Joan Sales: Flüchtiger Glanz (1956)

Sales_24910_MR.inddDer Hanser-Verlag traut sich in diesem Herbst an einen 570-Seiten-Wälzer, der ihm womöglich nicht die ganz hohen Auflagenzahlen bescheren wird, ist sein vordergründiges Thema – der spanische Bürgerkrieg – doch mittlerweile arg weit weg, zumal für deutsche Leser: Joan Sales‘ „Flüchtiger Glanz“.

Und doch gilt gerade dieses Werk, das im katalanischen Original zuerst 1956 erschienen ist, und nun also endlich auf Deutsch vorliegt, vielen Literaturkennern als einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Zum einen verleiht er der in diesem Krieg unterlegenen republikanischen Seite erstmals eine Stimme, zum anderen ist der Krieg über weite Strecken lediglich Hintergrund-Kulisse. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Guy de Maupassant: Auf See (1888)

guyEine Urlaubszeit kann vieles sein. Für Guy de Maupassant (1850 – 1893) ist es eine Flucht vor den Menschen und einem tief sitzenden Lebensekel. Denn allem, was irgendwie nach Beziehung riecht, möchte er aus dem Weg gehen, bis ihn wieder die Neugier packt und er auf dem Festland nach geistiger Nahrung sucht. Es entsteht ein Spiel mit dem Feuer, auf das de Maupassant weder verzichten noch von ihm lassen kann.
„…Anscheinend kann es keine Bekanntschaften geben, die keine Verpflichtungen, Empfindlichkeiten und einen gewissen Grad von Knechtschaft nach sich ziehen. Kaum hat man den Höflichkeiten eines Unbekannten ein Lächeln geschenkt, hat dieser Unbekannte einem etwas voraus, sorgt sich um das, was man tut, und wirft einem vor, ihn zu vernachlässigen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

David Herbert Lawrence: Der Mann, der Inseln liebte (1928)

mannBenjamin Lebert hat D. H. Lawrences Klassiker neu übersetzt und zusätzlich mit einem Vorwort versehen.
Sich zurückziehen von der Welt, alles Profane hinter sich lassen um auf einer einsamen Insel mit zuvor ausgewählten Menschen zusammenzuleben, der Natur und dem Ich ganz Nahe sein, sich selbst entdecken – dieses Exempel statuiert der Mann, der Inseln liebte.

Der Mann der Inseln liebte, liebt vor allem die Einsamkeit, die Natur und das Meer. Er kauft zwei unbewohnte Inseln. Eine größere und eine kleinere, die von der größeren Insel aus gut zu sehen und zu erreichen ist.
Auf der größeren Insel versucht er sich ein Paradies nach seinen Vorstellungen zu errichten. Anfangs scheint er glücklich zu sein auf seiner Inselwelt. Doch bereits nach einem Jahr muss er sich eingestehen, dass sein Leben so keine Zukunft hat – die Insel mit all den Menschen und den Annehmlichkeiten die diese nach seinen Weisungen geschaffen haben, ist auf Dauer nicht finanzierbar. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Richard Hughes: In Bedrängnis (1938)

bedIm Grunde genommen braucht ein Autor nicht viele Zutaten, um einen packenden und zugleich informativen Roman zu schreiben.
Richard Hughes benötigt für seine Abenteuergeschichte „In Bedrängnis“ lediglich ein Dampferschiff auf hoher See und einen in die Quere kommenden, gigantischen Hurrikan.
Zunächst sah es für den unscheinbaren und erfahrenen Kapitän Edwardes so aus, als könne er das angekündigte Unwetter umschiffen. Jedoch jedes noch so raffinierte Ausweichmanöver hilft nicht, als ein zweiter, bisher unerkannter Hurrikan das Dampfschiff mit sich reißt. Die Macht des Wassers und des Windes haben ihre eigenen Regeln. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Juri Rytchëu: Traum im Polarnebel (1968)

juriIn der Regel wollen Abenteuer bestanden werden. Ein bisschen Nervenkitzel, ein wenig Lebensgefahr und zum Finale wird vor einem geeigneten Publikum der Wagemut zelebriert. In geselliger Runde und gegebenenfalls zum Zwecke der eigenen Vermarktung steht der Abenteurer als ganzer Kerl im Zentrum der Bewunderung. Im optimalen Fall sieht man ihn als Trendsetter oder Vorbild an.
Der Kanadier John reist 1910 per Schiff in die Arktis. Die Welt aus Eis und Polarkälte nimmt ihn schließlich gefangen, als Packeis das Schiff umschließt. Mit Sprengladungen soll es befreit werden. Doch der Versuch geht in jeder Hinsicht schief und dies nicht nur weil Johns Finger zerfetzt werden. Von den Einheimischen, den Enmynern, ist zu erfahren, dass der Weg zum nächsten Arzt dreißig Tage dauern wird. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Henry David Thoreau: Walden: oder Leben in den Wäldern (1854)

waldThoreaus Buch „Walden“ wurde 1854 erstmals veröffentlicht und erscheint heute, in unserer schnelllebigen Gesellschaft, in der die Menschen nach Entschleunigung und Rückbesinnung auf alte Werte lechzen, aktueller denn je. Fast unwirklich mutet es an, dass Thoreau bereits im Jahr 1845 den Wunsch verspürte, vor der jungen aufstrebenden Industrialisierung in den USA zu flüchten, um sich fern der Zivilisation, fern der Massen, unter asketischen Bedingungen einen Weg zur Selbstverwirklichung zu suchen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Evelyn Waugh: Lust und Laster (1930)

eveDer Schweizer Diogenes-Verlag setzt seine Evelyn-Waugh-Reihe mit einem frühen Werk des exzentrischen englischen Autors (1903-1966) fort: „Lust und Laster“, ein Roman aus dem Jahre 1930.

In teils überdrehter Manier wird die oberflächliche englische Spaßgesellschaft der 20er-Jahre portraitiert. Man betrinkt sich, rennt von Party zu Party, und die schlimmste Katastrophe, die passieren kann, ist, zu einem wichtigen gesellschaftlichen Event nicht eingeladen zu werden. Heiratsversprechen haben nichts Bindendes, wer Geld hat, gibt es mit vollen Händen (meist für Alkohol) aus. Erst ein Unfall bei einem Autorennen und der Ausbruch eines (fiktiven) Krieges ändern die Verhältnisse. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Daniel Defoe: Kapitän Singelton (1720)

bobBob Singelton ist ein Kind reicher Eltern und lebt in London. Als kleiner Junge wird er entführt und arbeitet nach einigen Jahren und Umwegen auf einem Überseeschiff, auf dem er ohne Heuer arbeiten muss. Eines Tages veranlassen rebellische Matrosen den Kapitän zu drastischen Maßnahmen. Dieser verbannt in einem kurzen Prozeß eine Handvoll der vermeintlichen Anführer auf eine Insel. Darunter befindet sich auch Bob. Zum Glück der Ausgesetzten setzen sich noch weitere Matrosen ab, um ihren Kameraden zur Seite zu stehen. Als Gruppe rechnen sie sich eine größere Überlebenschance in der Wildnis aus. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz (1943)

prinz1943 ließ Antoine de Saint-Exupéry seinen „Kleinen Prinzen“ in der Wüste bruchlanden. Die erste deutsche Übersetzung kam sieben Jahre später heraus. Hans Magnus Enzensberger hat das Märchen nun neu übersetzt. In einer moderneren und für Kinder leichter verständlichen Sprache erzählt die Fassung von der Reise zu den Asteroiden. Die Illustrationen von Saint-Exupéry sind in diesem Taschenbuch alle erhalten.
Die Modernisierung ist weitgehend gelungen. Nur schade, dass der berühmtestes Satz des Buches „Man sieht nur mit dem Herzen wirklich gut“ nicht erhalten geblieben ist. „Man begreift nichts, wenn das Herz nicht dabei ist“, sagt der Fuchs bei Enzensberger. Und das ist längst nicht so schön.

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz (1943).
dtv, Februar 2015.
128 Seiten, Taschenbuch, 5,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jack London: König Alkohol (1913)

jackEs gibt unterschiedliche Thesen, wie eine Gesellschaft, insbesondere die Männergesellschaft funktioniert. Für Jack London (1876 – 1916) ist der wahre Treibstoff einer Gesellschaft der Alkohol.
Zum ersten Mal lernte Jack London die Wirkung des Alkohols im Alter von fünf Jahren kennen, als er seinem Vater an einem Sommertag einen Eimer Bier bringen sollte. Hitze und Durst hatten ihn dazu verleitet, buchstäblich über den Durst zu trinken. Seine zweite Alkoholvergiftung hatte er mit neun Jahren nach einer Tanzveranstaltung, auf der jeder Junge seine Männlichkeit unter Beweis stellen sollte. Über viele Jahre konnte er dem Geschmack von Alkohol nichts abgewinnen, jedoch sah er im gesellschaftlichen Trinken auch Vorteile. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: