Max Goldammer: Feind des Volkes

Der Untertitel auf dem Buchumschlag war schon ein kleiner Schock. „Max Hellers letzter Fall“. Was wird passieren? Hat Max sich jetzt derart verrannt, dass er doch noch in Bautzen landet? Wird er einfach in Rente gehen – doch nicht Max, dem die Gerechtigkeit so am Herzen liegt. Wird er gar von einem Täter ermordet werden? Durch viele Bände hindurch haben wir Max Heller durch das Dresden der Nachkriegszeit begleitet, was wird jetzt aus ihm werden?

Während des größten Teils des Romans scheint all das möglich zu sein. Je älter er wird, desto weniger ist Hauptmann Max Heller bereit, an den passenden Stellen den Mund zu halten. Er fühlt sich in seinen Ermittlungen behindert, immer wieder wird er gezwungen, Rücksichten zu nehmen. Seiner Adoptivtochter Anni wird das Studium trotz hervorragender schulischer Leistungen verweigert. Sie stamme nicht aus einer Arbeiterfamilie ist die offizielle Begründung, aber Max ahnt anderes, die Familie ist eher nicht systemtreu genug. Seine Frau Karin bereut inzwischen zutiefst, dass sie nicht damals in den Westen zu ihrem geflohenen Sohn gegangen sind, als die Grenzen noch nicht ganz so dicht und die Gelegenheit da war. Weiterlesen →

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Susanne Thomas: In Zeiten des Tulpenwahns

„Die meisten der Gesichter waren ihm von seinen früheren Besuchen wohl bekannt. Verbrachten sie den ganzen Tag im Collegium? … Es war eine seltsame Profession, die nichts schuf und keinen Dienst verrichtete, die sich damit begnügte, durch den Kauf und Verkauf Geld scheinbar aus dem Nichts zu schöpfen.“ (S. 326 e-Book)

Der alte Gärtner und Witwer Nicolaes glaubt, er könne mit seiner wertvollen Tulpensammlung reich werden. Bisher waren ihm die Tulpen im Garten lieber als gefüllte Taschen. Doch für seine schöne Tochter Margriet will er es ändern. Sie liebt den jungen Adeligen Frans. Normalerweise wäre eine eheliche Verbindung der beiden unmöglich. Doch weil Frans Vater verschuldet ist, zeigt dieser sich kompromissbereit. Der Besitzer einer wertvollen Tulpensammlung soll ihm eine extrem hohe Mitgift zahlen. Ohne dass Frans und Margriet es ahnen, steht ihre Sehnsucht nach Glück und Liebe anderen im Weg.

Susanne Thomas hat in ihrem historischen Roman die brutale Seite des Handels aufgearbeitet und am Beispiel zweier Liebender und ihrer Familien in Szene gesetzt. Bei möglichen Gewinnmargen wird gern die Schattenseite von Angebot und Nachfrage und erst recht vergangene Auswüchse beim Handel mit Blumenzwiebeln ausgeblendet. Dem Tulpenwahn in den Niederlanden von 1636/1637 folgten noch viele andere, zuletzt 1912. Weiterlesen →

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Anne Stern: Meine Freundin Lotte

Die Autorin und promovierte Germanistin Anne Stern hat sich bisher schon in einigen Romanen dem Berliner Leben in der Zeit von 1920 bis 1930 gewidmet. Es war eine Epoche, die mit den Goldenen Zwanziger umschrieben wird. Sie begannen mit Hunger und tiefer Not und endeten mit der Wirtschaftskrise, in der die Nationalsozialisten einflussreich wurden. Insbesondere das Leben der Frauen zeigte weitreichende Veränderungen: Korsett und lange Röcke wichen einer legeren Kleidung und Kurzhaarfrisuren, die endlich Bewegungsfreiheit erlaubten. Der erfolgreiche Kampf um das Frauenwahlrecht (1918) führte zu mehr Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Studentinnen und Künstlerinnen drangen in eine starre Männerdomäne. Vor diesem gesellschaftlichen, politischen Hintergrund konzentriert sich die Autorin auf die damals lebende Künstlerin Lotte Laserstein. Ihr Aufbruch in die Unabhängigkeit und erste Erfolge geben ein Beispiel für den Begriff der verlorenen Generation. Und wie alle Juden befindet sich auch Lotte in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in großer Gefahr, die sie lange ignorierte. Weiterlesen →

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Titus Müller: Die fremde Spionin

1961 ist die DDR noch nicht abgeriegelt. West- und Ostberlin verkehren noch selbstverständlich miteinander. Aber es gibt sie schon, die fremde Denkweise in Ost und West. Die Konkurrenz, die sich an technischen Spielereien austobt und doch eine Konkurrenz der Systeme ist. Und es gibt sie auch  schon, die beiden Geheimdienste, die ständig im Wettstreit stehen und doch häufiger als geahnt die gleichen Spieler aufgestellt haben.

In dieser Welt lebt Ria. Schon ihre Eltern waren dem DDR-Regime nicht genehm, aber viel schlimmer ist, dass Ria im Alter von gerade 10 Jahren ihre Familie verlor. Die Eltern verhaftet, sie selbst und ihre kleine Schwester in getrennten Pflegefamilien untergebracht, ohne jeden Kontakt zueinander. Ihre Chance zur Rache erhält sie, als der BND sie rekrutiert. Ihre Chance zur Rache und vielleicht sogar die Gelegenheit, ihre Schwester endlich wieder zu finden.

Ria arbeitet im Ministerium für Außenhandel, dort soll sie für den BND spionieren, aber auch die Stasi hat bereits ein Auge auf die intelligente junge Frau geworfen. Der Agent Sorokin ist ihr auf den Fersen, hat jedoch auch schwer mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Denn er ist verliebt. Undenkbar für einen Agenten mit Killerauftrag. Aber es ist so und Sorokin versucht alles Legale und Illegale, um die junge Frau und sein Baby zu beschützen und heiraten zu dürfen. Weiterlesen →

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Andreas Izquierdo: Revolution der Träume

Die langersehnte Fortsetzung eines meiner Lieblingsbücher des vergangenen Jahres „Schatten der Welt“. Die Handlung schließt fast nahtlos an den Vorgängerband an, beginnt im November 1918, mit der Absetzung des deutschen Kaisers und der Ausrufung der Republik.

Vorangeschickt sei der Hinweis, dass manches in dieser Fortsetzung ohne die Kenntnis des ersten Bandes nur teilweise verständlich ist. Die Vorgeschichte der drei Protagonisten bedingt ihr Handeln in der Nachkriegszeit entscheidend, genau wie die Begegnungen mit ihren alten Freunden und Feinden. Es wird einiges aus dem ersten Teil erwähnt, aber in angenehm unaufdringlicher Weise.

Die drei Freunde Carl, Artur und Isi treffen sich in Berlin, teils unverhofft, teils nach langer Suche. Artur ist schwer gezeichnet von Kriegsverletzungen, hat sich aber bereits einen Namen in der Berliner Unterwelt gemacht und folgt somit dem ihm schon seit der Kindheit vorgezeichneten Weg. Isi ist die gleiche Ungestüme, Rebellische geblieben und beteiligt sich mit großer Begeisterung und noch mehr Zorn an der Revolution, besorgt Waffen, beschützt Revolutionäre und vertraut dabei immer auf die Hilfe von Artur. Carl, wie immer schüchtern, unsicher und ängstlich, findet eine Anstellung bei der UFA, eine neue Liebe, die er gleich wieder verliert und wird zum Beschützer eines kleinen Jungen. Weiterlesen →

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Helene Sommerfeld: Die Polizeiärztin 01: Das Leben ein ewiger Traum

Der Markt wird ja gerade überschwemmt von Romanen aus den 20ern und 30ern des 20. Jahrhunderts und seit den Erfolgen von Gereon Rath nimmt auch die Anzahl der Polizeiromane unaufhörlich zu. An diesem Roman hätte mich eigentlich alles abschrecken müssen. Der Name der Autorin und der Titel hören sich in der Kombination verdächtig nach leichter Romance-Kost an, das Cover macht es nicht besser.  Ich habe so manchen als Historischen Roman verkleideten Arztroman in den letzten Jahren frustriert nach den ersten Seiten aufgegeben. Irgendwie bin ich trotzdem an das Buch geraten und muss gestehen, ich habe mich getäuscht. Das Buch ist toll.

Magdas Mann wird getötet, sie verliert danach ihr erstes Kind und es muss ein Neuanfang her. Magda ist selbst Ärztin und bewirbt sich auf eine Anzeige der Berliner Polizei, ohne so ganz genau zu wissen, was das eigentlich ist, eine Polizeiärztin. So springt sie auch ziemlich ins kalte Wasser. Kommt in Berlin an und wird gleich zu ihrem ersten Fall geschickt. Nein, sie ist keine Forensikerin, ihre Aufgabe soll es sein, sich um die betroffenen Frauen und Kinder zu kümmern. Manchmal nur um die Kinder, wenn die Frau das Opfer ist. Sehr schnell begreift sie, zu welchen Taten Mensch in ihrem Elend fähig sind, und dass es immer Kinder gibt, die dabei leiden, selbst wenn sie gar nicht betroffen scheinen.

Magda lernt die Fürsorgerin Ina kennen und reißt diese aus einer Lethargie, die der Frust ihrer Arbeit in vielen Jahren mit sich gebracht hat. Gemeinsam wollen sie die Welt verbessern, soweit sie das in ihren beschränkten Rollen können. Weiterlesen →

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Anne Stern: Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt

Hulda Gold hat mit Ende zwanzig ein Alter erreicht, in dem die meisten Frauen in einer Ehe mit Kindern angekommen sind. Im Juli 1924 genießt die Berlinerin nicht nur den Sommer. Endlich verfügt sie dank ihrer neuen Stelle über ein regelmäßiges Einkommen. Doch dieser monetäre Vorteil wiegt die Nachteile kaum auf. Abgesehen von dem höheren Arbeitspensum in der Frauenklinik darf die routinierte Hebamme nur zusehen, wie Ärzte und Praktikanten die Geburt begleiten. Auch wenn ihr die Entscheidungen der Oberärzte nicht immer gefallen, weil sie zu Lasten von Mutter und Kind gehen, muss sie ihre Weisungen akzeptieren.

Ihr niedriger Rang in der Krankenhaushierarchie passt so gar nicht zu Huldas eigenständigem Denken und Handeln. Viel zu schnell begreift sie, dass sie ihre Freiheiten als selbständige Hebamme für ein besseres Gehalt verkauft hat.

Anne Stern hat mit ihrem dritten Roman über Fräulein Gold wieder eine spannende und informative Unterhaltung gezaubert. Ihrem Thema Frauenrechte ist sie treu geblieben. An vielen Beispielen zeigt sie, wie verheiratete Frauen ihre Entscheidungsfreiheit abgegeben haben, während alleinstehende Frauen um gesellschaftliche Anerkennung kämpfen. Weiterlesen →

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Ian McGuire: Der Abstinent

In seinem historischen Thriller „Der Abstinent“ führt uns der britische Autor Ian McGuire tief ins 19. Jahrhundert. Im Manchester des Jahres 1867 tobt die Auseinandersetzung zwischen der englischen Polizei und den irischen Unabhängigkeitskämpfern, den „Fenians“.

Hauptkontrahenten sind der irischstämmige Polizist James O‘Connor und der zwielichtige Stephen Doyle, der eigens aus Amerika angereist ist, um in England Stunk zu machen. Schon bald gelingt ihm das.

Der Roman des 1964 geborenen Autors besticht durch seine düstere Atmosphäre. Wir werden gleich auf den ersten Seiten Zeugen einer grausamen Hinrichtung, beobachten einen brutalen Wettkampf, bei dem Hunde möglichst viele Ratten töten müssen, betrinken uns in Pubs, arbeiten in einer stinkenden Gerberei und begleiten eine Hure auf ihr Zimmer. Weiterlesen →

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Sabine Friedrich: Was sich lohnt

Wie soll man ein Buch rezensieren, das sich mit historischen Figuren und historischen Ereignissen befasst, auch wenn es vordergründig als Roman erscheint? Noch schwieriger wird es, wenn es sich bei den Ereignissen um den Widerstand gegen die Nationalsozialisten in den 30er und 40 Jahren des letzten Jahrhunderts handelt. Denn die Handlung entzieht sich von vornherein einer Bewertung. Bleibt also, den Stil der Autorin zu betrachten.

Der vorliegende Roman ist der zweite Band einer Trilogie um den Deutschen Widerstand. Dabei konzentriert sich die Autorin insbesondere auf die Familien respektive die Ehefrauen der Widerständler. Leider habe ich den ersten Band nicht gelesen, das mindert aber weder Verständnis noch Wirkung dieses Romans.

Geschildert werden die Ereignisse beginnend 1912 bis Ende 1943. Die Leserin wird mitgenommen auf die Familiensitze der, oft adligen, Protagonisten. Deren Namen jeder kennt oder kennen sollte: Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Helmuth James Graf von Moltke, Peter Yorck Graf von Wartenberg oder Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, um nur einige zu nennen. Wir lernen diese Männer kennen als Schulbuben, als Gymnasiasten und Studenten, wir begleiten sie auf Brautschau und belauschen sie bei Familienfeiern. Und immer wieder führen sie heftige, streitbare und tiefgründige Diskussionen über die Lage im Land, die politische zumeist, aber auch die wirtschaftliche oder soziale. Weiterlesen →

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Susanne Goga: Das Geheimnis der Themse

Zu diesem historischen Roman der Mönchengladbacher Autorin gibt es einen Vorgängerband mit dem Titel „Der verbotene Fluss“, den ich leider nicht gelesen habe. Doch auch ohne diese Vorgeschichte zu kennen, kann man das neue Buch verstehen und genießen. So man denn diese Romangattung mag.

Charlotte, eine junge Deutsche, ist seit zwei Jahren mit Tom verheiratet. Sie hat vor der Ehe als Gouvernante gearbeitet, er ist Autor und Rezensent von Theateraufführungen. Die beiden leben im London des Jahres 1894. Charlotte ist eine Frau mit einem für diese Zeit sehr ausgeprägten Unabhängigkeitsdrang. Sie hat durchaus ihren eigenen Kopf und sieht ihre künftige Rolle nicht ausschließlich als Ehefrau und Mutter. Wobei letzteres aktuell nicht zur Debatte steht, denn sie und Tom warten immer noch auf Nachwuchs, den sich vor allem Tom sehnlichst wünscht. Diese ungewollte Kinderlosigkeit ist eines der beiden Hauptthemen des Romans. Was natürlich vor dem Hintergrund der Zeit, in der der Roman spielt, besonders interessant ist.

Vorrangig geht es allerdings um Magie, Mystik und allerlei Geheimbünde, die in London existieren. Als eine junge Frau tot am Ufer der Themse gefunden wird und in der Nähe der Leiche offensichtlich ein Pentagramm aus Kerzen aufgebaut war, beginnen Charlotte und Tom nachzuforschen. Weiterlesen →

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