Kein anderer Autor ist mit 90 Jahren so ein Vielschreiber wie Andrea Camilleri. Jetzt sind neun neue Montalbano-Krimis des italienischen Bestseller-Autors erschienen: acht Kurzkrimis und ein Roman.
Ein Herz für kleine Sünder hat der sizilianische Kommissar in den acht Fällen von „Der ehrliche Dieb“. Es geht um Brandstiftung in einem Hotel, um einen Mord auf einem Fischkutter, um eine verschreckte Bardame auf der Flucht, einen Banküberfall, eine junge Frau, die einen Autounfall hatte und natürlich auch um die italienische Mafia. Immer mit dabei sind Montalbanos Verlobte Livia und sein Assistent Fazio. Weiterlesen
Krimi & Thriller
Anne Holt & Even Holt: Infarkt
Sara Zuckerman, die Heldin aus dem ersten Roman des Autorenduos Holt ist inzwischen mehr oder weniger fest verbändelt mit dem Trainer des Premier League Teams Notting Hill. Der Fußballklub gehört Najib Aysha, einem millionenschweren Londoner Geschäftsmann. Ihr Freund schleppt sie zu einem Fußballspiel, das sie bis zu dem Moment langweilt, an dem einer der Spieler plötzlich umkippt. Sara ist Kardiologin und rettet dem Spieler das Leben. Aber wie kann das sein, ein Sportler, jung, durchtrainiert, gesund, erleidet einen plötzlichen Herzstillstand. Man könnte das unter Schicksal abbuchen, wenn es nicht ausgerechnet bei Spielern und ehemaligen Spielern dieses Klubs gehäuft auftreten würde. Saras alter Kollege Ole Farmen arbeitet als Arzt in der vereinseigenen Klinik und wird misstrauisch, als er sich alte Berichte ansieht. Weiterlesen
Stephen King: Finderlohn
Mr. Mercedes ist gefasst – naja, sagen wir mal „ruhiggestellt“, denn der dämmert nach Hollys Schlag mit der Schraubensocke in einem Krankenhaus vor sich hin. Aber sein Tun hat Spuren hinterlassen. Zum Beispiel in der Familie von Pete Saubers. Dessen Vater war eines der Opfer, die der Mercedes in Band 1 umgemäht hat. Er hat überlebt, aber jetzt war er nicht nur arbeitslos, sondern auch noch schwer verletzt. Jegliche Finanzierungsplanung der Familie geht endgültig den Bach runter und die ständigen Streitereien ums Geld scheinen in einer Scheidung zu münden. Da findet Pete einen Koffer, der nicht nur sehr viel Geld in Scheinen enthält, sondern auch sehr viele vollgeschriebene Notizbücher. Weiterlesen
Jax Miller: Freedom’s Child
Ein junger Polizist stirbt. Seine Ehefrau steht unter Mordverdacht und muss im Laufe der Ermittlungen ihre Kinder zur Adoption frei geben. Weil es nach jahrelangen Ermittlungen noch immer keine konkreten Beweise für ihre Schuld gibt, wird sie freigesprochen. Doch die Familie des Ermordeten schwört Rache und will ihren Tod. Aus diesem Grund darf „Freedom“ ihr nacktes Überleben in ein Zeugenschutzprogramm retten.
Wenn frau alles im Leben verloren hat, bleibt nicht mehr viel. Weiterlesen
Alfred Bodenheimer: Das Ende vom Lied
Einen etwas anderen Krimi hat Alfred Bodenheimer mit dem Roman „Das Ende vom Lied“ geschrieben: Rabbi Klein, schon Held von Bodenheimers erstem Roman „Kain“, kannte Carmen, die Frau, die im Hauptbahnhof Zürich von einem ICE überrollt wird. War es Mord, ein Unfall oder Suizid?
Der Rabbi gerät ins Visier von Kommissarin Bänziger. Und dann ist da noch der Vater der wohlhabenden Julia, der Liebesbriefe an eine Tote geschrieben hat. Zunächst passt wenig zusammen, aber Bodenheimer erzählt unaufgeregt, ohne das sonst übliche Blutrünstige und Düstere, aber trotzdem spannend.
Ebenso wichtig wie die Aufklärung des Falls sind die Schilderungen des jüdischen Alltagslebens in der Gemeinde. Wer sich dafür interessiert, bekommt ein doppelt spannendes Buch, echte Krimifreunde wird es jedoch weniger fesseln.
Alfred Bodenheimer: Das Ende vom Lied.
Nagel & Kimche, März 2015.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,90 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Ingrid Noll: Der Mittagstisch
Die Frauen in den Krimis von Ingrid Noll morden leise und perfide. Und die Polizei kommt ihnen nie auf die Schliche. In ihrem neuen Roman „Der Mittagstisch“ gibt es nur zwei Tote; da hat Ingrid Noll früher schon ein Vielfaches ins Jenseits befördern lassen. Fast rechnet man mit einem dritten Opfer, aber dieser Mann überlebt.
Es ist eine illustre Runde, die sich da täglich am Mittagstisch von Nelly versammelt: Handwerker, Lehrerinnen und ein alter Kapitän, dazu die Kinder. Die Mittdreißigerin bessert mit der Privat-Kantine ihr Budget auf. Da taucht plötzlich der Vater der Kinder aus Amerika wieder auf. Turbulent ist das Leben der allein erziehenden Mutter, aber Nelly meistert es wie eine Superfrau. Weiterlesen
Charlotte Link: Die Betrogene
„Der Beobachter“ hätte der neue Krimi von Charlotte Link auch heißen können. Aber so hieß schon ihr letzter Bestseller. Wer „Die Betrogene“ im neuen Thriller der Bestseller-Autorin wirklich ist, entblättert sich erst ganz am Schluss.
Dieses Buch ist (mal wieder bei Link) ein Meisterwerk: über 640 Seiten hoch spannend, psychologisch sehr genau ausgeleuchtet und klug und stringent erzählt.
Eigentlich erzählt Charlotte Link in dem Roman drei, zumindest zwei Geschichten: die von der Scotland-Yard-Polizistin Kate Linville, die auf eigene Faust nach dem Mörder ihres Vaters, auch einem ehemaligen Inspektor sucht, und die von einer kleinen Familie, die mit ihrem Adoptivsohn Urlaub in der Abgeschiedenheit in den Hochmooren von Yorkshire macht. Weiterlesen
Andrea Camilleri: Das Lächeln der Signorina
Zu seinem 90. Geburtstag hat der italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri sich und seine deutschen Leser mit zwei Neuerscheinungen beschenkt: Zeitgleich mit dem Kurzgeschichtenband „Der ehrliche Dieb“ ist der neue Montalbano-Krimi-Roman „Das Lächeln der Signorina“ erschienen.
Von der schönen Angelica lässt sich Montalbano da um den kleinen Finger wickeln und stürzt sich in ein amouröses Abenteuer, das Livia so gar nicht gefallen würde. Weiterlesen
Ulrich Wickert: Das Schloss in der Normandie
Um Gewalt und Mord an einer Afrikanerin ging es schon in Ulrich Wickerts letztem Krimi „Das marokkanische Mädchen“. Der neue Fall von Jacques Ricou“ führt in „Das Schloss in der Normandie“ und nach Äquatorialguinea.
Korruption, Prostitution, Mädchenhandel, Misshandlung und Mord – in diesem Krimi ist alles drin und in der gewohnt klaren, schönen Sprache des ehemaligen Tagesthemen-Moderators spannend geschrieben. Aber diesmal kann Ricou den Fall nicht alleine lösen, sondern ist auf die Hilfe seiner Freundin, einer Journalistin angewiesen. Weiterlesen
Gabriella Wollenhaupt: Grappa und die stille Glut
Die Bierstädter Polizeireporterin Maria Grappa schreibt an einer Serie über Opfer von Stalking. Da kommt ihr die skurrile Geschichte des evangelischen Pfarrers Guido Kasch gerade recht, vor dessen Haus eine zweiundsiebzigjährige Frau aus seiner Pfarrgemeinde regelmäßig erotische Tänze aufführt.
Doch bevor der Artikel über Kasch erscheinen kann, wird der Pfarrer grausam ermordet. Maria Grappas Recherchen führen weit in die Vergangenheit zurück. Vor fünfzig Jahren verschwand die sechsjährige Tochter der Stalkerin auf dem Weg von der Schule nach Hause. Von dem Kind wurde nie mehr eine Spur gefunden. Kasch leitete vor mehr als zwei Jahrzehnten ein Ferienlager, in dem ein junges Mädchen, das dort als Küchenhilfe arbeitete, ebenfalls spurlos verschwand. Besteht zwischen beiden Fällen, trotz des großen zeitlichen Abstands, eine Verbindung? Weiterlesen