Stacy Willingham: Das siebte Mädchen

Chloe Davis erklärt, sie habe den Beruf der Psychologin nicht ergriffen, um einen leichten Zugang zu Medikamenten zu haben. „Ich wurde Psychologin, weil ich verstehe, was ein Trauma ist; ich verstehe es auf eine Weise, die keine Ausbildung einem je lehren könnte. Ich verstehe, wie das Gehirn jeden Bereich des Körpers sabotieren kann […] Und wie sie (Emotionen) dafür sorgen, dass […] dumpfer, pochender Dauerschmerz […] niemals vergeht.“ (S. 70)

Doch Chloes Dauerschmerz bekommt neue Nahrung. In ihrer Umgebung verschwinden zwei Mädchen, deren Körper später in der Nähe ihrer Praxis abgelegt werden. Zur gleichen Zeit irritiert sie ein Reporter aus New York, der zum zwanzigsten Jahrestag einen Artikel über die Mordserie schreiben will, für die ihr Vater ins Gefängnis ging. Chloe glaubt, in einem Déjà-vu gefangen zu sein. Ihr Alltag fühlt sich seltsam und furchterregend zugleich an. Auch die baldige Hochzeit mit Daniel verunsichert sie. Und warum verhält er sich so komisch, als wollte er vor ihr etwas verheimlichen? Weiterlesen

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Michael Bremmer & Veronika Grüning: Gangs of Katzenstadt

Katzenkrimis sind süß? Von wegen! Kaum den Roman aufgeschlagen, bleibt Fans der kuscheligen Felinen sofort die Luft weg: Denn in der allerersten Szene wird Kater Matula mit einem Beil die Pfote abgehackt! Als Warnung für andere Katzen. Schon sind wir LeserInnen im Plot gefangen, der bis zur letzten Seite sein hohes Spannungstempo hält. Dafür ist zum einen der ungewöhnliche Schreibstil in kurzen, dynamischen Szenen verantwortlich. Zum anderen die Geschichte und ihre cleveren, vierbeinigen Akteure. Diese wachsen beim Lesen sofort ans Herz. Den Zweibeinern sind sie in puncto Ideenreichtum überlegen. In Sachen Zivilcourage sowieso. So steckt in dem Roman weit mehr, als ein Katzenkrimi (oder eher: Thriller). Nicht nur für Tierliebhaber ein absolutes Muss!

Einst war Katzenstadt ein blühender Ort. Ein Paradies für Katzen. Dies lag an der erfolgreichen Katzenfutterfabrik. Der nette Geschäftsführer nahm ein paar Tiere bei sich auf, darunter die Schwestern Bandini und Bonnie. Es ging ihnen gut. Bis ihr Herrchen unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Schlimm genug, dass die Fabrik daraufhin geschlossen wurde und die Stadt dem wirtschaftlichen Niedergang geweiht war. Eine mediale Hetzkampagne gab den „Bestien“ die Schuld an seinem Tod und weiterer Verbrechen. In der Folge verließen immer mehr Einwohner den Ort, ohne ihre Vierbeiner. Die okkupierten nach und nach die Stadt. Die Katzengang rund um Bandini und Bonnie ließ sich in der Futtermittelfabrik nieder, andere Katzengangs im Stadtpark, der Bücherei (die Katzen aus Intellektuellenhaushalten) oder auf der Müllhalde (die anarchischen Aussteigerkatzen). Weiterlesen

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G.D. Adson: Blutrot ist das Schweigen

Es ist einfach, ein korruptes System zu tolerieren, wenn man unbehelligt durch den Alltag kommt. Kleine Fische schwimmen zu ihrem Schutz in Schwärmen, auch wenn Raubfische regelmäßig einen der ihren fressen.

In einem Schwarm, in dem russische Polizisten ihren Dienst verrichten, arbeitet Hauptmann Natalja Iwanowa. In Sankt Petersburg verfolgt sie in einer untergeordneten Abteilung Kapitalverbrechen. Hier ist sie aufgrund ihrer hohen Aufklärungsrate, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit der Vorzeigefisch. Jeder Außenstehende soll an mit Blick auf Natalja an Verhältnisse im Polizeiapparat glauben, die besser sind als ihr Ruf.

Als eine politische Aktivistin im eiskalten Januar neben einem Straßengraben, halb vom Schnee verborgen, zufällig von einem urinierenden Polizisten gefunden wird, hat Natalja die Order, politische Mitstreiter als Hauptverdächtige zu überführen. Wie gewohnt beginnt sie die Ermittlungsarbeit in den Augen ihres Vorgesetzten völlig falsch, also viel zu gründlich. Und wieder deckt sie Ungereimtheiten auf, die in eine andere Richtung zeigen.

Viel zu schnell wird der Fall der nächsten Instanz übergeben, die ihn politisch lösen sollen. Das übliche Procedere vor der Ablage beginnt: In den Zeitungen wird die Ermordete als drogensüchtige Prostituierte beschrieben, die Opfer ihrer Lebensumstände sei. Weiterlesen

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Tove Alsterdal: Sturmrot

Eira Sjödins Karriere bei der Polizei hätte in Stockholm weiter gehen können. Doch sie wird zuhause in Kramfors gebraucht. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt und wird auf Dauer Hilfe brauchen, die ihr älterer Bruder Magnus nicht leisten kann. Sie beginnt den erhofften ruhigen Job auf dem Land, wo quasi jeder jeden kennt.

Zur gleichen Zeit kehrt Olof heim. Dreiundzwanzig Jahre war er weggeschlossen und als er nach seiner Freilassung seinen Vater Sven besuchen will, findet er ihn ermordet vor. Natürlich geschieht alles Weitere so, wie er es schon als Vierzehnjähriger erlebt hat. Olof steht im Zentrum einer arbeitsintensiven Ermittlung, bei der Eira und ihre Kollegen auf weitere Verbrechen stoßen.

Anfangs glaubt Eira, Olofs Rückkehr und der Mord an seinen Vater könnten miteinander zusammenhängen. Ständig denkt sie an die verschwundene Lina, die Olof als Jugendlicher im Wald umgebracht haben soll. Damals war sie noch ein Kind, das nur beiläufig die eine oder andere Information aufgeschnappt hat. Auch im aktuellen Fall will nichts zusammenpassen, dafür haben die Dorfbewohner und Hater im Internet bereits eine unumstößliche, folgenschwere Meinung. Weiterlesen

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Rory Power: Wilder Girls

Seit fast zwei Jahren steht das Mädcheninternat von Raxter unter Quarantäne. Die Schülerinnen dürfen das Gelände nicht verlassen und haben keinen Kontakt zu ihren Eltern oder der Außenwelt in irgendeiner Form. Dass das Internat auf einer kleinen Insel liegt, unterstützt die Hoffnungslosigkeit und wie vom Rest der Welt vergessen, müssen sie um ihr Leben kämpfen: Eine unbekannte Seuche hat sie alle befallen und tötet in regelmäßigen Krankheitsschüben Lehrerinnen wie Schülerinnen. Versorgt werden sie von der Marine, die Essen in Paketen liefert – ans andere Ende der Insel und ohne Kontakt aufzunehmen – dieses ist aber stets verdorben und nie genug für alle. Nur das Versprechen, an einem Heilmittel zu forschen, erhält die Mädchen auf Raxter am Leben.

Unter ihnen sind Hetty und Byatt, zwei beste Freundinnen und Reese, die dritte in der Gruppe, in die Hetty heimlich verliebt ist, die aber immer kalt und distanziert bleibt. Doch als Byatt nach einem Anfall aus der Krankenstation verschwindet, müssen Hetty und Reese zusammenarbeiten, um herauszufinden, was mit ihrer Freundin geschehen ist. Wie konnte sie aus dem Schulgebäude fortgeschafft werden? Warum? Und mit wem hat Hetty die letzte verbleibende Lehrerin über Funk sprechen hören, obwohl alle Verbindungen gekappt wurden? Die Suche nach Byatt hilft Hetty und Reese eine grausame Wahrheit zu begreifen. Weiterlesen

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Anika Beer: Succession Game

2054: In einem Berlin der Zukunft ist das Succession Game zum beliebtesten Unterhaltungsformat aufgestiegen. Dabei müssen mehrere Auserwählte verschiedene Escape Rooms lösen, bis am Ende ein Gewinner dasteht. Sie sind währenddessen aber nicht sie selbst, sondern vorprogrammierte Personas, die durch chemische Medikamente mit ihrem Bewusstsein verbunden werden, sodass sie jede Erinnerung an ihr wahres Selbst verlieren. Sobald sie ausscheiden, wird die Wirkung rückgängig gemacht, doch was für die Zuschauer Unterhaltung ist, ist für einige purer Horror. Zum Beispiel für Théo, der als mehrfacher Gewinner des Spiels Jahr um Jahr teilnehmen muss und zwischenzeitlich der Gefangene des dubiosen Megakonzerns ist, der Succession Game leitet. Die Antwort auf die Frage, warum er nicht einfach verliert, um seinem Schicksal zu entkommen, ist viel komplexer und verstörender, als irgendwer ahnen kann.

Als Rafael Álvarez als neuer Chefarzt bei Succession Game eingestellt wird, um für die Gesundheit der Teilnehmer zu sorgen, ist er geschockt, wie sehr die Vorgehensweisen hinter den Kulissen gegen alles verstoßen, woran er als ethischer Mediziner glaubt. Kann er den Teilnehmern helfen? Oder kommt jede Hilfe zu spät – zum Beispiel bei Clue: Privatdetektivin und zum ersten Mal beim Spiel dabei – und eigentlich jemand ganz anderes. Nur dass sie das nicht mehr weiß. Weiterlesen

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Dean Koontz: The Other Emily – Die Doppelgängerin

Zehn Jahre ist es nun her, dass sich das Leben des Bestsellerautors David Thorne von heute auf morgen dramatisch verändert hat. Fünf glückliche Jahre verbrachte der Autor mit seiner großen Liebe – bis diese eines Nachts von einem Besuch bei der Freundin nicht zurückkehrte. Das Auto fand man auf einem Parkplatz an der Küstenstraße Kaliforniens, das Portemonnaie unberührt im Wagen. Ein Serienkiller wurde auch für diese Tat verantwortlich gemacht – ein Mörder, den der Autor jeden Monat monetär unterstützt und immer wieder im Knast besucht. Er will erfahren, ob seine Geliebte wirklich unter den nie gefundenen Opfern des Killers war, um vielleicht das leere Grab mit einer Leiche füllen und endlich mit dem Verlust abschließen zu können.

Eines Tages begegnet er einer Frau, die exakt aussieht wie seine verschollene Freundin. Bilderkennungssoftware bestätigt die Übereinstimmung, ihr Background ist gefaket – wer ist die Unbekannte, die äußerlich, wie vom Verhalten her eine solch frappierende Ähnlichkeit, nein Übereinstimmung mit der mutmaßlich Getöteten aufweist und die sich ihm als Attentäterin vorstellt? Die Suche nach Antworten führt Throne auf die Spur weiterer Menschen, die obzwar unzweifelhaft tot, höchst lebendig unter uns wandeln … Weiterlesen

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Anna Downes: Gewittermädchen

Willkommen im Paradies. Emily’s Chef bietet ihr die Chance ihres Lebens: ihr chaotisches Leben in London gegen einen Sommerjob als Haushälterin auf seinem wunderschönen und äußerst abgelegenen Anwesen direkt an der französischen Küste zu tauschen. Verzaubert von seiner hinreißenden Frau Nina und seiner exzentrischen kleinen Tochter Aurelia, stürzt sich Emily Hals über Kopf in diese Oase weingetränkter Tage am Pool. Aber bald erkennt Emily, dass Scott und Nina hinter der glamourösen Fassade gefährliche Geheimnisse verbergen.

Ein gelungener Thriller? Fakt ist, dass ich noch nie zuvor einen 448-seitigen Roman in solch einer Rekordzeit verschlungen habe. „Thrill“ bedeutet „Nervenkitzel“ und davon gab es jede Menge. Ab der ersten Seite habe ich an jedem Buchstaben der Geschichte geklebt und ich stürmte weiter atemlos durch das Buch, denn ich wollte unbedingt wissen, was passieren würde. Eine tatsächlich spürbare Bedrohung kommt erst recht spät im Laufe der Story, was sicher einige Thriller-Fans kritisieren. Auch wenn dieses Werk kein typischer Thriller ist, bleibt es ein fesselnder Pageturner mit temporeich-atmosphärischem Spannungsplot. Weiterlesen

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Garry Disher: Stunde der Flut

Wer bereits das Vergnügen hatte, etwas von Garry Disher zu lesen, der ahnt, wie sich die Suche nach Verbrechern in der heißen australischen Landschaft anfühlen könnte. Wenn seine Ermittler zwischendurch versuchen, nassgeschwitzt in Shorts und T-Shirt ihr Privatleben im Griff zu behalten, sofern es überhaupt schon im Griff ist, dann spürt man bei der Lektüre fast schon den heißen Wind auf den spröden Lippen.

Im Prinzip sind Garry Dishers ermittelnde Polizisten immer im Einsatz, denn sie können nicht abschalten. Sie sind aus den unterschiedlichsten Gründen Getriebene. In seinem Kriminalroman Stunde der Flut steht der Polizist Charles Deravin im Fokus. Gerade spürt er die Folgen seiner Handgreiflichkeit gegenüber seinem Chef, der einem Vergewaltiger einen Freibrief geben will. Während seiner Suspendierung muss Charlie zu einer Psychologin und seine ungewohnte Freizeit mit neuem Leben füllen. Wie lange das Disziplinarverfahren gegen ihn laufen wird, steht in den Sternen. Was ebenfalls in den Sternen steht, ist, warum seine Mutter vor zwanzig Jahren aus dem trostlosen Menlo Beach spurlos verschwand und dies ausgerechnet aus einer Gegend, in der viele Polizisten wohnen. Damals hielt jeder seinen Vater, der ebenfalls Polizist war, für den mutmaßlichen Mörder. Doch ohne Leiche und mit einer Handvoll Indizien kann der Fall nicht abgeschlossen werden. Weiterlesen

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Ivar Leon Menger: Als das Böse kam

Die sechzehnjährige Juno lebt mit ihrem kleinen Bruder Boy und ihren Eltern auf einer Insel in einem schwedischen See. Niemand darf wissen, dass sie dort sind, denn ihr Vater hat vor Jahren etwas getan, das dem Leser erscheint wie eine Aussage gegen die Mafia und seitdem versteckt sich die Familie. Der einzige Kontakt ist der Postbote Ole, der aber die Kinder auch niemals sehen darf. Es gibt einen Fluchtkeller und Pläne für den Notfall. Juno ist mit dieser Geschichte aufgewachsen und hat sie niemals bezweifelt. Stets war sie gehorsam und dass Ole sie eines Tages sieht, ist wirklich nur ein Versehen.

Dann taucht eines Nachts Luca auf. Luca klingt für den Leser eher italienisch, wer ist dieser Geheimnisvolle, der eine ganz andere Geschichte andeutet und Juno in den Unterlagen ihrer Eltern wühlen lässt?

So beim einfachen Durchlesen fand ich das Buch, dass der Verlag als Thriller beschreibt, durchaus spannend. Ich fand es auch nachvollziehbar, wie der Autor sich langsam aber sicher an die Wahrheit heranarbeitet. Der brutale Verlauf kurz vor dem Ende ließ mich dann allerdings völlig unbefriedigt zurück. Weiterlesen

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