Kara McDowell: One Way or Another

Die siebzehnjährige Paige ist schon lange in Fitz verliebt. Vor ein paar Jahren lernte sie ihn in der Schule kennen und schätzen. Heute sind sie beste Freunde. Inzwischen ist Fitz größer als sie und präsentiert ihr immer wieder eine neue Freundin. Für Paige ist dieser häufige Wechsel schmerzhaft. Einerseits möchte sie von ihm geliebt werden, und gleichzeitig hat sie Angst, ihren besten Freund zu verlieren. Soll sie sich ihm offenbaren oder lieber nicht? Und was wäre, wenn sie, als die nächste neue Freundin, nach kurzer Zeit ebenfalls eine der vielen Exfreundinnen würde? Für die Beantwortung dieser Fragen braucht Paige Hilfe.

Die Autorin Kara McDowell lebte wie Paige in der Wüste. In ihrer Danksagung schreibt sie, die Geschichte von Paige sei ihre Persönlichste, weil ihr Romantikerherz mit dem Hang zu Angstzuständen Regie führe.

Auch Paige hat Ängste, und zwar viel mehr als ein einzelner Mensch ertragen kann. Es fällt ihr unendlich schwer, Entscheidungen zu treffen. Ohne dass sie es will, startet in ihrem Kopf ein Prozess, bei dem nur die schlimmsten Folgen aufgezählt werden. Weiterlesen

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Mary Miller: Always Happy Hour

Die US-Amerikanerin Mary Miller (Jahrgang 1977) debütierte 2013 mit dem Roman „Süßer König Jesus“. Danach erschienen 2017 die Kurzgeschichten „Big World“. Beide Bücher wurden hochgelobt. Nun veröffentlichte Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag am 17. Mai 2021 ihren neuen Erzählband „Always Happy Hour“ in einer Übersetzung von Stefanie Jacobs.

Darin finden sich elf kurze Erzählungen über junge und nicht mehr ganz so junge weiße Amerikanerinnen, die sich durch ihr Leben lavieren. In „Anleitung“ erhält eine Frau von ihrem Freund genaue Anweisungen darüber, wie sie seine Wohnung in seiner Abwesenheit (er läßt sich ein neues Tattoo in San Francisco stechen) zu hüten hat. Leider scheint eine der Katzen eine Rasierklinge verschluckt zu haben.

Die Betreuerin in einem Übergangsheim für misshandelte und vernachlässigte Kinder verliert in „Big Bad Love“ ihr Herz rührend aussichtslos an Diamond, einem kleinen Mädchen, das von seinem Vater missbraucht wurde.

In „Er sagt, ich bin ein kleiner Ofen“ geht ein Pärchen mit den Eltern des Mannes auf Kreuzfahrt, die er im Glücksspiel gewonnen hat. Sie machen so lange Fotos von sich wie Kate Winslet und Leonardo di Caprio in „Titanic“, bis sie „perfekt glücklich aussehen“.

In der Titelgeschichte „Always Happy Hour“ verliebt sich Alice in Richie, der einen kleinen Sohn hat. Und sie versucht, die Liebe festzuhalten. Weiterlesen

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London Shah: Water Rising 01: Flucht in die Tiefe

London 2099 liegt komplett unter Wasser. Aber nicht der Klimawandel ist diesmal schuld daran, sondern ein Kometeneinschlag vor 65 Jahren. Die Menschen haben sich arrangiert, ein Leben an der Oberfläche gibt es nicht mehr. Leyla ist erst 16 und doch schon fast allein, denn ihr Vater wurde vor 3 Monaten verhaftet, Grund unbekannt bis vorgeschoben. Trotzdem glaubt Leyla, was ihr über die Gefahren der Tiefe – ist schon ein wenig crazy, dass eine Unterwasserzivilisation sich ausgerechnet vor Gefahren aus den tieferen Wassern fürchtet – und über Ungeheuer und die schrecklichen Anthropoiden von der Regierung erzählt wird. Anthropoiden sind Menschen, die unter Wasser atmen können und auch sonst besser an das neue Leben angepasst sind. Leyla schlägt sich als U-Boot-Fahrlehrerin mehr schlecht als recht durch und erst als sie ein großes Rennen gewinnt, ändert sich daran etwas. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Ari bricht sie auf, um sich endlich nicht mehr auf Anwälte und Auskünfte zu verlassen, sondern ihren Vater selbst zu suchen – und um jede Menge Erkenntnisse zu gewinnen.

Water Rising hat gute und schlechte Seiten. Auf der Plusseite würde ich den Wiedererkennungswert der Unterwasserwelt verbuchen. Es macht immer wieder Spaß, alte Sehenswürdigkeiten mit neuen Augen sehen zu können. Als ganz großes Plus habe ich empfunden, dass sich die Autorin mit Hilfe der Anthropoiden sehr genau mit Vorurteilen, Vorverurteilungen und dem Anderssein allgemein auseinandersetzt. Weiterlesen

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Adelheid Duvanel: Fern von hier: Gesammelte Erzählungen

Womit soll ich anfangen? Vielleicht mit „Luzia mit vierzehn Jahren“ (so der Name der Geschichte), die gerne „spintisiert“, wie es der Vater nennt, und sich dabei frei fühlt, „[ … ] als wäre die Welt durchsichtig, als würden Vergangenheit und Zukunft zu wunderbaren, klaren Bildern verschmelzen, die in Eiern darauf warteten, dass ein freier Mensch sie erlöse [ … ]“

So eigen und oft surreal wie Luzias Gedanken sind auch die Erzählungen der Autorin Adelheid Duvanel. Ihre hinreißenden Texte wimmeln nur so von poetischen sprachlichen Bildern, die mich gefangengenommen haben und hängengeblieben sind. Oft ist die Natur lebendig wie in der Erzählung „Neid“: „Manche Bäume grimassierten, als seien sie gezwungen, unter Wasser zu lächeln, und die Nacht rollte einen schwarzen Teppich über den Rasen.“ Und in „Catalina“ heißt es: „Der Abend ist hellgrün und schaukelt den ertrinkenden Mond.“ Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Autorin auch gemalt hat. Sie schreibt sinnlich, mit wenigen Worten und Wendungen erschafft sie ganze Lebenswelten. Die Szenen scheinen sich wie in einem Film oder auf einem Gemälde vor den Leser*innen aufzubauen.

Die Figuren sind oft Menschen, „[ … ] die mit den Spielregeln der Welt nicht zurechtkommen.“, wie die Herausgeberin Elsbeth Dangel-Pelloquin in ihrem Nachwort schreibt. Viele scheinen mir ein tragisches Schicksal mit sich herumzutragen, aber erstaunlich viele kommen auch damit zurecht, sie arrangieren sich oder finden sogar ein kleines Glück. Neben der Tragik hat aber auch eine hintergründige Komik und Ironie ihren Platz, zum Beispiel in der Erzählung „Ein rasanter Abbau“, in der (in einer Geschichte in der Geschichte) ein Schriftsteller sagt: „In meinem nächsten Buch wird keine Hauptfigur mehr vorkommen und in meinem übernächsten werden auch die Nebenfiguren wegfallen.“ Weiterlesen

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle

Pünktlich zum angekündigten Erscheinungsdatum liegt er im Buchhandel vor: Kommissar Dupins 10. Fall! Für den Autor sicherlich ein Grund zu feiern. Für den Kommissar auch, Duplizität der Ereignisse, der selbst sein zehnjähriges Dienstjubiläum begehen soll. Wer hier an Zufall glaubt unterschätzt die dramaturgischen Schachzüge des Autors. Auch das Erscheinungsdatum ist sorgfältig geplant. In die erste Hitzewelle des Jahres 2021 placiert sich dieser Krimi als Sommer- und Urlaubslektüre. Dass am bretonischen Schauplatz seinerseits eine Hitzewelle den Menschen den Schweiß auf die Stirn treibt, mag nun wirklich ein meteorologischer Zufall sein.

Wiederum kein Zufall ist, dass an der Küste Concarneaus eine männliche Leiche gefunden wird. Der Tote kann schnell identifiziert werden. Er war Schafzüchter und lebte auf der schönen Urlaubsinsel Belle Ile vor Quiberon.  Ebenso zügig konnte die Todesursache ermittelt werden: Er wurde ermordet. Kommissar Dupin hat eine harte Nuss zu knacken. Doch zunächst muss er die Fahrt mit dem Polizeiboot  überstehen, ohne Seekrank zu werden.

Als Schauplatz der Ermittlungen hat der Autor, der unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec schreibt und Jörg Bong heißt, einen der, wenn nicht den schönsten Ort der Bretagne ausgewählt. Mit seiner Wahl bleibt er  seiner Tradition treu und entfaltet hier seine große Liebe für  diese Landschaft. Er nimmt die Lesenden mit und ermöglicht ihnen ein kriminalistisches Reiseerlebnis mit allen Sinnen. Weiterlesen

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Richard Wagamese: Der gefrorene Himmel

Kamloops und Cranbrook in British Columbia, Marieval in Saskatchewan – Orte in Kanada, die in jüngster Zeit in die internationalen Schlagzeilen gekommen sind. Hier wurden die Überreste Hunderter Kinderleichen gefunden, alle in der Nähe von ehemaligen Schulen und Internaten für Kinder indigener Ureinwohner.

Residential Schools waren von religiösen Denominationen geleitete und von der Regierung lizenzierte Internate für indigene Kinder. Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert […] wurde hier den Kindern oft Hunderte von Kilometern von ihren Familien entfernt die Verbindung zu ihrer Kultur und Sprache ausgetrieben, vielfach mit Gewalt. […] Die weitverbreitete sexuelle und psychische Gewalt zerstörte nur allzu oft ihre Bindungs- und Vertrauensfähigkeit.“ (Zitat aus dem Nachwort von Katja Sarkowsky)

Ich-Erzähler Saul Indian Horse stammt aus dem Fish-Clan der nördlichen Ojibwe. Als Kind zieht er mit seiner Familie noch durch die Wildnis, erlernt die traditionelle Lebensweise der Ojibwe, verborgen vor den Weißen, immer auf der Hut vor einem finsteren Wesen, das „Schule“ heißt und schon viele Indianerkinder verschlungen hat. Nach dem Tod seiner Großmutter im Winter 1961 wird der achtjährige Saul aufgegriffen und in die St. Jerome’s Residential School gebracht. Er zieht sich vor dem Grauen in sich selbst zurück, wird zur unauffälligen Randfigur, um zu überleben. Weiterlesen

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Renate Welsh: Die alte Johanna

Renate Welsh knüpft mit ihrem Buch „Die alte Johanna“ an ihren Bestseller „Johanna“ aus den 1980-er Jahren an. Aufgrund eines ausführlichen Vorwortes muss man letzteres nicht unbedingt gelesen haben, um sich in dieser Fortsetzung zurechtzufinden.

Johanna, Bäuerin, Mutter von acht Kindern und verwitwet, zieht zu ihrer Tochter Martha, weil sie zunehmend auf Unterstützung angewiesen ist. Ihr Haus übernimmt ihr Enkel; es gibt also kein Zurück für sie. Obwohl von Martha liebevoll betreut, fällt es ihr anfangs nicht leicht, ihr neues Leben anzunehmen, ist in ihrem neuen Zuhause doch alles anders als daheim auf ihrem Hof und erst recht im Vergleich zu früher, als sie jung war. Schließlich aber, so hat man den Eindruck, gewöhnt sie sich an ihre neue Umgebung.

In Rückblenden erinnert sich Johanna sowohl an alltägliche als auch an besondere Ereignisse in der Vergangenheit. Auseinandersetzungen mit ihrer Schwägerin kommen ihr in den Sinn, Schicksalsschläge in der Nachbarschaft, Mangel an vielem und sie muss sich eingestehen, dass sie ihre Kinder nicht wirklich kennt, weil sie sie zwar versorgt, gekleidet und gewaschen, aber auch geschlagen und keine tiefere Bindung zu ihnen entwickelt hat. Weiterlesen

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Helene Sommerfeld: Die Polizeiärztin 01: Das Leben ein ewiger Traum

Der Markt wird ja gerade überschwemmt von Romanen aus den 20ern und 30ern des 20. Jahrhunderts und seit den Erfolgen von Gereon Rath nimmt auch die Anzahl der Polizeiromane unaufhörlich zu. An diesem Roman hätte mich eigentlich alles abschrecken müssen. Der Name der Autorin und der Titel hören sich in der Kombination verdächtig nach leichter Romance-Kost an, das Cover macht es nicht besser.  Ich habe so manchen als Historischen Roman verkleideten Arztroman in den letzten Jahren frustriert nach den ersten Seiten aufgegeben. Irgendwie bin ich trotzdem an das Buch geraten und muss gestehen, ich habe mich getäuscht. Das Buch ist toll.

Magdas Mann wird getötet, sie verliert danach ihr erstes Kind und es muss ein Neuanfang her. Magda ist selbst Ärztin und bewirbt sich auf eine Anzeige der Berliner Polizei, ohne so ganz genau zu wissen, was das eigentlich ist, eine Polizeiärztin. So springt sie auch ziemlich ins kalte Wasser. Kommt in Berlin an und wird gleich zu ihrem ersten Fall geschickt. Nein, sie ist keine Forensikerin, ihre Aufgabe soll es sein, sich um die betroffenen Frauen und Kinder zu kümmern. Manchmal nur um die Kinder, wenn die Frau das Opfer ist. Sehr schnell begreift sie, zu welchen Taten Mensch in ihrem Elend fähig sind, und dass es immer Kinder gibt, die dabei leiden, selbst wenn sie gar nicht betroffen scheinen.

Magda lernt die Fürsorgerin Ina kennen und reißt diese aus einer Lethargie, die der Frust ihrer Arbeit in vielen Jahren mit sich gebracht hat. Gemeinsam wollen sie die Welt verbessern, soweit sie das in ihren beschränkten Rollen können. Weiterlesen

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Yukiko Motoya: Die einsame Bodybuilderin: Storys

Elf Geschichten von Yukiko Motoya, übersetzt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, erzählen scheinbar normale Alltagsgeschichten, die recht schnell ins Mysteriöse, Bizarre oder Mythologische abdriften. Im Zentrum stehen unterschiedliche Frauen, die aus der traditionellen Frauenrolle ausbrechen.

In der Geschichte Q & A erklärt die altgewordene Q, wie sie im Laufe ihres erfolgreichen Berufslebens mit ihren Reizen gespielt hat. Irgendwann käme die Zeit, in der man sich nur mit Widerwillen an solche Bemühungen um Sexappeal erinnere. „Glauben Sie mir!“ (S. 189)

Die Reduzierung auf ihr Äußeres bringt die Frauen in der Geschichte Freundinnen so sehr in Rage, dass sie sich mit ihren Männern duellieren. Es gilt den Spagat zwischen Gefallenwollen und Authentizität zu schaffen. Auf der einen Seite suchen die unterschiedlichen Ich-Erzählerinnen ihr wahres Ich, und auf der anderen Seite sind sie in der Ehe Prozessen der Veränderung ausgesetzt. Diese Veränderungen treten dann nach außen und schaffen zwischen den Partnern mitunter ungewollt Gemeinsamkeiten, wo es vorher eine klare Trennung gab. Weiterlesen

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Torsten Sträter: Sträters Gutenachtgeschichten: Die gesammelten Horror-Storys

Wer hier den Kabarett-Sträter erwartet, der sei gewarnt: Denn in diesen Horrorgeschichten aus seiner Anfangszeit als Schriftsteller geht es düster, blutrünstig und gruselig zu. Aber natürlich darf auch eine Prise schwarzer Humor nicht fehlen. Die 27 Kurzgeschichten in diesem Sammelband sind zwischen 2003 und 2006 entstanden – viele Jahre bevor Torsten Sträter seinen Weg auf die Bühne fand. Und an manchen Stellen merkt man ihnen das Alter natürlich auch an. So gibt es in den Geschichten noch Faxgeräte oder das supermoderne 😉 Nokia Handy. Und fast immer hört jemand WDR4. Der Horror jedoch ist zeitlos. Neben dem klassischen Werwolf oder einem Voodoo-Zauberer darf auch Satan höchstpersönlich nicht fehlen. Daneben gibt es aber auch sanftere, fast leise  Geschichten wie „Nachtprogramm“ in der der verstorbene Ehemann jede Nacht in einer Nebenrolle  im Fernsehen erscheint.

Die Geschichten sind immer etwas skurril, spielen mit Klischees ohne sich darin zu verlieren Weiterlesen

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