Rebecca Fleet: Die Stiefmutter

Ein Brand zerstört nicht nur das Haus der Familie von Alex und Nathalie, er zerstört auch ihr Vertrauen zueinander, verbrennt ihre Träume, Lügen und Gefühle. Das klingt dramatischer und spannender als dieser Roman letztlich ist – ein Thriller ist er ganz sicher nicht.

Nein, im Gegenteil, mich hat dieser Roman so gar nicht gefesselt, die Spannung fehlt in meinen Augen völlig, die Figuren waren hölzern, die Dialoge ebenso und die Handlung flach und ohne Höhepunkte. Die Aktionen der Protagonisten waren für mich zu keiner Zeit nachvollziehbar, Kleinigkeiten wurden aufgebauscht, wichtige Fragen nicht verfolgt.

So beginnt der Roman mit dem Brand. Das Haus, in dem Alex mit seiner zweiten Frau und seiner Tochter aus erster Ehe lebt, geht in Flammen auf. Misstrauen wächst in Alex, da Nathalie offensichtlich aus dem Haus geflohen ist, ohne seine Tochter Jade mitzunehmen. Diese wird dennoch gerettet und erzählt später von einem Unbekannten, der im Haus gewesen sei, Nathalie hingegen will ihn nicht gesehen haben. Weiterlesen

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Esther Novalis & Jean P.: Immaculati: Gefährliches Spiel

Detektivarbeit mit erotischem Knistern. Die ersten Seiten – geschrieben aus der Ich-Perspektive – lassen einen Roman vermuten, der zwischen Krimi und Thriller angesiedelt ist. Mit reichlich Selbstironie und mit seinem erotischen Einschlag erinnert der Anfang vom Schreibstil her trotz des anderen Settings an den Vampir-Thriller Night Rebell – Kuss der Dunkelheit der erfolgreichen amerikanischen Schriftstellerin Janiene Frost, die Handlung um Mädchenhandel lässt Parallelen zum aktuellen Bestseller Tom Clancy –  Das Reich der Macht erwarten. Beide Vermutungen führen in die Irre: Mit Immaculati hat das Autoren-Duo Esther Novalis und Jean P. ein eigenständiges Werk geschaffen – aber inhaltsmäßig genauso wie vom Schreibstil her packend wie die genannten Bestseller.

Als Beatrice Philipps sich in der Detektei von Marc Phillips um eine Anstellung bewirbt, spielen die Hormone verrückt. Sie erhält den Zuschlag sogar für eine Partnerschaft und wird gleich im ersten Auftrag in einen Wirbel aus Geheimnis, Gewalt und Erotik hineingezogen, wobei die Beziehung zu ihrem Partner Marc alles andere als rein geschäftlich bleibt. Nur ihre telepathische Verbindung zu ihm retten sie letztendlich aus den Fängen des Geheimbundes der Immaculati, der in klösterlichen Gemäuern mit Mädchenhandel ein weltweit florierendes Geschäft betreibt und in den sie sich einschleichen. Sollte ihnen die Aufklärung von Menschenhandel und Zwangsprostitution gelingen, wäre das nur ein kleiner Schritt, denn der erste der auf drei Teile ausgelegten Serie spielt an nur wenigen Schauplätzen. Weiterlesen

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Zhou Haohui: 18/4 – Der Hauptmann und der Mörder

In der chinesischen Metropole Chengdu ist ein Mord passiert, der unter den hiesigen Polizisten für Aufsehen sorgt: Zheng Haoming, geschätzter Kollege und Hauptkommissar, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Und damit nicht genug: Es scheint ganz so, als sei ein mit dieser Tat ein Serienkiller wieder aktiv geworden, der zuletzt vor 18 Jahren gemordet und sich selbst den Namen Eumenides gegeben hat.

Schnell stellt sich heraus, dass Zheng vor seinem Tod Nachforschungen zu Eumenides angestellt hat. Pei Tao, eigentlich Hauptmann in einer anderen Stadt, ist zum Zeitpunkt des Mordes deshalb auch gerade in Chengdu. Er war in die Mordfälle vor 18 Jahren verwickelt, und wollte mit seinem Kollegen über die alten Fälle sprechen, doch dafür ist es nun zu spät.

Eilig wird die alte Ermittlungsgruppe mit dem Namen 18/4 wieder einberufen, samt Hauptmann Pei Tao. Eine scheinbar aussichtslose Jagd nach dem Mörder beginnt. Denn obwohl Eumenides all seine Taten vorab per Todesanzeigen ankündigt, wird es für die Polizei von Chengdu keine leichte Aufgabe, seine potentiellen Opfer vor ihm zu schützen.

„Der Hauptmann und der Mörder“ ist der erste Teil von Haohuis 18/4-Trilogie, die in China bereits vor einigen Jahren erschienen ist. In seiner Heimat war sein Roman-Debüt ein großer Erfolg. Die Trilogie ist sowohl als Streaming-Serie als auch für das Kino verfilmt worden. Weiterlesen

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Ralf Langroth: Ein Präsident verschwindet

Wenn 1954 ein hochrangiger Politiker, und in diesem besonderen Fall der Präsident des Verfassungsschutzes, verschwindet, ein paar Tage später in Ost-Berlin vor Presseleuten eine kommunistische Rede schwingt, sind einige Fragen zu beantworten. Dies soll der Bonner Kriminalhauptkommissar Gerber vom BKA für Adenauer erledigen. Schon zu einer früheren Zeit gelang es diesem, brisante Unterlagen für den Bundeskanzler zu sichern. Nun steht er wieder an der Front zwischen den Geheimdiensten. Angeblich soll neben dem ‚übergelaufenen‘ Dr. John auch Gerbers Freundin, die Journalistin Eva Herden, in Ost-Berlin gesehen worden sein. Sie habe Dr. John interviewt und über die Grenze begleitet. Gerber sieht von den beiden Fotos und ist irritiert. Hat Eva die ganze Zeit gelogen? Hat sie seine Kontakte möglicherweise für Spionagezwecke missbraucht? Zweifel und Angst um Eva begleiten seine Ermittlungen.

Normalerweise sollte ein Polizist an keiner Ermittlung beteiligt sein, wenn dessen Angehörige im Zentrum von möglichen Straftaten stehen. Doch Adenauer ist der Meinung, dass gerade die enge Verbindung zwischen Gerber und Eva Herden höher zu bewerten sei als eine Befangenheit. Natürlich sehen Kollegen vom Nachrichtendienst der Organisation Gehlen (ORG) dies anders. Während Gerber den Spuren eines Auftragsmörders folgt, der systematisch alle wichtigen Zeugen in West-Berlin umbringt, entwickelt sich seine Ermittlung in eine politisch hochexplosive Richtung. Weiterlesen

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Thomas Enger & Jørn Lier Horst: Bluttat

Für Kriminalkommissar Alexander Blix ist ein Alptraum wahrgeworden. Seine Kollegin Kovic wird in ihrem Haus ermordet, und seine Tochter Iselin, die einzige Zeugin dieses Mordanschlags, kann sich nur knapp über eine Flucht durch ein Fenster vor den Mörder retten. Am nächsten Tag wird Iselin entführt. Jetzt gilt Blix als befangen und darf die Ermittlung nicht mehr leiten. Doch er kann nicht loslassen. Jede Sekunde, Minute und Stunde zählt. Blix will seine Tochter unbedingt retten. Dabei missachtet er alle Regeln der Polizeiarbeit.

Auch die mit ihm befreundete Kriminalreporterin Emma Ramm ignoriert Regeln. Im Wettlauf mit der Zeit bringen sie nicht nur sich und ihre Reputation in Gefahr. In seiner Angst um seine Tochter setzt Blix bei seinen heimlichen Ermittlungen buchstäblich alles auf eine Karte.

Die Thrillerautoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich entschlossen, zusammen an einer Serie zu schreiben. Beide haben in der Vergangenheit alleine Bestseller geschrieben. Während der studierte Publizist Thomas Enger am liebsten aus der Perspektive von Journalisten, Kriminalfälle offenlegt, erzählt Jørn Lier Horst, wie die Osloer Polizei Verbrecher jagt. Mit seinem Insiderwissen zeigt er sehr detailliert, in welche Fallen Ermittler geraten, wenn sie persönlich angegriffen werden. Sein Leitgedanke findet sich im Klappentext: Wie kann ein Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit als Täter ins Zentrum einer Mordermittlung kommen? Weiterlesen

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Nita Prose: The Maid: Ein Zimmermädchen ermittelt

Bei diesem Roman darf man sich von Untertitel und Klappentext nicht in die Irre führen lassen. Denn Molly, das titelgebende Zimmermädchen ermittelt mitnichten. Sondern sie wird in einem Mordfall als Täterin verdächtigt und muss, zum Glück mit Hilfe von einigen guten Freunden, ihre Unschuld beweisen. Dabei ist es am wenigsten sie selbst, die ermittelt.

Denn Molly ist Autistin, ohne es selbst zu wissen. Was sie weiß, ist, dass sie anders ist als andere. In Rückblicken lernt man viel über sie, die bei ihrer – wie es scheint ebenfalls autistischen – Großmutter aufwuchs. So beispielsweise wie sehr sie in der Schule gemobbt wurde, wie die Kollegen im eleganten Regency Hotel sie ablehnen und ihr die schwersten Arbeiten zuschustern.

Die Geschichte wird dabei von Molly selbst in Ich-Form erzählt. Das ist durchaus bewundernswert, muss sich die Autorin, deren Debütroman dies ist, doch stark in ihre Protagonistin hineinversetzen. Die Sprache, die Auffassung von ihrer Umwelt, das (fehlende) Verständnis für die anderen Menschen, all das erfahren wir aus der begrenzten Sicht von Molly.

Sie findet eines Tages die Leiche des reichen Hotelstammgasts Mr. Black in seinem Schlafzimmer. Aufgrund der Hinterlist anderer Beteiligter gerät Molly in Verdacht, die Mörderin und darüber hinaus in Drogengeschäfte verstrickt zu sein. Wegen ihrer Naivität und ihrer Gutgläubigkeit verwickelt sie sich immer mehr in die Fälle. Da ihre Großmutter, deren Lebensweisheiten Molly stets parat hat, vor einer Weile verstorben ist, steht Molly ganz allein in der Welt. Doch Hilfe naht. Weiterlesen

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Gitte Jurssen: Tatort Dangast – Ein Mord und der Gesang von Melodie

Nachdem der Leser den Mord an Marietta Großkopf sozusagen als Augenzeuge miterlebt, lenkt die Autorin seinen Blick auf die Ermittlertruppe des Kommissariats in Varel. Alles andere als nüchtern gehen die Kriminaler mit dem Fall um. Nicht nur, weil Mord ohnehin aufwühlt, sondern auch wegen ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen, persönlichen Erwartungen und wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere. Grässliche Tierquälerei auf Ponyhöfen lässt nicht nur wegen der räumlichen Nähe Verbindungen zwischen den Verbrechen vermuten und lassen den Leser nicht unberührt. Durch den klaren Schreibstil behält er in der komplexen Handlung stets den Überblick.

Ein Mord und die Vergewaltigung des Opfers wollen aufgeklärt werden in dem sonst eher beschaulichen Örtchen Dangast. Die Kollegen des Kommissariats im nahe gelegenen Varel treibt jedoch nicht nur die Suche nach Zeugen um, sondern auch ihre persönlichen Befindlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart sowie die Sorge um die Gesundheit ihrer Teamleiterin, der Hauptkommissarin Christin Kim. Verstümmelung und Tötung von Ponys auf einem Pferdehof steigern ihre Betroffenheit und stacheln sie bei ihren Ermittlungen an, denn ein Zusammenhang ist nicht auszuschließen, sodass bald beide SoKos zusammenarbeiten. Bringen sie ein zweiter Mord und ein Mordversuch durch neue Erkenntnisse in ihrer Arbeit voran? Weiterlesen

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Philipp Winkler: Creep

Philipp Winkler, ein 1986 geborener Autor hat ein Händchen für Außenseiter. In „Carnival“ (2020) galt seine Aufmerksamkeit denjenigen, die eine Kirmes am Laufen halten – dem „fahrenden Volk“ -, in seinem neuen Werk „Creep“ sind es zwei Menschen, die Probleme im Umgang mit anderen Menschen haben.

Da ist zunächst Fanni, die in einer deutschen Firma für Überwachungstechnik arbeitet. Sie hat eine Lieblingsfamilie, die Naumanns, mit denen sie per Fernüberwachung gemeinsam isst und lacht, ohne dass die Familie etwas davon weiß. Ansonsten kommt sie weder mit ihren Eltern, noch mit ehemaligen Freundinnen und Freunden klar.

​Und da ist der Japaner Junya, der nur nachts sein Zimmer verlässt, um Gewalt-Exzesse auszuüben, die er dann im Darknet in der Hoffnung streamt, möglichst viele Likes zu bekommen. Die beiden sind „creepy“ – etwas gruselig. Weiterlesen

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Anne Mette Hancock: Grabesstern

Man muss sich schon einfühlen in die Protagonistin der Romane von Anne Mette Hancock, die manches Mal doch recht unvernünftig, um nicht zu sagen unlogisch agiert. Aber so sind Journalistinnen vielleicht, jedenfalls die, die in Thrillern die Hauptrolle spielen.

Wie auch in den beiden Vorgängerbänden „Leichenblume“ und „Narbenherz“ dringt auch diesmal Heloise Kaldan, Investigativreporterin in Kopenhagen, in Bereiche vor, die Gefahr für sie und andere bergen. Und wieder wird sie hier unterstützt und begleitet von ihrem guten Freund, Kommissar Erik Schäfer.

Auslöser für die Ereignisse ist ein Artikel, den Heloise über Sterbebegleitung schreiben wollte. Dadurch kam sie in Kontakt mit Jan Fischhof, einem alten Mann, der im Sterben liegt und der ihr zu verstehen gibt, dass sein Gewissen schwer belastet ist. Sie beginnt zu recherchieren, weil sie glaubt, Jan könne nur dann in Ruhe sterben, wenn die Dinge aufgeklärt sind. Weiterlesen

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Romy Hausmann: Perfect Day

Ein Mann wird verhaftet. Völlig unvorhergesehen und zum absoluten Entsetzen seiner Tochter. Der Mann, ein anerkannter Philosoph und Professor, wird beschuldigt, bis zu zwölf kleine Mädchen getötet zu haben.

Ann, die Tochter, wegen des frühen Tods der Mutter vom Vater allein aufgezogen, ist überzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln muss. Sie kann und will nicht glauben, dass ihr Vater ein Mörder sein soll. Doch Walter Lesniak spricht nicht, er äußert sich nicht zu den Vorwürfen, weder gegenüber der Polizei noch gegenüber seiner Tochter.

Nach dem anfänglichen Schock beginnt sie daher, selbst nachzuforschen. Sie beschafft sich die Ermittlungsakten und kommt sehr schnell zu einem Verdacht, wer der wirkliche Mörder sein könnte. In diesen Verdacht verbeißt sie sich regelrecht, verfolgt diese Spur ohne Rücksicht auf Verluste. Und die gibt es: ihre Freundin wird schwer verletzt, sie verliert das Vertrauen in den Anwalt ihres Vaters, sie verliert ihren Job.

Dann begegnet sie Jakob, der ihr seine Freundschaft und Hilfe anbietet. Doch auch er enttäuscht sie, zuerst, dann jedoch wird er ihre Ermittlungen begleiten und unterstützen. Weiterlesen

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