Colum McCann: Twist

Colum McCanns neuer Roman „Twist“ beschäftigt sich mit der Reparatur von Unterwasserkabeln, die weltweit Internetdienste bereitstellen. Die Geschichte spielt auf einem Reparaturschiff, der „Georges Lecointe“, das durch die Tiefsee kreuzt, um beschädigte Kabel zu reparieren. Der Journalist Fennell ist an Bord, um eine Reportage über Kommunikation und ihre Störungen zu schreiben, was ihn in einen Konflikt mit dem wortkargen Missionschef John Conway verwickelt.

Die Passagen über Unterwasserkabel und ihre Reparatur sind faszinierend. McCann beschreibt das Leben auf einem Schiff und die Herausforderungen der Tiefseekabelreparatur mit großer Detailtreue.
Allerdings bieten die psychisch labilen Charaktere wenig Identifikationspotenzial. Conways Motivationen für sein widersprüchliches Handeln sind ebenso wenig nachvollziehbar wie die Besessenheit des Ich-Erzählers von ihm. Auch die Beziehung Conways zu seiner Partnerin Zanele, einer aufstrebenden Schauspielerin, bleibt mysteriös und unvollständig entwickelt.

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Alice Kellen: The Map of Longing

Grace existiert aus einem Grund: Sie sollte das Leben ihrer krebskranken Schwester retten. Nach deren Tod weiß sie nicht mehr, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, hat mit Selbstzweifeln zu kämpfen und sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eines Tages ein Spiel mit Aufgaben erhält, dass sich ihre Schwester vor dem Tod ausdachte. Den Anweisungen folgend sucht Grace nun nach einem Fremden namens Will, dieser ist geheimnisvoll und dennoch spürt sie eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Gemeinsam folgen sie nun der Karte und begeben sich auf eine Reise voller Schmerz, neuen Möglichkeiten und vergessenen Träumen …

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Susanne Gregor: Halbe Leben

Zwei Frauen, die das Leben zusammenführt und die trotzdem nicht zusammenkommen

Klaras Mutter Irene hatte einen Schlaganfall und braucht Betreuung. Paulína kommt ins Haus, wird Teil der Familie, wird immer mehr vereinnahmt. Dafür lässt sie ihre eigene Familie, ihre Söhne, in der Slowakei zurück.

Immer für zwei Wochen kommt Paulína zu Klara und Jakob und ihrer Tochter Ada, um sich um Irene zu kümmern. Wenn sie dann für zwei Wochen zurückfährt in ihre Heimat, zu ihren Kindern, kommt Radek. Doch mit ihm werden Klara und Jakob nicht warm. Paulína hingegen übernimmt immer mehr Aufgaben, putzt, räumt auf, muss sich irgendwann um den neuen Hund kümmern.

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Aria Aber: Good Girl

Elektrisierend, kaleidoskopisch, poetisch-deep – aber auch langatmig & politisch

Wenn es nicht schon Raven Leilani gesagt hätte, wären meine ersten Worte zu diesem Roman wohl ähnlich ausgefallen: „Kaleidoskopisch … reich an Stil und Schönheit.“ Doch die 397 Seiten fühlten sich für mich mindestens 100 Seiten zu lang an – und teilweise leider auch zu politisch.

Aria Abers Debütroman „Good Girl“ erzählt die Geschichte der 19-jährigen Nila, Tochter afghanischer Flüchtlinge, und ihres Jahres in den Nachtclubs des hedonistischen Berlins der 2000er.

Eine vibrierende Story über Liebe, Familie und Herkunft, über die Techno-Szene, Drogen, Kafka und Lügen – darüber, wie man nächtelang durchmacht und die Fehler der Jugend in einer traditionellen Familie überlebt.

„[…] und ich wurde von dem Drang zerfressen, mein Leben zu ruinieren.“ (S. 9)

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Kyra Groh: Fake Dates and Fireworks

Becca und Nils haben sich vor zehn Jahren kennengelernt und schlafen seitdem in der Silvesternacht immer miteinander. Zum Jubiläum, lädt Becca Nils in ein Luxus-Chalet ein und will ihm da endlich ihre Liebe gestehen. Doch alles kommt anders, denn er reist mit seiner zuvor nie erwähnten Verlobten an und aus ihrer Not bittet Becca Raphael, der ebenfalls Urlaub hier macht, ihren Fake-Freund zu mimen. Eigentlich kann sie ihn nicht leiden, denn er ist ein verhasster Onkel eines Kita-Kindes oder ist er etwa doch ganz anders?

Schon von Anfang an fühlte ich mich wohl in der Geschichte, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Es lässt sich gut und flüssig lesen und ehe man sich versah, hatte man es beendet. Die Konversationen zwischen den einzelnen Charakteren waren Goldwert, mit viel Humor und tollen Schlagabtauschen punktet die Autorin hier.

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Erika Pluhar: Spät aber doch

Die Sängerin und Künstlerin Luisa trifft nach siebzig Jahren ihren Schwarm aus der Tanzschule wieder. Heinrich Schober ist immer noch ein attraktiver Mann, wenn auch geplagt von Herzproblemen. Er hat explizit nach Luisa gesucht, um Kontakt mit ihr aufzunehmen und zu klären, warum sie damals sang- und klanglos vor ihm davongelaufen ist. Beide waren doch verliebt ineinander. Als Heinrich aber eine erste gemeinsame Nacht arrangierte, flüchtete Luisa auf Nimmerwiedersehen. Ein Umstand, der Heinrich sein ganzes Leben lang begleitet. Er hat mehrere Kinder von verschiedenen Frauen, ist aber nie eine tragfähige Beziehung eingegangen. Jetzt, nach ihrem Wiedersehen, besucht er in regelmäßigen Abständen Luisa, die allein und unterstützt von einer Haushälterin ein prächtiges Haus bewohnt. Sie reden viel miteinander, rollen die alten Zeiten auf, analysieren, was damals passiert ist, plaudern über gegenwärtige Zustände und politische Ereignisse und immer wieder über das Altern. Letztendlich stellen sie „spät aber doch“ fest, dass sie einander lieben.

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Susann Pásztor: Von hier aus weiter

Plötzlich allein

Marlene verliert nach dreißig Ehejahren ihren Mann Rolf. Sein Tod kommt nicht überraschend. Nach einer quälenden Krankheitsphase bestimmt Rolf eigenmächtig und im Einvernehmen mit Marlene seinen Todestag. Als Arzt verfügt er über die entsprechenden Medikamente, die ihm diesen Schritt ermöglichen. Doch Rolf hält sich nicht genau an die Abmachung, die er mit Marlene getroffen hat. Ursprünglich wollte auch Marlene zusammen mit ihrem Mann aus dem Leben scheiden. Allein, ohne Rolf weiterleben zu müssen, hatte sie sich nicht vorstellen können.

So erlebt sie Rolfs Tod nun wie einen Verrat an sich. Alles, was sie fühlt, ist anstatt der Trauer um einen geliebten Menschen nur Wut, innere Leere und Einsamkeit.

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Clara Arnaud: Im Tal der Bärin

Jules fragt sich, ob er seine Mutter und Heimat eines Tages wiedersehen wird, „… und ein Zweifel überkommt ihn. Dann sucht er die tröstende Wärme der Wolle und versucht, die aufkommende Nostalgie und Schwermut zu verscheuchen.“ (S. 340)

Die vertikalen Landschaften seiner Jugend, die „ … Trois Reines und den Mont Calme, Riesen, die man da, wo er herkommt, mit Respekt betrachtet“, hat Jules unter anderem für die New Yorker Häuserschluchten verlassen. „Die Stadt erscheint ihm dreckig und brutal.“ (S. 340 und S. 341)

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Brittainy Cherry: Wie die Luft zum Atmen

Die Geschichte dreht sich um zwei verletzte Seelen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – zumindest auf den ersten Blick.

Elizabeth und Tristan haben beide ein Trauma erlebt, bei denen sie geliebte Menschen verloren haben. Doch auch wenn sie aus unterschiedlichen Welten kommen, merken sie, dass sie einander helfen könnten und Elizabeth hört nicht auf alle, die sie von dem tätowierten Typen warnen, denn sie ahnt, in ihm steckt noch so viel mehr.

Die Autorin hat so viel Tiefe in diese Geschichte gepackt und durch dieses Buch ist sie zu einer meiner liebsten New Adult Autorin geworden.

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Willi Achten: Die Einmaligkeit des Lebens

Der deutsche Schriftsteller Willi Achten, geboren 1958, hat mit „Die Einmaligkeit des Lebens“ einen Roman geschaffen, der sich intensiv mit den Themen Nähe, Ohnmacht und dem Abschied beschäftigt. Die Geschichte dreht sich um die Brüder Simon und Vinzenz, deren lebenslange Bindung durch eine Vielzahl von Erinnerungen geprägt ist.

Geschickt eingeflochtene Rückblenden lassen bestimmte vergangene Momente lebendig werden, die die Beziehung der Brüder geprägt haben. Die Episode aus der Osterwoche 1988, in der Simon in einem Akt der Rebellion den Judas von einem berühmten Schnitzaltar reißt, ist dabei besonders eindrücklich. Diese Szene illustriert nicht nur die jugendliche Impulsivität Simons, sondern auch die schützende Rolle, die Vinzenz für seinen jüngeren Bruder einnimmt.

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