Henrik Siebold: Schattenkrieger

Wie ein Krieg funktioniert, glaubt man als Elitesoldat zu wissen. Einer von ihnen hat quasi alles gesehen und erlebt, bis er buchstäblich in Afghanistan auf der Abschussliste steht und zu einer Spielfigur wird, dessen Regeln nur der Spielleiter zu kennen scheint.

Henrik Siebold schreibt sehr erfolgreich Thriller über Inspektor Takeda. Auch in seinem aktuellen Thriller integriert der Autor wieder japanische Traditionen, die dieses Mal einem Auftragskiller bei seiner gefährlichen Knochenarbeit helfen werden.

Im Zentrum steht das extrem schmutzige Geschäft des Krieges, bei dem Menschen auf ihre Funktion als todbringende Waffe reduziert werden. Der Autor zeigt einen Krieg, der jenseits der Fronten verläuft. Das Fehlen der Fronten erklärt er mit der Globalisierung, die zu einer Vermischung von persönlichen Interessen und todbringenden Anschlägen führt.

Unter anderem in Hamburg agieren neben den ortsansässigen Verbrecherclans auch Vertreter unterschiedlicher Länder. Sie arbeiten mal Hand in Hand und manchmal gegeneinander, je nachdem, ob die Beteiligten gerade ein gemeinsames Ziel im Visier haben. Und wer nun auf welcher Seite steht, erfährt der Schattenkrieger erst in letzter Sekunde, wenn er ins offene Messer zu laufen droht. Nur sein Verstand, seine Leidensfähigkeit und eine riesige Portion Glück retten ihm immer wieder das nackte Leben beziehungsweise das, was davon übrig bleibt.

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Leah Konen: Gib mir deine Angst

Der perfekte Wochenendtrip von Sam, Margaret und Diana endet in einem unvergesslichen Thriller von Leah Konen, „Gib mir deine Angst“, tödlich. Als eine der drei Freundinnen nach einer durchzechten Nacht nicht ins Ferienhaus zurückkehrt, enthüllt die Suche nach ihr, wie wenig sie über ihre Freundin wissen. Als sich unheimliche Zufälle und Geheimnisse häufen, erkennen die Frauen, dass alles doch kein Zufall ist.

„Gib mir deine Angst“ hat mich tatsächlich verblüfft, denn ich finde dieses Werk überraschend gut. Dieser aufregend-wilde, süchtig machende Trip ist definitiv ein Genuss für jeden Psychothriller-Fan. Auch wenn die Spannung nicht durchweg gehalten werden konnte und sie sich hin und wieder in ein paar Loops verfangen hat, besticht das Buch durch einen intelligenten Handlungsstrang, fesselndes Tempo und köstlichen, unvorhersehbaren Wendungen.

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Martina Parker: Aufblattelt: Gartenkrimi

Mit „Aufblattelt“, was so viel heißt wie enttarnt oder aufgedeckt, erweckt Martina Parker einmal mehr ihren „Club der grünen Daumen“zum Leben.Dabei handelt es sich um eine Runde garten- und pflanzenbegeisterter Damen, beheimatet im Süd-Osten Österreichs. Eines dieser Clubmitglieder ist Isabella Kirnbauer. Sie ist Kräuterpädagogin, Verfechterin einer alternativen Landwirtschaft, Baumflüsterin und Enkelin einer der Wahrsagerei kundigen Großmutter. Der junge Klimaaktivist Graf Ferdinand von Hohenfelsen begegnet Isabella im Wald, erkennt in ihr die Frau seines Lebens und heiratet sie ruckzuck. Seine adelige Patchworkfamilie rollt ein bisschen mit den Augen, gestattet aber die nicht standesgemäße Hochzeit und die anschließende Feier im Dorfwirtshaus. Einzig der Tod von Ferdinands Schwester trübt die Hochzeitsfreude. Sie bricht blutspeiend beim Fangen des Brautstraußes zusammen. Aber Mord war das nicht, sie hat irrtümlich Medikamente überdosiert.

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Joe R. Lansdale: Moon Lake

Daniel Russel kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen. Die Mutter hat seinen Vater und ihn Hals über Kopf verlassen, sein Dad, ein ehemaliger Bibliothekar, ist bis über beide Ohren verschuldet.

Eines Abends, der Strom ist bereits abgestellt, nimmt er seinen Sohn, packt einen Koffer voll und verlässt das gepfändete Haus. Es geht zurück dahin, wo er einst die Liebe seines Lebens kennengelernt hat, wo er eine Zukunft hatte, wo er glücklich war – nach Long Lincoln.

Dass der Ort schon einige Zeit nicht mehr existiert, dass er tief unter dem Wasserspiegel des gestauten Sees liegt – was solls. Er rast über die Brücke direkt hinein in das kalte Wasser – Daniel wird von einer gleichaltrigen Schwarzen, die mit ihrem Vater am See angeln war, aus dem sinkenden Auto gezogen.

Zahn Jahre später kehrt Daniel, inzwischen Buchautor und Journalist, nach New Long Lincoln zurück. Der Sommer ist dermaßen heiß, dass der Moon Lake ausgetrocknet ist, Chief Dudley den so lange vergeblich gesuchten Wagen von Davids Vater endlich herausziehen konnte.

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Ruth Ware: Das College

Vor 10 Jahren fand Hannah ihre beste Freundin April tot im gemeinsamen Wohnzimmers des Colleges in Oxford. Damals war sie sicher, den Mörder noch gesehen zu haben und er wurde auch verurteilt. Jetzt ist er im Gefängnis gestorben, hat bis zuletzt seine Unschuld beteuert und alles kocht wieder hoch.

Vielleicht ist es ihre eigene Schwangerschaft, vielleicht ist es auch etwas anderes, aber zum ersten Mal seit Jahren rumort der Fall wieder in Hannah. Sie denkt nach über das, was damals geschah, was sie gesehen und gewusst hat. Und sie fragt sich zum ersten Mal, ob es möglich wäre, dass sie sich damals geirrt hat.

„College“ ist ein von Anfang bis Ende spannender Roman. Ruth Ware hat ihn geschickt aufgeteilt in „Davor“ und „Danach“ Kapitel, also in Kapitel, in denen die Collegezeit erzählt wird und Kapitel über Hannahs jetziges Leben. Es ist ein Roman zum mitraten und miträtseln, nahezu jeder der Beteiligten ist irgendwann mal verdächtig und manchmal war ich nicht sicher, ob es nicht Hannah selbst war.

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Karen Sander: Der Strand: Vermisst

Als Lilli noch ein Baby war, verschwand ihre Mutter am Strand. An dem Tag hatte diese noch vor, endlich ihren Eltern zu erzählen, wer der Kindesvater ist. 19 Jahre später verschwindet auch Lilli am Strand. Dies behauptet ihre beste Freundin, die sich mit Lilli in der Nähe des Bunkers treffen wollte. Möglicherweise wurde sie entführt, manche in dem beschaulichen Ort Sellnitz glauben sogar an ein Tötungsdelikt.

Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt lässt schneller als üblich den Wald und Strand durchsuchen. Die taube Lilli gilt als besonders schutzbedürftig. Vom LKA aus wird ihm kurzfristig Mascha Krieger zur Seite gestellt. Die Kryptologin soll chiffrierte Nachrichten von Lillis Handy entziffern. Sie beginnen mit den Ermittlungen, ohne dass sie die Indizien zu einem Bild zusammensetzen können. Denn die Menschen aus Lillis Umfeld scheinen mehr zu verschweigen, als sie sagen. Vielleicht bleibt Lilli aus diesem Grund verschwunden.

Bevor Karen Sander eine erfolgreiche Autorin wurde, arbeitete sie als Übersetzerin und dozierte an der Universität. Ihr Vorliebe für eine bestimmte Art der Unterhaltungsliteratur zeigte sie, als sie über die Britin Val McDermid promovierte. In ihrer Trilogie um das Verschwinden junger Frauen in der ehemaligen DDR beschreibt die Autorin eine weitläufige, wenig besiedelte Landschaft an der Ostsee, in der der Zusammenhalt der Bewohner an erster Stelle steht. Man kennt sich, man sieht sich und macht miteinander Geschäfte. Es wird ein großer Personenkreis vorgestellt. Jeder einzelne Charakter ist so angelegt, als könne er eine wichtige Rolle spielen.

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Clare Mackintosh: Die letzte Party

Die eisig-wunderschöne Landschaft Wales, eine rauschende Silvester-Party mit dem beliebten Neujahrsschwimmen im See, wo das Wasser so kalt ist, dass einem die Lunge gefriert. Und ein Dorf voller Geheimnisse …

Ich habe mir einen unheimlich spannenden Thriller erhofft: Die Party aller Partys in einem walisischen Dorf endet mit dem Mord am Gastgeber. Alle Gäste sind verdächtig.

Und was für ein wahnsinnig eye-catching Cover!

Ich muss gestehen: Für meinen persönlichen Geschmack waren es tatsächlich viel zu viele Verdächtige (und Namen), die es kennenzulernen galt. Ein bisschen verwirrend und schwierig für mich, den Überblick über die vielen Charaktere zu behalten. Auch war mir leider die Ermittlerin nicht wirklich sympathisch und die Storyline definitiv zu langatmig, ohne großartige Spannungsversorgung.

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Emanuela Valentini: Die toten Mädchen vom Monte Argento

Eine junge Frau kehrt in ihr Dorf zurück. Eine Leiche wird gefunden. Ein Mädchen verschwindet. Damit beginnt, grob gesagt, dieser Roman aus Italien. Natürlich stehen all diese Dinge in Zusammenhang und daraus webt die Autorin in ihrem Debütroman eine verwirrende und verworrene Geschichte.

Sara, erfolgreiche und überarbeitete Chirurgin, kommt zurück in das kleine Bergdorf, in dem sie als Kind viel Zeit bei ihrer Großmutter verbrachte. Sie kommt zur Beerdigung von Claudia, die als Kind verschwand und deren Leiche man nun, mehr als zwanzig Jahre später, fand. Alles ist recht dubios, die Bewohner wirken alle verschroben, um nicht zu sagen verdächtig. Sara trifft alte Freunde aus der Kindheit wieder und lernt Rebecca kennen, die Tochter ihres früheren Klassenkameraden.

Als kurz darauf Rebecca verschwindet, kehrt Sara nochmal zurück und beginnt die Suche nach dem Mädchen. Alles verbindet sich irgendwie, die Vergangenheit, das damalige Verschwinden Claudias mit dem heutigen von Rebecca. Jeder benimmt sich irgendwie geheimnisvoll, alle haben ganz offensichtlich irgendetwas zu verbergen.

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Steve Cavanagh: Fifty Fifty

Zwei Schwestern, ein toter Vater. Eine von beiden ist die Täterin, aber welche? Beide waren an dem Tag, an dem Frank brutal ermordet wurde im Haus, beide hatten Grund und Gelegenheit. Beide haben einen Notruf abgesetzt und seitdem beschuldigen sie sich gegenseitig. Eine von beiden überträgt Eddie Flynn das Mandat. Sein Maxime ist es, niemals einen Klienten zu verteidigen, von dessen Schuld er überzeugt ist. Sophia gelingt es, ihn von ihrer Unschuld zu überzeugen, nun muss es ihm nur noch gelingen, sie vor dem Gefängnis zu bewahren. Gemeinsam müssen sie die Geschworenen überzeugen.

„Fifty Fifty“ ist ein Gerichtsthriller, aber einer mit einem echt klugen Aufbau. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Da gibt es Eddie, den Anwalt und ehemaligen Trickbetrüger; Kate, Anwältin, die von der großen Kanzlei, die die Schwester vertritt, als Laufbursche missbraucht wird; und „Sie“, die Täterin, die den Leser teilhaben lässt an ihren Gründen und Gedanken. Bis zum Schluss wusste niemand, einschließlich des Lesers, welche der beiden Schwestern denn nun die Täterin ist. Das ganze Buch ist so geschickt aufgebaut, dass man immer wieder in die Irre läuft und sich – ehrlich gesagt  – gedanklich auch vor den Karren der Täterin spannen lässt.

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Peter Grandl: Turmgold

Es sollte nur ein Band werden, sagt Peter Grandl selber. Aber nach dem Erfolg von „Turmschatten“ war die Geschichte um den deutschen Rechtsradikalismus und ihre Verstrickungen ganz eindeutig noch nicht zu Ende erzählt. Der Turm hat noch mehr Geheimnisse.

Inzwischen ist in die bekannten Räume ein jüdischer Kindergarten eingezogen. Ausgerechnet den sucht sich eine rechtsradikale Gruppe aus, um zehn Kinder und zwei Betreuerinnen als Geiseln zu nehmen. Ihre Forderung? Die Polizei soll Karl Rieger, den alten Kameraden, der inzwischen im Zeugenschutzprogramm lebt, weil er als Kronzeuge zu den Ereignissen im ersten Band dieser Reihe ausgesagt hat, ausliefern. Also seinen neuen Namen und seine neue Adresse bekannt geben.

Karl hat indessen seinen Frieden gefunden und mit den Nazifreunden wirklich gebrochen. Es wurde ihm eine Ausbildung ermöglicht und er lebt mit Frau und zwei Kindern. Achim Schuster ist erneut der verantwortliche Leiter des Einsatzes und auch der aus dem ersten Band bekannte Yellow-Press-Sender setzt wieder eine Sondersendung nach der anderen an. Wir sind jetzt 10 Jahre weiter als im ersten Band, im Jahr 2020. Wird in diesem Jahr irgendjemand die Entscheidung treffen, wessen Leben wichtiger ist, das von Karl Rieger – dem Schutz zugesichert wurde –, oder das der Geiseln – die als Kinder und Unschuldige per se unter Schutz stehen? Das ist die Leitfrage des Buches, der roten Faden, der alles zusammenhält.

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