Caroline O’Donoghue: Die Sache mit Rachel

Ist es das, was heutzutage als großartige Literatur gilt?

Endlich habe ich dieses Buch beendet – ein Roman, der mich nicht begeistern konnte. 

Schade, denn das Cover versprach mir doch: ‚Ein verdammter Knaller, ein brillanter Roman!‚ (Dolly Alderton).

Ist er lesenswert? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich war es weder ein Knaller noch überzeugend.

Der Hype um diese verworrene Coming-of-Age-Geschichte über das chaotische Leben von Rachel und ihrem besten Freund James geht völlig an mir vorbei.

Für mich hat es sich weder witzig noch charmant angefühlt, sondern eher deprimierend. Die begeisterten Kritiken irritieren mich dezent. Vielleicht verstehe ich den irischen Humor einfach nicht?

Ich war auf dem Weg, eine dieser scharfen jungen Diskutantinnen zu werden, die ganz berauscht sind von der eigenen Fähigkeit, eine Meinung zu plagiieren.“ (S. 62)

„Die Sache mit Rachel“ ist eine charakterorientierte Geschichte, aber die Charaktere selbst bleiben ziemlich oberflächlich, sodass die Handlung zwangsläufig an Tiefe verliert. Das Werk schafft es nicht, wirklich zu packen und leidet unter großen Spannungsproblemen, da selten viel auf dem Spiel steht. Das macht die Erzählweise langsam, schleppend und zeitweise extrem langweilig.

Gelegentlich funkelte durch die oberflächliche Brillanz dann doch ein Hauch von Reflexion und Tiefenschärfe hindurch, und ich konnte mich dem Spiel der Worte hingeben.

Die Dynamik zwischen Rachel und James bietet eine interessante Perspektive darauf, wie Freundschaften in den frühen Zwanzigern aussehen können. Aber damit Freundschaften funktionieren, braucht es Persönlichkeit.

Innerhalb eines Monats wurde ich von James auf geradezu molekularer Ebene eingenommen, und meine Persönlichkeit formte sich um ihn, wann immer es Raum dafür gab.“ (S. 23)

Denn die Sache mit Rachel ist, dass sie als Protagonistin ziemlich eindimensional und langweilig gezeichnet ist. Das Leben ihres besten Freundes James ist dagegen viel spannender. Ich hätte mir eine Geschichte aus der Sicht von James gewünscht.

Der Kontrast zwischen den Erzählebenen der erwachsenen und der jungen Rachel war nicht scharf genug herausgearbeitet. Dies bringt die Handlung nicht voran und gibt auch keinen tieferen Einblick in ihre Charakterentwicklung und ihr Wachstum.

Im Vergleich zu anderen Büchern zog sich dieses für mich endlos in die Länge. Es konnte meine Aufmerksamkeit nie ganz fesseln.

Dieses Buch liest sich nicht schnell weg, ist aber leider umso schneller wieder vergessen. Von mir gibt es neutrale drei Sterne.

Caroline O’Donoghue: Die Sache mit Rachel
Aus dem Englischen übersetzt von Christian Lux.
Kiepenheuer & Witsch, Juli 2024
400 Seiten, Hardcover, 24,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Olivia Grove.

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