Christoph Krachten: Per Aufzug in den Weltraum

Würden Sie zu den ersten Menschen gehören, die mit einem Aufzug in den Weltraum reisen würden? Vielleicht zum Mond oder gleich zur Kolonie auf den Mars? Utopisch, meinen Sie? Dann sollten Sie Christoph Krachten „Per Aufzug in den Weltraum“ lesen.

Christoph Krachten, vielen bekannt als Produzent, Journalist und Netzwerker, erfindet mit seinem Sachbuch zur Gegenwart und Zukunft sicher nichts gravierend Neues. Dafür stellt er Erkenntnisse der Wissenschaft, der Wirtschaft und Raumfahrt zusammen und interpretiert sie auf kluge, unterhaltsame Art und Weise.

Tatsache ist: Die Zukunft hat bereits begonnen. Mit dem Anfangssatz „Die Welt ist anders, als wir denken“, wird zugleich ein Blick auf die Gegenwart geworfen. Der Leser beginnt eine Expedition in Gegenwart und nahe Zukunft. Ein schöner Anfang, der zugleich neugierig macht und den Autor auffordert, seine These alsbald mit Fakten zu unterlegen.

Das wiederum gelingt Krachten durch intelligente Beweisführung, die jedoch weit davon entfernt ist, dem Leser etwas „zu erzählen“, sondern ihn mitnimmt, zum Mitdenken anregt und seine eigenen Schlüsse ziehen lässt. Weiterlesen

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Maude Barlow: Das Wasser gehört uns allen!

Laut Buchcover bezeichnete Naomi Klein die Autorin als „eine der größten Verteidigerinnen des Wassers“. Eine Bezeichnung, die vermutlich zutrifft, denn Maude Barlow ist eine international renommierte Wasseraktivistin und setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Wassers und ein Grundrecht darauf ein.

Um das Thema Wasser geht es auch in ihrem neuen Buch. Marlow zeigt dort anhand erschreckender Beispiele auf, welche Missstände durch die Privatisierung des Zugangs zu Trinkwasser in der Welt herrschen. Hierbei wiederholt sich immer wieder das Bild, dass zuvor öffentliche Quellen privatisiert und danach nur noch von großen Getränkeherstellern für deren Abfüllanlagen genutzt werden dürfen. Der örtlichen Bevölkerung wird der kostenfreie oder zumindest kostengünstige Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt.

Es ist erschreckend, über dieses hässliche Gesicht der Kommerzialisierung von Wasser zu lesen. Aber es ist meiner Ansicht nach gerade für uns im Wohlstand lebende Westeuropäer wichtig zu wissen, mit welchen Methoden die Konzerne agieren, deren Produkte wir alltäglich im Supermarkt vorfinden.

Doch die Schilderung dieser negativen Seiten ist für Maude Barlow nur der Ausgangspunkt, um Wege aufzuzeigen, wie es besser gehen kann. So berichtet sie vom „Blue Community Project“, das in Kanada im Kampf gegen die Wasserprivatisierung entstand und zum Ziel hat, die Wasserversorgung in der öffentlichen Hand zu belassen oder in diese zurückzuführen. Das Projekt hat mittlerweile auch in Europa in einigen Ländern Fuß gefasst. Weiterlesen

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Agnès Poirier: An den Ufern der Seine

„… Wann immer die Stadt der Lichter den Besitzer wechselt, gerät die westliche Zivilisation aus dem Gleichgewicht. So ist es seit sieben Jahrhunderten; so war es 1940 …“ (S. 123)

Sie wohnen auf der linken Seite der Seine. Sie sind die Elite, die Intellektuellen und pflegen ihren eigenen Lebensstil. Der Zweite Weltkrieg rüttelt an ihren Glaubenssätzen. Die Besetzung von Paris mit dem einhergehenden harten Regime der Deutschen bringt ihnen Hunger, Unfreiheit, Verrat durch die eigenen Landsleute und im schlimmsten Fall den Tod. Einige von ihnen wandern aus, oder verstecken sich weit weg von Paris. Andere bleiben. Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus und viele andere diskutieren über ihre Situation nach der Befreiung.

„[…] Es war die Zeit, die Wirklichkeit […] zu betrachten, wenn man sie verändern wollte.“  „ […] Die Zeit der Selbstgefälligkeit und Doppelbödigkeit war vorbei. […] Man musste sich engagieren. […] Die Lehre, die man aus dem Krieg gezogen hatte, lautete: Gleichgültigkeit erzeugt Chaos.“ (S. 163)

Sie gründen und schreiben für ihre eigenen Zeitschriften, die aufgrund des Papiermangels zunächst einen geringen Umfang hat. Sie wollen schockieren, aufrütteln und die Welt verändern. Es ist die Geburtsstunde des  Existenzialismus. Einige von ihnen, die zuvor lokale Bekanntheit genossen, werden länderübergreifend berühmt. Ihr Leben verändert sich mehr, als sie ahnen. Weiterlesen

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Dr. Chris Napier: Lauftraining: Die Anatomie verstehen

Statistiken belegen: Rund 22 Millionen Menschen verbringen wenigstens ab und an ihre Freizeit mit dem Laufen. Ich gehöre auch zu ihnen. Das Laufen ist für mich ein wichtiger Ausgleich für meine eher im Sitzen stattfindende berufliche Beschäftigung. Ich liebe das Laufen, weil es ohne große Umstände durchzuführen ist, weil es mich in die Natur bringt und es meiner Gesundheit zuträglich ist.

„Lauftraining“ von Dr. Napier hat den Anspruch, dem Leser einen anatomischen Rundumblick auf das Laufen zu vermitteln. Tatsächlich ist dies jedoch nur ein Aspekt, den das Buch leistet. Es stellt zudem die Diskussion der Vor- und Nachteile von Laufen auf eine wissenschaftliche, faktenbasierte Ebene. Auf diesem Niveau lässt sich bekanntlich am besten argumentieren.

Am Anfang begrüßt den Leser ein Zitat: „Regelmäßiges Laufen kann viele Gesundheitsvorteile bringen, die unsere Lebensqualität verbessern.“ Für mich ist dieser Satz die entscheidende Charakterisierung des vorliegenden Sachbuchs. Anders ausgedrückt, vermittelt „Lauftraining“ dem Interessierten das Wissen, das ihn befähigt, das Laufen gezielt für die Gesundheitsförderung einzusetzen. Wie es sich für ein Sachbuch von Rang ziemt, ist es in thematisch zusammengehörende Kapitel eingeteilt. Diese heißen: Laufanatomie, Verletzungsprävention, Kraftübungen und Gezieltes Training. Die beiden Letzteren belegen, dass der Autor sich nicht auf die Theorie beschränken will. Dr. Napier soll eine Marathon-Bestzeit von 2:33 Stunden aufweisen. Weiterlesen

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Erin Niimi Longhurst: Ikigai – Die Kunst, zufrieden zu sein

Ikigai stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Lebenssinn. Diesen zu finden und ihm nachzugehen, kann zufrieden mache

n. Für diese Erkenntnis benötigt man kein Buch. Die Autorin will uns wohl auch deshalb mehr mit dem vorliegenden Band vermitteln.

Das Buch startet leidigerweise mit einer Einführung über elf Seiten. Diese Seiten beschäftigt sich vornehmlich mit der Autorin und ihren Weg zum ikigai. So sympathisch sie zu sein scheint, diese Passage gehört, wenn überhaupt, ans Ende des Buches. Ich möchte gleich auf Seite 1 damit starten, einen neuen Blick auf mein Leben zu werfen und es reicher und vollkommener zu machen. Denn dies, so verspricht die Einführung vor der Einführung ist das Ziel des Buches.

Auf knapp 280 Seiten erfahren wir sehr reichlich über die traditionelle japanische Lebensweise. Zum Beispiel, dass die Bewohner dieses Landes zu den Menschen gehören, die am längsten leben. Und dies, obgleich bekanntermaßen ihre Work-Life-Balance zu einer der schlechtesten weltweit gehört. Wo liegt das Geheimnis? Weiterlesen

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Anne von Canal: Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit

Ich bin verliebt! Ich bin verliebt in dieses Buch! Ich liebe dieses Buch von Seite 1 bis zum viel zu frühen Ende. Es startet famos: „An einem unbekannten Ort ankommen, ist wie der erste Kuss mit einem Fremden.“ Kann ein Anfang treffender, fesselnder, fragender sein?

Wir erfahren in Kapitel 1 etwas über das gesunkene deutsche Frachtschiff mit dem – angesichts seiner jetzigen Lage – absurden Namen „Fortuna“ auf den Schiffsseiten. Erfahren trifft es allerdings nicht – wir erleben es, stehen neben der Ich-Erzählerin bei Ebbe auf einem Felsstück im Wintermeer und strecken die Hand nach dem verrosteten Eisen aus. Wir stapfen neben der Protagonistin im nächsten Kapitel an den Ort, an dem einst die Villa Kunterbunt stand.

Gotland ist für die Autorin die Winterinsel, ist wie ein Raum der Einsamkeit, den man betreten kann. Sie nimmt uns einfach mit auf ihre Winterinsel, auf die Insel, weder Festland noch Meer. Weiterlesen

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Esther Safran Foer: Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind

Der Titel des Buchs ist die Botschaft, die Esther Safran Foer ihren im Holocaust getöteten Familienmitgliedern an deren Grab zuruft. Sie, ihre Kinder und deren Kinder, sie sind noch da und halten die Geschichte der Familie am Leben.

In diesem sehr intensiven und sehr persönlichen Buch erzählt die Autorin – sie ist die Mutter des Bestsellerautors Jonathan Safran Foer („Wir sind das Klima“) – vor allem die Geschichte ihrer Eltern.

Esther Safran Foer wird 1946 geboren, doch erst viele Jahre später, als Erwachsene, erfährt sie, warum in ihrer Geburtsurkunde ein falsches Datum und ein falscher Geburtsort genannt sind. Ebenso wie sie erst als Erwachsene durch Zufall lernt, dass ihr Vater, der 1954 starb und nie über sich oder seine Vergangenheit sprach, eine weitere Familie hatte. Dass seine erste Frau und seine Tochter – ihre Halbschwester – im Holocaust ermordet worden waren.

Diese Tatsache, doch nicht nur diese, sind für sie Motiv und Anlass für eine Reise in die Vergangenheit. Sie will herausfinden, wie ihr Vater den Holocaust überlebte, wer ihn rettete und wieso er nie von seiner ersten Familie sprach, sprechen konnte. Wie so viele machte auch Esther Safran Foer die Erfahrung, dass die Generation ihrer Eltern mit ihren Kindern nicht über den Holocaust, die Verluste und das Leid, das sie erlitten hatten, sprechen kann. Ihren Enkeln jedoch können sie davon erzählen, da ist das Thema kein Tabu, keine im Herzen und im Gedächtnis eingeschlossene Erinnerung. Weiterlesen

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Catherine Collin u.a.: Das menschliche Gehirn und wie es funktioniert

Einige Fakten über das menschliche Gehirn gehören durchaus zum Allgemeinwissen. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir nur einen geringen Teil davon nutzen. Im vorliegenden Sachbuch werden weitere Teile aktiviert und unser Wissen über die zentrale Komponente des Nervensystems kräftig erweitert.

Eingeteilt ist das Sachbuch in Kapitel über das physische Gehirn, die Hirnfunktionen und Sinne, Kommunikation, Gedächtnis, Lernen und Denken, Bewusstsein und das Selbst, das Gehirn der Zukunft und der große Bereich der Störungen. Beleuchtet wird das wohl komplexeste Organ in unserem Körper aus allen Blickrichtungen. Die Erläuterungen sind in verständliche Sprache ausgeführt und werden durch farbenfrohe und nachvollziehbare Grafiken ergänzt. Auf jeder Seite finden sich Fakten, die durchaus überraschen. So erfahren wir unter anderem, dass Schnellleser über 700 Wörter je Minute lesen. Ich wünschte, ich könnte das auch. Oder: 95 % all unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst. Das erklärt so einiges in meinem Leben. Wir lernen auch, dass das Abrufen von Erinnerungen eine aktive Rekonstruktion des Gehirns von Erlebtem aus gespeicherten Erinnerungen ist. Dabei können Fehler auftreten und die Erinnerungen verfälschen. Es werden aber nicht nur Fakten mitgeteilt, sondern auch die Funktionsweise, Gründe und Kausalitäten dargestellt und erläutert. Weiterlesen

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Paul Auster: Mit Fremden sprechen: Ausgewählte Essays und andere Schriften aus 50 Jahren

Von Sprache entfremdet zu sein ist nichts anderes, als seinen Körper zu verlieren. Wenn dir die Worte versagen, zerfällst du in ein Bild von nichts. Du verschwindest. (S. 10 aus Notizen aus einer Kladde 1967)

Paul Auster gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Seine bislang erschienenen Romane sind eng mit der Stadt New York verknüpft („Die New-York-Trilogie“ hat ihn international bekannt gemacht). Für den Band „Mit Fremden sprechen hat der Autor seine 44 darin enthaltenen Schriften, Reden und Essays aus über fünfzig Jahren selbst zusammengestellt.

Der titelgebende Text bezieht sich auf das letzte Kapitel im Buch und handelt von Austers Dankesrede zum Prinz-von-Asturien-Preis.   (Im Roman begegnen sich Autor und LeserInnen auf gleicher Stufe ohne sich tatsächlich zu sehen und bleiben so doch immer Fremde). Wir erfahren mehr von Austers Bedürfnis zu schreiben – dem Einzigen, was er jemals wollte. Literatur ist das, was Auster antreibt und ihn schon sein Leben lang begeistert. Seine Gedanken umkreisen Erinnerungen und reflektieren aktuelles Zeitgeschehen. Das Spektrum seiner Themen ist vielseitig. In „Mit Fremden sprechen geht es um Austers philosophische Sichtweisen und seine weitreichenden literarischen Betrachtungen. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Der Platz

In ihrem autobiografischen Buch „Der Platz“ schreibt die 1940 geborene Annie Ernaux vom Leben ihres Vaters, was natürlich auch mit ihrem eigenen Aufwachsen im Elternhaus in der Normandie verbunden ist. In Frankreich erschien das Buch „La place“ bereits 1983.

Wie in den beiden hier bereits besprochenen Büchern der Autorin „Eine Frau und „Erinnerung eines Mädchens bleibt Ernaux ihrem sehr persönlichen, eindringlich emotionalen Stil treu.

Ausgehend vom Tod des Vaters ruft sie die mit ihm verbundenen Erinnerungsbilder in sich wach.

Aus einfachem Bauernstand stammend und geprägt von den Kriegsjahren war dem Vater geistige Kultur fremd. Vom Fabrikarbeiter arbeitet er sich zum Kolonialwaren- und Kneipenbesitzer hoch, worauf er stolz ist. Doch das Stigma vom armseligen Leben der Unterschichtenklasse wird er zeitlebens nicht los. Weiterlesen

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