Gina LaManna: Vier Frauen – Jedes. Wort. Eine. Lüge.

Vier Frauen treffen sich in einem kalifornischen Luxusresort zur Hochzeit einer alten College-Freundin und jede der Frauen verbirgt natürlich Geheimnisse. Doch warum gestehen sie alle den Mord?

Jede der einzelnen Stories bringt zwar neue Erkenntnisse über den Mord, doch leider empfand ich es recht anstrengend, den vielen Erzählsträngen zu folgen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Thriller einen Höhepunkt erreichte. Die wechselnden Perspektiven und die polizeilichen Interviews waren interessant, dennoch habe ich mir so viel mehr erhofft.

Obwohl der Mord im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, arbeitet die Autorin die wahre Hintergrundgeschichte dieser vier Frauen heraus. Wer sind diese Damen wirklich und was hat sie dazu gebracht, zu gestehen? Weiterlesen

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Stefan Barz: Die Schreie am Rande der Stadt

Gibt es Lebensumstände, die einen Mord legitimieren? Mit dieser Frage wird der Lesende des neuen Titels von Stefan Barz konfrontiert. Aber nicht nur die Fragestellung finde ich mutig. Der Autor, der 1975 in Köln geboren wurde, greift ein dunkles Kapitel seiner Wohnstadt Wuppertal auf. Nach drei Eifel-Krimis hat der promovierte Religionslehrer seine kriminalistischen Aktivitäten ins Bergische Land verlegt.

Ein Tipp vorweg: Mit dem Nachwort beginnen! Mit „Die Schreie am Rande der Stadt” erzählt Stefan Barz die Geschichte des KZ Kemna. Das Lager war ein sehr frühes KZ und diente den Nationalsozialisten der „Einschüchterung“ von Juden, Sozialdemokraten, Gewerkschaftlern und Kommunisten. Natürlich stellt sich dem Lesenden schnell die Frage, ob solch ein historisch belasteter Ort die Hintergrundfolie für ein Unterhaltungsmedium sein kann. Schließlich lebt der Autor an diesem Ort und muss damit rechnen jede Menge Erinnerungen von Zeitzeugen und deren Angehörigen zu wecken. Ein mutiges Unterfangen des Autors, der einen Plot vorlegt,  welcher mit Sicherheit von den üblichen Krimi-Klischees abweicht. Weiterlesen

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Jo Nesbø: Eifersucht

Den norwegischen Schriftsteller Jo Nesbø (Jahrgang 1960) muss ich nicht mehr vorstellen. Viel zu bekannt und berühmt ist er durch seine Krimis mit dem einmaligen Harry Hole. Gelegentlich schreibt Nesbø auch Bücher, die ohne seinen Kult-Ermittler auskommen. So in dem neuen Band „Eifersucht“, der sieben Geschichten zu diesem Thema enthält. Das Buch ist am 1. November 2021 in einer Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein Buchverlage erschienen.

„Sieben Storys, ein Motiv“ heisst es im Klappentext und so dreht sich in den Kurzkrimis alles um die Eifersucht.

In der ersten Geschichte „London“ sitzt eine von ihrem Ehemann und ihrer besten Freundin betrogene Frau im Flugzeug von New York nach London und kommt mit ihrem Sitznachbar ins Gespräch. Zwischen den beiden entwickelt sich eine vertrauensvolle Nähe, in der die Frau erzählt, dass sie eine Selbstmordfirma beauftragt hat, sie umzubringen. Nun ist sie aber nicht mehr sicher, ob sie das wirklich will.

Die Titelgeschichte „Eifersucht“ ist die längste im Buch. Da verlieben sich die Zwillingsbrüder Franz und Julian auf der griechischen Insel Kalymnos in die selbe Frau. Julian verschwindet nach einem Streit mit seinem Bruder und Nikos Balli, Eifersuchtsexperte aus Athen, beginnt mit seinen Ermittlungen. Irgendwann taucht Julian wieder auf, dafür ist Franz weg. Balli steht vor einer verzwickten Situation und wird außerdem von seiner eigenen Vergangenheit verfolgt. Weiterlesen

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Hjorth & Rosenfeldt: Die Früchte, die man erntet

Eine Kleinstadt in Schweden. Jeder kennt jeden. Es gab kleine und große Katastrophen in den letzten Jahren. Jetzt folgt eine nach der anderen. Immer Morde, immer aus dem Hinterhalt, immer direkt durch die Stirn geschossen.

Nachdem Torkel seine ganz persönliche Tragödie durchleben musste und seine Alkoholsucht nicht mehr verbergen konnte, ist er verrentet und Vanja leitet die Reichsmordkommission. Es ist ihre erste große Ermittlung und sie steht gewaltig unter Druck. Denn sie haben überhaupt keine Spur. Noch nicht einmal einen Hinweis auf ein Motiv. Obwohl die Stadt so klein ist, scheint es zwischen den Opfern keinen Zusammenhang zu geben. Selbst der allerkleinste, verzweifelt an den Haaren herbei gezogene, Hinweis auf eine Übereinstimmung verläuft bei dem nächsten Mord im Sande. Vanja ist verzweifelt genug, ihren Vater Sebastian um Rat zu fragen. Mit Hilfe von Vanjas kleiner Tochter, die Enkelin, die Sebastian abgöttisch liebt und zu der er sich den Zugang auf keinen Fall verbauen will, hat sich das seltsame Verhältnis von Vater und Tochter einigermaßen normalisiert und auch Sebastians Beziehung zu Ursula verläuft in ruhigen Bahnen. Das Einzige, was ihn ein wenig in der Spur schlingern lässt, ist sein neuer Patient Tim, der wie er seine Familie beim Tsunami in Thailand verloren hat und dessen Geheimnis den echt fiesen Cliffhanger am Ende des Buches bildet. Weiterlesen

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Till Raether: Danowski 06: Hausbrauch

Hauptkommissar Adam Danowski hat Sendepause. Er kann nicht mehr. Zu viel erinnert ihn an das desaströse Ende seiner Geiselhaft. 24 Stunden blickte er in die Mündung einer geladenen Waffe, die in der Hand eines verzweifelten Mannes lag. Die Folgen haben bei Adam in mehrfacher Hinsicht Spuren hinterlassen und ihn arbeitsunfähig gemacht. Die Kurklinik in Damp an der Ostsee wird für einige Wochen sein neues Zuhause.

Auch in der Reha geht Danowski in Deckung und beschließt, dass weder Gesprächsgruppen noch Anwendungen zu ihm passen. „Am Anfang hatte er hier Angst vor der Einsamkeit gehabt, jetzt bekam er Angst, sich gar nichts anderes mehr vorstellen zu können.“ (S. 69) Im scheinbar falschen Moment stört Mareike Teschner seine flüchtige Ruhe. Sie bittet ihn um Hilfe und zieht den Polizisten Adam Danowski in ein neues Chaos.

Der Journalist und Autor Till Raether schreibt seit 2014 viel gelobte Kriminalromane. Sechs von ihnen handeln von Adam Danowskis Arbeit bei der Hamburger Polizei und zeigen einen Mann, der an Hypersensibilität und Depressionen leidet. Auf der einen Seite hängt Adam in seinem ganz persönlichen Sumpf fest, und auf der anderen Seite nimmt er die Sorgen anderer überdeutlich wahr. Nur die langjährige Routine hilft ihm, den Alltag zu meistern. Doch nun ist er an einem Punkt angekommen, an dem er an Aufhören denkt. Weiterlesen

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Sebastian Fitzek: Playlist

Feline wird entführt. Nach Wochen findet ihr Vater sie in einem Lieferwagen direkt vor der eigenen Tür – lebend. Dann klingelt sein Telefon und er lässt eine Tochter gefesselt im Lieferwagen zurück. Erfahrene Fitzek-Leser werden jetzt gemeinsam mit dem Emblem auf dem Buchumschlag etwas ahnen, allen anderen sei hier die Spannung nicht genommen.

Felines Mutter wendet sich an Alex Zorbach, ein Tip von Alina, Felines blinder Physiotherapeutin, die zwar selbst mit Alex nie wieder etwas zu tun haben will, aber seine Ermittlerfähigkeiten durchaus schätzt. Felines Vater ist Lehrer und zumindest für seine eigene Familie ein totaler Technikfeind. Umso wichtiger ist für Feline ein MP3-Player, den Aline ihr einmal gab und ihr auch eine Playlist dafür gemacht hat. Damals hatte Feline mehr im Scherz gesagt, wenn sie jemals einen Song von Depche Mode – ihrer Lieblingsband – daraus entfernen würde, wäre das ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wirklich in Schwierigkeiten steckt. Denn der Player hat WLAN und jetzt hat Feline die Playlist geändert. Alina und Alex sind gleichermaßen überzeugt, dass es sich um eine Botschaft handeln muss, und machen sich auf den Weg, diese zu entschlüsseln. Weiterlesen

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Kevin Brooks: Bad Castro

Judy ist Polizistin. Sie bekommt per Mail einen Hinweis und ist tatsächlich dabei, als zwei ihrer Kollegen den Gangführer Bad Castro verhaften. Aber diese Nacht ist keine ruhige Nacht, seit dem Abend schon gibt es an allen Ecken Ausschreitungen. Es ist eine seltsame Nacht, denn es scheint sich um keinen „normalen“ Bandenkrieg zu handeln, sondern jeder gegen jeden und alle gegen die Polizei. Der Wagen, in dem sie Castro transportieren wird gerammt und als Judy aus einer kurzen Bewusstlosigkeit erwacht, sind ihre beiden Kollegen erschossen und sie muss mit Castro aus dem brennenden Auto fliehen. Er bleibt bei ihr und sie bleibt bei ihm in dieser hochgefährlichen Nacht.

„Bad Castro“ ist eine faszinierende psychologische Ausarbeitung über die Komplexität des Zusammenspiels von Gang-/Bandenwesen und Polizei. Da ist auf der einen Seite Castro, ein Gangleader, jemand mit Macht, jemand, der bereits getötet hat und wahrscheinlich auch Morde in Auftrag gegeben hat. Man kommt nicht durch Wattebäuschchenweitwurf in eine solche Position. Er ist abgebrüht, der kennt sich aus, er weiß, wie man diese Nacht überleben kann. Und doch ist er noch ein Kind. Weiterlesen

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Paula Hawkins: Wer das Feuer entfacht

Paula Hawkins, bekannt durch ihren Bestseller „Girl on the train“ legt hier einen hochspannenden Roman vor, der insbesondere von den sehr professionell und tiefgründig ausgearbeiteten Figuren lebt.

Daniel Sutherland wird ermordet auf seinem Boot gefunden, das in einem Kanal in London ankert und ihm als Wohnung diente. Seine Leiche findet seine Nachbarin Miriam, die ebenfalls auf einem Boot lebt. Etwa zum errechneten Zeitpunkt seines Todes wurde in der Nähe seines Bootes die junge Laura gesehen, blutbesudelt und offensichtlich verstört. Verstört von seinem Tod ist auch seine Tante Carla, zumal Davids Mutter, ihre Schwester Angela, gerade erst kürzlich ebenfalls verstorben ist. Deren Nachbarin wiederum ist Irene, eine betagte einsame Dame, die dankbar Lauras Hilfe bei täglichen Erledigungen annimmt.

Um diese Frauen dreht sich der Roman, um ihre Vergangenheit, ihre Geschichten und ihre Störungen. Denn die haben alle vier oder vor allem drei, die auch alle drei unter Mordverdacht geraten, auch wenn die Polizei ihre Ermittlungen vorrangig auf Laura konzentriert. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Schach unter dem Vulkan

Herbstzeit ist Krimizeit. So auch für Håkan Nesser, den schwedischen Schriftsteller (Jahrgang 1950), der nach fast genau einem Jahr, nach dem „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ erschienen ist, nun den 7. Band der Kommissar Barbarotti Reihe veröffentlicht. Am 4. Oktober 2021 kam bei btb Nessers „Schach unter dem Vulkan“ in einer Übersetzung von Paul Berf heraus.

Kommissar Gunnar Barbarotti ermittelt in diesem Fall im Schriftsteller/innenmilieu. Im November des Jahres 2019 verschwindet der Autor Franz J. Lunde nach einer Lesung in Kymlinge spurlos. Zunächst ist Barbarotti auf sich allein gestellt, denn seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Backmann ist nach Australien geflogen, um zu klären, warum ihr Sohn Kalle dort in Untersuchungshaft gelandet ist.

Barbarotti erfährt, dass Lunde während seiner Lesungen von einer weiblichen Person aus dem Publikum bedroht wurde. Lunde arbeitete an einem Text mit dem Titel „Letzte Tage und Tod eines Schriftstellers“. In seinem früheren Roman „Das feinmaschige Netz“ beschreibt Lunde einen perfekten Mord. Weiterlesen

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Uwe Hermann: Nanopark

Zunächst erinnert „Nanopark“ an „Westworld“ mit seinen Fortsetzungen und Adaptionen, denn Schauplatz des Thrillers ist Deutschlands modernster Freizeitpark, der titelgebende Nanopark.

Hier verschmelzen für die Besucher virtuelle Welten und Wirklichkeit, denn mit Eintritt in den Park atmen die Besucher winzige Roboter ein, die von nun an steuern, was die Gäste sehen und erleben. Die Beschreibung der Attraktionen und der technischen Voraussetzungen für das Spektakel macht den Reiz des Buches aus, wie auch ein Nebenpfad der Handlung: Ein junger Mann „bucht“ illegal ein Feature zum Parkbesuch dazu und die Begegnung mit seiner virtuellen Traumfrau überrascht (ihn und die Leser).

Die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts, und viele Entwicklungen, wie das autonome Fahren, sind zum Alltag geworden. Weiterlesen

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