Linwood Barclay: Komm spielen

Sympathetische Magie: Die okkulte Idee hinter „Komm spielen“

Deshalb fühlen sich manche Bücher, Gemälde oder Musikstücke „größer“ an als bloße Unterhaltung. Als würde etwas darin wohnen.

Einige Passagen wirken hier auf mich fast wie eine moderne literarische Version alter magischer Prinzipien, nur verpackt in Horrorästhetik.

Denn „Komm spielen“ funktioniert für mich persönlich deshalb so gut, weil der Horror hier nicht einfach aus einer „bösen Modelleisenbahn“ entsteht, sondern aus der zutiefst okkulten Idee, dass Dinge menschliche Essenz speichern und irgendwann ein Eigenleben entwickeln können. Darüber, wie Kunst, Erinnerung und beseelte Materie irgendwann anfangen, sich gegenseitig zu infizieren.

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Anne Freytag: Laute Nächte

Für das, was erst später wehtut

Wie habe ich mich beim Lesen gefühlt?

„Kenni. Dieser Roman hat gedauert. Und er hat mich Nerven gekostet. Mich traurig gemacht, mich weinen lassen, mich verärgert – und am Ende dann versöhnt. Kenni, du hast es uns beiden nicht leicht gemacht. Du wolltest, aber es ging nicht. Und ich wollte, aber es ging nicht.“ (Zitat aus der Danksagung von Anne Freytag, S. 318)

Ja, exakt so habe ich mich gefühlt. Dieses Buch war kein Sog. Es war ein Ringen. Mit dir, Kenni. Mit mir.
Mit allem, was zwischen den Zeilen passiert und oft eben nicht passiert. So introspektiv, dass man sich manchmal darin verliert. Ich wollte rein. Wirklich. Aber es ging nicht immer. Und genau das ist vielleicht schon die ehrlichste Beschreibung dieses Romans.

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Jason Rekulak: Dein letztes Fest

Am Ende war mir alles egal.

Ich kann immer noch nicht glauben, dass das derselbe Autor ist wie von „Schlafenszeit“!

Mal ehrlich: Was muss schiefgehen, damit ein Thriller sein größtes Versprechen bricht … und ich am Ende nicht einmal mehr wissen will, wie er ausgeht?

Stell dich auf ein 427-seitiges Buch ein, bei dem du so oft die Augen verdrehst, dass du dich irgendwann fragst, warum du überhaupt noch weiterliest.

Die Ausgangsidee? Wirklich gut. Aber irgendwo auf dem Weg geht das komplett verloren. Spannung baut sich für mich nie so auf, dass sie trägt, und emotional hat mich das Ganze irgendwann einfach nicht mehr erreicht.

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Virginia Roberts Giuffre: Nobody’s Girl

Zwischen Zeugnis und Konstruktion

Virginia Giuffre nahm viele Ungeheuerlichkeiten mit ins Grab. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass je alles ans Licht kommt.

Ihr posthum erschienenes Nobody’s Girl: Meine Geschichte von Missbrauch und dem Kampf um Gerechtigkeit ist kein Enthüllungsbuch im klassischen Sinne. Es ist der Versuch, die eigene Geschichte zurückzuerobern.

Wie ihre Co-Autorin Amy Wallace schreibt:

„Sie wollte, dass die Welt erfährt, wer sie wirklich ist, damit Überlebende sexuellen Missbrauchs sich durch ihre Worte vielleicht weniger allein fühlen.“ (S. 10)

Virginia Giuffre beschreibt nicht nur, was Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell taten. Sie beschreibt, was es mit ihr machte. Und wie Manipulation lautlos beginnt.

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Axel Petermann: Die Psyche des Bösen

Starkes True Crime, brillante Fallanalysen – aber psychologisch unterkomplex

Das Buch verspricht Psychologie – liefert aber primär Kriminalistik.

„Denn das Böse ist nicht weit weg […]. Wer es verstehen will, muss den Mut haben, den Schlüssel in die Hand zu nehmen. Und wer ihn umdreht, der hört vielleicht das leise Klicken des Schlosses – das Geräusch einer Tür, die sich öffnet, in eine Welt, die uns mehr über uns selbst verrät, als uns lieb ist.“ (S. 12)

Die Psyche des Bösen – Im Kopf der Mörder ist für mich ein echter Page-Turner: abgründig, hochspannend und stilistisch präzise erzählt. Ich habe das Buch nicht einfach gelesen – es hat mich hineingezogen. Nicht aus Sensationslust, sondern aus dem Wunsch zu verstehen. Und aus dem Gefühl heraus, dass diese Geschichten uns wachsamer machen müssen. Anderen gegenüber. Und uns selbst.

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Darcy Coates: The Whispering Dead: Gravekeeper Band 01

Ganz nett

Und genau das ist leider das Problem. Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich. Denn obwohl alles da ist – Friedhof, Geister, düstere Atmosphäre, geheimnisvolle Protagonistin – bleibt „The Whispering Dead“ für mich zu vorhersehbar und austauschbar. Eher wie eine gemütliche Mystery-/Gruselgeschichte für Jugendliche.

Kieras Fähigkeit, Geister zu sehen, hätte bei mir eigentlich ein faszinierendes Kribbeln auslösen sollen, wirkt aber überraschend leblos und fühlt sich wie ein bekanntes Horror-Template an.

Slow Burn? Ja. Spannend? Nein. Gruselig? Auch nicht wirklich. Stattdessen weichgespült. Die Figuren wirken unreif, die Dialoge oft kitschig, die Handlung plätschert. Ich bin durch die Seiten gegangen, aber nie wirklich drin gewesen. Es bleibt nichts hängen. Keine Neugier auf Band 2, kein inneres „Ich muss wissen, wie es weitergeht“.

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Marcus Kliewer: Die Besucher: Wenn du sie hereinlässt, werden sie nie wieder gehen

Wenn die Realität verrutscht

Du scrollst nachts durch alte Reddit-Threads über urbane Legenden, und plötzlich klopft es an deiner Tür. Nicht aggressiv, sondern höflich, fast peinlich entschuldigend. Die Leute wollen nur mal „kurz reinschauen“.

Genau so fühlt sich die erste Hälfte von „Die Besucher“ an: ein People-Pleasing-Alptraum, gespeist aus Social Anxiety. Jede verschobene Lampe, jedes falsch erinnerte Geräusch, jeder Mandela-Moment lässt dich an deiner Wahrnehmung zweifeln.

Ich mochte auch die found-footage-artigen Paratexte: Forenposts, Archivdokumente, Karten und dieses Gefühl, in etwas Verbotenes reinzurutschen.

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Fabian Kowallik & Gamze Kılıçarslan: Das originale Gottesnahrung-Kochbuch

Zwischen Natur, Körperwissen & Rebellion

Dieses Buch will nicht gefallen. Es stellt Gewohnheiten infrage. Präzise und ohne Rücksicht auf deine Komfortzone. Es zielt auf all das, was du über „gesunde Ernährung“ zu wissen glaubst. Und ja: auf das, was wir unserem Körper über Jahre zugemutet haben.

Der Satz: „Wenn die Oma es nicht kennt, ist es ein verarbeitetes Lebensmittel und hat im menschlichen Organismus nichts zu suchen“ (S. 43) ist hier kein nostalgischer Spruch, sondern eine Anklage gegen industrielle Normalität. Eine, die uns zwingt, Ehrlichkeit und Verantwortung wieder über unsere Bequemlichkeit zu stellen.

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Jennette McCurdy: Half His Age

Rauschhaft, ehrlich, unvergesslich

„Und es ist die reine Folter. Es ist berauschend. Unvermeidlich. Diese Art von Anziehung ist es. Die Art, bei der man sich völlig sicher ist, dass es dazu kommen wird, nur weiß man noch nicht, wie.“ (S. 17)

Cover und Titel? Ich musste das Buch lesen!

Ich bin nicht eine von denen, die erstmal das ganze Buch nacherzählen muss, um dann zu sagen, dass es elektrisierend war. Ich sag’s gleich: „Half His Age“ hat mich erwischt! Ich habe es in drei Tagen durchgesuchtet, fast gierig, und erst danach gemerkt, wie sehr es mich unterwandert hat.

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Sash Bischoff: Sweet Fury: Zärtlich ist die Rache

Glitzer, Abgründe, Selbstermächtigung oder doch nur schöner Schein?

In unserer neuen Doppel-Rezension widmen wir uns einem Roman, der auf mehreren Ebenen spielt: zwischen Schein und Sein, zwischen Filmset, Rolle, Bewusstsein und gelebter Realität.

Zwei Lesende, zwei Blickwinkel: Wie erleben Olivia Grove und Wolfgang Mebs »Sweet Fury – Zärtlich ist die Rache«?
Ist es ein packendes Psychospiel oder pure Inszenierung? Ein feministischer Fiebertraum oder ein Spiegelkabinett der Eitelkeiten?

Lesen Sie weiter – und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil.

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