„Knochenbett“ ist jetzt schon der 20. Fall für Dr. Kay Scarpetta. In diesem muss die Rechtsmedizinerin im Fall einer verschwundenen Paläontologin ermitteln, von der nur noch das Foto ihres abgeschnittenen Ohrs existiert. Außerdem muss sie die Mumie einer Frau im Bostoner Hafen bergen, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sie als Zeugin im Prozess gegen einen Öl-Tycoon geladen ist, dem der Mord an seiner spurlos verschwundenen Ehefrau vorgeworfen wird. Handelt es sich bei der Toten um die vermisste Industriellengattin? Diese Frage stellt sich auch die Anwältin des Angeklagten, die alles daran setzt, Scarpettas Reputation zu untergraben. Fieberhaft beginnt die Rechtsmedizinerin mit der Untersuchung der Mumie. Weiterlesen
Krimi & Thriller
Till Raether: Treibland
Wer die Kolumnen von Till Raether liebt, wird auch seinen ersten Krimi mögen und sich einlassen auf Raethers zuweilen ausschweifenden Erzählstil: „Treibland“ ist der Auftakt zu einer Reihe von Hamburg-Krimis mit dem Kripobeamten Adam Danowski, einem Anti-Held mit Hang zum Golfspielen.
Der erste Fall führt ihn (in Quarantäne) auf das Kreuzfahrtschiff „Große Freiheit“, das mit einer afrikanischen Virusinfektion an Bord in den Hamburger Hafen eingelaufen ist. Spannend ist es nicht gerade auf diesem „Pestschiff“, aber Raether erzählt diese Krimihandlung mit viel Witz, im Mittelteil aber sehr langatmig. Viel Hamburg-Atmosphäre hat dieser mit fast 500 Seiten sehr dicke Roman, aber Krimi-Fans werden die Spannung vermissen, die stellt sich erst am Schluss ein.
Till Raether: Treibland.
rororo, März 2014.
496 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Jutta Profjit: Knast oder Kühlfach
Trotz aller Versuche in den letzten Bänden, auch endlich ins Licht zu gehen, bleibt uns der tote Autoknacker Pascha mit der großen Klappe erhalten – dem Himmel sei Dank. Denn nicht nur ist Birgit schwanger, die Freundin des einzigen Menschen, der Pascha sehen und hören kann – Martin Gänsewein. Das wäre eigentlich wirklich schon genug zu ertragen für einen harmlosen Geist, denn Martin erweist sich als überaus besorgter werdender Vater. Aber auch der einzige Kriminalist, den Pascha wirklich schätzt, Martins und Birgits Freund Gregor steht unter dem Verdacht, seine Ex-Frau ermordet zu haben. Und Martin ist aus oben erwähnten Gründen nicht mit der ganzen Konzentration bei der Sache, wenn es um Gregors Rettung geht. Weiterlesen
Heinrich Peuckmann: Angonoka
Der Kamener Heinrich Peuckmann schafft es in seinen Krimis mit Kommissar Bernhard Völkel immer wieder, aktuelle Themen spannend zu erzählen und mit Lokalkolorit zu vermischen. In seinem neuen Fall „Angonoka“ kommt Völkel der Tiermafia auf die Spur. In der Nähe eines Ermordeten findet die Polizei in einem Wald eine Angonoka, eine seltene Schnabelbrustschildkröte.
Peuckmann erinnert an einen Fall von Tierschmuggel, den es vor ein paar Jahren in Unna wirklich gegeben hat. Beim Dortmunder Zoochef lässt sich der Kommissar beraten (auch der Autor hat sich da vorher Tipps geholt), er streift durch die Stadt und legt schließlich den Reptilienhändlern das Handwerk. Das ist spannende Unterhaltung, und Dortmunder erkennen ihre Stadt sehr gut wieder.
Heinrich Peuckmann: Angonoka.
Lychatz Verlag, Februar 2014.
352 Seiten, Taschenbuch, 9,95 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Thomas Thiemeyer: Valhalla
Hannah Peters und ihr Lebensgefährte, der Ex-Marine John Evans forschen im Auftrag ihres reichen Gönners in Kambodscha und untersuchen die beeindruckenden Ruinen Groß-Angkors als Norman Stromberg das erfolgreiche Team auseinanderreißt. Hannah soll nach Spitzbergen reisen, wo man tief unter dem 5000 Jahre alten Gletschereis eine riesige Stadt gefunden hat, die das legendäre Hyperborea sein könnte.
Dass die Forscher nicht die ersten neuzeitlichen Menschen sind, die die antike Metropole aufsuchen stellen sie fest, als sie auf Relikte der Deutschen Wehrmacht stoßen. Weiterlesen
Ingrid Noll: Hab und Gier
Bestseller-Autorin Ingrid Noll braucht keine Kommissare in ihren Krimis. Ihre Leichen serviert sie quasi nebenbei, und diejenigen, die sie ins Jenseits befördert haben, sind sympathische Menschen. „Hab und Gier“ heißt der neue Roman der 78-Jährigen.
Natürlich geht es um Habgier und deren Folgen. Wolfram, ein pensionierter, schwer kranker Bibliothekar will die Hälfte seines Vermögens seiner ehemaligen Kollegin Karla vermachen, wenn sie ihn bis zu seinem nahen Tod pflegt. Weiterlesen
Simon Beckett: Der Hof
Endlich. Drei Jahre hat der britische Bestseller-Autor Simon Beckett warten lassen auf einen neuen Thriller. Am 1. Februar ist „Der Hof“ in deutscher Sprache erschienen. Es ist kein David-Hunter-Krimi, aber ein Buch, dass auch ohne den schrulligen Gerichtsmediziner 464 Seiten Hochspannung garantiert. Ein Muss-Buch für jeden Krimifan.
Der 53-jährige Brite erzählt in dem Roman zwei Geschichten: die Vorgeschichte von seinem Helden Sean in London und das, was dem britischen Flüchtling später auf einem heruntergekommenen, gespenstischen Hof in Südfrankreich passiert. Weiterlesen
Nicci French: Schwarzer Mittwoch
Ruth Lennox wird brutal ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Die Lage scheint eindeutig: Sie hat einen Einbrecher ertappt und wurde von diesem erschlagen. Allein das Geständnis fehlt noch. Ruth war glücklich verheiratet und Mutter von drei wohlgeratenen Kindern, es kann kein anderes Motiv geben. Allein der Psychologin Frieda Klein erscheint die Fassade der glücklichen Lennox-Familie allzu glatt und ohne Kanten. Durch ihre Nichte Chloe lernt Frieda Ruths Sohn Ted kennen und wird dadurch doch wieder in einen Fall involviert, obwohl sie eigentlich nach dem letzten Angriff auf sie noch gar nicht wieder arbeitet. Weiterlesen
Anne Holt: Schattenkind
Ellen ist eine alte Schulfreundin von Inger Johanne Vik, die wiederum mit Yngvar Stubø liiert ist. Somit gehört „Schattenkind“ streng genommen in Anne Holts Yngvar Stubø-Reihe, obwohl es in diesem Buch weniger als sonst um bloße Ermittlungsarbeit geht. Eines Abend betritt Inger Johanne Ellens Haus und findet die Familie im Schock vor. Der 8-jährige Sander ist anscheinend gerade von der Trittleiter gefallen und hat sich dabei den Schädel eingeschlagen. Ein schrecklicher Unfall, wie es scheint und dann kommt die Nachricht über das Massaker auf Utøya herein und alle sind nur noch daran interessiert, dann Fall so schnell wie möglich abzuschließen. Weiterlesen
Sam Eastland: Der rote Sarg
Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, welchen Hang amerikanische Autoren zur Stalin-Ära haben. Dieser Roman um den russischen Ermittler Pekkala spielt im Jahr 1939 und beschäftigt sich mit den Ereignissen um den Beginn des 2. Weltkriegs. Russland arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung neuer Panzer und ausgerechnet auf einem solchen Entwicklungsgelände geschieht ein Unglück: der verantwortliche Ingenieur Nagorski stirbt unter seinem eigenen Panzer. Aber war es ein Unglück, war der Panzer noch nicht ausgereift oder war es Mord? Die Ermittlung wird erschwert durch die Verhältnisse im stalinistischen Russland und an jeder Ecke droht das Arbeitslager oder die Liquidierung. Weiterlesen