Kathrin Lange & Susanne Thiele: Probe 12

Mitten in Georgien wird an einem der größten zukünftigen Problemen der Menschheit geforscht. Sogenannte Phagen sollen Bakterien direkt im menschlichen Körper abbauen, sogar die, gegen die wegen der zunehmenden Resistenz kein Antibiotikum mehr hilft – und das werden immer mehr. Der Forscher Anasias steht kurz vor dem Durchbruch, der hat bereits erfolgreich Stämme angezüchtet und getestet. Aber er fühlt sich verfolgt, bedroht und verschickt seine 24 wichtigsten Stämme nach Deutschland, kurz bevor er ermordet wird. Nina, seine Ziehtochter, die nicht in seine Fußstapfen treten wollte,sondern Wissenschaftsjournalistin wurde, macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Tom in Deutschland trägt eine große Schuld mit sich herum. Ein unbedacht eingefangener Magen-Darm-Virus aus Indien, ein sorglos eingenommenes Medikament und er trägt einen antibiotikaresistenten Bakterienstamm in sich, den er an seine ohnehin immungeschwächte Tochter weitergibt. Bei ihr kann er sich vermehren und ausbreiten und schon sehr bald gehen den Ärzten die Optionen aus. Da trifft er auf den Gedanken der Phagenbehandlung und auf Nina. Weiterlesen

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Harriet Walker: Die Neue

Margot ist erfolgreich. Sehr erfolgreich, sie arbeitet bei einer Modezeitschrift und ist da sehr hoch aufgestiegen. Jetzt ist sie schwanger und braucht eine Schwangerschaftsvertretung. Ohnehin keine ganz leichte Aufgabe, denn auf der einen Seite soll die Neue den Job gut machen, auf der anderen Seite aber nicht so gut, dass sie in Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz für Margot wäre oder sie gar ganz ersetzen könnte. Margot findet Maggie, leichtes Übergewicht, der eigene Stil nicht ganz so teuer wie Margots, aber eine erfahrene Journalistin, die bereit ist, sich der Aufgabe zu stellen. Maggie scheint perfekt.

Aber in den Wochen der Einarbeitung kommen Margot Zweifel. Ist Maggie nicht doch zu perfekt? Wieso schafft sie es so leicht, Team und Chefin für sich einzunehmen? Nach einigen Wochen in der Welt der Mode ist auch Maggies Stil deutlich eleganter und teurer geworden. Dann kommt Margots Baby zur Welt und die einstmals erfolgreiche Frau ist völlig in ihre eigene Welt zurückgeworfen. Alleine mit ihren Gedanken und Ängsten und alleingelassen von der Frau, die sich ihre beste Freundin nannte. Denn Winnie war kurz vor Margot schwanger geworden, die beiden Frauen hatten viele Pläne, wie sie viel gemeinsame Babyzeit verbringen wollten. Aber Winnies Baby hat die ersten Wochen nicht überlebt und Winnie sich (wieder einmal) völlig zurückgezogen. Weiterlesen

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Garry Disher: Barrier Highway

18 Monate nach seiner Versetzung ins australische Hinterland kurvt Constable Paul Hirschhausen noch immer über einsame Landstraßen, Schotter- und Feldwege.

„Es war nicht von Belang, dass es hier draußen nur karges Land gab; die Landschaft war lebendig. Hirsch aber war von der Stadt geprägt, von den exakten Linien der geteerten Straßen und der gemauerten Häuser in ordentlichen Reihen, doch hier draußen waren die Winkel nicht vorhersehbar.“ (S. 332)

Genauso wenig ist vorhersehbar, wenn aus einer plötzlichen Veränderung des Alltags das festgefügte Leben verschiedener Bewohner aus den Fugen gerät. Hirsch(-hausen) versucht, wie ein Marionettenspieler die einzelnen Fäden in der Hand zu halten, bis er merkt, dass in mehrere Richtungen dynamische Prozesse entstanden sind: wie zum Beispiel das von ihm befreite Mädchen aus einem vergammelten Wohnwagen, eine betrogene alte Dame oder ein jähzorniger Vater mit einem geladenen Gewehr in der Hand. Hirsch kann nicht überall gleichzeitig sein. Die Leinen sind ihm entglitten, und das Chaos beginnt. Er kann deshalb nur hinterherlaufen, das Beste hoffen und das Schlimmste befürchten.

Garry Disher schreibt erfolgreich über Verbrechen, die in Australien angesiedelt sind. Lokalkolorit und extremes Klima haben seine Bewohner geprägt. Nichts erscheint leicht, und sehr leicht hat es einen erwischt. Der Autor beschreibt so plastisch die Verwicklungen zwischenmenschlicher Beziehungen, dass man glaubt, ständig auf einem Pulverfass mit brennender Lunte zu sitzen. Weiterlesen

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Max Goldammer: Feind des Volkes

Der Untertitel auf dem Buchumschlag war schon ein kleiner Schock. „Max Hellers letzter Fall“. Was wird passieren? Hat Max sich jetzt derart verrannt, dass er doch noch in Bautzen landet? Wird er einfach in Rente gehen – doch nicht Max, dem die Gerechtigkeit so am Herzen liegt. Wird er gar von einem Täter ermordet werden? Durch viele Bände hindurch haben wir Max Heller durch das Dresden der Nachkriegszeit begleitet, was wird jetzt aus ihm werden?

Während des größten Teils des Romans scheint all das möglich zu sein. Je älter er wird, desto weniger ist Hauptmann Max Heller bereit, an den passenden Stellen den Mund zu halten. Er fühlt sich in seinen Ermittlungen behindert, immer wieder wird er gezwungen, Rücksichten zu nehmen. Seiner Adoptivtochter Anni wird das Studium trotz hervorragender schulischer Leistungen verweigert. Sie stamme nicht aus einer Arbeiterfamilie ist die offizielle Begründung, aber Max ahnt anderes, die Familie ist eher nicht systemtreu genug. Seine Frau Karin bereut inzwischen zutiefst, dass sie nicht damals in den Westen zu ihrem geflohenen Sohn gegangen sind, als die Grenzen noch nicht ganz so dicht und die Gelegenheit da war. Weiterlesen

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Christine Brand: Bis er gesteht

Allein schon wegen des ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Aufbaus ist dieser Kriminalroman absolut gelungen. Hinzu kommen ein besonderer Schreibstil, der gerade wegen der durchgängigen Neutralität, der reportagenhaften Distanz die Handlung umso mehr unter die Haut gehen lässt. Hier kommt deutlich die frühere Tätigkeit der Autorin als Gerichtsreporterin zum Ausdruck.

Worum geht es: In der Weihnachtsnacht erreicht ein Notruf die Polizei. Ein Vater meldet einen Einbruch und den Mord an seinen beiden kleinen Kindern. Der Junge und das Mädchen wurden offensichtlich erstickt, geraubt wurde nichts, die Wohnung nur sehr oberflächlich durchwühlt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es keinen Einbruch gab. Daraufhin wird der Vater als Tatverdächtiger verhaftet. Auch die Mutter bleibt in Untersuchungshaft, um zu verhindern, dass die Eltern ihre Aussagen miteinander absprechen können.

Nun verfolgen wir als Leser die Verhöre des Vaters, lesen die Aussagen der Mutter, der Nachbarn und anderer Zeugen, erfahren die Ergebnisse der Obduktionen und kriminaltechnischen Untersuchungen. Und immer wieder die Gespräche des Vaters mit der verhörenden Beamtin. Er beteuert darin stets seine Unschuld, doch sie glaubt ihm nicht. Bernhard Scherrer, so der Name des Vaters, beharrt darauf, dass ein Fremder in die Wohnung eingedrungen sein muss. Denn sonst, wenn er selbst die Kinder nicht getötet hat, bliebe nur eine andere Person, die als Täter in Frage käme. Weiterlesen

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Henri Faber: Ausweglos

Elias war mal ganz oben. Er galt gar als Star der Hamburger Mordkommission. Davon ist nicht mehr viel übrig. Er war mit seinem Kollegen Malte so dicht davor, den Ringfingermörder zu erwischen. Dann erschien ein Artikel mit Anschuldingen wegen Ermittlungsfehler, der Ringfingermörder hörte auf zu morden und Elias und Malte fielen tief. Jetzt, Jahre später geschieht plötzlich wieder ein Mord nach dem alten Schema und durch alte Beziehungen ist ausgerechnet Elias der erste am Tatort. Es ist wie damals, aber doch anders…

Noah wurde auf dem Dachboden überfallen, während er die Wäsche aufhängte. Er wurde gezwungen, den Mörder zu seiner Frau zu führen, aber es ist nicht alles, wie es scheint.

„Ausweglos“ ist ein spannender Thriller, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Da ist zunächst einmal Elias, der Ermittler, von dem nach und nach herauskommt, warum er es in der neu gebildeten Spezialeinheit so schwer hat. Noahs Perspektive scheint die des hilflosen Opfers zu sein, wurde er doch niedergeschlagen und musste den Mord mitansehen. Durch die wechselden Erzählperspektiven (es gibt mehr als diese zwei, aber die beiden sind die Hauptperspektiven) und geschickt gewählte Cliffhanger ist das Buch ein echter Pageturner. Weiterlesen

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Johanna Mo: Nachttod

Joel ist einer von den vielen Jugendlichen, die schon von klein gehänselt und gemobbt werden. In der Nacht zum 15. Mai stirbt er und wird Stunden später von Touristen an einem Ausflugsziel gefunden.

Der 15. Mai ist auch Hanna Dunckers erster Arbeitstag bei der Kalmarer Polizei. Weil sie sich bereits in Stockholm den Ruf einer guten Ermittlerin erarbeitet hat, werden sie und der Kollege Erik mit der Aufklärung betraut. Ihr erster Tag hätte für Hanna nicht schlimmer beginnen können: Abgesehen davon, dass sie sich nach 16 Jahren Abwesenheit in ihrer Heimat dem Grund ihrer Flucht stellen muss, steht sie viel zu schnell vor ihrer einst besten Freundin, um dieser von dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes Joel zu berichten.

Hanna stößt bei den Ermittlungen auf Schweigen und Halbwahrheiten, aber auch auf Ablehnung und neugierige Blicke. Denn jeder, der sie von früher kennt, sieht in ihr die Tochter des Mörders Lars Duncker. Weiterlesen

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Tana French: Der Sucher

Carl Hooper war ein Cop in Chicago, jetzt hat er beschlossen Dorfbewohner in Irland zu werden. Weg von der hektischen Großstadt und hinein ins beschauliche Dorfleben. Ein noch auszubauendes Haus, ein zu pflegender Garten und lange Spaziergänge wirken beruhigend auf seine überreizte Seele. Aber seine Reflexe funktionieren nach wie vor. Er wird beobachtet, er ist sicher. Ist es nur einer der neugierigen Nachbarn oder steckt mehr dahinter? Hier, auf dem ruhigen Dorf, wo nie was passiert.

Es ist nur ein Kind, das bei ihm auftaucht, immer wieder. Erst versteckt, aber mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen kommt es näher, arbeitet mit Carl, spricht schließlich sogar mit ihm. Bittet ihn um Hilfe. Denn der geliebte große Bruder ist verschollen, schon mehrere Monate. Eines Tages ging er aus dem Haus und kam einfach nicht zurück. Carl soll helfen, denn er ist doch schließlich Polizist.

Carl zögert. Er ist kein Cop mehr, aber der Drang, das Kind nicht zu enttäuschen ist größer. Langsam und vorsichtig beginnt er Erkundigungen einzuziehen. Stößt auf Widerstände. Weiterlesen

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Klaus Ranzenberger: Mostkost. Ein Fall für den Onkel Franz

Dies ist ein bedächtiges Buch. Bedächtig im Erzählfluss, bedächtig in der Wortwahl, bedächtig ist auch das Voranschreiten der Handlung. Die Hauptfigur, der Onkel Franz, ist ein gemütlicher und stressbefreiter Charakter. Er lebt mit seiner Frau, der „Tante“, im Innviertel. Dieser Landstrich liegt im Westen Österreichs und grenzt an Bayern. Dort wird gerne „Most“ getrunken, der andernorts als Apfelwein oder Obstwein bekannt ist. Der Onkel Franz ist Rentner, wohnt in einer Kleinstadt, geht immer dienstags zum Stammtisch und liebt Hausmannskost. Gemeinsam mit seinem Freund Albert wird er in polizeiliche Ermittlungen verwickelt.

Erst verschwindet die Gattin des Mostschänken-Betreibers Birnbacher spurlos, dann ihr Ex-Mann und Nachbar, der Bauer Haslinger. Beide bleiben unauffindbar. Sowohl Birnbacher als auch Haslinger sollen in Grundstückspekulationen der russischen Mafia verstrickt sein. Albert und der Onkel Franz machen sich Gedanken, was da wohl im Gange sein könnte. Als ein menschliches Ohr auftaucht, ist ihre Neugier vollends geweckt und Chefinspektor Steiner von der Abteilung Leib und Leben der Kriminalpolizei Linz hat mit den beiden Hobbydetektiven seine liebe Not. Ständig sind sie seinen Ermittlungen im Weg, aber eigentlich immer einen Schritt voraus. Weiterlesen

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Petros Markaris: Das Lied des Geldes: Ein Fall für Kostas Charitos

Der saudische Investor al Fallah wird in einem Vorort von Athen in der Nähe der Küste durch mehrere Messerstiche getötet. Er wollte in diesem Gebiet einen Yachthafen und ein Hotel bauen lassen. Zeugen gibt es nicht, allerdings hat ein Wachmann zur Tatzeit die Melodie eines Schlagers, in dem es um Geld geht, gehört. Kommissar Charitos muss nicht nur den Mörder finden, sondern auch den saudischen Botschafter beschwichtigen und verhindern, dass der Fall in der Presse ausgewalzt wird. Während die Ermittlungen langsam erste Erfolge versprechen, geschieht ein zweiter Mord: Im Exarchia-Viertel wird ein chinesischer Investor tot aufgefunden. Das ruft nicht nur die chinesische Botschaft auf den Plan, sondern könnte auch dafür sorgen, dass die dringend gesuchten ausländischen Investoren sich aus Griechenland zurückziehen. Und vom Täter gibt es auch hier keine Spur, er agiert offenbar sehr geschickt.

Zudem beschäftigt Kommissar Charitos noch ein ganz anderes Problem: Sein alter Freund Lambros Sissis, ein desillusionierter Altkommunist und Betreuer eines Obdachlosenheimes, hat mit den Bewohnern seines Hauses und anderen Obdachlosen die Linke symbolisch zu Grabe getragen und ruft damit eine neue Bewegung der Armen ins Leben. Er plant regelmäßige Kundgebungen. Da seine Freundschaft zum Kommissar bekannt ist, könnte diesen das in Schwierigkeiten bringen, vor allem dann, wenn sich Randalierer unter die Demonstranten mischen. Es gibt also einiges zu tun. Weiterlesen

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