kaum jemand interessierte. Natürlich darf und will ich weder die Namen noch den detaillierten Gesundheitszustand eines Verletzten erfahren, der beispielsweise bei einer Amoktat zu Schaden kam. Aber immer wieder erfährt man alles Mögliche über den Täter, meist mehr, als man überhaupt wissen möchte. Doch die Opfer werden kaum erwähnt. So fände ich es durchaus wissenswert, wie es diesen Menschen auch später noch geht, ob sie genesen sind.

Offensichtlich gab es dieses Missverhältnis aber auch schon im vorletzten Jahrhundert. Und dieser Ungerechtigkeit, dieser Verzerrung der Verhältnisse hat sich die Autorin in ihrem preisgekrönten Buch angenommen.

Vermutlich haben wir alle schon von „Jack the Ripper“ gehört oder gelesen, dem unheimlichen Mörder, der im Jahr 1888 fünf Frauen in London auf grässliche Weise tötete. Über ihn wurde nicht nur zu seiner Zeit in allen Zeitungen in aller Ausführlichkeit berichtet, auch immer seither wird von ihm erzählt, wird seine Geschichte verfilmt, werden Bücher über ihn geschrieben. Doch wer hat je über die fünf ermordeten Frauen gelesen, wer kennt ihre Namen, ihre Geschichten? Diese Geschichten erzählt Hallie Rubenhold. Weiterlesen

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Uta Ruge: Bauern, Land: Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang.

Uta Ruge ist in einem Dorf in Niedersachsen auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sie erzählt in ihrem Buch die Geschichte ihrer Familie, ihres Dorfes, ja die Geschichte der Bauern in Deutschland allgemein. Dabei spannt sie einen großen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart.

Die unlösbar anmutende Aufgabe, europäische und deutsche Agrargeschichte über den Zeitraum von fast 2000 Jahren beschwingt lesbar darzustellen, gelingt Frau Ruge mit Bravour.

In Rückblenden, verpackt in überschaubare Kapitel, wechselt sie leichtfüßig zwischen gestern und heute, zwischen Politik und Sozialgeschichte, zwischen Heimatdorf und Weltgeschehen und stellt die Zusammenhänge her. Denn der Mikrokosmos Neubachenbruch ist mit dem Makrokosmos darum herum untrennbar verbunden. Neue Gedanken, politische Verfügungen und diverse Erfindungen erreichen das Dorf genauso wie die Kriege. Später verlassen es die Menschen, um in der Umgebung den Lebensunterhalt zu verdienen oder weil sie sich in Amerika eine bessere Existenz erhoffen. Andere ziehen zu, wollen eine neue Chance ergreifen.

Erinnerungen an das Leben am Land früher stehen den heutigen Gegebenheiten gegenüber. Frau Ruges Bruder Waldemar bewirtschaftet gemeinsam mit Frau und Sohn den Hof noch heute. Er führt einen Milchviehbetrieb mit 140 Kühen.

Von der vermeintlichen Idylle damals, betrachtet aus Kinderaugen, ist nicht mehr viel übrig. Den romantischen Blick auf das Bauerndasein demontiert die Autorin zur Gänze, wenn sie zum Beispiel von den Auflagen berichtet, die ein Bauer heute erfüllen muss. Sie macht das Spannungsfeld, in dem sich Landwirtschaft im 21. Jahrhundert befindet, drastisch deutlich. Weiterlesen

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Sabine Rückert: Verbrechen: Echte Kriminalfälle aus Deutschland

Seit 2018 gestaltet Sabine Rückert zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Sentker den erfolgreichen Podcast ZEIT Verbrechen, in dem sie spektakuläre Kriminalfälle aus Deutschland aufgreift. Auch im gleichnamigen Magazin Zeit Verbrechen, sind diese Kriminalfälle, die teilweise schon viele Jahre zurückliegen, wegen ihrer besonderen Dramatik aber noch immer in den Köpfen vieler Menschen  sind, nachzulesen. Nun gibt es das Buch hierzu.

Sabine Rückert sitzt durch ihre zwanzigjährige Tätigkeit als Gerichtsreporterin am Puls der Verbrechen. Sie wohnte Gerichtsverhandlungen bei und stellte eigene Nachforschungen zu Tätern und Opfern an. So hatte sie immer einen nahen Zugang zu den Taten, in die sie die Leser*innen in vielfältiger Weise eintauchen lässt. Ob Familiengewalt, Kindesmisshandlung, politische Tat, Verkehrsdelikt, Mord, jahrelange Pein oder sekundenschneller Tod – immer ist es ein Blick hinter die Kulissen der Verbrechen, bei denen Sabine Rückert sich mit der Psyche der Menschen in unserer Gesellschaft und mit unserem Justizsystem auseinandersetzt. Durch die Realität der Geschehnisse und ihre Mitwisserschaft um das Böse werden die Leser*innen  mit der gesamten Dramatik der zehn hier geschilderten entsetzlichen Taten konfrontiert. Weiterlesen

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Maryse Condé: Mein Lachen und Weinen: Wahre Geschichten aus meiner Kindheit

„Wahre Geschichten aus meiner Kindheit“ erzählt Maryse Condé in diesem Buch – und die sind so berührend wie unterhaltsam, so verstörend wie komisch. Das pure Leben. Zu Beginn erlauben die Eltern ihrer jüngsten Tochter Maryse – einer Nachzüglerin, die lange nach ihren sieben Geschwistern geboren ist – nur wenige selbständige Blicke über den Tellerrand. Einzig in der näheren Umgebung darf sie sich alleine bewegen, zur Vorschule gibt es für die ganze Kinderschar aus dem Viertel Begleitung durch ein Dienstmädchen. Aber das muss sorgfältig ausgewählt werden: Nicht zu übermütig soll es sein und nicht zu jung und Unterhaltungen mit Kavalieren an Straßenecken sind ebenfalls nicht gern gesehen.

Mit wem man selbst – und auch die Bediensteten – Umgang pflegt, ist wichtig. Schließlich gehören die Condés zur Oberschicht in Guadeloupe, wenn auch zur schwarzen. Die Mutter und der Vater haben sich hochgearbeitet und sind stolz auf ihre Leistung. Am liebsten würden sie in Frankreich leben. Was anderen eine verhasste Kolonialmacht ist, ist ihnen ein Traumland, das sie regelmäßig besuchen. Selbst 1946, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, reisen sie mit ihrer kleinen Tochter dorthin und erleben den alltäglichen Rassismus, der scheinbar an ihnen abperlt, Maryse aber bestürzt. Nachdem ein Kellner sie für ihr gutes Französisch gelobt hat, weil er sie für Ausländer hält (oder einfach für ungebildet), entwickelt sich folgender Dialog: „‚Wir sind aber doch genauso Franzosen wie sie‘, seufzte mein Vater. ‚Französischer‘, trumpfte meine Mutter heftig auf. Zur Erklärung fügte sie hinzu: ‚Wir sind gebildeter. Wir haben bessere Manieren. Wir lesen mehr. Manche von ihnen sind nie aus Paris hinausgekommen, während wir den Mont-Saint-Michel, die Côte d’Azur und die Baskenküste kennen.‘“ (Kapitel „Familienporträt“, Seite 13) Weiterlesen

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Maria Regina Kaiser: Selma Lagerlöf. Die Liebe und der Traum vom Fliegen

Die meisten Menschen denken wohl zuerst an den Winzling Nils Holgersson und seine wunderbare Reise mit den Wildgänsen durch Schweden, wenn sie den Namen Selma Lagerlöf hören. Doch die Autorin war eine außergewöhnliche, mutige Persönlichkeit und hat noch weitaus mehr zu bieten. Geradlinig und fleißig verfolgte sie ihren Plan, eine bekannte Schriftstellerin zu werden und wurde als erste Frau mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Sie engagierte sich für Frauen und deren Wahlrecht und setzte sich für die Flucht von Juden aus Deutschland während der NS-Zeit ein.

Den Grundstein für ihren Erfolg legten ihre Eltern, in Bezug auf das Schreiben vor allem der Vater, ein (ehemaliger) Leutnant, dessen heimliche Liebe der Literatur galt. Sie ermöglichten ihren Söhnen und Töchtern die bestmögliche Bildung, die sie sich leisten konnten (und manchmal auch mehr), was im 19. Jahrhundert auf dem Land in Schweden sicher nicht selbstverständlich war. Selma nahm diese Möglichkeit dankbar an. Wegen einer Gehbehinderung konnte sie als Kind oft nicht bei den Spielen der anderen mitmachen und wandte sich den Büchern zu, die sie in andere Welten brachten. Schon als Jugendliche verfasste sie Gedichte und Theaterstücke, die im Familien- und Bekanntenkreis aufgeführt wurden. Weiterlesen

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Elisabeth Raabe (Hrsg.): Der Literatur Kalender 2021: Momente der Hoffnung

Hoffnung – wer braucht sie nicht? Gründe, zu hoffen gibt es unzählige, „kleine“ und „große“.

Wir hoffen, dass wir und alle, die uns nahestehen, gesund bleiben oder werden und dass wir es schaffen, die Armut auf der Welt zu besiegen. Wir hoffen auf die Rettung des Klimas oder dass diese Pandemie vorübergeht. Und manchmal hoffe ich einfach nur darauf, dass das leckere Essen nicht gleich auf der Waage anschlägt.

Hoffnungen sind oft Wünsche oder Ziele. Manchmal kann man wirklich nichts weiter für die Erfüllung tun, als zu hoffen, oft kann die Hoffnung aber Motivation sein, selbst aktiv zu werden. Der Literaturkalender „Momente der Hoffnung“ versammelt Texte und Bilder aus der Weltliteratur, die sich genau diesen Themen widmen.

So schrieb die afroamerikanische Autorin Zora Neale Hurston in ihrer Autobiografie: „Mein Wunsch, wieder zur Schule zu gehen, war nie verstummt … Entschlossen ergriff ich die einzige Waffe, die ich besaß – Hoffnung –, und nahm die Beine in die Hand. Vielleicht würde von nun an alles gut werden. Vielleicht. Und so zog ich denn meine Schuhe an und machte mich auf den Weg.“ (Januar) Weiterlesen

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Duden: Kleines Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache

Wie heißt das im Jahr 2004 vom Deutschen Sprachrat gekürte schönste deutsche Wort und welche schönen Wörter gelten als vom Aussterben bedroht? Auf welche Arten kann man „Konifere“ falsch schreiben? Welche Wörter sind aus dem Deutschen in andere Sprachen eingewandert und welche haben hier einen „Migrationshintergrund“? Wissen Sie, dass es im Rechtschreibduden nur fünf einsilbige deutsche Wörter gibt, die auf -nf enden, oder welche Buchstaben im Deutschen, Italienischen, Französischen, Italienischen und Spanischen am häufigsten vorkommen?

Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das kleine Kuriositätenkabinett der deutschen Sprache. Denn es bleibt nicht bei der deutschen Sprache stehen, sondern macht auch Abstecher zu Nachbarn oder weiter entfernten Verwandten, zum Beispiel, wenn es darum geht, welche Sprachen von den meisten oder nur von sehr wenigen Menschen gesprochen werden.

Nebenbei wird (immer mit vielen witzigen Beispielen) erklärt, was ein Anagramm, ein Palindrom oder ein Eponym ist. Was haben der Rentner, das Regal und der Reliefpfeiler gemeinsam? Nicht nur das R am Anfang … Weiterlesen

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GartenWerkStadt Marburg (Hrsg.): taschenGARTEN 2021

Die Natur ist für jeden etwas anderes. Denn die eigenen Interessen erschaffen die Perspektive, über die man seine persönliche Umgebung wahrnimmt. Wer das Gärtnern für sich entdeckt hat, egal ob dies auf der Fensterbank, dem Balkon oder einem Grundstück ausgelebt wird, der stellt schnell fest, dass Pflanzen einen eigenen Willen haben: Sie gedeihen anders als geplant und gewollt.

Der berühmte grüne Daumen wirkt dort, wo es einen offenen und ganzheitlichen Blick auf die Pflanzenwelt gibt. Im taschenGarten 2021 geht der Blick weiter und ist ein moderner. Verschiedene Fachleute berichten und lassen den Leser an ihren Erfahrungen teilhaben. Die breitgefächerten Informationen schenken Einblicke, die von der Pflanze, zur Wurzel und schließlich zum Boden wandern. Der Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Gärtnern, der gesunde Boden, ist kein lebloses mit Nährstoffen angereichertes Substrat. Er ist ein Zusammenspiel von biologischen Prozessen, die von Mikroorganismen, Insekten, Würmern, Pilzen und vielem mehr bevölkert werden. Der Erdboden könnte zu einem leicht zu düngenden, freigiebigen Spender werden, wenn das Zusammenspiel von Menschen und Pflanzen ein gegenseitig stützendes geworden ist. Weiterlesen

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F. Schäfer, J. Pisarek & H. Gritsch: Hausgeister!

In Zeiten von Lichtverschmutzung und taghell beleuchteten Nächten haben sie es schwer, die Hausgeister, Wichtel und Kobolde und wie sie noch alle heißen. In Neubaugebieten, laborähnlichen Einfamilienhäusern und sterilen Penthouse – Wohnungen glaubt keiner mehr so recht an ihre Existenz.

Gritsch, Pisarek und Schäfer steuern dem Vergessen mit diesem Buch entgegen. Nach einem historischen Überblick erfährt man viel Interessantes über die archaischen Kollegen, die je nach geografischer Lage ihres Wirkungskreises Butz, Hausdüsterle, Jokele, Hickeding, Hinzelmann oder Puk genannt werden. „Der Glaube an Hausgeister ist ein weit verbreitetes Phänomen. Trotz ihrer Verschiedenartigkeit besitzen sie fast immer eine Schutzfunktion. Somit leben und wirken Hausgeister in bewohnten und bewirtschafteten Häusern, entweder als einnehmender Platzgeist oder als Seelen der Hausbauer- was archaischen Denkmustern entspricht. Es gilt: der Hausgeist sucht sich selbst aus, wo er wohnt. So kann er seit Anbeginn Teil des Hauses sein oder nachträglich, beispielsweise durch aufgelesene Gegenstände wie Holz, ins Haus kommen…“ (S. 27)

Die Autoren folgen den Spuren zahlreicher Märchen- und Sagensammler wie z.B. natürlich den Brüdern Grimm aber auch vielen anderen. Weiterlesen

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John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah

Kurze Zeit nach seinem Rücktritt (oder seiner Entlassung?), aber noch vor der Präsidentschaftswahl in den USA erschien John Boltons Buch. John Bolton war 519 Tage lang Nationaler Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten – amtlich „Assistant to the President for National Security Affairs“. In dieser Funktion hatte er engen Kontakt zu Trump und war maßgeblich an Entscheidungen des Präsidenten beteiligt, die weitreichende internationale Bedeutung hatten und noch haben.

Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern greift in 15 Kapiteln jeweils ein weltpolitisch bedeutsames Thema auf, wie die Annäherung an Nordkorea, die Sanktionen gegen den Iran oder gegen Syrien, die Teilnahme am G7-Gipfel, um nur einige zu nennen.

Für ein Honorar von 2 Millionen USD, so ist zu lesen, berichtet Bolton als Insider aus der Herzkammer der amerikanischen Machtzentrale, dem Oval Office, eben dem „Raum, in dem alles geschah“, über Machtmissbrauch, Amtsanmaßung, politische Inkompetenz und rechtswidrige Handlungen. Basierend auf seinen minutiösen Notizen und Protokollen zeichnet er die Konturen der Persönlichkeit des mächtigsten Mannes der Welt mit groben Strichen nach. Allerdings ist vieles davon auch schon anderswo geschrieben und kommentiert worden. Weiterlesen

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