Christiane Franke & Cornelia Kuhnert: Frisch ermittelt: Der Fall Vera Malottke

Martha Frisch und Vera Malottke wohnen im ostfriesischen Leer von 1958 und sind Nachbarinnen. Während Martha Geschäftsinhaberin einer Heißmangel ist, legt Vera offiziell die Karten für betuchte Herren. Der wirtschaftliche Aufschwung ist besonders bei der mondänen Vera zu sehen, die einen roten Sportwagen fährt und ihre Wohnung modern eingerichtet hat. Natürlich glauben viele zu wissen, dass Fräulein Malottke nicht nur mit Karten reich geworden ist. Das Gerede über sie hätte so weiter gehen können, wenn Vera nicht Opfer eines Unfalls geworden wäre. Die örtliche Presse präsentiert das Foto ihrer Leiche und heizt damit neue Spekulationen an. Nur Martha lässt sich von den hetzenden Reden ihrer Kundinnen nicht anstecken. Denn sie mochte Vera und findet die Zurschaustellung ihres wehrlosen, leicht bekleideten Körpers alles andere als angebracht.

Kurz darauf wird Richard, der Sohn einer Freundin, verhaftet. Für Kriminalkommissar Onnen ist der junge Mann der ideale Verdächtige. Schließlich kannte er die ‚Dame‘ von früher und ist erst vor ein paar Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden. Seine Parole lautet: Wer einmal verurteilt worden ist, gehört zu den Gewohnheitsverbrechern. Dagegen gehören Veras Malottkes Kunden, alles Herren aus der ersten Gesellschaft, ausnahmslos in die Kategorie des ehrlichen, anständigen Bürgers und genießen ohne Zweifel die Unschuldsvermutung. Weiterlesen

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Nächte

Pünktlich zum angekündigten Erscheinungsdatum und an den Anfang der Sommerferien in NRW placiert, liegt er im Buchhandel vor: Kommissar Dupins 11. Fall!

Wie gewohnt bekommt der Lesende einen ausgewogenen Mix aus Landschaftsbeschreibungen, kulturellen und kulinarischen Besonderheiten im Genre eines Krimis vorgelegt. Darüber hinaus steht der Autor, der in Frankfurt und in der Bretagne lebt, auch für eine politische Botschaft. Bannalec setzt sich für ein  geeintes und starkes Europa ein. Ein Wert, der für den Autor vor allem in der deutsch-französischen Freundschaft sichtbar und praktisch wird. Für dieses Ansinnen und sein diesbezügliches Engagement wurde er schon häufig ausgezeichnet und geehrt.

In seinem elften Fall legt der Bestsellerautor Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec seinen Fokus auf bretonische Gärten mit ihrem geheimnisvollen Charme, auf seltene Vogelarten und auf Cidre, jener bretonische Apfelwein, der besonders während der warmen Jahreszeit gern getrunken wird.

Kommissar Dupin führt der neue Fall in den „wilden“ bretonischen Norden an die Mündung des Flusses Aber Wrac’h im Finistère. Hier lebt die Familie von Inspektor Kadeg, der in diesem Fall, persönlich betroffen, zum Opfer wird. Weiterlesen

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Kristine Getz: Poppy

Lotte Wiig führt ihr Leben online. Vor allem seit ihre jetzt 2-jährige Tochter Poppy geboren wurde, bewirbt sie online alles vom Babybett bis zur Nuss-Nougat-Creme. Dabei hat sie mit ihrem Mann Jens, der die Online-Inhalte managt, großen Erfolg. Mütter eifern ihr nach, Zeitungen schreiben über sie und auch Neider gibt es genug. Dann taucht ein Stalker auf, der heimlich von ihr und Poppy Bilder schießt, und mit ihm ein ungutes Gefühl. Doch Lotte und Jens wollen sich nicht verunsichern lassen und posten weiter. Bei einem Wochenende im Wellnesshotel eskaliert dann die Situation: Poppy, die in der Obhut des Opas zurückblieb, verschwindet plötzlich spurlos. Forderungen von Kidnappern gibt es allerdings keine – was kann passiert sein?

Die amerikanische Autorin Kristine Getz legt mit „Poppy“ ihren Debütroman in norwegischer Sprache vor. Er ist in Norwegen angesiedelt, welches sie durch ihren Ehemann vermutlich gut kennt. Beschrieben wird unter anderem, dass erst wenige Wochen zuvor ebenfalls ein Kleinkind in der Nähe verschwand. Nur etwa vier Stunden nach seinem Verschwinden tauchte es unversehrt wieder auf. Ein Unterschied zu Poppy: Von dem Mädchen gab es online kein einziges Bild, von Poppy tausende. Die Mutter des ebenfalls verschwundenen Mädchens war aber ein großer Fan von Lotte Wiig. Ist das eine erste Spur? Weiterlesen

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Stephanie Wrobel: Willkommen in Wisewood

Sie ist eine missbrauchte Tochter, sie ist Lady Fearless. Sie hat etwas geschaffen und etwas vernichtet.

Natalie sucht ihre kleine Schwester Kit. Kit hat sich vor dem Leben auf eine Insel mit einer Kommune geflüchtet und doch hat sie Nat eine E-Mail geschrieben. Ist es ein Hilferuf? Nat macht sich auf den Weg auf die Insel, um sich selbst ein Bild zu machen. Was sie vorfindet, verwirrt sie, kein Körperkontakt, keine Elektronik und sagt ihr eigentlich jeder hier die Wahrheit, auch wenn alle behaupten, der reinen Wahrheit verpflichtet zu sein.

Stephanie Wrobel erzählt die Geschichte in mehreren Zeitebenen und aus drei Perspektiven: Nat, Kit und noch einer, von der nicht von Anfang an klar ist, wem sie gehört. Es erzählt ein Mädchen mit einem mehr als strengen Vater, der sie immer wieder vor Aufgaben stellt, für die es wichtige Punkte gibt. Weniger als 15 Punkte am Tag bedeutet, nicht schlafen gehen zu dürfen. Die Aufgaben können alles mögliche sinnvolle und sinnlose enthalten. Es kann einfach sein, wie ein Punkt für eine gute Note, aber auch fast unmöglich, wie 3 Minuten die Luft anhalten oder die eigene Schwester fast ertränken. Weiterlesen

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Marcel Huwyler: Das goldene Taschenmesser

Seine Romane um die Auftragsmörderin Violetta Morgenstern sind ein Genuss, ein herrliches Lesevergnügen. So habe ich dem Beginn seiner neuen Romanreihe geradezu entgegengefiebert.

Dieser Roman also schildert den ersten „Fall“ von Eliza Roth-Schild (!), der frisch verwitweten und abrupt gänzlich mittellosen Unternehmergattin. Ihr Mann hat nämlich beim versuchten Versicherungsbetrug sich selbst zusammen mit ihrer Villa in die Luft gesprengt, so dass Eliza zusätzlich auch noch obdachlos ist.

Doch sie ist weder auf den Kopf gefallen noch so leicht unterzukriegen. Recht schnell erkennt sie das Potential in ihrem Doppelnamen, zusammengesetzt aus ihrem Mädchen- und ihrem Ehenamen. Aber nicht nur das, auch andere sehen in ihr Talent und Möglichkeit und so kommt es dazu, dass sie für einen Unternehmer einen anderen ausspionieren soll.

Unterschlupf während dieser Anbahnung neuer Geschäftsmöglichkeiten findet Eliza bei Fabio, einem jungen und unternehmungslustigen Bühnenbildner mit Nebenbeschäftigung. Er bewundert die ältere Frau, doch Eliza empfindet für ihn lediglich Freundschaft. Weiterlesen

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T.J. Newman: Flug 416

Bill und Carrie führen mit ihren beiden kleinen Kindern ein privilegiertes Leben in Los Angeles. Als erfahrener Pilot hat Bill sich auf alles eingestellt, was man sich nach vielen Jahren harter Arbeit nur wünschen kann. Doch dann erlebt er einen Flug, der durch einen terroristischen Akt zu einem Todesflug werden soll. Gleichzeitig wird seine Familie von einem Terroristen entführt und mit dem Tod bedroht wird. Bill soll sich dem Willen der Erpresser beugen und entscheiden, wer überleben soll. Die Passagiere oder seine Familie. Bei einer Weigerung müsse er mit dem Eingreifen eines Attentäters an Bord rechnen, der ihn ebenfalls kontrolliert.

Es beginnen die längsten sechs Stunden Flug, die Bill jemals erlebt hat. Während das FBI unter Zeitdruck seine Familie sucht, arbeiten er und die Flugbegleiterin Jo fieberhaft daran, die Gefahrensituation an Bord zu reduzieren. Das Leben von über 140 Seelen steht auf dem Spiel, unter anderem.

Die Autorin T. J. Newman kennt als ehemalige Flugbegleiterin die Interna des Flugbetriebs und die Regeln in Notfallsituationen. Nachdem das World Trade Center durch terroristische Anschläge zerstört worden ist, hat sich in der Luftfahrt viel verändert. Doch die scheinbar schärferen Sicherheitsbedingungen haben Lücken. Auf sehr spannende Weise spielt T. J. Newman mehrere Szenarien durch, die von allen Beteiligten alles Menschenmögliche abverlangen. Weiterlesen

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Ian Rankin: Ein Versprechen aus dunkler Zeit

Der Schotte Ian Rankin (Jahrgang 1960) setzt seine erfolgreiche John-Rebus-Reihe weiter fort. Im Wilhelm Goldmann Verlag erschien am 14. Juni 2022 der nächste Band in einer Übersetzung von Conny Lösch.

Der Edinburgher Detective Inspector im Ruhestand lässt das Ermitteln auch in dem neuen Kriminalroman „Ein Versprechen aus dunkler Zeit“ nicht. Außerdem plagt er sich mit dem Umzug in eine neue Wohnung herum. Aufgrund seiner Lungenerkrankung siedelt er mit seinem Hund Brillo ins Erdgeschoss um. Siobhan Clarke nimmt sich eine Woche Urlaub, um ihm zu helfen. Dann geschehen zwei Dinge: Der Freund von  John Rebus’ Tochter Samantha verschwindet, und der ausländische Student Salman bin Mahmoud, ein wohlhabender, junger Mann wird tot auf einem Parkplatz gefunden.

John Rebus fährt sofort in seinem alten Saab Richtung Norden los. Samantha, Keith und Tochter Carrie leben im schottischen Küstenort Naver. Keith Grant arbeitet an der Stilllegung eines nahegelegenen Atomkraftwerks und betätigt sich als Hobby-Historiker. Dabei hat es ihm die Geschichte eines ehemaligen Internierungslagers aus dem 2. Weltkrieg besonders angetan. Im Camp 1033 waren während des Krieges zunächst Ausländer, die im Vereinigten Königreich lebten, und dann deutsche Kriegsgefangene inhaftiert. Weiterlesen

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Matthias Wittekindt & Rainer Wittkamp: Fabrik der Schatten

Was uns der Geschichtsunterricht über die Kaiserzeit nie beibrachte, zeigt uns lebendig der Thriller „Fabrik der Schatten“: die Mentalität der Menschen im deutschen Kaiserreich und den östlichen Nachbarländern um 1900. Wer genau hinsieht, findet Parallelen zu heutigen Ressentiments und Vorlieben. Ermittlungen des deutschen Geheimdienstes offenbaren eine völkerrechtswidrige Verschwörung hinter einem Anschlag, der als Eisenbahnunfall beginnt. Der Roman ist packend geschrieben und reißt den Leser mit auf Grund seines ausgefeilten Schreibstils, der spannenden Handlung und dem tiefen Einblick in die Charaktere der beteiligten Personen.

Major Alfred Craemer, Abteilungsleiter beim deutschen Geheimdienst erfährt, dass nach Zeugenaussagen das überlebende Opfer eines Eisenbahnunglücks bei Bingen von den französisch sprechenden Verfolgern durch Schüsse hingerichtet worden sei. So vermutet er mehr als einen Bandenkrieg. Zusammen mit seiner Sekretärin Lena Sommer, deren Identität und wahre Aufgabe sich dem Leser erst nach und offenbaren, reist er für seine Recherchen nach Bingen. Weiterlesen

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Volker Klüpfel & Michael Kobr: Affenhitze

Es geht doch, ging mir durch den Kopf beim Lesen dieses neuen Falls des berühmten Allgäuer Kommissars Kluftinger. Denn bei den letzten Büchern der beiden Erfolgsautoren kamen mir Zweifel, ob es Sinn macht, diese Reihe weiterzulesen. Zu abgedreht, zu überdreht war der Humor, zu nebensächlich waren die Kriminalfälle geworden.

Doch diesmal hat mich der Roman so gefesselt, dass ich tatsächlich das Buch erst aus der Hand legte, als ich die letzte der über 500 Seiten gelesen hatte. Natürlich spielt auch diesmal das Privatleben des grantelnden Kommissars eine sehr große Rolle, sind auch diesmal seine Unfähigkeiten im Umgang mit modernen Medien oder mit seinen Mitmenschen ziemlich raumgreifend beschrieben. Aber dennoch hat es diesmal auch der Kriminalfall zu einiger Bedeutung im Roman geschafft.

Mittelpunkt des Falles ist eine Tongrube, in welcher Ausgrabungen durchgeführt werden – sehr zum Missfallen des die Grube betreibenden Unternehmers. Während sogar der Ministerpräsident anreist zur Feier eines Sensationsfundes, wird in besagter Grube eine Leiche gefunden, kein paläontologisches Skelett, sondern ein sehr moderner Toter. Der Ermordete war just der Professor, welcher den so wichtigen Fund gemacht hatte, ein Fund, der ein Umschreiben der Menschheitsgeschichte nötig machen könnte. Weiterlesen

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C.J. Tudor: Das Gotteshaus

Wenn ich an Dan Brown denke, machen Hetze und Metropolen als Schauplätze einen Thriller aus. Nicht aber bei „Das Gotteshaus“ von C.J. Tudor. Die Handlung entwickelt sich langsam und spielt am „Arsch der Welt“. Der Roman ist in erfrischender Umgangssprache geschrieben – einschließlich der Kraftausdrücke – und erzählt aus den Perspektiven dreier Figuren. Und er ist spannend vom ersten Satz an.

Als Pfarrerin Jack Brooks mit ihrer 15jährigen Tochter Flo in das gottverlassene Nest Chapel Croft (was nichts mit dem gleichnamigen Waldstück südöstlich von London zu tun hat) einzieht, lässt jeder Moment in der verwahrlosten Kirche und im heruntergekommenen Pfarrhaus Unheil erwarten. Scheinbar will jeder in der zwei Dutzend Häuser großen, aber weitläufigen Gemeinde sein Geheimnis hüten, während Reverend Brooks unter ihrem eigenen leidet und gezwungenermaßen die Geheimnisse ihrer klein- bis spießbürgerlichen Schäfchen lüften muss. Das ist unumgänglich, um den vermeintlichen Spuk der „brennenden Mägdelein“ in ihrer Kirche sowie das Verschwinden zweier Mädchen aufzuklären. Nur so kann sie die befürchtete Gefahr von Flo abwenden. Doch dadurch begibt sie sich in einen Strudel aus Märtyrersage, Tradition, Glaube und Weltlichkeit, der letztendlich für sie und Flo lebensbedrohend wird … Weiterlesen

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