Catriona Ward: Das letzte Haus in der Needless Street

Ted ist ein eigenartiger Mann. Geistig ein wenig zurückgeblieben galt er vor Jahren als Verdächtiger im Mordfall eines kleinen Mädchens. Ted hat ein sehr schlechtes Namensgedächtnis. Er beurteilt Menschen auf zwei Arten – danach, wie sie Tiere behandeln und danach, was sie gerne essen. Falls ihr Lieblingsessen irgendeine Art von Salat ist, sind sie definitiv schlechte Menschen! Ted hat eine Katze – Olivia – und eine Tochter – Lauren – die ab und an zu Besuch kommt. Dann fährt Ted auf seinem rosafarbenen Fahrrad durchs Haus, und ruft die Namen von Hauptstädten. Lauren klingelt wenn er die richtige Antwort weiss. Habe ich Olivia schon vorgestellt – Teds Katze? Ein Biest von einer selbstherrlichen Katze, manches Mal aber auch Teds einzige Trösterin und Freundin.

Als Teds Haus in der Needless Street damals von der Polizei auf der Suche nach Spuren des verschwundenen Mädchens Lulu durchsucht wurde, war er eine Zeitlang das Gespräch im Ort. So Manche zeigte auf ihn, wechselten gar die Strassenseite oder drehten um, wenn sie ihn sahen. Einige Zeit traute Ted sich kaum aus dem Haus. Doch inzwischen ist Zeit vergangen, die Menschen haben verdrängt und vergessen. Weiterlesen

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Marco Hasenkopf: Eisflut 1784

Während man diesen Roman liest, sollte man sich warm anziehen. Denn selbst in einem wohlig geheizten Zimmer beginnt man bei dieser Lektüre unweigerlich zu frieren. Es ist unfassbar kalt im Winter 1784 in Mülheim am Rhein, nahe Köln. Wo dieser historische Kriminalroman spielt und fesselt.

Die Hauptrolle spielt dabei im Grunde tatsächlich das Wetter. Und die drohende Gefahr durch die gigantischen Eisflächen, die sich auf dem Rhein gebildet haben bei diesen lebensgefährlichen Temperaturen. Unter diesen Bedingungen beginnt der Amtmann Henrik Venray mit Ermittlungen in einem Mordfall. Ein Mönch wurde tot aufgefunden. Nicht erfroren, sondern ermordet, wie sich dank der Untersuchungen der Apothekerin Anna-Maria Scheidt herausstellt.

All die widrigen Umstände, nicht nur das grausame Wetter, sondern auch Heimlichkeiten und Intrigen der Kirche und Auseinandersetzungen mit Wichtigtuern und Verbrechern, können Venray nicht aufhalten. Konsequent und sich selbst treu bleibend, mit Anna-Maria an seiner Seite, lässt er nicht locker, erst recht, als sich herausstellt, was es mit den verwahrlosten und gequälten Kindern auf sich hat, die sie bei ihren Recherchen entdecken. Weiterlesen

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Marc Cameron: Tom Clancy: Das Reich der Macht

Thriller leben von Hektik, da ist „Die Welt der Macht“ keine Ausnahme. Wie setze ich eine Handlung um Menschenhandel, Prostitution und politische Ränkespiele um? Mit der Beschreibung von Gewalt und einer passenden derben Sprache.

Während ein chinesischer Minister mit seinen Vertrauten Intrigen zum Wohle Chinas und zu seinem eigenen spinnt, setzt Amerikas Präsident Jack Ryan senior alles daran, seine Geheimdienste möglichst im Vorfeld jedes Vorgehen gegen die Vereinigten Staaten aufdecken zu lassen. Zur selben Zeit bekämpft Jack Ryan junior in den USA einen chinesischen Mädchenhändlerring. Irgendwann laufen die Handlungsfäden zusammen.

Thriller leben von Hektik, ihnen ist immanent, dass der Leser nicht zum Atemholen kommen, sondern das Buch in einem Rutsch durchlesen soll. Auch Marc Cameron als Nachfolgeautor des 2013 verstorbenen Tom Clancy hält sich strikt an diese Regel. Egal, wer in der komplexen Handlung im jeweiligen Kapitel das Heft in der Hand hält, er trägt dazu bei, dass sich die Ereignisse überschlagen. Weiterlesen

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Ragnar Jónasson: Frost

Ist es nun ein Krimi, ein Thriller oder eher ein Psychogramm? Der Roman setzt in gewisser Weise die Reihe um die Kommissarin Hulda fort, auch wenn sie in diesem Band nur eine Nebenrolle spielt.

Hauptfigur ist Helgi, dem man im dritten Band um Hulda bereits begegnet ist, denn er wird ihr Nachfolger im Kommissariat. Doch noch ist es nicht soweit, noch arbeitet Helgi an seiner Abschlussarbeit des Studiums. Das Thema, das er sich gewählt hat, beschäftigt sich mit einem sogenannten Cold Case, einem ungeklärten Mordfall vor dreißig Jahren. Damals wurde in einem Tuberkulosekrankenhaus eine Schwester ermordet, später kam noch ein weiterer Todesfall hinzu.

Der Autor erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven. So verfolgen wir einerseits die Recherchen Helgis, der sich bemüht, die Zeugen von damals zu treffen und zu befragen. Zum anderen erleben wir die damaligen Geschehnisse aus der Sicht von Tinna, einer Krankenschwester, die zur Zeit des Mordes in der Klinik arbeitete, sowie aus den Blickwinkeln einiger anderer Zeugen. Schließlich gibt es noch eine weitere Zeitebene, die Ereignisse in dem Tuberkuloseheim lange vor den Morden schildert. Weiterlesen

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Victoria Selman: Sieben Opfer

London zur Hauptverkehrszeit: Ein vollbesetzter Personenzug rast gegen einen entgleisten Tankwagen. Im explodierenden Personenzug ist Ziba MacKenzie, Profilerin beim Scotland Yard und durch diverse Einsätze in Sonderkommandos bestens ausgebildet für Krisensituationen. So zögert sie nicht lange und beginnt unverzüglich, den verletzten Menschen um sie herum zu helfen. Dabei richtet eine sterbende Frau ihre letzten Worte an Ziba: „Er hat es getan. Sie müssen es jemandem sagen!“

Diese Botschaft lässt Ziba nicht mehr los, auch nicht, als sie am nächsten Morgen einen Anruf bekommt. Scotland Yard braucht ihre Hilfe: Eine Leiche ist gefunden worden und scheint das nächste Opfer eines Serienmörders zu sein, dessen letzte Tat 25 Jahre zurückliegt. Ziba nimmt den Auftrag an. Zum einen ist sie dankbar für Ablenkung, weil vor einiger Zeit ihr Ehemann gestorben ist, und zum anderen hofft sie, mit Zugang zu den behördlichen Datenbanken vielleicht etwas mehr über die Frau aus dem Zug herausfinden zu können. Damit beginnt für Ziba die Jagd nach dem „Lacerator-Killer“ – und schon bald zeigt sich, dass eine Verbindung zu der geheimnisvollen letzten Botschaft zu bestehen scheint.

Victoria Selman präsentiert mit „Sieben Opfer“ nach einigen Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien ihren ersten Roman. Die Londoner Journalistin schreibt für verschiedene Zeitungen und konnte in ihrer britischen Heimat gleich mit ihrem Debüt einen Bestseller landen. Band zwei und drei der Reihe um Ziba MacKenzie sind in Großbritannien bereits 2019 und 2020 erschienen. Weiterlesen

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Michael Robotham: Wenn du mir gehörst

Michael Robotham (Jahrgang 1960) ist ein australischer Krimi- bzw. Thriller-Schriftsteller. Weltbekannt sind seine Psychothriller mit Joseph „Joe“ O’Loughlin und Vincent Ruiz. Am 20. Dezember 2021 erschien im Wilhelm Goldmann Verlag sein neues Buch „Wenn du mir gehörst“ in einer Übersetzung von Kristian Lutze.

Die Polizistin Philomena „Phil“ McCarthy hat einen bekannten kriminellen Vater. Das macht ihr das Leben bei der Londoner Polizei schwer. Sie will eine gute Polizistin sein und hat ihren Vater seit mehreren Jahren nicht gesehen.

Bei einem Fall häuslicher Gewalt tritt sie massiv für das weibliche Opfer ein. Nur der Täter ist ein geehrter Detective Sergeant bei Scotland Yard. Und Darren Goodall verfügt über viel Einfluss. Nach einem weiteren Zusammenstoß mit ihm wird Phil vom Dienst suspendiert. Nur das Opfer Tempe Brown, Goodalls Geliebte, sucht ihren Kontakt und ihre Hilfe. Die beiden freunden sich an. Tempe beginnt sogar, Phils Hochzeit vorzubereiten. Phils Freund Henry und auch ihre besten Freundinnen reagieren eher distanziert auf Tempe. Aber auch Phil hat ihre Zweifel. Und dann wird der Journalist Dylan Holstein ermordet, der an einer Geschichte aus Goodalls Vergangenheit recherchierte. Weiterlesen

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Aimee Molloy: Das Therapiezimmer

Eigentlich hätte es der erfolgreiche Psychotherapeut Dr. Sam Statler kaum besser treffen können: Zum ersten Mal hat es ihn emotional richtig erwischt. Er liebt seine Frau Annie von ganzem Herzen. Sie haben New York verlassen, um in Chestnut Hill, der Kleinstadt seiner Kindheit, ihren Lebensmittelpunkt aufzubauen. Dort lebt auch seine erkrankte Mutter in einem Pflegeheim. Nun könnte er sie regelmäßig besuchen und für sie da sein. Sogar die Praxisräume im Souterrain einer alten Villa passen bestens in Sams Arbeitskonzept. Und dank eines Zeitungsinterviews kommen ständig neue Patienten, die ihn weiter empfehlen.

Sam könnte kaum glücklicher sein, wenn nicht jemand im Verborgenen sein Leben stalkt und von Grund auf umkrempeln wollte. Ohne es zu ahnen, gerät er in große Gefahr.

Die Autorin Aimee Molloy begann ihre Karriere mit Sachbüchern. Und nachdem ihr Thrillerdebüt Die Mutter monatelang auf der Bestsellerliste der New-York-Times stand, schrieb sie einen Zweiten, der von Katharina Naumann übersetzt worden ist. In Aimee Molloys Thriller befindet sich ein luxuriöses Therapiezimmer im Zentrum des Geschehens. Weiterlesen

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Kim Rabe: Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau

„Berlin. Vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen die Nächte in Friedrichshainer Clubs durch, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln.“ (Auszug Klappentext)

Der Klappentext verspricht eine atemberaubende Story, die zwischen Thriller und Urban Fantasy rangiert und dabei Gänsehaut-Feeling vom Feinsten ankündigt. Doch das erfüllt „Berlin Monster“ leider nicht ganz.

Das Setting ist perfekt ausgearbeitet und hat mir beim Lesen der 416 Seiten richtig Spaß bereitet. Auch die Idee ist grandios, verliert aber leider schnell seine Magie und Spannung. Weiterlesen

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Jussi Adler-Olsen: Natriumchlorid

Der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen (Jahrgang 1950) legt mit „Natriumchlorid“ den neunten Fall für Kommissar Carl Mørck aus dem Sonderdezernat Q vor. Der Thriller ist am 17. November 2021 bei dtv in einer Übersetzung von Hannes Thiess erschienen. „Natriumchlorid“ spielt im Corona-Winter 2020. Allerdings basieren die Vorgänge, wie im Prolog angegeben, auf Ereignissen aus den 1980er Jahren.

Das bekannte Ermittlerteam um Carl Mørck mit Assad, Rose und Gordon wird von Marcus Jacobsen, dem Chef der Mordkommission, auf die Todesanzeige einer Maja Petersen aufmerksam gemacht. Maja Petersen hat an ihrem 60. Geburtstag Selbstmord begangen. 1988 hatte sie bei einer Explosion in einer Autowerkstatt ihren dreijährigen Sohn Max verloren. Ove Wilders, der Chef der Werkstatt, und vier seiner Mitarbeiter kamen ebenfalls ums Leben. Am Tatort wurde ein Haufen mit Kochsalz (Natriumchlorid) gefunden. Jacobsen und Mørck ermittelten damals erfolglos in dem Fall, ein Täter oder eine Täterin konnte nicht gefasst werden.

Nun beginnt für Sonderdezernat Q das Stöbern in alten Akten, das Recherchieren im Umfeld der Autowerkstatt und das Befragen von Personen, die im Zusammenhang der damaligen Ermittlungen standen. Carl Mørck und sein Team stossen auf weitere Todesfälle, bei denen Salz eine Rolle spielt. Weiterlesen

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Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und die Verschwörung

Was für ein spannender, was für ein exzellent geschriebener Roman! Und was für eine abgefahrene Story.

Der Schweizer Autor hat in diesem bereits dritten Band um die Auftragsmörderin Violetta Morgenstern alle Register gezogen, die einen Krimi mit Tiefgang auszeichnen. Die Figuren sind plastisch, sympathisch, lebendig und dabei so realistisch. Die Geschichte zwar völlig irrsinnig, aber vermutlich (leider) nicht völlig unmöglich. Die Szenen unglaublich dynamisch, ohne falsche Action, mit reichlich Cliffhangern und mit etlichen Nebenhandlungssträngen, die aber mindestens so fesselnd und spannend sind wie der Hauptplot. Und diese Sprache, diese herrliche, so punktgenau treffende Wortmalerei, die ihresgleichen sucht.

Ich weiß nicht, ob solche Formulierungen wie „sie hühnerte herum“ oder „er hirnte“ oder gar „er schlückelte“ typische schweizerische Worte oder Teil des sehr speziellen Wortschatzes von Marcel Huwyler sind, ich weiß nur, dass man beim Lesen solcher Sätze sofort das Bild vor Augen hat, sofort drin ist in der Szene. Weiterlesen

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